Die Frage stelle ich in einem Interview mit Brigitte Baez in der DLF-Sendung "Markt und Medien" gestern. Und ich sage, es sei ethisch in Ordnung, die TĂ€ter der Silvesternacht als "MĂ€nner nordafrikanischen Aussehens" zu bezeichen.
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Die Frage stelle ich in einem Interview mit Brigitte Baez in der DLF-Sendung "Markt und Medien" gestern. Und ich sage, es sei ethisch in Ordnung, die TĂ€ter der Silvesternacht als "MĂ€nner nordafrikanischen Aussehens" zu bezeichen.

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An interactive finance thriller that sounds the death knell for bank secrecy
GlĂŒckwĂŒnsche an Jakob Vicari (@Vicari) fĂŒr seinen Erfolg mit dieser Doku beim Deutschen Wirtschaftsfilmpreis. Ein wunderbares und auf kluge Weise interaktives StĂŒck Scrollytelling.
Vergessen Sie Clicks, bauen Sie Communities!
Medienblogger Christian Jakubetz auf der Konferenz âDigitaler Journalismusâ des Instituts fĂŒr Journalistik und Kommunikationswissenschaft heute in Hamburg
Mönche und Journalisten prĂŒfen gemeinsam die Idee eines konstruktiven Journalismusâ
âGood news are bad newsâ â so lernt es jeder Journalist. Doch Leser, Zuschauer und User erwarten heute neben dem ungeschminkten Blick auf Krisen und Konflikte auch Antworten auf die Frage âWas kann man tun?â Ebenso diskutieren Journalisten ĂŒber einen konstruktiven Journalismus, wie ihn der DĂ€ne Ulrik Haagerup verficht. Sogar Spiegel-online verordnet sich einen positiveren Blick auf die Welt. Nur: Wie bleiben Journalisten dabei zugleich kritische AufklĂ€rer? Nach welchen Regeln funktioniert ein Journalismus des Guten?
Diese Fragen erörtern Journalisten und Mönche gemeinsam bei der Tagung âGibt es den Journalismus der guten Nachricht?â vom 13.-15. 11. 2015 im Benediktinerkloster KönigsmĂŒnster in Meschede, Sauerland. Es handelt sich um die fĂŒnfte Tagung der Reihe âklosterberg 11 â Medien  treffen Möncheâ. ImpulsvortrĂ€ge kommen diesmal von Dr. Jost LĂŒbben, Chefredakteur der âWestfalenpostâ in Hagen, sowie von Pater Marian Reke OSB.
Die Tagungsreihe ist auf Non-Profit-Basis organisiert. Sie hinterfragt Klischees: Hartgesottene Medienprofis treffen weltabgewandte Denker â stimmt das wirklich? Das Treffen regt Kirchen- und Medienmenschen an, zur Besinnung zu kommen und ihren Standort zu bestimmen.
Anmeldung und Info: Abtei KönigsmĂŒnster, Bruder Anno, Klosterberg 11, 59872 Meschede, Tel. 0291-2995-210, [email protected]
Vorbereitungsteam der Tagung:
Susanne   Schlenga, Redakteurin ([email protected],   02331-917 42 04)
Dr. Christian Sauer, Journalist und Coach ([email protected], Â Â 040-50 79 69 04)
Br. Anno SchĂŒtte OSB ([email protected], Â Â 0291-29 95-0)
Dr. Christoph Werth, Uni Bonn ([email protected], Â Â 0361 - 379 47 15)
In ZĂŒgen und zu FuĂ auf der Autobahn bewegen sich tausende FlĂŒchtlinge seit Tagen gen Norden. Eine zentrale Zwischenstation ist der Bahnhof in Budapest. Unser Autor Frank Keil ist vor Ort und berichtet ĂŒber seine Begegnungen mit Helfern und FlĂŒchtlingen. Kurz nach Mitternacht. In meiner kleinen, tagsĂŒber so schnuckeligen StraĂe ist in den verschiedenen Bars auch diese Nacht schwer Party ang ...
Tolles Reportage-Projekt von Frank Keil, dem Hamburger Freien mit der sehr eigenen Stimme: Budapest-TagebĂŒcher.

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Beschwingte und inspirierte Diskussion gestern abend beim Blattkritik-Salon Hamburg. In unserem dritten Salon hatten wir mit Max Dax von âElectronic Beatsâ und Ale Dumbsky von âReadâ quasi ein Traumteam zu Gast. Jeder auf seine Weise hat sich die Freiheit erkĂ€mpft, seine kreativen Konzepte und Ansichten in die Welt zu bringen. Der eine (Dax) ĂŒber eine Art Kundenmagazin der Telekom, die ihm dabei viel Freiheit lieĂ; der andere (Dumbsky), indem er einfach schreibt und druckt und verteilt, was er will. â FĂŒr Blattkritiker Michael Hopp, Gastgeberin Elisabeth Frenz und mich als Moderator war das super spannend. 35 GĂ€ste genossen es sichtlich, zwei weitgehend selbstbestimmten und sinngetriebenen Blattmachern zu begegnen. Ein Profi-GesprĂ€ch auf hohem Niveau in den schönen RĂ€umen von hoppundfrenz in Hamburg. (Foto: Signe Raunkjaer)
Neulich in LĂŒbeck: Vortrag beim Kooperationsnetzwerk Wirtschaftsförderung ĂŒber âStarke Texteâ. 400 FachkrĂ€fte, SelbstĂ€ndige und Unternehmer interessierten sich fĂŒr das Thema. Ich sprach ĂŒber geschriebene Texte, Stefan Goes aus LĂŒbeck ĂŒber gesprochene. Ein schöner Abend, bei dem wir beiden Referenten das GefĂŒhl hatte, tief in die Sprachwelten der deutschen Wirtschaft einzutauchen. Jenseits von Denglisch und BĂŒrokratendeutsch gibt es dort auch viel zu sagen und starke Persönlichkeiten!
Blattkritik-Salon Hamburg, zweite Ausgabe, gestern abend mit
Bernd Runge, Verleger und Chefredakteur des metroglobalen MĂ€nnermagazins âNoahâ
Jan Thomas, Verleger und Herausgeber von âBerlin Valley Newsâ und âThe Hundertâ.
Spannende GĂ€ste, spannendes Fachpublikum mit erstklassigen Art Directors und Magazinprofis. Wir drei Blattkritik-Salon-GrĂŒnder - Elisabeth Frenz, Michael Hopp (beide hoppundfrenz) und ich â waren hoch zufrieden. Das neu Format findet sich, das Interesse ist groĂ. Michael lĂ€uft als Blattkritiker zu Bestform auf und ist kaum noch zu stoppen, wenn er sich erst mal richtig in ein Blatt reingebissen hat.
Brauchen wir ein âRatgeber-Watchâ als Medienkritik?
Der Trainerkollege Mario MĂŒller-Dofel hat einen Beitrag auf der Online-Seite der Wirtschaftswoche seziert. Da wird mit den allereinfachsten Mitteln das komplexe PhĂ€nomen Körpersprache erklĂ€rt. Hier MĂŒller-Dofels Kritik.
Mich brachte das auf die Idee, eine regelmĂ€Ăige Medienkritik fĂŒr Ratgeber-Seiten anzubieten. Hier mein Kommentar zu MĂŒller-Dofels Text auf www.abzv.de/gespraech:
âSuper, dass sich mal jemand mal die MĂŒhe macht, ein Ratgeber-Angebot zu analysieren und zu kritisieren. Es ist teilweise hanebĂŒchen, wie an sich richtige Beobachtungen (z.B. "Körpersprache spielt eine wichtige Rolle in der Kommunikation") in absurd vereinfachte Tipps umgesetzt werden. Dann ist plötzlich alles ganz einfach: Der richtige Satz, die richtige Handbewegung, der passende Gesichtsausdruck - und jedes Problem der Welt ist gelöst. Das ist natĂŒrlich Quatsch. Gerade Kommunikation bleibt hoch komplex, selbst wenn man sich lange damit beschĂ€ftigt. Forschungsergebnisse, kluge Modelle und daraus generierte Ratgeber-Tipps können wirklich helfen, im Job und im Leben besser zurechtzukommen, aber eben nicht, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht werden. Es brĂ€uchte eigentlich mal eine Art Ratgeber-Watch analog zu Bildblog und Lobbycontrol. Das könnte helfen, eine Art Mindeststandard der Differenzierung bei medialen RatgeberbeitrĂ€gen zu verteidigen.â
Erster Blattkritik-Salon Hamburg lotet SpielrÀume aus
Ein neues Veranstaltungsformat fĂŒr die Hamburger Medienszene entwickeln â das ist ein ziemlich ehrgeiziger Plan. Gestern abend fand der erste Blattkritik-Salon Hamburg statt, und er war so lebhaft, gedankenreich und voller Begegnungen, wie wir Initiatoren es uns vorgestellt hatten.

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Keine Angst vor Robotern!
Spannende Begegnung gestern mit Cord Dreyer, dem frĂŒheren Chefredakteur der Nachrichtenagentur dapd (bei einem Vortrag fĂŒr die Internationalen Journalisten-Programme in Hamburg). Dreyer hat ein Unternehmen fĂŒr Roboter-Journalismus gegrĂŒndet â und wĂŒrde genau das vehement bestreiten. Seine text-on GmbH in Berlin macht aus Daten Texte. Eine erstaunlich gut arbeitende Software schafft es tatsĂ€chlich, grammatisch korrekte, sprachlich durchaus variantenreiche Texte aus Excel-Dateien, Datenbanken etc. zu erzeugen. Und zwar automatisch beziehungsweise auf Knopfdruck, wie Dreyer vorfĂŒhrte: zum Beispiel rund 60 kurze Börsenberichte in drei Sekunden.
Roboter-Journalismus ist das, was Dreyer macht, gleichwohl nicht so richtig. Es funktioniert nĂ€mlich nur in eng definierbaren Themenfeldern, etwa in der Sport- oder Börsenberichterstattung. Zweitens denkt er bei den Anwendungen weit ĂŒber den Journalismus hinaus â schon deshalb, weil in den Medien zurzeit nicht genug Geld zu verdienen ist mit so einem Start-up. Da sind Versicherungen, Ărzte und BörsenhĂ€ndler die besseren Kunden.
Journalismus wird daraus auch deshalb nicht so richtig, weil Dreyers Roboter-Programme âkeine Quotes, keine Farbe, keine Emotionâ können, wie er sagt. Also muss die Edelfeder nicht bangen. Roboter schreiben keine klassischen journalistischen Formen. Und sie ersetzen keinen Redakteur oder Reporter.
DafĂŒr können die Programme in Nullkommanichts Texte produzieren, die sonst nie geschrieben wĂŒrden. Zum Beispiel Spielberichte aller B-Jugend-Kreisklasse-Spiele im Main-Taunus-Kreis. Oder Kurzberichte zur Entwicklung am Immobilienmarkt im Kreis MĂ€rkisch-Oderland. Oder Kurzzusammenfassungen aller GeschĂ€ftsberichte von börsennotierten Unternehmen in der IHK-Region Nordschwarzwald. Alles standardisiert, aber ordentlich zu lesen und nicht langweilig.
Interessiert jeweils nur ein paar Leute. Die jedoch so sehr, dass sie das Roboter-Geschreibsel unbedingt lesen wollen. Wodurch eine Regionalzeitung ihre Reichweite ein bisschen erhöht. Und mit viel Roboter-Einsatz auch ein bisschen mehr. Und ĂŒber die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten mĂŒsste man ja erst mal nachdenken.
Mein Fazit: Keine Angst vor Robotern! Leute wie Dreyer arbeiten an einer spannenden Innovation, die auch MedienhÀusern eine Menge Möglichkeiten bieten könnte. Falls sich dort jemand findet, der mal ein bisschen experimentieren möchte.
Beim Thema Honorare: umschalten auf "Manager"
Interviews machen dem Interviewten SpaĂ, wenn die Fragen ihn auf neue Gedanken bringen. So ging es mir gerade im GesprĂ€ch mit dem Kollegen Benjamin O'Daniel, der fĂŒr den "Journalist" einen Beitrag zum Thema "Honorare verhandeln" vorbereitet â ĂŒbrigens im Rahmen einer sehr lesenswerten Serie der DJV-Verbandszeitschrift. Mir wurde noch mal neu klar, wie schwierig es fĂŒr viele Freie ist, von der Rolle "kreativer Journalist" in die Rolle "mein eigener Manager" umzuschalten. Genau das mĂŒssen sie aber tun, wenn ihr Thema besprochen ist und jetzt zu klĂ€ren ist, was dafĂŒr bezahlt wird. Dann geht es nĂ€mlich darum, selbstbewusst als Erster die Honorarfrage anzugehen. Wer wartet, bis der Redakteur eine Zahl nennt, hat schon die ersten Euros verloren. Darum soll es auch in meinem Freischreiber-Webinar am Mittwoch, 29.10.14, um 16 Uhr gehen.
Indiecon 2014: ein paar Statements
Hier ein paar Zitate von der Indiecon 2014, einem Treffen der Macher unabhĂ€ngiger Zeitschriften. (GroĂes Kompliment an die BrĂŒder Malte und Arne Brenneisen und ihr Team fĂŒr diese zwei dichten und inspirirenden Tage in feiner Hamburger Location.)
Es sprach "Dummy"-Herausgeber Oliver Gehrs:
"Wer heute ein intelligentes Magazin machen will, muss es ohne Anzeigenkunden machen."
"Zu einem Magazin gehört ein bisschen mehr als ein beseelter Grafiker, der auch noch Freunde hat, die ein paar Texte liefern können."
Es sprach "Brand eins"-Chefredakteurin Gabriele Fischer:
"Offenbar sind GroĂverlage nicht gerade das Feld fĂŒr publizistische Innovation. Die haben keinen langen Atem. Es muss sofort laufen."
Es sprach Ale Dumbsky von der Zeitschrift "Read":
"Wir haben keine Lust, irgendwelchen Leuten unseren Kram zu erlĂ€utern â egal ob einem Verlag, einer Bank oder einem Investor. Da will ich gar nicht drĂŒber nachdenken."
"Print heiĂt: Das wird gedruckt. Und dann ist allen klar: Man muss sich mehr MĂŒhe geben."
Es sprach Nikolaus Förster, Chefredakteur von "Impulse":
"99 Prozent der Ideen von PR-Agenturen werden abgebĂŒgelt, weil sie absolut irrelevant fĂŒr einen hochwertigen Journalismus sind."
Der gröĂte Hemmschuh im Online-Journalismus im Moment sind die klassischen Vermarktungsstrukturen.
Jochen Wegner von Zeit-online beim Scoopcamp 2014
Jedes Online-Medium muss seine IdentitÀt verstehen und dann aus der Vielfalt der Möglichkeiten die Angebote identifizieren, die man machen will und mit denen man die Seite weiterentwickeln kann.
Anita Zielina von stern.de beim Scoopcamp 2014

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Ăber 'Snowfall' haben die Entwickler gegĂ€hnt, fĂŒr die Journalisten war es ein Urknall.
Jochen Wegner von Zeit-online beim Scoopcamp 2014
Der spröde Charme des Codes: Wie Journalisten mit Programmierern zusammenarbeiten
Hier ein Beitrag von mir, der kĂŒrzlich in der Medienzeitschrift âMessageâ erschienen ist:
Eine App-Entwicklung mit der Redaktion einer Technik-Zeitschrift â das versprach spannend zu werden. Michael Dreyer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hamburger Softwarefirma Empony, freute sich auf die erste Projektsitzung. Mit der Chefredaktion war alles vorbesprochen, jetzt sollten die Journalisten Ideen fĂŒr die Inhalte der App liefern. Doch die Redakteure saĂen mit verschrĂ€nkten Armen da. âJetzt erzĂ€hlen Sie mal, was da laufen soll, Sie hatten ja Hausaufgaben!â, blaffte einer den Software-Entwickler an.
Toller Auftakt fĂŒr ein komplexes Projekt. âAuf uns als externe Dienstleister wirken Redaktionen wie eine in sich geschlossene Maschinerie, deren Funktion und Regeln wir nicht kennenâ, beobachtet Dreyer. Software-Experten wie er brauchen Erfahrung, Geduld und ein dickes Fell, um mit Journalisten zu arbeiten. Sie treffen auf Projektpartner, die ihnen schlecht organisiert erscheinen und fĂŒr die der nĂ€chste Beitrag und das eigene Standing offenbar immer wichtiger sind als die neue App. Zuweilen mĂŒssen sie sogar Hierarchie-Konflikte klĂ€ren und eine gemeinsame Sprache finden, bevor die eigentliche Arbeit beginnen kann. âIn solchen FĂ€llen mĂŒssen wir quasi nebenbei ein gutes Projektmanagement aufziehen, damit ĂŒberhaupt etwas passiertâ, stöhnt Dreyer.
TatsĂ€chlich sind Programmierer fĂŒr viele Journalisten noch immer Wesen vom anderen Stern â und werden deshalb eher als Gegner denn als Partner wahrgenommen. Das ist erstaunlich, denn die Zusammenarbeit mit den Experten von der technischen Seite spielt eine entscheidende Rolle fĂŒr neue journalistische Angebote und damit fĂŒr die Medienzukunft. Wer seine Marke weiterentwickeln will, braucht Fachleute, die sagen, was geht und wie es geht. Jemand muss den Weg vom Scribble oder Screen-Dummy zur fertigen App oder Website austĂŒfteln und in Algorithmen umsetzen - das Ganze meist auch noch unter Zeitdruck und bei knappem Budget. Die Inhalte-Produzenten kommen ohne gute Programmierer nicht voran â und umgekehrt.
Das magische Viereck redaktioneller Projekte
Da lĂ€ge es nahe, fĂŒr gute Kooperation und reibungslose AblĂ€ufe zu sorgen: Jedes Abstimmungsproblem zwischen Journalisten und Entwicklern kostet Zeit und Geld. Egal ob es eine neue Website werden soll, ein E-Magazine, eine App fĂŒr Smartphone und Tablet, eine interaktive Datengrafik oder ein multimediales Dossier â immer braucht es ein Team, in dem Programmierer zumindest mitwirken. Zusammen mit den Journalisten, den Mediengestaltern und den Kaufleuten im Medienbetrieb bilden sie ein magisches Viereck der Kooperation. Im Idealfall verstehen Vertreter aller vier Seiten ihre Aufgaben in dem Projekt sehr genau. Dann haben sie auch ein GrundverstĂ€ndnis fĂŒr die Denkweise und die AblĂ€ufe der anderen. Im Normalfall jedoch holpert und hakt es mĂ€chtig, weil die eine Seite nicht weiĂ, was die andere tut; weil Ziele und Rollen unklar sind.
Die gröĂte Kluft tut sich dann meist zwischen Journalisten und Programmierern auf, denn ihre Zusammenarbeit ist neu. Print-Redakteure haben schon im Volontariat gelernt, mit Grafikern umzugehen. Fernsehprofis kennen die Eigenarten von Kameraleuten. Die allermeisten Journalisten jedoch mĂŒssen sich in die Logik des Codeschreibens von null an hineindenken. Wobei heute niemand mehr fordert, jeder Journalist mĂŒsse selbst programmieren können.
Wichtig sei es aber, dass Journalisten âerkennen, was ein technisches Werkzeug leisten kannâ, sagt Jeff Jarvis. KĂŒnftig mĂŒsse zudem jeder Journalist in der Lage sein, âmit Programmierern zu kommunizierenâ, mahnt der Journalismus-Professor an der City University of New York. DafĂŒr allerdings ist es hilfreich, sich in einer Programmiersprache wie Javascript oder HTML5 wenigstens einmal versucht zu haben, merkt der britische Onlinejournalismus-Blogger Paul Bradshaw an. Mancher entdeckt dann vielleicht den spröden Charme des Codes.
Begriffsverwirrung: Niemand traut sich zu fragen
In den meisten Projektteams sind Journalisten wie Programmierer durchaus willig, sich zu verstÀndigen. Es fehlt aber schon an einer gemeinsamen Sprache. Das lÀsst sich gut bei einem Hackathon beobachten, wenn Programmierer und Journalisten unter Zeitdruck neue Ideen umsetzen wollen. Die meist jungen Beteiligten werfen mit Fachbegriffen um sich: APIs, Customizing, Elite-Funktionen. Bittet man die Beteiligten hinterher um Definitionen, stellt sich heraus, dass keineswegs alle das gleiche darunter verstehen. Nachfragen hÀtten allerdings unprofessionell erscheinen können.
FĂŒr einen anderen Weg entschied sich der erfahrene Printredakteur Gisbert Strotdrees, als er in eine Projektgruppe fĂŒr einen Website-Relaunch berufen wurde. Hover-Effekt, CSS-Focus-State, Canonical tag â das waren Begriffe, die in der Redaktion des Landwirtschaftlichen Wochenblatts aus MĂŒnster nicht gelĂ€ufig waren. âIch habe dauernd gefragt, was diese Fachbegriffe bedeuten â und vor allem: welche Rolle sie fĂŒr unser Projekt spielenâ, erinnert sich Strotdrees. Weil er neugierig war und mit seiner Unkenntnis nicht hinterm Berg hielt, wurde er zu einer Art Ăbersetzer zwischen Redaktion und Programmierern. Das wiederum entlastete seinen Projektleiter, den stellvertretenden Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann.
Trotz seines Engagements fĂŒr eine gute VerstĂ€ndigung resĂŒmiert Strotdrees: âEin Relaunch ist kein Stuhlkreis. Eines der vier beteiligten Teams musste die letzte Entscheidungsbefugnis haben. In unserem Fall war klar: Die lag bei der Redaktion, genauer: der Chefredaktion.â Das Beispiel zeigt: Zur guten Kooperation gehören klare Strukturen. Es braucht mindestens eine Projektkoordination, bei gröĂeren Projekten sogar eine Projektleitung â mit Weisungsbefugnis. Das ist neu fĂŒr viele MedienhĂ€user, in denen die so genannte Linienorganisation dominiert, die Einteilung der Redaktion in Ressorts oder Abteilungen. Eine Projektkultur mit flachen Hierarchien und hĂ€ufig wechselnden ZustĂ€ndigkeiten, wie sie in Softwarefirmen ĂŒblich ist, muss sich in vielen Redaktionen erst noch herausbilden.
Leitung muss sein, flache Hierarchien aber auch
Sicher ist: Ohne erkennbare Leitung zerfasern Projekte, verzögern sich Entscheidungen, werden so genannte FlaschenhĂ€lse, vor denen sich Aufgaben stauen, zu spĂ€t erkannt. Das bestĂ€tigen Experten wie Jens RadĂŒ, Leiter des Multimedia-Ressorts bei Spiegel Online: Er bezeichnet ein professionelles Projektmanagement als âKernkompetenz fĂŒr multimediales ErzĂ€hlenâ. Der freie Reporter Jonathan Sachse (Mitautor des viel gelobten âTour de Franceâ-Specials auf Zeit Online) rĂ€t: âTeamstruktur straffen!â Der Ansatz âSetzen wir uns doch mal zusammen und entwickeln wir was Schönes â werde der Vielzahl der Beteiligten und deren Interessen nicht gerecht. âKoordination und Zeitmanagement werden immer wichtiger fĂŒr gute Ergebnisseâ, sagt Sachse.
Wer redaktionelle Projekte koordiniert, muss dafĂŒr sorgen, dass alle mit ihren FĂ€higkeiten zum Zuge kommen. Nun haben aber Programmierer in manchen Verlagen das Image unkreativer Verhinderer â ein Fehler, findet Jonathan Sachse. Ein guter Programmierer ist eben kein âMr Njetâ, der dauernd abwinkt, wenn die Redakteure mal wieder auf Höhenflug gehen. Er oder sie ist auch mehr als ein bloĂer Umsetzer journalistischer Ideen. Sachse: âMan sollte diese Experten schon frĂŒh in den kreativen Prozess mit hineinnehmen â gemeinsam entwickelte Ideen sind oft die besten.â
Das Distanzproblem fĂ€ngt oft schon bei den RĂ€umen an: Wenn die Redakteure mehrere Stockwerke von den Programmierern entfernt sitzen, erschwert das die Zusammenarbeit. âJournalisten und Programmierer gehören â wenigstens in den heiĂen Projektphasen â in einen Raumâ, sagt Sebastian Horn, Projektexperte bei der Sourcefabric GmbH in Berlin, die Open-Source-Software fĂŒr Redaktionen entwickelt. Man muss auf Zuruf miteinander arbeiten können: âAus mancher schönen Idee wird nichts, weil sie am Rande dahingesagt wird und niemand sie aufnimmtâ, beobachtet Horn: âDas passiert in einem Projektraum, wo alle vorĂŒbergehend vom Arbeitsalltag abgeschirmt sind, viel seltener.â
Fest und frei: das Zusammenspiel funktioniert nach neuen Regeln
Eine zweite informelle Hierarchielinie durchzieht redaktionelle Projekte: Sie trennt Feste und Freie. Wer drin ist im Unternehmen, beansprucht weitergehende Rechte. Wer von auĂen kommt, muss um seine Position kĂ€mpfen. Das sorgt fĂŒr Reibereien. Auch dagegen hilft jedoch eine professionelle Projektleitung, die Externe integriert sowie ZustĂ€ndigkeiten und Rollen klĂ€rt. Wer Freie wie billige Zuarbeiter behandelt, riskiert, dass kreative SelbstĂ€ndige (egal ob Journalisten oder Software-Experten) sich abwenden und ihre Erfahrung anderswo einsetzen. FĂŒr deutsche VerlagshĂ€user, denen Innovation bekanntlich Ă€uĂerst schwerfĂ€llt, ist das eine veritable Bedrohung.
Digitaljournalistische Projekte können Verlage lehren, das Gegenteil zu tun, nĂ€mlich genau hinzusehen, wie AblĂ€ufe und Strukturen der Medienproduktion sich zurzeit verĂ€ndern â von starr zu flexibel und von dauerhaft zu zeitweise. Ohne hoch qualifizierte und selbstbewusste Partner von auĂen wird man scheitern. Es kommt also darauf an, erfahrene Programmierer und technisch qualifizierte Journalisten anzuziehen und zu binden.
Hat man sie erst einmal im Unternehmen, gilt, was Michael Maness, Leiter des Innovationsprogramms der Knight Foundation, den Medienmanagern zuruft: âTechnisch Hochqualifizierte mĂŒsst ihr schneller befördern und besser bezahlen!â Gleichwohl wird es nicht gelingen, alle technische Kompetenz im Haus verfĂŒgbar zu halten. Gebraucht wird ein Netzwerk aus festen und freien KrĂ€ften, die punktuell gemeinsam Höchstleistung bringen. Und die entscheidenden Impulse dafĂŒr mĂŒssen aus der Redaktion kommen; sie muss das Netzwerk als starker Kooperationspartner zusammenhalten.
So weit ist man vielerorts noch nicht. Software-Entwickler Michael Dreyer von Empony hat sich vorerst daran gewöhnt, dass Redaktionen schwierige Partner sind. Die ĂŒblichen Wirren am Projektstart nimmt er gelassen. Geduldig klĂ€rt er Ziele und AblĂ€ufe mit allen Beteiligten. Aber ganz gibt er die Hoffnung noch nicht auf, dass die Redaktionen ihr Projektmanagement professionalisieren: âEs wĂ€chst ja eine Generation nach, die schon im Studium mit Programmierern zusammenarbeitet â die werden hoffentlich einmal als BrĂŒckenbauer fungieren.â
FĂŒnf Tipps fĂŒr eine gute Projektleitung
Nicht aufblÀhen! Das Kernteam eines Redaktionsprojekts sollte nicht mehr als acht bis zehn Personen umfassen. Sind mehrere Teilteams beteiligt, muss es eine Steuerungsgruppe geben.
Fragen! Ermutigen Sie alle dazu, VerstĂ€ndnisfragen zu stellen. Begriffe mĂŒssen klar definiert werden. Oft hilft eine âWand der Begriffeâ im Projektraum oder ein Glossar im Intranet, in der Dropbox oder auf Trello.com.
WeiĂwurst-Prinzip: Projektarbeit braucht Phasen der Ideensuche, in denen alles erlaubt ist. Und ebenso Phasen des Aussortierens, Entscheidens und Abarbeitens. Diese Phasenfolge muss die Projektleitung gestalten. Grafisch dargestellt sĂ€he der Verlauf aus wie die Produktion einer WeiĂwurst: ausweiten, bĂŒndeln, ausweiten, bĂŒndelnâŠ
QuĂ€lgeister vom Tisch! Da die Mitarbeiter in einem digitaljournalistischen Projekt natĂŒrlich alle super vernetzt sind, liegen bei Besprechungen jede Menge Smartphones und Tablets auf dem Tisch. Aber Projektzeit ist kostbar. Die Technik gehört in den Hintergrund. Technische GerĂ€te sollten nur erlaubt sein, wo sie unmittelbar zum Erfolg beitragen.
Problem Erlöszwang: Verlage sehen Digitalprojekte oftmals nicht als Experiment mit offenem Ergebnis, sondern als Weg zur raschen Monetarisierung medialer Inhalte. Aber gerade engagierte Journalisten und Social Media-erfahrene Entwickler blockieren, wenn sie unter ĂŒbergroĂen Erlöszwang gesetzt werden. Die Projektleitung sollte FreirĂ€ume schaffen und diese verteidigen.
Info zum Autor:
Dr. Christian Sauer ist Journalist und Redaktionscoach in Hamburg. Er arbeitet als Dozent zu Redaktionsleitung und redaktionellem Projektmanagement, Info: www.christian-sauer.net