MEINUNG
Lieber Niko Kovac - du warst meine Held und Vorbild zugleich. Du hast Eintracht Frankfurt sportlich wieder auf Trab gebracht, Perspektiven geschaffen, Mut mit deinen Entscheidungen bewiesen und in Frankfurt wieder ansehnlichen Fußball spielen lassen. Kein anderer Trainer der jüngsten Zeit kann dir in Frankfurt das Wasser reichen.
Du warst besonders. Eben nicht nur, weil du sportlichen Erfolg herbeigeführt hast, sondern weil du - wie ich dachte - ein charakterlich einwandfreier, über allem stehender, Mensch bist. Deine öffentlichen moralischen Appelle und Klagen über den Sittenverfall im Fußball. Damit hast du vielen Fußballfans - denen der Sport am Herzen liegt - aus der Seele gesprochen.
Ich fühlte mich mit dir seelisch verbunden, du warst eine moralische Instanz und Verteidiger des "gesprochenen Wortes" in dieser verrückten Fußballwelt. Du hast immer die richtigen Worte gefunden.
Als du die letzten Wochen die Bayern-Gerüchte immer wieder dementiert hast, habe ich dir geglaubt. Niemand anderes fällt mir ein - ach doch, Christian Streich sicher - dem ich diese Worte in der Bundesliga noch abgenommen hätte.
Heute weiß ich es besser. Ich bin so dermaßen enttäuscht, dass ich mich persönlich verletzt fühle. Sowas hatte ich in meinem Fan-Dasein noch nie. Es ist so traurig, dass ein Mensch zu dem man ehrfürchtig hinaufgeblickt hat, der für einen unantastbar war, von heute auf morgen einen so heftig in die Eier treten kann, dass man vor Schmerzen gekrümmt nur noch daliegen kann.
Und bitte verstehe mich nicht falsch: Ich nehme es dir nicht krumm, dass du zu Bayern München gehst. Es geht darum, dass du uns alle getäuscht hast. Niemand wäre dir böse gewesen, wenn du einfach gesagt hättest, dass du dir diese Chance nicht entgehen lassen willst. Oder wenn du einfach gar nichts dazu gesagt hättest. Doch du hast dich leider dafür entschieden, uns arglistig zu täuschen und unser Vertrauen zu missbrauchen.
Du warst mein Held und Vorbild. Heute reihst du dich zu den anderen ein, bei denen das "gesprochene Wort" nichts zählt. Ich frage dich mit deinen eigenen Worten: "Wo ist die Verantwortung geblieben?"
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