Die Maus und der Himmel
Mein Lieblingsplätzchen auf dieser Erde ist auf einer hübschen, kleinen, einsamen Parkbank, an einer Allee gelegen, mit Blick auf ein Feld unter einem weiten Himmel, gelegentlich passierenden Autos, Pferden, Fahrrädern, Turnschuhen, Hundeleinen und allerart Getier in der Luft und auf der Erde vorhinterübermir.
Der Heimaturlaub dauert nun schon fünf volle Tage an. Noch nie habe ich erlebt, wie schwer es wirklich sein kann, den Alltagsstress hinter sich zu lassen und noch nie ist mir bewusst geworden, wie nötig es ist, sich genau davon ab und an mal zu befreien. Ich stelle mir meine Verbindung zu Gott manchmal wie einen Kanal vor, der sowohl mein Abwasser abpumpt, als mich auch mit reinem, klaren Wasser versorgt, das ich zum Leben brauche. Ist der Kanal verstopft, geht beides nur noch so halb. Und wenn ich nichts dagegen tue, irgendwann auch gar nichts mehr.
In der Natur fühle ich mich wohl. Wenn ich die Herrschaftsverhältnisse in meinem Leben mal wieder genau geklärt haben will, gehe ich raus und sehe mir an, was mein Gott alles Geniales geschaffen hat. Manchmal habe ich das Gefühl, seinen Geist “einzuatmen”, wenn man das so sagen darf. Ich liebe Wald, Wiesen, Tiere, den Himmel, den Morgen, den Abend, das Meer, die Jahreszeiten, Feuer, Wasser, Luft, Wolken, jede Art von Wetter und ganz besonders die winzigsten Dinge, die es zu entdecken gibt. Geräusche, Gerüche, und andere kleine Phänomene machen mich neugierig bis zur Unerträglichkeit.
So sitze ich heute also auf besagter Parkbank und versuche alles aufzusaugen, was ich sehe. Dieses wunderbare Panorama. Diese Vögel, wie sie so frei über das Feld hinweg gleiten. Ich stelle mir vor, dass es so sein muss, wenn man wie die ersten Christen* von Gottes Geist erfüllt ist. Ein wenig davon habe ich ja auch schon erlebt. Naja, im Vergleich dazu dann doch noch sehr kümmerliche erste Flugversuche. Aber stell dir vor, du bist völlig von Ihm getragen - das muss wie Fliegen sein!
Jetzt bewegt sich die Sonne langsam gen Horizont. Die ganze Zeit strahlend blauer Himmel, doch jetzt ziehen einige Wolken auf und kreieren ein faszinierendes Lichtspiel verschiedenster Konturen und Farben. Mein Blick ist wie gefesselt, denn das Bild verändert sich mit jeder Sekunde.
Ein Rascheln hinter mir. Und ein Fiepsen. Ich weiß, da fleucht wieder mal eine Maus durch das Efeu. Ich habe sie schon öfters beobachtet, diese kleinen, graubraunen Fellbällchen. Wo ist sie? Ich will sie sehen! Wo ist die Maus? Mein Blick springt von dem Gebüsch zum malerischen Himmel und zurück. Ich will diese Maus sehen!
Aber warum? Wozu musst du sie sehen?
Ich habe keine Ahnung, warum ich meine Neugierde gerade in Frage stelle. Noch ergibt es auch keinen Sinn. Aber die folgenden Gedanken erklären alles:
Warum schaust du nach dieser Maus? Du weißt ganz genau, wie sie aussieht. Da gibt es nichts Neues zu sehen. Sie wird dich nicht faszinieren. Ich zeige dir hier ein wahres Spektakel am Himmel und du lässt dich einfach ablenken!
Auf der Suche nach mir - vergiss die Mäuse! Lass sie Fiepsen! Sie werden bei der kleinsten Verschreckung wieder im Gebüsch verschwunden sein. Sieh dir den gewaltigen Himmel an. Er ist immer wieder neu und doch einfach da. Und wunderschön!
Du willst doch eines Tages fliegen, oder?


















