August Blau, Deborah Levy, 2023, Aki Verlag, Zürich.
Mal schüchtern und mal laut, von Rastlosigkeit geprägt, bewegt sich Elsa durch Städte, die für sie Heimat sind. Freundschaft gibt ihr Halt. Doch es fehlt ihr an Vertrautheit und Sicherheit. Damals in Wien hat sie auf der Bühne etwas verlassen. War es Mut, Selbstsicherheit, die Freude am Klavierspielen, oder gar am Leben als solches? Elsa sucht Antworten auf die Fragen, nach dem was war und einer neuen Perspektive. Doch kann es überhaupt ein anderes „Ich“ geben, als Elsa die Komponistin?
Dieses Buch ist ein jonglieren zwischen Welten, dem Heute und der Zeit davor. Die Protagonistin versucht sich in kleinen Rebellionen. Findet Vertrautheit und eine neue Möglichkeit der Identifikation in einer fremden Frau. Sie sieht sie als eine Art Doppelgängerin. Als eine Vision, der sie sich stark verbunden fühlt. Doch diese mysteriöse Person lässt eine physische Nähe nicht zu und flieht vor Elsa.
So beginnt eine Suche, nicht mehr nur nach Antworten, viel mehr nach Verbundenheit und neuen Chancen. Doch ist es tatsächlich die Suche nach etwas neuem oder vielmehr ein Ankommen im Leben, nach den etlichen Jahren ihrer Karriere als Konzertpianistin?
Wir als Leserinnen schwimmen mit ihr durch den Strom der Menschen. Paris, Athen, London. Viele der Passagen und Situationen sind sehr fein und klar. Leiten uns durch die Geschichte und lassen und versinken in der selben Rastlosigkeit, die auch Elsa verspürt.
Deborah Levys Worte sind ein Genuss des Lesens. Mich fasziniert, wie sie es immer wieder schafft aus vermeintlich gescheiterten Personen, Persönlichkeiten zu schaffen, die stark, selbstbewusst und vor allem Feministinnen sind. Ihre poetische Sprache ist so klar und schön, dass sie zum träumen einlädt.