Mit Manu von Wanda bei „Vienna’s Most Exciting Porn Night“.
Welcher Film hat dir am besten gefallen? Welchen fandest du am schlechtesten? Warum?
Am besten gefallen hat mir der Film mit dem Tänzer und dem Eisblock, weil in ihm sehr gut dargestellt wurde, wie die zwischenmenschlichen Bemühungen einer Person gegenüber einem anderen Menschen manchmal nicht erwidert werden. Und dieses Nicht-Zurückbekommen von seinen Anstrengungen als Eisblock darzustellen, war meiner Meinung nach eine sehr schöne Verbildlichung.
Außerdem hat die Schlussszene dieses Kurzfilms, in welcher der Protagonist zuletzt nach unermüdlichem Umgarnen des Eisblocks auf dem jenem in Denkerpose sitzt, sehr schön gezeigt, wie man sich fühlen kann, wenn einem die Unmöglichkeit seines Tuns bewusst wird.
Bist du der Meinung, dass in eben dieser Schlussszene eine gewisse Art von Dominanz gezeigt wurde?
Ich denke, dass der Aspekt der Distanz, wie auch der der Dominanz gleichermaĂźen zum Zuge kommt. Es zeigt sich eine gewisse Art der Balance. Der Protagonist erscheint ebenso resignierend, wie bestimmend. Das Sitzen auf dem Eisblock schreibt der Person wiederum eine gewisse Art von Kraft zu, welche sie aber nicht in der Lage ist auszuspielen.
Dies charakterisiert aber nur die Momentaufnahme, welche im Film an sich gezeigt wird. Wenn man nun die Geschichte fortführt, wird es so kommen, dass der Tänzer mit seiner Körperwärme in der Lage ist, das Eis zu schmelzen, bis es nicht mehr vorhanden ist. Es bleibt nur er allein zurück. Im Prinzip greift hier dann nur noch die Hoffnungslosigkeit.
Und welcher Film hat dir am wenigsten gefallen?
Am wenigsten hat mir der Film gefallen, an den ich mich nicht mehr erinnern kann. Den kann ich jetzt aber zwangsläufig auch nicht beschreiben oder benennen, da er mir eben entfallen ist. (lacht)Â
Von den Filmen, an die ich mich erinnern kann, ist mir ein bunter Film mit vielen Blumen und schneller Musik negativ in Erinnerung geblieben, weil dieser eine auf plumpe Art und Weise die Verbindung zwischen dem Natürlichen, Körperlichen des Sexualaktes und der Natur an sich darzustellen versucht hat.
Aber Grafikdesigner, der hier am Werk war, hat dafĂĽr sicher coole 2000 Euro fĂĽr den Urlaub bekommen. (lacht)
Aber ich habe das nicht sonderlich interessant gefunden.
Mochtest du die Filmauswahl generell?
Ich hab mir im Vorfeld gedacht, dass es mehr Geschlechtsteile zu sehen gibt, einfach mehr Porno. Aber das weggenommen hat mich die Auswahl generell angesprochen.
Besonders positiv ist mir das breite Spektrum an gezeigter Sexualität aufgefallen. Die groben Themen der einzelnen Filme haben es nämlich auch geschafft nicht nur die oft präsentere heterosexuelle Orientierung aufzugreifen, sondern eben auch Ausrichtungen wie die der Homosexualität und Travestie zu beleuchten. Und das alles mit einer gewissen Ästhetik.
Es war halt wenig ficken, wenig Porno, wenig 01.
Wie fandest du die musikalische Untermalung der Filme?
Daran kann ich mich nicht erinnern, obwohl in den Filmen eigentlich generell wenig gesprochen wurde und die Musik einen groĂźen Raum eingenommen hat.
Ich bin Musiker und dieses Nichterinnern an die musikalische Unterlegung spricht meiner Meinung nach fĂĽr das musikalische Konzept.
Wenn mir die Musik besonders in Erinnerung geblieben wäre, müsste ich wahrscheinlich zu einem Therapeuten gehen.
Gehören Sex und Musik für dich zusammen?
Wenn ich Sex habe ist keine musikalische Untermalung nötig. Musik steigert weder meine Lust, noch stört sie mich beim Akt. Als auditive Untermalung reicht mir ein Stöhnen, Atmen. Die natürlichen Geräusche die den Geschlechtsverkehr begleiten: Ein Quietschen vom Bett oder eine Heizung die klopft. Das kann man auch fast als Musik sehen, oder zumindest als Klang, als auditiven Input.
Ich brauche keinen Berry White um sinnlichen Sex zu haben.
Andersherum werden in der Musik sehr oft die Themen Sex und Liebe angesprochen. Das hat aber einen eher verarbeitenden Charakter. Vor allem geht es hier bei um die Sehnsucht.
Um die Sehnsucht nach Sex. Und Musik in der es um den Sexualakt an sich geht suche ich persönlich gar nicht erst.
Heruntergebrochen auf deine Tätigkeit und dein Schaffen als Musiker: Passen Pornos und Amore zusammen?
Und wie stehst du persönlich zu Pornos?
Ähnlich wie zu Zigaretten. Es gibt Phasen am Tag, da verspüre ich die Lust danach stärker, aber es gibt wiederum auch Zeiten, in denen ich keinen Gedanken an sie verschwende. Aber ich könnte, glaube ich, nicht ohne.
Wie viele Pornos schaust du ungefähr in der Woche?
Jetzt, nachdem du die Vorstellung besucht hast, würdest du, wenn es solche Filme, wie sie heute gezeigt wurden im Internet gibt, sie den „herkömmlichen“ Pornos vorziehen?
Nein. Mich reizen in der Hinsicht, solche Erotikfilme mit Aussage und Inhalt und vielleicht sogar noch mit einer gesellschaftlichen Bedeutung überhaupt nicht. Das liegt wohl daran, dass ich ein emotional und sinnlich sehr erfülltes Leben habe. Ich konsumiere Pornos dann, wenn meine Freundin nicht da ist und ich so schnell wie möglich zu einem Orgasmus kommen möchte. Da geht es mir vor allem darum den Sexualakt durch bildliche Reize zu simulieren.
Was ich sehr interessant finde ist, dass Leuten die eben solche Erotikfilme schauen, in denen es nicht um den Akt an sich geht, sondern um das, was darum herum gebaut ist, viel mehr fehlt im Leben, als mir im Moment fehlt, wenn ich einfach nur schauen möchte, wie ein Penis in eine Muschi hineinsticht, damit ich 5 Minuten weniger wichsen muss.
Ich bin froh, dass ich diese Sinnlichkeit und diese in den Filmen gezeigt Erotik im echten Leben offensichtlich habe.
Würdest du sagen, dass offensichtlich schlechte Songs, die man aber trotzdem hört mit den „herkömmlichen“ Pornos zu vergleichen sind? Wohingegen folglich die qualitativ hochwertigen, anregenden Stücke eher den heute gezeigten Filmen zuzuordnen sind.
Das ist eine sehr interessante Frage, die ich nicht beantworten kann, da ich keine schlechte Musik höre. Ich bin der Gitarrist von Wanda. Ich höre nur qualitativ hochwertige Musik, die mir ein allumfassend schönes Gefühl im Leben gibt.
Um noch einmal zu dem Programm zurückzukommen: Würdest du dich trauen irgendwelche Verbesserungsvorschläge anzubringen? Oder hast du Anmerkungen?
Also ich habe es sehr interessant gefunden, dass gefühlt 90% des Publikums weiblich war. Man könnte das zum einen so herleiten, dass Frauen vielleicht leichter mit der Öffentlichkeit zurechtkommen. Ich nehme auch an, dass sie leichter über so etwas sprechen können, als wir Männer.
Aber ich könnte mir auch ganz gut vorstellen, dass mehr Frauen als Männer ihre Sehnsüchte zulassen. Dass Frauen viel eher zugeben, dass sie sinnlich und erotisch unbefriedigt sind. Verbesserungsvorschläge habe ich in dem Sinn keine, weil ich kein Bedürfnis habe mir Erotikfilme im Kino anzuschauen.
Ich muss aber als 30-jähriger, sicherer Hetero sagen, dass ich bei all den Filmen nur bei einem Schwulenfilm, in dem explizite Handlungen vorkamen, minimal einen Harten bekommen habe. Das war einer der interessantesten Aspekte dieses Abends.
Meinst du, dass liegt daran, dass das der einzige Film war in dem die primären Sexualorgane so genau gezeigt wurden?
Vielleicht ja. Das kann schon damit zusammenhängen, dass bei dem Film meine Art des Pornokonsums am ehesten angesprochen wurde, obwohl es Schwulensex war.
Aber auf Frauen stehen werde ich weiterhin.
Abschlussfrage: Was war heiĂźer? Die Filme oder die Raumtemperatur?
Die Raumtemperatur. (lacht)