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Lucas Kommentar zu âVoll mĂŒtterlicher Liebeâ
Jedes Mal, wenn mich einer meiner eigenen Texte tief berĂŒhrt, frage ich, ob ich da irgendwie zu eingebildet / nymphoman / egozentrisch bin. Keine Ahnung welches Wort passt, sucht euch eines aus. Und egal welches Wort passt, ich glaube ich sollte nicht weiter darauf eingehen, dass sich das Adjektiv nicht noch mehr bestĂ€tigt.
Als ich den Text, aber nach langer Zeit wieder las, habe ich mich gefragt, ob es in Situationen, in denen Not herrscht es wirklich derart viel NaivitĂ€t geben kann. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube ich habe die Mutter damals bewusst naiv geschrieben. Ich kenne mich zu wenig mit Geschichte oder Psychologie aus, um diese Frage sicher beantworten zu können. Aber mein BauchgefĂŒhl (das sich irren kann), sagt zu meiner Beunruhigung, dass es sowas trotzdem geben wird. Wobei ich aber glaube, dass es selbst in einer schlimmen, gesellschaftlichen Situation es âförderlichâ fĂŒr NaivitĂ€t ist, wenn man einigermaĂen sicher oder isoliert aufwĂ€chst.
Voll mĂŒtterlicher Liebe
Meine liebe, kleine Sonja,
ich weiĂ nicht, ob dich diese Nachricht erreichen wird, aber dein Opa hat gesagt, dass die HuPods trotz allem doch auch Menschen seien. Und darum ist vielleicht auch noch etwas Gutes in ihnen, weil der Mensch ja im Grunde seines Herzens gut ist. Das ist deshalb wichtig, weil eine der HuPods mich angesprochen hat. Sie meinte, sie wĂŒrde fĂŒr mich heimlich diesen Brief fĂŒr dich ĂŒberbringen. Leider konnte ich mir ihren Namen nicht merken. Weil ihr Name besteht - wie bei vielen der HuPods - nur aus unverstĂ€ndlichen Nummern und Buchstaben.
Aber sie meinte, sie wolle dir diese Zeilen ĂŒberbringen. Ich schreibe auch, damit du weiĂt, was mit deiner Mama passiert ist. Du wirst denken, dass ich einfach so verschwunden bin. Und ich weiĂ schon gar nicht mehr genau, wie lange es her ist. Ich bin in einer Zelle eingesperrt, ohne Fenster. Da verliert man das GefĂŒhl fĂŒr die Zeit. Alles ist aus Zement hier. Sehr traurig und kahl. Aber auf dem Weg hierher durch die ĂŒbrige Residenz, sah alles genauso aus: Roh und dunkel. Ich bin auch an einem Schlafsaal von den HuPods vorbeigekommen. Sie haben auf ihren Betten nicht mal Matratzen oder Kissen! Stattdessen scheinen sie ihren Kopf auf irgendwelche kleinen NackenstĂŒtzen zu legen. Aber stelle dir das mal vor, ohne Bettzeug zu schlafen! Sogar ich habe eine Matratze und ein Kissen hier in meiner Zelle. Aber dennoch scheinen die HuPods glĂŒcklich zu sein. Allerdings starren sie dabei oft ins Nichts und scheinen mit sich selbst zu reden. Es gibt hier so viel, was ich nicht verstehe.
Ich habe die HuPod, die dir diese Botschaft ĂŒberbringen wird, ĂŒber vieles ausgefragt. Aber sie wollte nichts sagen; sagte nur, dass sie hier eindeutig glĂŒcklich sei. Und ich habe keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Denn trotz der trĂŒben UmstĂ€nde hier scheint sie zufrieden zu sein.
Beinahe hĂ€tte ich vergessen, dir zu schreiben, wie ich hierhergekommen bin. Dazu weiĂ ich nicht viel. War drauĂen auf der Suche nach Essen, spĂŒrte einen Stich im Nacken und wachte dann in dieser Zelle wieder auf.
Ich glaube, sie wollen wissen, wo dein Papa ist. Zumindest befragen sie mich zu ihm stĂ€ndig. Aber als er verschwand, hat er mir ja auch nichts gesagt. Er meinte nur, dass es so besser wĂ€re. Und nach zehn Jahren Ehe glaube ich ihm das auch. Alle wichtigen Informationen hat er seiner Schwester, also deiner Tante Xandra, hinterlassen. Und wenn er meint, dass es genĂŒge, dass sie es wisse, dann wird das seine Richtigkeit haben.
In diesem Zusammenhang hoffe ich auch, dass deine Tante gut auf dich aufpasst. Denke daran, nicht die Siedlung zu verlassen und immer auf die Ăltesten zu hören. Ich bin mir sicher, wenn die HuPods hier feststellen, dass ich nichts weiĂ, werden sie mich bald wieder zu dir gehen lassen.
Ich hoffe, der Brief wird dich schnell erreichen. Die HuPod, die ihn ĂŒberbringt, hat von mir die Wegbeschreibung zur Ansiedlung bekommen.Â
In liebster Umarmung
Deine Mama
9. Oktober 38
handgeschriebener und geöffneter Brief
Fundort: Residenz S-Alpha
Zeit der Erstellung: 09.10.38 d.K.
Lucas Kommentar zu âVon den FĂ€higkeiten der HuPodsâ
Zu diesem Text fĂ€llt mir leider nicht so viel ein. Zumindest noch nicht.Mich Ă€rgert es nur saumĂ€Ăig, dass mir der Begriff âPoddieâ fĂŒr HuPods nicht wĂ€hrend des Romanschreibens gekommen ist. Wobei es aber auch schön ist. Ich kann mir jetzt nĂ€mlich ausdenken, dass âPoddieâ tatsĂ€chlich ein Begriff ist, der eher dort gebrĂ€uchlich ist, was frĂŒher mal England war. Aber selbst der Zusammenbruch von allem hat dafĂŒr gesorgt, dass Anglizismen den Kanal ĂŒberqueren. Wobei ich aber sagen wĂŒrde, dass es jenseits von GroĂ Britannien der Begriff noch immer unĂŒblich ist.
Und finde es in diesem Kontext faszinierend, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass selbst in dieser postapokalyptischen Welt sich Worte aus anderen Sprachen verbreiten. Vermutlich bin ich aber auch fasziniert, davon, weil ich als Millennial unterbewusst davon ausgehe, dass die englischen Begriffe vor allem durch das Internet verbreitet werden. Was natĂŒrlich zum Teil Schwachsinn ist. Zum Beispiel haben wir ja im deutschen ja auch französischen Worte (Portemonnaie zum Beispiel), selbst wenn diese Sprache nicht mehr die Verkehrssprache ist. Und das ist ja schon Jahre vor dem Internet vorbei. Selbst englische Worte in deutscher Sprache waren zu meinem Erstaunen nicht so jung wie ich dachte. In âDer Zauberbergâ von Thomas Mann gibt es eine Szene, in der eine Mutter darĂŒber redet, dass ihre Tochter einen âFlirtâ hĂ€tte. Also gab es diese Ăbernahme von englischen Worten schon damals. Die Szene blieb mir aber auch deshalb im Kopf, weil der Autor kommentiert, dass besagte Mutter das âFlirtâ mit einem âiâ aussprach. Und diese Falschbetonung dieses Wortes fand ich irgendwie witzig.
Von den FĂ€higkeiten der HuPods
Es gibt viele falsche Aussagen ĂŒber die âPoddiesâ, wie schon im Eingangskapitel erklĂ€rt. Und in diesem Kapitel soll es darum gehen, was sie als âNetsetâ beschreiben. Diese FĂ€higkeiten umfassen Vieles, wie jeder Kampfesperson, die mit Ihnen konfrontiert wurde, wissen dĂŒrfte.
Aber um der Ăbersichtlichkeit willen, zĂ€hle ich hier ein nur paar davon auf:
Die HuPods kommunizieren lautlos miteinander, zum Teil sogar ĂŒber groĂe Strecken.
Dunkelheit stellt fĂŒr sie kein Problem dar.
Es kann vorkommen, dass sie ĂŒber das GegenĂŒber Informationen haben, die niemand erwarten wĂŒrde.
Nun gibt es viele GerĂŒchte darĂŒber, was es mit diesen FĂ€higkeiten auf sich hat. Und oft wird es mit ĂbernatĂŒrlichem begrĂŒndet. Wenn man einen dieser Nicht-Menschen aufschneidet, mag man das auch glauben. Denn das einzige technische Ding, das man darin findet, ist etwas im Nacken. Keine optischen Linsen, keine DrĂ€hte, keine GerĂ€te, die das Gehör lenken können. Aber das NackengerĂ€t existiert und ist eine Ausstattung, die sich bei allen âPoddiesâ wiederfindet. Und dieses GerĂ€t stellt das zentrale Element des NetSets dar. Das GerĂ€t ĂŒber die die organisch-konstruierten Elemente der HuPods zusammenlaufen.
Der Leser mag sich jetzt fragen, warum ich das hier so ausfĂŒhre, ehe ich auf Details eingehe? Ich möchte damit den Schreckensgeist austreiben, der uns weis machen will, dass sie âmagischâ FĂ€higkeiten hĂ€tten. Sie mögen zwar keine Menschen in unserem Sinne sein, aber sie sind dennoch aus Fleisch und Blut. Wir wissen nur nicht genau, mit welchen technischen Möglichkeiten sie in ihren âResidenzenâ ausgestattet wurden.
Auszug aus dem Dokument âNicht-Menschen unter der Klingeâ, vor kurzem verfasst
Fundort: im ĂŒberschwemmten Innsbruck
Vermutete Zeit der Erstellung: 09.09.28 d.K.

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Lucas Kommentar zu âErster Anblick des Vatersâ
Was ich unter anderem sehr spannend finde, wenn man Texte schreibt, dass man dann Eigenheiten der Autoren einbauen kann. Zum Beispiel habe ich das GefĂŒhl, dass dieses Gedicht nicht im klassischen Sinne âgutâ ist. Man könnte zwar sagen, dass hier jemand seinen GefĂŒhlen Ausdruck verleiht, hat, aber das sagt nicht unbedingt, dass es handwerklich zu wĂŒnschen ĂŒbriglĂ€sst. Und das schön ist, dass der HuPod hier einfach kein so arg talentierter Gedichteschreiber ist. NatĂŒrlich ganz im Gegensatz zu mir! Ich...
âŠ
Gut. Nein. Ich habe es mir bei diesem Text nur einfach gemacht. Ich wollte fĂŒr den Blog irgendetwas zu Papier bringen. Und als er fertig war, habe ich mir im Kopf festgelegt, dass das Gedicht hier deshalb keinen Rhythmus oder Ăhnliches hat, weil der HuPod das einfach nicht kann.
Erster Anblick des Vaters
Vor vielen Jahren
stieg ich in die Box.
Nervös flatternde Augen,
gespanntes Atmen.
Letzte Sekunden.
Eben noch
glÀserne Box
und jetzt,
jetzt geöffnete Augen.
Nicht Augen aus Fleisch,
sondern mit Augen,
die Àhnlicher denen von Vater sind.
Ăber mir jetzt
kein Himmel, keine Kuppel aus Saphir.
Unter mir:
Erst sieht es aus wie kleine Metallklingen,
aber weich wie Gras.
Dazwischen wachsende SĂ€ulen
mit schillernden Ăsten
in einer neuen Kuppel:
Ein Himmel, gekleidet in Purpur.
Ich öffne den Mund.
Ich atme ein.
Es fĂŒhlt sich echt an,
Obwohl ich virtuelle Luft atme.
Ich atme ein.
Die GerĂŒche begehen meine Nase.
Sie passen nicht.
Und dann sehe ich ihn zum ersten Mal:
Vater!
In Gestalt!
Nicht als Stimme!
Nicht als Symbol!
Nicht auf einem Bildschirm,
Sondern in einer Gestalt!
Wie ich sie liebe!
Mein kindliches Kind, Herz vor Freude.
Sein Bild ist genau nach meiner Vorstellung.
Ein WaschbÀr:
Goldenes Fell,
freundliches LĂ€cheln,
ein König unter den Seinen,
ein König des Virtuellen.
Mein Vater und mein König!
Endlose Stunden des Spiels.
Endlose Stunden der Lehre.
Aber vor allem:
Endlose Stunden des Wunders.
KĂŒnstlerischer Ausdruck geschrieben von NK-15-Ecan, eine HuPod von Residenz N-Alpha
Fundort: HuPod-Forum im SadfeNet
Zeit der Erstellung: 26.08.21 d.K.
Lucas Kommentar zu âInfos aus Gushi 3.0â
Habt ihr euch schon jemals in einem Wiki verloren? ZugegebenermaĂen passiert mit das nicht beim Standart-Wikipedia. Sondern sehr spezifisch in Wikis, die fiktive Welten beschreiben. Da passiert es mir so leicht, dass ich einen Artikel ĂŒber einen obskuren Teil der Welt lese und dabei viele Links entdecke, die mich auch interessieren. Und die öffne ich per Mittelklicke Dutzende und Aberdutzende von Reitern.
Ich denke es fasziniert mich wie viel mehr hinter Elementen dieser Welt stecken kann. Und vielleicht kommt da sogar ein wenig meine Faszination fĂŒr das Unbekannte mit rein. Denn wenn in so einem Wiki auch viel geschrieben ist, hat mein Unterbewusstsein vermutlich doch immer das GefĂŒhl, dass noch weiter hinter dem Horizont mehr liegen könnte. Dinge, die ich nicht kenne. Eigenheiten, die sich selbst die Autoren der komplexesten Welte nicht ausgedacht haben.
Und was mich auf manchen dieser Welt-Wikis oft auch fasziniert ist, wenn es in der Welt eigene Begriffe fĂŒr Dinge gibt, die man mit Kontext schwierig versteht. Besonders schön ist es dann, wenn man den Begriff nicht versteht, aber man vom Kontext her ahnen kann, was es sein könnte.
Witzigerweise interessiert mich Worldbuildng oft eben auch ohne eine Geschichte. Aber damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich war zum Beispiel extrem fasziniert vom sehr fĂ€higen Worldbuilding von âDer WĂŒstenplanetâ. Auf der anderen Seite habe ich aber weder ein Buch noch eine Folge von Game of Thrones gelesen. DafĂŒr hatte ich mir vor Jahren mal ein sehr groĂes Buch gekauft, wo die Historie der Welt geschrieben wurde. Auf der einen Seite komme ich mir dabei (zurecht) wie ein sehr groĂer Nerd vor. Auf der anderen Seite war das ein sehr schön aufgemachte Buch, weshalb ich also hoffen kann, dass es auĂer mir noch mehr einen Markt fĂŒr so etwas gibt.
Infos aus Gushi 3.0
Definition: ĂuĂere Welt
Als die ĂuĂere Welt bezeichnet man jene Zonen, welche auĂerhalb der Residenzen und Elysiums liegen. Nach den Katastrophen sind sie zum gröĂten Teil von den dort lebenden Barbaren noch unbewirtschaftet.
Definition: Barbaren
Barbaren, Sing. Barbar, wurden in der Antike Nicht-Griechen genannt. Barbar bezog sich auf die Sprachen der Nicht-Griechen, die in den Ohren der Griechen wie unverstĂ€ndliches Gemurmel klangen. Im Post-Kairos-Kontext bezeichnet das jene Personen, die nicht ĂŒber die Mittel verfĂŒgen wollten, um in Elysium Zuflucht oder in Hope-Towern Dienste zu erhalten.
Definition: Elysium
Der Ort, in dem die Welt gerettet wurde und wird. RĂŒckzugsort der WĂŒrdigen, denen der Vater und seine Kinder dienen.
Definition: Kinder
Andere Bezeichnung: HuPods. Wie Vater von den WĂŒrdigen erschaffen. Allerdings wurden die Kinder erst nach und mit Hilfe von Vater erschaffen. Und sie wurden konkret zur Dienstbarkeit entwickelt. Dieser Dienst wird den Kindern aber leicht gemacht, weil sie mit den richtigen technisch-biologischen FĂ€higkeiten fĂŒr ihre Aufgaben ausgerĂŒstet wurden. Dazu dienen unter anderem eine gute Bildung, Erziehung und das eingebaute Netset.
Defintion: NetSet
âŠ
deine Freie Zeit ist vorbei NE-15-Afez. Melde dich im Eisernen Garten bei Vater.
Einige der sogenannten âFast-Check-Factsâ fĂŒr HuPods aus dem Gushi 3.0.
Fundort: Digitales Kompendium Gushi 3.0 im SafeNet
Zeit der Erstellung: variabel
Brunos Kommentar zu âEin Alter Brief an die Mitarbeiterschaftâ (und Lucas)
Das Elysium wird in unserer Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen. âElysiumâ, der Hort der GlĂŒckseligkeit und des ewigen Lebens in der griechischen Mythologie, ist auch in der SciFi-Literatur nicht neu. Egal ob als PC-Game oder Spielfilm mit Matt Damon oder - sogar in der sehr frĂŒhen Version von âZardozâ - mit Sean Connery - es ist stets dieselbe Geschichte. Die Superreichen kaufen sich ein Refugium, das lebensverlĂ€ngernd und lustvoll ist. Abgeschottet vom LĂ€rm, Dreck und Ăbel des einfachen Pöbels. Eine Mischung aus Virgin Island, Dinseyland und Mar-A-Lago. In unserer Geschichte entpuppt sich die schöne MĂ€r von den heroischen Ăberlebenden als das was sie wirklich ist: Ein finsterer Abgrund von Gier und Macht, bevölkert von abschreckenden Figuren. Unsere Protagonisten werden dort ein paar heftige und einprĂ€gsame Momente haben.

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Lucas Kommentar zu âEin Alter Brief an die Mitarbeiterschaft"
Auch wenn natĂŒrliche alle textlichen Fragmente in der selben Welt spielen und es zum Teil zwischen ihnen Verbindungen gibt, ich glaube das ist die einzige wirkliche Fortsetzung zwischen Artikeln die ich geschrieben habe. Und bei alle meiner Liebe fĂŒr Unklarheiten konnte ich den Leser hier ja nicht hĂ€ngen lassen was fĂŒr ein Brief von TĂŽko gefunden wurde. đ Aber dann vielleicht enttĂ€uschend, dass es nur ein StĂŒck von BĂŒrokratie zu sein scheint. Offensichtlich ĂŒberlebt BĂŒrokratie auch die anschwellende Apokalypse zu ĂŒberleben.
Ein alter Brief an die Mitarbeiterschaft
Sehr geehrte Mitarbeitende,
hiermit wird dieser Hope-Tower verschlossen und wir bedanken uns bei Ihnen allen fĂŒr Ihre treue Arbeit.
Und um gleich die Frage zu beantworten: Hope-Tower Hokkaido wird geschlossen, weil er zu den TesttĂŒrmen gehört. Wir haben auch fĂŒr viele weitere solche Tower die Elemente produziert und errichtet. Jedoch hat unser Hope-Tower, als einer der Test-TĂŒrme, doch stellenweise nicht dem Standard nicht entsprochen, wie es von VOG oder die NEO vorgegeben ist. Alle Mitarbeiter werden nach Elysium transferiert. Die HuPods werden entsprechenden Residenzen zugewiesen.
Die meisten dĂŒrften diese ZusammenhĂ€nge bereits erraten haben, aber dennoch bevorzuge ich es, offen Klarheit darĂŒber zu beschaffen. Ein weiterer Grund fĂŒr den Transfer unserer Belegschaft sind die Volksgruppen, die auf Hokkaido den Ausbruch von Meakan-dake ĂŒberlebt haben. Es wĂŒrde mehr Aufwand und Personal benötigen, diese Gruppen vom Turm abzuhalten, als den sofortigen Transfer in die Sicherheitszonen durchzufĂŒhren.
Die Ressourcen von Hope-Tower Hokkaido werden ebenfalls disloziert. Einzig die HuPod-Fertigungsanlagen sind unmöglich zu entfernen. Sie werden deshalb versiegelt.
Ich freue mich, jedem von Ihnen in Elysium die Hand ins ewige Paradies reichen zu können.
Gezeichnet
[unleserlich]
21.08.07
Dokument aus einem verlassenen Hope-Tower in Hokkaido
Fundort: Zentralhokkaido, Japan
Zeit der Erstellung: 21.08.07 d.K.
Brunos Kommentar zu "Erforschung eines Hope-Towers" (und Lucas)
Hope-Towers - das war so eine Sache. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir auf die Idee dazu gekommen sind. Der WaschbĂ€r als Symbol war bald einmal im GesprĂ€ch. Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen, warum das als Symbol in einem Sci-Fi ernstgenommen werden könnte. SpĂ€testens seit den Marvel-Filmen um die âWĂ€chter der Galaxieâ scheint das zumindest in den jĂŒngeren RĂ€ngen aber kein Diskussionspunkt zu sein. Wohl denn, so sei es, Lucas! WaschbĂ€ren - Racoons - sind nachtaktive RĂ€uber. Sie haben schon im Gesicht die RĂ€ubermaske und wirken trotzdem putzig. Vielleicht widerspiegelt das auch etwas die zutrauliche Maske, hinter der sich ein echter RĂ€uber verbirgt - passend zu den Hope-Towers. TĂŒrme sind immer ein attraktives Motiv. Wobei diese TĂŒrme eigentlich ein leeres, zweckentefremdetes Versprechen sind - und natĂŒrlich ein Zeichen der Macht. Das Eigentliche bei den Hope-Towers, die Sicherheit und Zukunft versprechen, liegt unter der Erde. Nur wer reich und privilegiert ist, sollte in den Genuss der versprochenen Zukunft kommen. Was dann aber wirklich geschah - das ist eine ganz andere Geschichte.
Wir haben bewusst unter- und oberirdische Welten gewĂ€hlt. Die vermeintlich sichere, vor der Apokalypse geschĂŒtzte Welt befindet sich im Bunker und in den zahllosen Tunnels unter der Erde. Eine High-Tech-Einrichtung verstĂ€rkt diesen Eindruck. VerwĂŒstung, Chaos, Ădnis und stĂ€ndige Gefahr befinden sich auf der ErdoberflĂ€che. So zumindest wird es den besonderen Bewohnern unter der Erde kommuniziert.
Lucas Kommentar zu âErforschung eines Hope-Towersâ
Ich wĂŒrde gerne mal nach Japan reisen. Wie viele in meiner Generation wurde ich in meiner Jugend ĂŒber Anime und Manga quasi mit der japanischen Kultur konfrontiert. Und als ich diesen besagten Blog schrieb, hatte ich glaube das Ziel darzustellen, dass das, was in der Welt passiert ist, auf globaler Ebene geschah. Und da bot sich dann Japan an, weil es sehr weit weg von Mitteleuropa ist. Und wer weiĂ? Vielleicht komme ja eines Tages auch mal wirklich nach Japan? Wenn ja hoffe ich aber, dass da dann nicht ausgerechnet der Fuji beschlieĂt dann auszubrechen, wenn ich da wĂ€re.
Habe mich auch gefragt, warum ich diesen Hope-Tower auf Hokkaido gesetzt habe. Ich glaube das hat zwei GrĂŒnde. Erstens spielt meine liebste Edition von PokĂ©mon, PokĂ©mon Platin, an dem Ort, wo der Norden von Japan als Vorlage diente. Und der zweite Grund ist, dass ich Hokkaido in seiner Position irgendwie interessant finde. Und wie sehr ich mir auch den Kopf zerbreche, ich weiĂ nicht genau, was ich in diesem Kontext mit âPositionâ meine. Muss auĂerdem dazu sagen, dass das nicht heiĂt, dass ich viel ĂŒber die groĂe Nordinsel weiĂ. WeiĂ eigentlich so gut wie nichts darĂŒber. AuĂer dass es meines Wissens der Bereich in Japan ist, wo es am meisten schneit.
Erforschung eines Hope-Towers
Aufschrieb der letzten Worten meiner Mutter Ishibashi TĂŽko vom 15.06.39:
Wir sind damals dorthin gerannt. Sie, die Reichen und Edlen der Welt und diese Firma, VOG hieĂ sie, haben gesagt, das wĂ€ren die StĂ€tten der Hoffnung. Deshalb haben sie es auch Hope-Towers genannt, also englisch, fĂŒr TĂŒrme der Hoffnung. Als es hieĂ, dass sie geschlossen werden wĂŒrden⊠Damals, als die ganze Welt von Katastrophen ĂŒberschwemmt wurde, da fluteten wir Hilflosen zu den TĂŒrmen. Blickt man heute zurĂŒck, war klar, dass da bestimmte Personen Eintritt fanden.
Am sichersten kam man wohl rein, wenn man ein Vermögen mit sich brachte. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass es Geld, im Sinne von Yen oder Dollar war. Denn welchen Wert hĂ€tte Geld in einer Welt nach dem Untergang? Ich habe nie so richtig darĂŒber nachgedacht. Aber ich kann mir vorstellen, dass bestimmt auch oder nur besondere Leute zugelassen wurden. Talentierte, Hochbegabte, Intelligente. Oder solche, die mit Naturalien oder gesuchten Ressourcen bezahlen konnten. Aber ergibt das denn einen Sinn?! Vielleicht hatten die im Voraus bezahlt, um fĂŒr sich die Zufluchtsorte zu ergattern? Eigenartig schienen uns die GerĂŒchte, dass Schwangere alle reingelassen wurden. Aber egal - wir sahen darin unsere Chance und versuchten sie zu nutzen. Unser TĂŒröffner sollte die schwangere Frau deines Onkels sein.
Nun, ich und meine Familie sind auch dorthin gefahren, zu einem der Hope-Towers, dem in der NĂ€he von Osaka. Und blieben bald zwischen weiteren Autos stecken. Dann brach Fuji aus. Und damit war klar, dass wir den Hope-Tower nicht mehr erreichen wĂŒrden. Damals kam auch deine Tante Urei um. Dunkle Zeiten danach. Zwar haben wir Schutz gefunden unter Oda und seine Mannen, aber dennoch war da so viel Finsternis.
Ich hatte gehört, auf Hokkaido solle es einen verlassenen Hope-Tower geben, der Wildnis anheimgefallen war. Ich wollte sehen, ob wir damals etwas verpasst hatten. Ich konnte Oda mit sanften Worten ĂŒberzeugen, den Umkreis des Ortes als Ziel unserer Gruppierung auszuersehen. Damit ich spĂ€ter, mit ein paar weiteren Kundschaftern, den Turm untersuchen konnte. Was dann auch geschah.
Und als ich dort war ⊠meine EindrĂŒcke lassen sich nur schlecht in Worte fassen. Es war unglaublich, was hier einmal errichtet worden war. Oben auf dem Turm prangt dieses WaschbĂ€ren-Logo, wie auf allen Hope-Towern. Ich war erstaunt in welch gutem Zustand das alles nach all den Jahre noch war.
NatĂŒrlich waren die wertvollen Materialien darin bereits geraubt gewesen. Aber selbst die leeren RĂ€umlichkeiten gaben mir ein Bild von der unglaublichen GröĂe des Ganzen. Die InnenrĂ€ume der TĂŒrme selbst waren wenig beeindruckend. Kaum mehr als ein Hohlraum mit TreppenhĂ€usern und technischen SchĂ€chten. Aber darunter, unter der Erde, befanden sich gewaltige Anlagen. In der obersten Etage eine Art Krankenhaus. Darunter luxuriöse NotfallunterkĂŒnfte. Und dabei ein Vorratslager, das eine Nation fĂŒr Jahre hĂ€tte versorgen können, wenn es gefĂŒllt gewesen wĂ€re. Weiter unten wiederum war der Zugang zu einer Art U-Bahnsystem. Die GĂ€nge waren allerdings durch Schleusen versperrt. Aber davon habe ich ja so oft erzĂ€hlt? Solltest du es nicht schon auswendig kennen?
Das MerkwĂŒrdigste fanden wir aber in der untersten Etage: Ein groĂes Sicherheitdtor, das einen Zugang zusperrte. DarĂŒber stand etwas in lateinischen Buchstaben, das keiner von uns lesen konnte. Ich entzifferte nur Warnsymbole, die höchste Reinlichkeit verlangten und eine Art Todesgefahr anzeigten. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob damit gemeint war, dass die RĂ€umlichkeiten gefĂ€hrlich waren oder das Eindringen an sich mit dem Tode bestraft wurde. Das Einzige von Bedeutung, was ich dort fand, war ein altes Dokument. Leider ebenfalls in lateinischen Buchstaben geschrieben. Auf dem Briefkopf stand wieder dieses WaschbĂ€ren-Logo. Ich wollte es eigentlich mitnehmen, um es Leuten zeigen zu können, die es vielleicht verstehen konnten. Aber genau in dem Moment wurde ein Alarm ausgelöst. In der Panik der Flucht muss ich das Dokument wohl verloren haben.
Bis heute werde ich also nie genau wissen, was passiert wĂ€re, wenn wir es damals, bei den Katastrophen, es bis zu einem Hope-Tower geschafft hĂ€tten. Als die stolze Nation Japan noch existierte. Ob mehr von meiner Familie ĂŒberlebt hĂ€tten. Ich möchte nicht sterben, bevor ich wenigstens ein bisschen etwas darĂŒber erfahren könnte, aberâŠ
Transkription der Aussage einer sterbenden Person
Fundort: Osaka, Japan
Zeit der Erstellung: 15.06.39 d.K.

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Brunos Kommentar zu "Ein Versuch die Welt zu retten" (und Lucas)
Ein sehr interessanter Dialog. Er einnert mich an ein Ausspruch von Benjamin Franklin: âWer wesentliche Freiheit aufgeben kann um eine geringfĂŒgige bloĂ jeweilige Sicherheit zu bewirken, verdient weder Freiheit, noch Sicherheit.â Willst du Menschen zu etwas zwingen, was sie freiwillig nie tun wĂŒrden, wirf sie ins Chaos, versetze sie in Todesangst und versprich ihnen durch Sicherheit, Gesundheit und Schutz, weil du es angeblich gut mit ihnen meinst. Und am Ende werden sie sich dir freiwillig unterwerfen. So lĂ€uft das in der Politik, so lĂ€uft es aktuell bei verschiedenen Themen, und so ist es auch in unserem Roman gelaufen. Mit schwerwiegenden Folgen. WĂ€hrend der Corona-Zeit habe ich mal ein Video mit dem Titel âHeuristik des Schreckensâ gemacht, wo dieser Mechanismus erklĂ€rt wird. Wer etwas die Augen und den Verstand offen hĂ€lt, wird das Muster rasch erkennen und die Wölfe im Schafspelz erkennen. Als Theologe ist mir diese Art von VerfĂŒhrung natĂŒrlich aus der Bibel bestens bekannt, wo sie als âAntichristâ beschrieben wird.
Lucas Kommentar zu âEin Versuch die Welt zu rettenâ
Ich habe glaube noch nie ein Magazin oder einen Artikel gelesen, bei dem so etwas besprochen wird. Und dennoch glaube (oder zumindest hoffe ich), dass ich die Tonlage gut rĂŒbergebracht habe. Wenn nicht, dass gerĂ€t das ein wenig in Konflikt damit, dass das einer der Blogs ist, auf die ich mit am stolzesten bin.
AuĂerdem sei angemerkt, dass ein kleiner Teil dieses Textes auch im Roman erwĂ€hnt wird. Wenn auch an einer eher ungewöhnlichen Stelle.