Stefan A. K. Weichelt
𝗪𝗲𝗿 𝗵𝗮𝘁 𝗱𝗲𝗻 𝗛𝗮𝘀𝘀 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗶𝗲 𝗚𝗿𝘂̈𝗻𝗲𝗻 𝗴𝗲𝘇𝘂̈𝗰𝗵𝘁𝗲𝘁? 𝗗𝗶𝗲 𝗔𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁 𝘄𝗶𝗿𝗱 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗲 𝘂̈𝗯𝗲𝗿𝗿𝗮𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻.
Die Frage im Bild ist ernst gemeint – und ich beantworte sie gleich, mit Namen, Datum und Zitat. Aber vorher müssen wir kurz über etwas anderes reden. Über eure Wut. Denn die ist der Schlüssel zu allem.
Wer heute auf die Stromrechnung schaut, den Einkaufszettel im Supermarkt sieht oder versucht, die endlose Bürokratie im eigenen Betrieb zu verstehen, hat jedes Recht, wütend zu sein. Die Frustration im Land ist real. Und sie ist absolut berechtigt.
Aber habt ihr euch mal gefragt, worüber stattdessen in den Talkshows und auf Social Media gestritten wird?
Es geht ums Gendern. Es geht darum, ob uns jemand das Schnitzel verbieten will. Es geht um künstlich aufgeblasene Kulturkämpfe. Und während wir uns in den Kommentarspalten gegenseitig die Köpfe einschlagen, ändert sich an den echten Problemen: absolut gar nichts. An den Arztterminen nicht. An den Preisen nicht. An der Rente nicht.
Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell.
Wenn man genau hinschaut, folgt das Ganze einer perfekten Dramaturgie: Politiker nehmen eine reale, berechtigte Sorge – die Angst vor teuren Heizungen, vor Bevormundung, vor dem Abstieg – und montieren ein maßgeschneidertes Feindbild daran. Allen voran die Union und Markus Söder haben dieses Spiel in den letzten Jahren perfektioniert. Nicht, weil sie eine bessere Lösung für das Land hatten. Sondern schlicht, weil sie Wahlen gewinnen wollten. Der Hass auf die Grünen wurde gezielt gepflanzt und gegossen – als Stimmenfang.
Und damit zur Antwort auf die Frage im Bild. Wer hat diesen Hass gezüchtet? Erfunden hat die Sprache dafür die AfD – Jörg Meuthen, Parteitag 2016, „weg vom links-rot-grün versifften Deutschland". Man sollte kurz innehalten, was dieses Wort tut: „Versifft" beschreibt keinen politischen Gegner. Es beschreibt Schmutz. Etwas, das man wegputzen muss. Aber salonfähig gezüchtet wurde dieser Hass erst, als die Union hinterherlief – als aus CSU-Reihen die Kampfansagen gegen die „linke Meinungsvorherrschaft" kamen und die Grünen offiziell zum „Feind" erklärt wurden. Seitdem sagt der Nachbar am Gartenzaun „grün versifft" und fühlt sich dabei als bürgerliche Mitte. So verschiebt man ein Land. Nicht mit Gesetzen. Mit Wörtern.
Das Problem an der Sache: Wer den Menschen jahrelang einredet, die Rettung liege in der Härte gegen einen inneren Feind, darf sich nicht wundern, wenn sie am Ende das Original wählen und nicht die Kopie. Die Quittung sehen wir jetzt. Die Union wollte mit dieser Kampagne Wähler von der AfD zurückholen – das Gegenteil ist passiert.
Und ich sage das ohne Häme: Ich halte niemanden für dumm, der aus dieser Enttäuschung heraus so wählt. Die Wut ist echt. Die Probleme sind echt. Nur die angebotene Lösung ist es nicht.
Denn während sich die etablierten Parteien in dieser Schlammschlacht zerfleischen, sitzt am Rand die AfD und lacht. Dieses ewige Theater füttert genau ihre Erzählung. Doch die bittere Wahrheit ist: Auch die AfD löst damit kein einziges Problem. Kein Arzttermin kommt schneller, keine Miete sinkt, keine Rente steigt. Sie lebt nur von der Energie dieses Feuers – und je länger es brennt, desto besser für sie.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe dieses Theater satt. Ich bin nicht mehr für Parteibücher. Ich bin für Kompetenz. Für Politik, die wieder rechnet statt inszeniert. Die zuhört, statt billige Punkte zu sammeln. Und die eine gute Idee daran misst, ob sie funktioniert – nicht daran, wer sie hatte.
Es wird Zeit, dass wir aufhören, uns als Spielfeld benutzen zu lassen.
Ich habe die ganze Mechanik hinter diesem politischen Theater ausführlich aufgeschrieben – mit allen Quellen und einem konkreten, per Video dokumentierten Beispiel, wie bei unseren Energiepreisen mit Fakten getrickst wird.






















