In Gedenken an Peter Siebert â Gegen Nazis und ihre Umtriebe!
In der Nacht zum 26. April 2008 wird der 40-jĂ€hrige Peter Siebert von seinem 22-jĂ€hrigen Nachbarn, dem Neonazi Alexander B. in Memmingen erstochen. Zuvor hatte sich das Opfer (nicht zum ersten mal) ĂŒber den lauten Rechtsrock seines Nachbarn beschwert und diesem seine braune Gesinnung vorgeworfen. Im Laufe des Streits verfolgte Alexander B. seinen Nachbarn bis in dessen Wohnung und stach ihn dort mit einem Bajonett nieder.
Im Dezember 2008 wurde der TĂ€ter nach nur einem Prozesstag vom Landgericht Memmingen wegen Totschlags (!) zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Eine rechts motivierte Tat wurde von den Behörden damals nicht in Betracht gezogen, obwohl Alexander B. vor dem Prozess zugegeben hatte, er habe mit Siebert gestritten, âweil ich rechts bin". Erst zwei Jahre nach der Verurteilung rĂ€umte Manfred MĂŒrbe, VizeprĂ€sident des Landgerichts Memmingen, ein, dass ein rechtsextremer Hintergrund âwahrscheinlich" sei. Trotzdem taucht der Fall Peter Siebert bis heute nicht in der offiziellen Statistik der Todesopfer rechter Gewalt auf.
746 weitere Tötungsdelikte, die bundesweit zwischen 1990 und 2011 insgesamt 849 Todesopfer gefordert haben, sollen erneut auf rechte Motive âgeprĂŒft" werden, nachdem diese FĂ€lle in einer oberflĂ€chlichen ĂberprĂŒfung âAnfangsverdachtsmomente fĂŒr ein rechtsextremes Tatmotiv" her gaben. Darunter auch 137 FĂ€lle der âOpferlisten" nicht-staatlicher Stellen, davon 40 in Bayern. (1) Die Ereignisse um Peter Siebert sind einer davon. (2)
Peter Siebert bleibt auch nicht das einzige Opfer neonazistischer Gewalt im AllgÀu. Am 17. Juli 2013 wurde in Kaufbeuren ein 34-jÀhriger SpÀtaussiedler vom Neonazi Falk. H (Meiningen) mit nur einem Faustschlag so schwer am Kopf verletzt, dass er bewusstlos zu Boden ging und am Folgetag starb. (3) Der Prozess gegen Falk H. beginnt am 30. April 2014 in Kempten (AllgÀu). (4)
Damals erregte die Gewalttat in Kaufbeuren sowie der grausame Tod von Peter Siebert in und um Memmingen kein besonders groĂes Interesse bei der Bevölkerung, obwohl in der âidyllischen Kleinstadtâ schon seit Jahren ein sehr ernst zu nehmendes Naziproblem fest zu stellen ist, das die Stadt aber nach eigenen Angaben angeblich âim Griffâ hat. Mit diesem âArgument" lehnte der Memminger Stadtrat auch eine vom BĂŒndnis âMemmingen gemeinsam gegen rechts" beantragte âFachstelle gegen Rechtsextremismus" ab. (5)
Zur Situation in Memmingen (6):
TatsĂ€chlich gibt es seit Jahren immer handfestere Hinweise auf ein Erstarken von Neonazistrukturen im AllgĂ€u. Ein groĂer Teil der rechtsradikalen Szene hat in Memmingen eine Basis gefunden, die es ihnen ermöglicht problemlos zu agieren. Bereits im Jahr 2002 grĂŒndete sich im Memminger Umland die Neonazikameradschaft »Voice of Anger« (VoA). Die Gruppe nimmt seit mehreren Jahren aktiv an deutschlandweiten Demonstrationen und Rechtsrockfestivals teil. AuĂerdem stellen sie ihre Zugehörigkeit zu der neofaschistischen Kameradschaft offen zur Schau und es wird ihnen ermöglicht sich wie selbstverstĂ€ndlich auf den StraĂen Memmingens zu bewegen, ohne ernsthaft als die Gefahr erkannt zu werden, die sie darstellen.
Meist Ă€hnelt ihr Erscheinungsbild Angehörigen der Skinhead Subkultur, jedoch gibt es auch die neuere Tendenz, sich nicht nur optisch dem Rocker-Milieu anzunĂ€hern. Die meisten Mitglieder der Neonazigruppe stechen besonders dadurch hervor, dass sie mit dem Aufdruck - insbesondere auf ihren Clubjacken - ihres Logos, welches zur HĂ€lfte das Stadtwappen von Memmingen und zur anderen HĂ€lfte einen gekreuzigten Skinhead zeigt, in die Ăffentlichkeit treten. Auf beinahe jeder GroĂveranstaltung (Jahrmarkt, Stadtfest, etc.) sind sie nicht nur deutlich - in groĂer Zahl - sichtbar, sondern verhalten sich auch bewusst aggressiv und machen nicht selten auch durch körperliche Gewalt von sich reden.
Ein Beispiel dafĂŒr ereignete sich am Wochenende vom 5. auf den 6. Oktober. 2013. In dieser Nacht kam es fast zu einem blutigen Aufeinandertreffen von drei Antifaschist_innen und 2 Neonazis welche »VoA« zugeordnet werden konnten. Die Antifaschist_innen konnten rechtzeitig fliehen und sich in Sicherheit bringen, nachdem einer der beiden Nazis sie mit einem Springmesser bedrohte. Zudem wird vermutet, dass »VoA« eine Verbindung zum in rechten Kreisen bekannten Szenedruckladen »EPS-Werbetechnik« pflegt. Diese Druckerei ist zunĂ€chst nicht als Anlaufpunkt fĂŒr rechte Propaganda zu erkennen. Vertrieben werden aber, wie sich bei genaueren Recherchen ergab, einschlĂ€gige Produkte wie T-Shirts mit dem Aufdruck »I love NS« oder »Sstaffel«.
Ebenfalls hat das einflussreiche Rechtsrock-Label »Oldschool Records« seinen Hauptsitz in Memmingen. Es wird vermutet, dass auch deren Musik im »EPS-Werbetechnik« in der LindenbadstraĂe kĂ€uflich zu erwerben ist. Auf der Internetseite des Labels sind die T-Shirts mit den vorher genannten Aufdrucken wieder zu finden.
Bei »Oldschool Records« finden unter anderem lokal bekannte Bands wie »Faustrecht« (Mindelheim), »Codex Frei« (Memmingen) und »Southern White Punks« (Augsburg) UnterstĂŒtzung beim braunen Merchandising. Diese sind auch international unterwegs. »Faustrecht« zum Beispiel spielte auf diversen »Blood & Honour« Konzerten in Belgien und Italien.
Wie deutlich erkennbar ist wird das Treiben rechtsradikaler Strukturen in Memmingen meist geduldet oder aber zumindest ausgeblendet... und es wurde schon viel zu lange weg geschaut...!
Darum werden wir am 26. April, an dem sich der Todestag von Peter Siebert zum 6. Mal jĂ€hrt â im Gegensatz zu all den Jahren zuvor - in Memmingen laut sein!
Wir werden laut sein gegen die Nazis von »Voice of Anger«, »EPS-Werbetechnik« und »Oldschool Records« und ihnen und ihren Sympathisant_Innen zeigen, was wir von ihnen und ihrem brauen Mist halten!
Wir werden laut sein gegen die Ignoranz der Behörden und auch gegen das Wegsehen der Bevölkerung!
Und wir werden laut sein fĂŒr Peter Siebert und dafĂŒr, dass er nicht â wie so viele andere â weg geschaut und weg gehört, sondern seinem Mörder gezeigt hat, was er von ihm und seiner Gesinnung hĂ€lt!
FĂŒr ein lautes Gedenken an Peter Siebert und alle anderen Opfer rechter Gewalt!
Remembering means fighting! Gegen Nazis, ihre Umtriebe und die bis in die âMitte der Gesellschaftâ verbreiteten Bestandteile ihrer menschenverachtenden Ideologie!
Demonstration zum Gedenken an Peter Siebert
Samstag 26.04.14 um 14 Uhr Bahnhof Memmingen
Weitere Infos findet ihr unter http://www.react.or.ke/siebertÂ
Quellen:
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Todesopfer_rechtsextremer_Gewalt_in_Deutschland#Neue_.C3.9Cberpr.C3.BCfung
(2) http://jungle-world.com/artikel/2014/08/49366.html
(3) http://aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3946:neonazis-ermorden-mann-in-kaufbeuren&catid=45:ergriffe&Itemid=152
(4) http://jungle-world.com/artikel/2014/08/49366.html
(5) http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Memminger-Stadtrat-lehnt-Fachstelle-gegen-Rechtsextremismus-ab;art26090,1447971
(6) http://vruzt.resyst-a.net/Ausgaben/03/artikel/Zur_Situation_in_Memmingen/













