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Unfalltod des Journalistenkollegen Jean-Claude Wolff - Reaktionen
(mt) - So reagierte die Netzwelt auf den Tod des Journalistenkollegen Jean-Claude Wolff, der am Freitagabend beim einem Autounfall ums Leben kam.
Luc Frieden, der Ersatz-Finanzminister in der Sendung "Kloertext"
von Marc Thill
Die Sendung "Kloertext" im RTL-Fernsehen befasste sich am Sonntag mit dem Thema Staatshaushalt 2014. Eine wohl dankbare aktuelle Debatte, nur fehlte ihr der derzeit wohl wichtigste Akteur in Sachen Budget: der neue Finanzminister Pierre Gramegna. Man habe ihm vier Daten fĂŒr die Sendung vorgeschlagen, rĂ€umte die "Kloertext"-Moderatorin Caroline Mart im Laufe der Sendung ein, doch habe Gramegna keine Zeit fĂŒr RTL gehabt. "Ist das nun der neue Kommunikationsstil der  Regierung?", twitterte hierauf der CSV-Abgeordnete Serge Wilmes.
#Gramegna keng ZĂ€it am #Kloertext Ried an Ăntwert ze stoen obwuel 4 Datumer virgeschloen krutt? Neie Kommunikatiounsstil vu Gambia?
â Serge Wilmes (@SergeWilmes)
9 Mars 2014
Wie dem auch sei, die RTL-Zuschauer mussten sich jedenfalls am Sonntagabend eine geschlagene Stunde mit dem Senior der Finanzen in Luxemburg, dem ehemaligen Finanzminister Luc Frieden, ... zufrieden geben, und der wirkte dann auch noch wie Ersatzkaffee: nicht der Richtige, dafĂŒr aber auch nicht schlafstörend. Man sah Frieden an, dass er noch nicht in seine neue Rolle des Oppositionspolitikers geschlĂŒpft ist. Er gab sich wie zu Regierungszeiten, unpolemisch, sehr belehrend, sehr pĂ€dagogisch, ja, fast schon staatsmĂ€nnisch: Warum, weshalb, wieso ...?
PĂ€dagogisch war ĂŒbrigens ein immer wiederkehrender Begriff in dieser Sendung. EugĂšne Berger, einst Schullehrer, sagte, er finde das Budget von der Form her sehr pĂ€dagogisch. Viviane Loschetter (DĂ©i GrĂ©ng) lobte, es sei sogar sehr einfach und verstĂ€ndlich fĂŒr die BĂŒrger und zog auch ganz lehrhaft Vergleiche mit Portemonnaies und SparbĂŒchsen... Der LSAP-Fraktionsvorsitzende Alex Bodry sagte derweil, das Budget sei eben sachlich.
Wo ist das vielbeschworene "mehr mit weniger"?
PĂ€dagogisch, sachlich oder einfach? Eine komplett andere Sicht hatten die Oppositionspolitiker. Gast GibĂ©ryen (ADR) suchte nach den neuen Akzenten und vermisste die Politik im Budget. Justin Turpel (DĂ©i LĂ©nk) wollte in der Sendung unbedingt dem Finanzminister Gramegna einen Oscar verleihen, wohl dafĂŒr, dass er in die falsche Rolle geschlĂŒpft sei, der Minister wolle partout nicht an der richtigen Stelle sparen: âNe touche pas au grand fricâ - Zitat Turpel. Und Luc Frieden? Man könne Form und Inhalt bei einem Budget nicht trennen, so der CSV-Abgeordnete. Jedenfalls stehe das Budget nicht in Einklang mit dem, fĂŒr das die neue Regierung angetreten sei, und zwar fĂŒr "mehr mit weniger".
#Kloertext: #Frieden au-dessus de la mélée... Sachlech, kompetent, onpolemesch
â Claudine Konsbruck (@konsbruckcla)
9 Mars 2014
Frieden und auch GibĂ©ryen wiesen darauf hin, dass die Regierung das Budget deshalb ins Gleichgewicht bekĂ€me, weil es Mehreinnahmen verzeichne. So wurden auf Einnahmenseiten 500 Millionen Euro mehr, davon 400 Millionen ĂŒber den demnĂ€chst versiegenden Geldstrom aus dem elektronischen Handel, verbucht. Gespart werde an und fĂŒr sich nur bei den Studenten, sagte GibĂ©ryen, 35 Millionen Euro 2014 und das Doppelte 2015. Die 137 Millionen, die bei den Investitionen gestrichen wurden, seien auch keine SparmaĂnahmen, genauso wie die 9 Millionen fĂŒr Staatsbeamte, die man nicht einstellen wolle, so der ADR-Politiker.
Die Meisch-Stipendien und die Gramegna-TVA
Die Studentenfinanzierung belebte die Sendung, wobei die Regierungsvertreter hinwiesen, es sei nun halt eben vorbei mit der GieĂkannenpolitik. Die Meisch-Stipendien an die Studenten sollen wieder selektiv vergeben werden.
Auch die Mehrwertssteuer war ein Thema. Frieden kritisierte, dass nun im Parlament ĂŒber ein Budget abgestimmt werde, das sobald die TVA-Erhöhung komme, nicht mehr korrekt sei. Der Finanzminister hĂ€tte den Zeitplan fĂŒr die TVA-Erhöhung letzte Woche bekanntgeben sollen.
Frieden - wie schon gesagt der Ersatz fĂŒr Gramegna - begrĂŒĂte die transversale Angehensweise, die die neue Regierung fĂŒr das Erstellen des Staatshaushaltes 2015 plant, und fĂŒr die sie sich von einer externen Beraterfima unterstĂŒtzen lĂ€sst. Frieden meinte, auch er habe sich das stets gewĂŒnscht, doch sei er am Widerstand der Fachminister gescheitert. Z.B. habe auch er Einblick in den âFonds pour lâemploiâ bekommen wollen, nur habe ihn der Arbeitsminister daran gehindert. Jedenfalls wĂŒnschte er der neuen Regierung bei der Umsetzung dieser neuen Angehensweise viel Erfolg und sogar seine UnterstĂŒtzung.
Das letzte gehaltvolle Wort in der Debatte kam dann auch wiederum von Frieden: Bevor an der Steuerschraube gedreht oder die TVA erhöht werde, mĂŒssten die Ausgaben gekĂŒrzt werden. So eine letzte Anweisung des Budget-Seniors an seine Nachfolger.
Ier Stéieren wéi d'TVA erop gesat ginn brauch Lëtzebuerg strukturell Reduktiounen vun den Depensen #Budget2014 #Kloertext
â Luc Frieden (@LucFrieden)
9 Mars 2014
Der Weltpfarrer
Vor einem Jahr wurde Jorge Mario Bergoglio, argentinischer Nachfahre italienischer Gastarbeiter aus Buenos Aires, zum Bischof von Rom und damit zum 266. Papst der katholischen Kirche gewĂ€hlt. Unter einem regenverhangenen MĂ€rzhimmel harrten an diesem 13. MĂ€rz 2013 Tausende Menschen auf dem Petersplatz aus, bis mit einbrechender Nacht der neue Papst auf die Loggia der Sankt-Peters-Kirche trat und die Menschen mit einem ebenso unvergesslichen wie schlichten âBuona Seraâ begrĂŒĂte. Der Papst wurde dabei zum Pfarrer der Welt, und die Welt fragte sich: Wer ist dieser Papst aus SĂŒdamerika?
In Rom behaupten Vatikan-Spezialisten mittlerweile, an diesem Abend habe sich auf dem Petersplatz einiges verĂ€ndert. Wer nach dem Konklave gehofft hatte, mit Franziskus wĂŒrde wieder Ruhe einkehren nach Jahren der Pannen und Skandale, womöglich sogar Langeweile, der hat sich geirrt. Langweilig wurde es in Rom keineswegs. Am Tiber blĂ€st ein frischer Wind, es besteht Hoffnung!Das Jahr 2013 gehörte ohne Zweifel diesem neuen Papst: Das âTime Magazineâ wĂ€hlte ihn zur âPerson of the Yearâ. Sogar die amerikanische Szenezeitschrift âRolling Stoneâ brachte den 77-JĂ€hrigen aufs Titelbild und das unter der Ăberschrift âThe Times They Are A-Changin'â (âDie Zeiten Ă€ndern sichâ) â eine Anspielung auf einen bekannten Bob-Dylan-Song. Nicht nur Kirchenmedien, alle Medien berichten hĂ€ufig ĂŒber den Papst, was wiederum zeigt, dass seine Botschaft, seine Sprache, seine Gestik, sein Wesen bei den Menschen ankommen.
Die Höhepunkte des ersten Papstjahres: Die erste Reise zu den FlĂŒchtlingen nach Lampedusa, die FuĂwaschung am GrĂŒndonnerstag in einem römischen JugendgefĂ€ngnis, die Reisen nach Assisi und Rio, die vielen, langen Interviews und das apostolische Schreiben Evangelii Gaudium, mit dem darin klar dargelegten, breiten Programm des Argentiniers.
Was kann man von diesem Papst erwarten? Bestimmt nicht alles. Aber er hat schon einiges in die Wege geleitet: die Reform der Vatikanbank, die Berufung eines Beratergremiums bestehend aus acht KardinÀlen, des sogenannten C8, die Ernennung eines Diplomaten zum StaatssekretÀr...
Reformen wĂŒnschen sich die glĂ€ubigen Menschen, und die Sprache des neuen Papstes fasziniert sie. Auch unsere Leser, die wir auf unserer Webseite zum neuen Papst befragt haben, sagen dies. Eine freie Sprache, und eine Sprache, die befreit, das ist das wohl auffallendste Attribut, das man dem Papst zuschreiben muss. Bergoglio spricht die Menschen an, findet Gehör bei ihnen, und die Menschen finden auch Gehör bei ihm, wie es z. B. die vom Vatikan initiierte Befragung der GlĂ€ubigen im Vorfeld der Familiensynode gezeigt hat.
âWenn die Kirche weniger als WĂ€chter von traditionellen Werten in Erscheinung tritt, dafĂŒr aber ein Ort des Zuhörens, des Dialogs, der VorschlĂ€ge, und, warum nicht, der Erfindung wird, dann kann die Sprache dieser Kirche noch verstĂ€ndlicher, noch hörbarer werdenâ, schreibt der Theologe François EuvĂ© in der französischen Jesuiten-Revue âEtudesâ. Man könnte diesem Zitat noch hinzufĂŒgen: Die freie Sprache des Papstes wĂŒrde in dem Fall vermutlich fĂŒr viele Christen noch befreiender werden.
Menetekel Monkeler
Es mag schon absurd klingen, wenn ein von drei grĂŒnen Regierungsmitgliedern gesteuertes Ministerium die Betriebsgenehmigung fĂŒr ein umstrittenes Asphaltwerk ausstellt. Man hat âDĂ©i GrĂ©ngâ zulange nur aus der Protestler-Pose gekannt, als dass man der Partei mir nichts, dir nichts eine hartgesottene Realpolitik abkaufen könnte.
Dass es ausgerechnet ein Asphaltwerk ist, dem die grĂŒnen Regierungsmitglieder zu Beginn ihrer Amtszeit grĂŒnes Licht erteilen mussten, macht die Sache natĂŒrlich pikant, sind es doch âDĂ©i GrĂ©ngâ, die mehr als alle anderen Parteien dem StraĂenverkehr zu Leibe rĂŒcken wollen. Was in der Parteispitze noch halbwegs als ein Bekenntnis zur Dreierkoalition akzeptiert wurde, lieĂ sich der Parteibasis bei weitem schwerer vermitteln. Da haben Militanten bestimmt einige Kröten schlucken mĂŒssen...
Nicht Umweltministerin Carole Dieschbourg, auch nicht der Minister fĂŒr Infrastrukturen und Nachhaltigkeit François Bausch, nein StaatssekretĂ€r Camille Gira musste den aufgebrachten BĂŒrgern aus Esch/Alzette, Monnerich und Schifflingen die Hiobsbotschaft ĂŒberbringen. Ihm wĂ€re bestimmt lieber gewesen, sein VorgĂ€nger im Umweltministerium Marco Schank hĂ€tte noch vor dem Regierungswechsel die Genehmigung fĂŒr âMonkelerâ erstellt. Das konnte Schank aber nicht, da die Petitionskommission im Parlament zwei Wochen vor dem Wahltermin einen ganzen Fragekatalog zum Asphaltwerk an das Umweltministerium gerichtet hatte. Diese Fragen galt es vorerst zu beantworten.
Ironie des Schicksals: Der Vorsitzende der Petitionskommission war bis Oktober Camille Gira, der dann spĂ€ter als StaatssekretĂ€r im Umweltministerium die heiĂe Kartoffel erbte und damit der tragische UnheilsĂŒberbringer wurde. Gira hat inzwischen Antworten auf die von ihm gestellten Fragen finden mĂŒssen. FĂŒr Schank war es derweil ein willkommener Vorwand, um keine Entscheidung treffen zu mĂŒssen, und das hat ihm wiederum erlaubt, nicht nur seinen Parteikollegen, auch den LSAP-Kandidaten im SĂŒden einen kleinen Gefallen kurz vor dem Wahltermin zu tun. Willkommen in der Welt der Realpolitik!
Der Fall Monkeler ist fĂŒr einen Senior der Luxemburger Politik, den frĂŒheren Wirtschaftsminister und Noch-EU-Abgeordneten Robert Goebbels, âein Fallbeispiel fĂŒr eine gewisse Feigheit in der Politikâ. Viele Politiker jeglicher Couleur wĂŒrden lieber âin Deckung gehenâ, als unpopulĂ€re MaĂnahmen treffen, sagte Goebbels vor Tagen den Medien. Manche Politiker mĂŒssten den Mut aufbringen zu sagen, dass das Produkt Asphalt gebraucht werde und es demnach auch produziert werden mĂŒsse, so Robert Goebbels. Er selber habe sich der Diskussion als Politiker seinerzeit nicht verschlossen. So zum Beispiel bei der Planung des Mudam, der NordstraĂe oder des âCampus GeesseknĂ€ppchenâ. âDamals wurde ich ausgepfiffenâ, lamentiert Goebbels.
Bei seiner AufzĂ€hlung hat der Alt-Politiker allerdings vergessen, die gescheiterte Planung einer IndustriemĂŒlldeponie zu erwĂ€hnen, fĂŒr die der ehemalige Wirtschaftsminister auch viel gekĂ€mpft hatte. Mit unzulĂ€ngliche SchĂ€tzungen aus den Ministerien war die 1992 genehmigte Gifthalde den BĂŒrgern als âalternativlosâ verkauft worden, wurde aber schnell unter dem Flurnamen âHaebichtâ zu einem Protestdenkmal fĂŒr aufgebrachte Anwohner aus dem Kanton Capellen. âUm Monkelerâ könnte man geneigt sein, sich an âHaebichtâ zu inspirieren.

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"E pur si muove"
Galilei Galileo wĂ€re an diesem 15. Februar 450 Jahre alt geworden. Dem 1564 in Pisa geborenen Naturwissenschaftler und Philosophen haben wir so manches zu verdanken, ein neues Weltbild und eine moderne, mathematisch orientierte Naturwissenschaft, aber auch, und das sollte man nie vergessen, eine endlos spannende Debatte ĂŒber Wissen, Macht und Vernunft.
Wer kennt ihn nicht, Galileo Galilei, den Wissenschaftler, dem der Spruch âe pur si muoveâ, âund die Erde dreht sich dochâ, zugeschrieben wird? Schon in jungen Jahren kritisierte er die Ăberlegungen von Aristoteles und revolutionierte die Astronomie. Die Kirche tat sich schwer mit ihm, verlangte von ihm den Widerruf seines Wissens und stellte ihn bis an sein Lebensende unter Hausarrest. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde Galilei von der Kirche offiziell rehabilitiert.
âWenn ich etwas weiter sah als andere, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen standâ, sagte einmal Isaac Newton. Zu diesen Riesen zĂ€hlt auch Galilei. Doch nicht nur deshalb finden wir in ihm eine bewegende und vielseitige Persönlichkeit, deren Thematisierung sich auch nach vier Jahrhunderten immer noch lohnt.
Wir mögen Galilei, weil er zum Wissenschafts-MĂ€rtyrer wurde. Wir bedauern ihn, weil er mit seinem Widerruf eine ErbsĂŒnde an den modernen Naturwissenschaften herbeigefĂŒhrt hat. Aus der neuen Astronomie, die auch ein neues BĂŒrgertum hĂ€tte hervorbringen können, hat er eine begrenzte Spezialwissenschaft gemacht, die sich in einer gefĂ€hrlichen Indifferenz zur AuĂenwelt ungestört entwickeln konnte.
So lĂ€sst denn auch der Dichter Bertolt Brecht seinen Galilei, den viele Luxemburger SchĂŒler studiert haben, mit den Worten resignieren: âIhr mögt mit der Zeit alles entdecken, was es zu entdecken gibt, und euer Fortschritt wird doch nur ein Fortschreiten von der Menschheit weg sein.â
Wissen kann zwar unverrĂŒckbare Wahrheiten in Frage stellen, und jede wissenschaftliche Arbeit die Wissenschaft auch einen Schritt weiterbringen. Nur, sollte man Wissen nur um des Wissens willen erlangen? Darf man sich darauf beschrĂ€nken, Wissen zu vermehren oder sollte man Wissen nicht vielmehr vermitteln?
Hiroshima, Fukushima und Tschernobyl haben uns gezeigt, wie und wo Zeitbomben der Wissenschaft ticken. Zu einer solchen Zeitbombe kann zum Beispiel auch eine von ethischen Grundlagen losgelöste Genforschung werden. In der Welt der Arbeit wehrt man sich heutzutage gegen Sozialdumping. Sollte sich die Wissenschaft nicht auch genauso vor ethischem Dumping schĂŒtzen?
Bei Brecht sagt Galilei: âEs setzt sich nur so viel Wahrheit durch als wir durchsetzen, der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der VernĂŒnftigen seinâ. Wo aber liegt die Vernunft? Und wer warnt die Wissenschaft vor der Unvernunft? Die Machthaber? Die Politik? In seiner Rede zur 100-Jahr-Feier der Max-Planck-Gesellschaft hat vor Jahren der frĂŒhere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt darauf hingewiesen, âdass Wissenschaftler kein von politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen ZwĂ€ngen unbehelligtes Eremitendasein fĂŒhren dĂŒrfen, auch als hoch spezialisierte Forscher bleiben sie immer noch ein .zoon politikon'â. 450 Jahre nach Galilei sind Wissenschaft und Politik immer noch gefordert.
SchattenjÀger
Schleierhaft war ihr Motiv, rĂ€tselhaft ihre IdentitĂ€t. Politische Forderungen erhoben sie keine, und ihre Erpresserbriefe ergaben absolut keinen Sinn. âEt muss en DĂ©cke sinnâ, murmelte das ahnungslose Volk, ansonsten hĂ€tte man ihn ja schon lĂ€ngst geschnappt!
Nein, der âBommeleeĂ«râ ist kein unheimliches Schreckgespenst, das mehr als 20 Jahre nach den Attentaten noch immer durch die Köpfe von Ermittlern und StaatsanwĂ€lten wabert. Die DunkelmĂ€nner von damals haben inzwischen klare GesichtszĂŒge, sie tragen Namen, die man fast schon aufs Papier bringen könnte.
Dabei war es ein Foto aus der Zeitung, das die Mauer des Schweigens zum Bröckeln brachte: Ein Foto aus den Archiven des âLuxemburger Wortâ, geschossen vor etlichen Jahren in einer spannungsgeladenen Nacht nach einem der vielen Attentate aus der Zeit des Zitterns und Bangens. Nun könnte dieser Schwarz-WeiĂ-Abzug vom Attentat auf die Heilig-Geist-Kasematten zum Menetekel fĂŒr die DunkelmĂ€nner im Dunstkreis der BommeleeĂ«r-AffĂ€re werden. Ja, die Macht des Bildes!
Dieses verhĂ€ngnisvolle Foto entstand am 5. Juli 1985. Darauf will sich â fast 30 Jahre spĂ€ter â ein Elitepolizist von damals erkannt haben. Als Zeuge tritt er auf und verstrickt sich schnell in den FĂ€ngen der Justiz. Ein Brief kommt plötzlich mit ins Spiel, ein rezentes Schreiben, also kein Papier, an das man sich beim besten Willen nicht mehr erinnern könnte, und es folgen WidersprĂŒche, wohl auch LĂŒgen und Meineid.
Der zweite Paukenschlag im Bommeleeër-Prozess ist dann das mysteriöse Verschwinden von Beweismaterial, das einem Zeugen aus der allerhöchsten Polizeispitze zur Last gelegt wird.
Man kann bereits zum jetzigen Zeitpunkt des Prozesses eine erste Zwischenbilanz ziehen und ganz klar ausrufen: Welch ein Trauerspiel, welch eine Blamage fĂŒr eine Polizei, deren Elite von damals ein schĂ€ndliches Bild abgibt! Der Prozess offenbart eine Polizeispitze, die taumelt zwischen auffĂ€lligem GedĂ€chtnisschwund und offenkundiger Inkompetenz.
Warum nur war die Polizei zur Zeit des âBommeleeĂ«râ nicht mehr als ein SchattenjĂ€ger? Warum nun diese plötzliche Amnesie von Polizisten, die es gewohnt waren, wĂ€hrend vieler Berufsjahre ZusammenhĂ€nge zu erkennen, Spuren aufzunehmen, sich den Durchblick zu verschaffen?
âCui bono?â, möchte man fragen. âCui bono?â, fragte auch bereits der Generalstaatsanwalt vor zwei Jahren in seiner Anklageschrift zum âBommeleeĂ«râ-Prozess. Wer hat am meisten Profit aus der Attentatserie ziehen können? Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass die mysteriösen Attentate, die genauso plötzlich aufgehört wie sie angefangen hatten, eigentlich einzig und allein nur der Polizei genutzt haben können.
Als die 128 Seiten der Anklageschrift in die Ăffentlichkeit gelangten, fragten sich viele, wie kann nur die Staatsanwaltschaft mit solch wenigen Anhaltspunkten zwei Polizisten vor die Richter bringen. So wartete der AnklĂ€ger denn. Unerbittlich, hartnĂ€ckig, leidenschaftlich. Und nun scheint diese Strategie langsam zu fruchten: Der mĂŒhsame Prozess hat es nĂ€mlich doch irgendwie geschafft, ein Kartell aus Angst und Schweigen aufzubrechen. Die kommenden Wochen werden fĂŒr den BommeleeĂ«r-Prozess sicherlich entscheidend sein.
"Soziale Grausamkeiten"
Die âWoxxâ hat vergangene Woche geschrieben, dass der angezettelte âKulturkampfâ zwischen Religion und Politik auch fĂŒr die neue Regierung sehr nĂŒtzlich sei, da er doch vorĂŒbergehend âvon den sozialen Grausamkeitenâ ablenke, die sie fĂŒr das Volk noch in petto habe und von denen sie wisse, dass sie ânur in homöopathischen Dosenâ verabreicht werden dĂŒrften.
Stimmt! Die neue Regierung hat tatsĂ€chlich ihre ersten SparmaĂnahmen zunĂ€chst einmal sehr konfus und zudem auch nur hĂ€ppchenweise in die Ăffentlichkeit getragen. Zu behaupten, es handele sich dabei um âsoziale Grausamkeitenâ, ist vielleicht doch etwas ĂŒbertrieben, es sei denn, die der grĂŒnen Partei nahestehende âWoxxâ verfĂŒgt ĂŒber Insiderwissen...
Homöopathisch ist auf jeden Fall die Verabreichung der SparmaĂnahmen. Weder bei der angedachten KĂŒrzung der Familienzulagen noch bei der geplanten Anhebung der Mehrwertsteuer liegen die letzten Details auf dem Tisch. Es sind nur BruchstĂŒcke und DenkanstöĂe, insbesondere bei den Familienzulagen, wobei man dort allerdings den Eindruck nicht los wird, als habe die neue Familienministerin Corinne Cahen mit ihren AnkĂŒndigungen in der Presse einfach nur ein Lebenszeichen setzen wollen ...
Ihre PlĂ€ne zur Gleichschaltung des Kindergeldes, unabhĂ€ngig ob es sich um ein erstes, zweites, drittes oder viertes Kind handelt, sind, wie die neue Ministerin im Nachhinein zugeben musste, einfach nur Ideen, also kein ausgereiftes Projekt, kein hieb- und stichfestes Modell, das die Familienzulagen auf Dauer neu regeln könnte. Das nennt man dann wohl âBrainstormingâ in den Medien. Oder war der gewagte Alleingang in die Presse ein Testballon â schlimmer noch eine Nebelkerze, um den Blick auf die von der âWoxxâ befĂŒrchteten âsozialen Grausamkeitenâ zu verschleiern?
Wie dem nun auch sei, das hohe Lebensniveau vieler Luxemburger lĂ€sst schon einiges zu, und bis zu den nĂ€chsten Wahlen sollte auch die Staatskasse wieder gefĂŒllt sein. Das Anheben der Mehrwertsteuer ist ganz bestimmt ein Weg dorthin, auch wenn zwei der drei Regierungsparteien, die DP und DĂ©i GrĂ©ng, im Vorfeld der Wahlen nicht wirklich dazu geneigt waren, diesen Weg einzuschlagen.
Die Mehrwertsteuererhöhung ist also ein wirksames Mittel zur Sanierung der Staatsfinanzen. Ist es aber auch eine sozial gerechte Lösung? Bei der Mehrwertbesteuerung besteht ganz klar eine horizontale, nicht aber eine vertikale Gerechtigkeit. Endverbraucher mit identischen Konsumverhalten zahlen schon identisch hohe Steuern. Geringverdiener werden aber proportional zu ihrem Einkommen stÀrker belastet. Hier wird also nicht das Prinzip angewandt, das besagt: Breite Schultern vertragen mehr als schmale Schultern.
Es heiĂt zwar, dass der superreduzierte Steuersatz von drei Prozent fĂŒr lebensnotwendige Produkte nicht angetastet werden soll. Noch hat uns aber niemand versichert, dass die bisherige Aufteilung der Produkte und Dienstleistungen in die vier verschiedenen Steuersatzkategorien auch so bestehen bleibt. Vielleicht gibt es ja doch noch einige Waren, die in diese oder jene neue Mehrwertsteuer-Schublade abwandern werden.
Wie gesagt, es wird nur homöopathisch kommuniziert und, wer weiĂ, vielleicht versteckt sich ja doch noch irgendwo eine âsoziale Grausamkeitâ. Abwarten!
L'Albatros, le «voyageur ailé» et «roi de l'azur» de Charles Baudelaire, ici dans la Grande Galerie de l'Ăvolution du Jardin des Plantes @Le_Museum #Paris #MarcInParis (Ă Jardin des Plantes)
concert de Jordi Savall au CAPe d'Ettelbruck avec Dimitris Psonis, spectacle "Orient-Occident"

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Journées tranquilles à #sancerre. Citroën bleue (à Sancerre)
Journées tranquilles à #Sancerre. Citroën bleue (à Sancerre)
JournĂ©es tranquilles Ă #Sancerre. OĂč mĂšne la porte bleue? (Ă Sancerre)
Réception de Nouvel An pour la presse luxembourgeoise: Le nouveau Premier minister Xavier Bettel entouré de Roland Arens, Jean-Lou Siweck et Marc Thill. (Photo: Gerry Huberty)

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"Déck Autoen, décken NÀid" - die "AffÀre Closener" in den Medien
(mt) - Die Medien haben sich am Dienstag intensiv mit der AffÀre Closener beschÀftigt. Ein Zusammenschnitt aus Journal, Quotidien, RTL und 100,7:
"Die ehemalige Journalistin, die die Konsequenzen ihres Handelns so verwunderlicherweise offensichtlich krass unterschĂ€tzte, wird ihre öffentlichen Aussagen in Zukunft mit Sicherheit besser abwĂ€gen", meint Claude Karger im "Journal". Die Minister und StaatssekretĂ€re hĂ€tten aus dem Sturm gelernt, dass sie sich zweimal ĂŒberlegen mĂŒssen, bevor sie auch nur das geringste Privileg in Anspruch nehmen. Am Regierungschef sei es nun, klarste VerhĂ€ltnisse zu schaffen, so der "Journal", der in einem weiteren Kommentar meint, "dass noch andere Minister, StaatssekretĂ€re und Ă€hnlich hohe Gestalten und - innen ebenfalls mit so einem noblen Dienstdings gesegnet sind, und dieses wĂ€hrend der Weihnachtsferien bestimmt nicht in der heimischen Garage verroten lieĂen - und sei es auch nur, um sich das dĂ€mliche Auflegen von Schneeketten zu ersparen."
"Le premier couac d'ordre éthique"
"La polĂ©mique enfle" titelt "Le Quotidien" auf der ersten Seite und spricht von einer "Affaire" Closener. Unter dem Titel "De plates excuses" berichtet die Zeitung ĂŒber das Entschuldigungsschreiben der StaatssekretĂ€rin und meint, "le premier couac d'ordre Ă©thique pour la coalition tout juste en place se prĂ©cise."
Im Radio 100,7 kommentierte Jean-Claude Franck die AffĂ€re Closener am Dienstag im "Moiespanorama": "Die einfachen Dinge regen die Leute am meisten auf und "dĂ©ck Autoen provozĂ©ieren zu LĂ«tzebuerg dĂ©cken NĂ€id". Die Entscheidung, nach nur wenigen Wochen in der Regierung die Ski-Box auf das Dach des Regierungs-BMWs zu schrauben und mit privilegierten CD-Nummernschildern in den Schnee zu fahren, ist fĂŒr Franck "ein Fauxpas", den die betroffenen Regierungsmitglieder mit zwei Tagen VerspĂ€tung erkannt hĂ€tten. Inzwischen mĂŒssten sie auch wissen, dass man eine falsch eingeschĂ€tzte Situation nicht mordicus bis aufs Letzte verteidigen sollte.
Eine ernste Verwarnung fĂŒnf Monate vor den Europawahlen
Franck weist gleichzeitig die Dreierkoalition darauf hin, dass es nicht ausreiche, eine Regierung zu bilden, um etwas zu verĂ€ndern. Die Vereidigung der Minister und StaatssekretĂ€re am 4. Dezember sei noch nicht der Moment gewesen, um "Mission accomplie" zu feiern. Das Vertrauen in die Politik habe in den letzten Jahren stark gelitten, und die Tatsache, dass nun die CSV nicht mehr in der Regierung sei, reiche nicht aus, um das verlorene Vertrauen so einfach wieder zurĂŒck zu gewinnen.
Der neuen StaatsekretĂ€rin und ehemaligen Journalistin Francine Closener sei mit 60 Stunden VerspĂ€tung bewusst geworden, dass sie nun als Regierungsvertreterin in einer anderen Liga spiele und deshalb ihren Kommunikationsstil verĂ€ndern mĂŒsse, so Guy Kaiser in einem Kommentar auf RTL.
"Ech sinn dach nët blöd"
"DâFrancine Closener, eis frĂ©ier Beruffskolleginn, huet vun der Form hir falsch reagĂ©iert", meint Guy Kaiser. Bereits ihre erste Antwort auf das RTL-Interview am Freitag "Ech sinn dach nĂ«t blöd", sei daneben gewesen, und die letzte Frage, die er ihr explizit gestellt habe, damit sie sich "zurĂŒckkaufen" könne, habe sie extrem arrogant beantwortet. Das hĂ€tte man ihr im Netz nicht verziehen, urteilt Guy Kaiser.
Kaiser kritisiert auch die Regierung, die sich in dieser Angelegenheit verdĂ€chtig bedeckt gehalten habe. Ein Interview mit dem neuen Premierminister sei nicht machbar gewesen, das sei doch sehr bedauerlich fĂŒr eine Regierung, die angetreten sei, alles anders zu machen.
Und da helfe auch nicht das Getwitter eines LSAP-PrÀsidenten Alex Bodry, eine private Nutzung der Regierungs-Dienstwagen habe noch immer stattgefunden. "Dës Regierung ass fir grouss Changementer ugetrueden, déi HÀre Bettel a Schneider hunn allemol Grousses versprach. A punkto Kommunikatioun huet se an dëser Affaire net grad brilléiert", so das Fazit bei RTL.
Ein Sturm der EntrĂŒstung nach Dienstwagen-AffĂ€re
Die Dienstwagen-AffĂ€re hat im Netz einen Sturm der EntrĂŒstung ausgelöst. Das widerspenstige Luxemburger Völkchen kommentierte und argumentierte an diesem ersten Januar-Wochenende im Internet. Ein Kommentar dazu.
Die Dienstwagen-AffĂ€re hat das Vertauen in die Politik nochmals mĂ€chtig ins Wanken gebracht. Zu diesem Schluss kommt man, liest man die FĂŒlle an Leser-Kommentaren, die ĂŒbers Wochenende auf der Webseite von rtl.lu veröffentlicht wurden. Die neue StaatssekretĂ€rin im Wirtschaftsministerium Francine Closener rechtfertigte sich in einem RTL-Beitrag, weshalb sie mit einem Dienstwagen in den Winterurlaub gefahren ist, was eine bis dahin vom Umfang und von der Schnelligkeit her in Luxemburg noch nie gekannte Lawine an Kommentaren im Netz ausgelöst hat.
Gewiss: Vox Populi, Vox Rindvieh! Das Zitat von Bismarck lĂ€sst sich immer auf Webforen anwenden. Da wird ĂŒberwiegend anonym drauf los geschrieben und geschrien und dabei auch schnell aus der HĂŒfte geschossen. Daher ist die Gefahr eines "Shit-Storms" im Netz wesentlich gröĂer als auf traditionellen Leserbrief-Seiten in den Print-Medien. Und bei einer solchen massiven SchmĂ€hkritik wird ab und zu auch wenig sachlich argumentiert.
Was sich aber aus dem riesigen Sturm der EntrĂŒstung ganz klar herauskristallisierten lĂ€sst, ist vielleicht die Meinung, dass das, was legal ist, nicht unbedingt legitim und vor allem nicht immer richtig sein muss. Denn auch wenn der Deontologiekodex der Regierung es einer StaatssekretĂ€rin erlaubt, den Dienstwagen privat zu nutzen, so muss sie es ja nicht unbedingt tun. Und so hinterlĂ€sst die Urlaubsreise mit dem Dienstwagen knapp zwei Wochen nach der Vereidigung der Neu-StaatssekretĂ€rin bei vielen Luxemburgern doch einen bitteren Nachgeschmack. FĂŒr viele ein Fauxpas angesichts der hohen Erwartungshaltung der Luxemburger in zwei Dingen: Die Sparpolitik der neuen Regierung und ihr neuer FĂŒhrungsstil.
Was daraus schlussfolgern?
Erstens: Die Gambia-Koalition ist doch nicht so fest im Sattel, wie man anfangs geglaubt hat.
Zweitens: Die Luxemburger erwarten sich einiges von dieser neuen Regierung, gerade in Sachen Sparen und Sanierung der Staatsfinanzen.
Drittens: Die Erwartungshaltung ist aber auch sehr groà in puncto Gerechtigkeit. Sich damit rechtfertigen, ein private Nutzung der Dienstwagen habe es schon immer gegeben, ist in Augen vieler ein sehr schwaches Argument.
Viertens: Die Leser-Kommentare zeigen, dass der neue Regierungsstil, den sich Bettel und Schneider auf die Fahnen geschrieben haben, so nicht beim Volk ankommen wird.
Und noch ein Letztes: Wir Luxemburger sind ein sehr widerspenstiges Völkchen. Wir jubeln schnell, und wir meckern auch gerne. Darauf sollte die Regierung achten.