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Hier war ich glĂŒcklich, danke schön!
Und damals in Wien schrieb ich innerhalb einer Woche eine ErzĂ€hlung, die ich gnadenlos Die Ungehaltene nannte. Es ging um eine traurige und ehemals wĂŒtende Frau, die alles aus dem Fenster warf, was ihr nicht mehr passte. Einzig ein Lazerschwert aus Plastik hat sie behalten, um damit irgendwas aus der Luft auszuschneiden (so werden Gedichte gemacht!). Die Frau muss viele Treppen steigen, tagein und tagaus, und sie steht morgens auf und geht am Abend zu Bett.
Und das war insofern entscheidend fĂŒr mich, weil ich diese ErzĂ€hlung nicht verzettelte, sondern gewissermaĂen in einem Schwung niederschrie(b) und die ganze Woche lang ausschlieĂlich mit der Fertigstellung, dem Feinschliff, dieses Textes beschĂ€ftigt war. Ich saĂ dort an einem kleinen Tischchen auf einem halb zerbrochenen Stuhl in der Wohnung einer Freundin, die nicht da war, in einem blau-weiĂ-karierten Flanellschlafanzug und diesen zog ich auch nicht mehr aus. Abends sah ich mir Monaco Franze im Internet an.
Vorher hatte ich in MĂŒnchen Halt gemacht, um meinen Freund Philipp König zu besuchen, der dort fĂŒr zwei Monate lebte und arbeitete. Und dabei ist im Ăbrigen dieses geniale Photo entstanden:
"Ich will eine Frau sein und manchmal nicht"
Von MĂŒnchen war ich mit dem Zug weiter nach Wien gefahren und auf dieser Zugfahrt, erinnere ich, war ich glĂŒcklich.
Die Ungehaltene zeigte ich spĂ€ter, zurĂŒck in Berlin, zwei jungen MĂ€nnern, die zu jener Zeit eine nicht eben kleine Rolle in meinem Leben gespielt haben. Beide fanden die ErzĂ€hlung entsetzlich depressiv. Oder jedenfalls konnten sie nichts damit anfangen. Entweder hatte sie die geballte, dort aufgezeichnete Traurigkeit zutiefst verschreckt, oder aber sie waren ĂŒber der LektĂŒre eingeschlafen, weil es ĂŒberhaupt nicht voran ging mit der Frau, die immer nur ganz alleine Treppen auf und ab steigt und abends zu Bett geht. All das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Von da an aber nannte ich die ErzĂ€hlung Wie man nicht schlĂ€ft und zeigte sie niemandem mehr.
âUnd alle können mich gernhabenâ.
Ich selbst war die ungehaltene Frau gewesen in meinem Pyjama aus Flanell, den ich eigens zu dieser SchreibtĂ€tigkeit bei den kleinen alten Frauen im Wiener Hilfswerk erworben hatte und der mir im Ăbrigen auch viel zu groĂ war. Ich sehnte mich nach Halt und innerem Frieden, aber das wusste ich damals noch nicht.
Immerhin war ich schon so weit gewesen, meine Traurigkeit nicht lÀnger zu verkleiden, sondern ihr stattdessen ein Lazerschwert aus Plastik an die Hand zu geben. Ein erster Versuch, fortan mit ihr Hand in Hand zu gehen.
Und jetzt, viele Jahre spÀter, denke ich, es ist vielleicht nicht die Traurigkeit gewesen, die die jungen MÀnner so verstört hatte. Es waren die Wut und die Verzweiflung, die da zwischen den Zeilen lagen. Nun verhÀlt es sich jedoch so, daà Wut manchmal leichter zu ertragen ist, als grenzenlose Traurigkeit.
In dieser ErzĂ€hlung schrieb ich einige SĂ€tze, die mich nach wie vor aufheben und in denen ich fĂŒr alle Ewigkeit aufgehoben bin.
âSie trĂ€gt ihre SĂ€tze wie Fetzen am Leib. Sie sagt, dies ist mein schönstes Kleid.â
Schrieb ich auch jenen Absatz, der mir nach wie vor tröstlich erscheint und wahr.
âDer Schmerz ist das Unsagbar. Das Unsagbar ist der Schmerz.â
Denn so ist es.
Denn mein ist meine Trauer.
Mein ist mein Kummer.
Mein ist mein Schmerz.
Lisa Haag
inner grid - travel report
Pilgram stieg in den ICE. Er hatte zwölf Malereien und einen Liter Mondwasser im GepĂ€ck. Ob das Mondwasser einen positiven Effekt auf ihn hatte, wusste er nicht. Zwei Sitze weiter saĂen Jonathan Meese und seine Mutter. Sie schlief und er spielte mit seinem iPhone. Auf der RĂŒckseite seiner Lederjacke stand: CIVILIST.Â
Pilgram korrigierte, skizzierte, las, schlief, schrieb emails, trank Mondwasser und fuhr in Fahrtrichtung sitzend nach Wien. Er saĂ im Ruheabteil. Er guckte aus dem Fenster, sah deutsches Flachland, mitteldeutschen Sandstein, österreichische Polizeiautos, Berge und die Donau. Pilgram flĂŒsterte: Die Natur malt die schönsten Bilder.Â
In Wien war es zu warm fĂŒr die Daunenjacke, die er in Berlin noch anhatte. Pilgram zog seine Daunenjacke aus. Ein paar Stunden spĂ€ter erreichte auch seine Seele die Stadt. Die ZĂŒge fahren heutzutage so schnell, dass es immer ein bisschen dauert, bis man wirklich an einem Ort ankommt.Â
Pilgram war bei sich. Er schlief mit Wachs in den Ohren und einer Schlafmaske. Er machte morgendliche KörperĂŒbungen und subtile Tanzbewegungen am Abend. Nichts brachte ihn aus der Ruhe. Er und seine Freunde wohnten in einem Nest. Sie guckten sich Kataloge an. Zum Aufstehen tranken sie Schwarztee mit Milch, zum Einschlafen Fenchel Anis KĂŒmmel-Tee. Immer wieder spielte Pilgram Jah Shaka - Commandments of Dub Chapter 9. Sie kraulten in der schimmernden Edelstahlwanne des Stadthallenbads. Sie spazierten gemeinsam durch die Stadt, vorbei am Rochus, durch den Prater und entlang des Wienfluss. Sie arbeiteten an Pilgrams Ausstellung ÂŽinner gridÂŽ. Sie lieĂen sich Zeit. Sie waren konzentriert. Sie spachtelten und strichen WĂ€nde. Sie verlegten einen grau melierten Teppichboden. Er erinnerte an das Bildrauschen eines Fernsehers. Sie wĂ€hlten vier Malereien von Pilgram aus. Eine tauschte er am nĂ€chsten Morgen aus. Als ÂŽinner gridÂŽÂ fertig war, holte Pilgram VerlĂ€ngerte mit Hafermilch fĂŒr alle. Dann schrieb er die Titel seiner Arbeiten auf einen Zettel:Â
mine
loop
the therapistÂ
o.T. (bruised)
Nach sieben Tagen reiste Pilgram ab. Seine Taschen fĂŒhlten sich schwerer an, als auf der Hinreise. Er dachte: Das mĂŒssen die Erinnerungen sein :) Er hörte Dr. C Stein - He is with us und lehnte sich zurĂŒck.
Valentin Hesch am 27/04/2025

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in einem haus in st. louis
zink opening, wien
danke maya, lenny, valentin
rest in peace

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Luna
aufbau im zink