vielleicht kannten wir uns schon als blumen, die ihr gesicht nebeneinander der sonne entgegen reckten
vielleicht kannten wir uns schon als steine, die sich stumm und reglos lange, lange gesellschaft leisteten
vielleicht waren wir schon zwei noten derselben melodie, zwei wellen desselben meeres
vielleicht zogen wir schon als wolken am himmel über landschaften her, und hausten als zwei schnecken unter demselben blatt
vielleicht flossen wir schon als zwei regentropfen an einer fensterscheibe um die wette
und leuchteten einander im schwarzen, leeren raum als zwei sterne
vielleicht fanden wir uns schon in so vielen farben und formen, dass nur diese eine uns noch fehlte:
und so lernten wir uns kennen als menschen.
und fühlten und lebten alles, was das menschsein bietet
die liebe, den kummer, die freude, die reue
verloren uns beinahe in seinem chaos doch nur beinahe —
denn wir fanden einander wieder, so, wie wir es immer tun
und wer weiß, vielleicht werden wir im nächsten leben zwei eichen die ihre äste so lange nacheinander strecken — jahrhundertelang — bis sie sich berühren





















