Eine Reise wert - Das Ueberetsch
Wie sehr prägt der Berg den Menschen und seine Art zu leben? Wie werden Berge in so unterschiedlichen Gebirgsregionen wie den Alpen, erlebt, bewohnt und bewirtschaftet? Ein neuer Forschungsschwerpunkt der Universität Innsbruck im Bereich der Ethnologie beschäftigt sich mit dieser Frage. Vielleicht das geeignete Motiv dafür, aus welcher Perspektive man sich man ein Normativ bildet oder wie und weshalb man etwas betrachtet.
Bei meinem Besuch im suedtirolerischen Kaltern stand neben etwas Erholung ganz trivial im Mittelpunkt, Besuche bei Bekannten, Kurztrip mit Familienmitgliedern, aber vielleicht allem voran die zu klaeren wollende Frage, ob man bestimmte Stationen, die man als Kind erlebt hatte rekonstruieren kann, die auch zur Identität beigetragen haben. Dieser Gedanke, wie ein Gefühl entstanden ist, was man heute als ein Gefühl wahrnimmt oder empfindet ist oder kann faszinieren. Und vielleicht geht es den Leserinnen und Lesern in ähnlicher Weise und koennen diese Art der Geschichte auf die eigene Vergangenheit projezieren.
Aus den Erzaehlungen, so wird gesagt, war die Familie weit über 20 Mal, in für Kinder identitätsstiftender Zeit an Plaetzen die Wirkung hinterließen, für Sehnsüchte ausreichten und vertraute Bekanntschaften, die sich in der Abwesenheit der Eltern im Urlaub auch um die Fuehrsorge des Nachwuchses bemuehten. So kamen wir schon als Kinder in die Gelegenheit ein Vertrauensverhaeltnis zu einer Identitaet zu entwickeln.
Das Ueberetsch ist das Obst- und Weinanbaugebiet Suedtirols. Denn hier dominiert der groeßte Anteil der Fruchtvorkommen, verteilt auf 4 Klimazonen. Daher darf ich den Blick etwas über das eigentliche Dorf Kaltern hinauswerfen und das eine oder andere als Richtungsweisend hervorheben.
Auf über 5000 Hektar Rebflaechen in Suedtirol entfallen ca. 4300, runde 83% auf die Bezirksgemeinschaft Ueberetsch-Unterland. Die Namen der weiteren Dörfer habe ich im Anhang fürs Interesse herausgestellt. 65% sind Rotweine, 35% sind Weißweine und unterliegen gesetzlichen Schutzbestimmungen. Die gegenwärtigen Extremwetterlagen bilden besondere Herausforderungen, weil die Einkünfte der Obst- und Rebbauern nach Terminabgabe bezahlt werden, also unabhängig, ob die Frucht gereift ist. Ein schockierender Gedanke, wenn man versucht daraus die weiteren Sublimierungen abzuleiten. Hier wachsen Qualitätsweine wie Edelvernatsch, Blauburgunder oder Gewürztraminer und Müller-Thurgau.
Titelbild:
Das Bild, entstanden 1973 zeigt das Etschtal, von Bozen her kommend nach Kaltern, richtung Westen, dem Gebirgskamm Mendel entlang.
Nachfolgendes Bild zeigt Etschtal Richtung Südwesten mit dem Kalterer See in Richtung Weindorf Tramin
Aufnahme von 1973 vom Penegal am Mendelgebirge
Das Ueberetsch-Unterland beschreibt heute eine Bezirksgemeinschaft. Der Name Ueberetsch geht auf das 1300 Jhd. zurueck. Mit Ueberetsch bezeichnet man das Hochplateau mit seinem Unterland von Bozen an Richtung Westen. Mit Blick auf die Karte Richtung Norden beginnt links von der Etsch, die aus Richtung Oesterreich kommt und gen Italien verlaeuft. Zum Ueberetsch gehoeren der Recherche nach das Mendelgebirge mit flachem Anstieg und endet mit, von unten betrachtet mit Majestaetischer Erhoehung, von oben betrachtet mit einem abrupten Kammende. Von 1300 – 1600 m Höhe hinab auf ca. 200-600 m Seehöhe (NN). Vom Kalterer Hoehenweg, einem Wanderweg oberhalb des Letzten Zipfels vom Dorf mit Übergang zum Aufstieg zum Mendel hoch, ueber die heutige Bergstation der Mendelbahn in der Faktion St. Anton geht es, wie man es von Doerfern haeufig kennt, sehr attraktiv durch enge, heimisch und vertraut wirkende Gassen mit vielen Figuren aus der Zeit der Renaissance, hinunter zur Dorfmitte. Von hier an beginnt die Tiefebene, das Unterland Suedtirols mit den herausragenden Doerfern Kaltern und Eppan, und weiteren kleinen Doerfern. Von Bergdorf kann man bei Kaltern fast nicht sprechen, der Mendelpass gilt dennoch als der Hausberg Kalterns.
Aufnahme 1973 Dorf Kaltern am Hausberg Mendel, damals ca. 4000 Einwohner, heute sind es rund 8000.
Der europaeische Hochadel hat sich nicht nur in diesem ganzen Gebiet, ueber die Sommerfrische hinweg die Klinke in die Hand gegeben, sondern offensichtlich mindestens im ganzen Tiroler Sueden, damals noch zu Tirol gehoerend. Zumindest bezeugen dies verschiedene Grand Hotels und ihre Geschichten.
Entstanden aus einer Schuetzhuette, entwickelte sich auch das Grandhotel Penegal zu einem luxurioesen Bau erster Klasse. Der Penegal ist ein Aussichtspunkt auf ca. 1600 Meter Hoehe mit Panoramablick ueber das gesamte Etschtal, ueber Gebirgszipfel hinweg bis nach Norditalien. Investoren mit Weitsicht, so heisst es, erkannten ganz offensichtlich frühzeitig das grosse Potenzial, einer Mischung aus beeindruckender Landschaft, Erholungsmoeglichkeiten als auch einem passenden Ambiente für die gehobene Klientel. Und so kamen vorzugsweise Kaiser und Koenige, Aristokraten und Adelige aus Deutschland, Grossbritannien und anderen Teilen Europas zur Erholung. Die Mendel galt als Hoehenluftkurort der gesellschaftlichen Noblesse Europas. Der Boom des Tourismus brach mit dem Ersten Weltkrieg ein und konnte so nie wieder erreicht werden.
Aufnahme 1973, Hotel und Aussichtsplattform Penegal
Aufnahme 1973, Aussichtspunkt Panoramablick Penegal
Aufnahme 1973, Hotel am Penegal
Das Mendelgebirge ist im Verhaeltnis zu anderen Gebirgen offensichtlich etwas kleiner, endet von Bozen aus betrachtet nach Suedwesten mit einem schroff, ca. 800 m lang abfallenden Gebirgskamm, wie im Bild ersichtlich.
Aufnahme 2021 Blick zum Penegal
Mendelgebirge mit dem Mendelpass, und mit seinen Antennen unverkennbar der Berg Penegal mit ca. 1800 Meter Hoehe ueber Normal Null.
Aus Sicht des Tales erscheint das Gebirge sehr erhaben. Auf der gegenueberliegende Seite, nordoestlich, zieht sich der Mendelkamm als leicht oder sanft abfallendes Plateau bis nach Richtung Bozen.
So kam es über die Jahrhunderte dazu, dass vereinzelte Menschen immer wieder versuchten den Kamm zu begehen und auf diese Weise sich eine Strasse am steilen suedwestlichen Teil ergab. Durch eine Erhebung des Landes Tirol, die Strassen Tirols zu verbessern, kam es im August 1880 dazu, dass durch Auftrag der Österreichisch-ungarischen Monarchie eine befahrbare Strasse vom Tal bei Eppan aus ueber den Mendelpass fuehrte. Die Strasse galt als wesentlicher Meilenstein in der Beguenstigung zum Tourismusbetrieb.
Aufnahme 2021 Hoehepunkt und Abschluss des Mendelpasses
Viele Radsportler und Sportlerinnen, aber auch ein reger Verkehr verlangt den ambitionierten Bergbegeisterten einiges ab. Die Mendelstrasse verbindet Dorf Eppan mit dem Mendelpass. Nach 5 Jahren Bauzeit 1885 in Betrieb genommen worden. Mit dieser Zeit, irgendwann um 1870 begann die Zeit der Belle Epoqe die bis zu Beginn des ersten Weltkrieges andauern sollte. Anschließend nie wieder erreicht werden konnte.
1903 wurde die Mendelbahn erreichtet und verband zunächst den Bahnhof Kaltern über Eppan bis nach Bozen und war seither eine Touristenattraktion.
Sie galt seinerzeit als Rekordverdächtig, die erste elektrisch betriebene Standseilbahn des damaligen Österreichs, eine der steilsten, schnellsten und längsten der Welt.
Bis 1934 konnte man am Pass in die Lokalbahn Dermulo-Mendel umsteigen und bis nach Trient fahren. Die Bahn Kaltern Bozen wurde 1963 aufgelassen.
Bis heute verbindet die einst steilste Standseilbahn Europas die Fraktion St. Anton in Kaltern mit dem auf ca. 1300 Meter hochgelegenen Hausberg Mendelkamm von dort man aus zum nahegelegenen Penegal wandern kann.
Die Strasse ist mit 17 Kehren eine so spektakulaere Strecke wie sie in irgendwelchen James Bond oder Filmen aus den 1950 und 1960er Jahren vorkommen koennte. Jeder Moment des Uebertretens des nichtvorhandenen Mittelstreifens bringt ihre Lenker in Bedraengnis.
Ist man einmal am Aussichtspunkt angekommen sieht man bis zum Rosengarten mit den Dolomitenbergen sowie dem Latemar.
1903 erbaut siedelten sich einige Hotels des gehobenen Standards an. Die Österreichische Kaiserin Sissi als auch Mahatma Ghandi verbachten hier ihre Zeit wie viele weitere Nobeltouristen. Vom Penegal aus hat man das Glück einen Rundumblick zu genießen und den Übergangsort des deutschsprachigen zum römischsprachigen Kulturraum auf sich wirken zu lassen.
Heute prägen das Bild auf dem Mendel leerstehende Grandhotels der Luxusklasse, ein paar wenige Luxusvillen die anderweitig betrieben werden.
Vielleicht erleben wir hier bald eine erneute Renaissance, Liebhaber, Investoren, die den Luftkurort mit frischem Wind, Tourismus und "Grandiosem Glanz" versorgen, wie die Quelle beschreibt. Den einige der Gebäude stehen zur Versteigerung.
Von der Mendel auf den Penegal (https://www.salto.bz/de/article/27072017/von-der-mendel-auf-den-penegal)
Grandioser Glanz
https://swz.it/grandioser-glanz/
Aussichtspunkt Mendelpass
https://www.suedtirols-sueden.info/de/bozen-kultur/top-highlights/kraftplaetze/rid-692993915BE93375DC59E2E65039C912-aussichtspunkt-mendelpass.html
Mendelpass
https://kurvenkoenig.de/paesse/mendelpass-passo-della-mendola.html
Ueberetsch-Unterland
https://rennradler.it/rennradtouren-suedtirol/ueberetsch-unterland/mendelpass.html
Quaeldich Mendelpass
https://www.quaeldich.de/paesse/mendelpass/
http://www.tecneum.eu/index.php?option=com_tecneum&task=object&id=464&lang=de&lang=de