Wenn ich so zurückdenke,
Jahre, Monate, Wochen, vielleicht auch nur ein paar Tage,
frage ich mir, was ich von jetzt erwartet habe.
Ich dachte, mein zukünftiges Ich sei stark,
in meiner Vorstellung schöner und extrovertierter,
vielleicht sogar ein bisschen schlau.
Und jetzt stelle ich fest, ich bin noch immer ich
und fragte mich, wie genau
ich mir gedacht habe, ich verändere mich.
Ich habe gelernt, sehr viel in den letzten vier, acht, achtzehn Jahren
es waren schöne Tage dabei und welche, die richtig beschissen waren.
Aber ich habe gelernt, daran zweifle ich nicht.
von den schlechten Tagen umso mehr,
gerade deshalb begreife ich nicht:
Warum stehe ich als immer noch dieselbe Person hier?
Am Weg zu der Weise, wie ich jetzt mit mir lebe,
war ich manchmal knapp davor, dass ich alles aufgebe.
Selbsthass schmerzte überall und immer,
die Hoffnungslosigkeit machte alles noch schlimmer.
Ich bin so unendlich dankbar dafür,
dass mein Ich in der Vergangenheit diese Zeilen nicht lesen kann,
denn manchmal war ich so knapp daran,
dass ich alles wegschmeiße,
weil ich dachte, ich bleibe für immer die gleiche
und ich als die, die ich bin, nicht leben kann.
Und jetzt, am Ende der ersten Etappe meines Wegs,
stelle ich fest, ich bin, wer ich war,
und dieselbe Person wie vor drei Jahren
ist heute noch fast genauso da.
Aber mit einem Unterschied:
Ich weiß jetzt so viel mehr,
ich weiß, wer ich bin, und wohin ich gehör.
Ich weiß, was ich mag, und woran ich zerbreche,
wovon ich die Finger lassen soll und was ich gut mache.
Ich weiß, wer mich benutzt und wer es gut mit mir meint,
wie erste Selbsthilfe funktioniert und man auf Papier weint.
Vor allem weiß ich, wer ich bin.
Das alte Lied habe ich noch so gut im Kopf,
ich singe es auswendig nach wie vor,
ich habe mich identifiziert und es hat Lebensmut gespendet,
plötzlich hat sich alles zum Besseren gewendet:
All this time I was finding myself and I didn’t know I was lost.
Nie hat es besser als jetzt gepasst.
Ich weiß nicht, wo ich immer war, aber nie war ich bei mir.
Und jetzt endlich ist er da, der Moment, jetzt stehe ich hier,
nach vier, acht, achtzehn verlorenen Jahren,
an denen das einzige Verlorene ich und meine Seele waren,
und singe dasselbe Lied wie vor drei Jahren:
Wake me up when it’s all over, when I’m wiser and I’m older.
Zeit aufzuwachen.
Erst jetzt erkenne ich, wie sehr das Lied mein Leben beschreibt,
und wie sehr mich das Lied zu singen befreit,
da ich weiß, jetzt ist es wirklich vorbei,
ich habe mich gefunden, bin bei mir selbst,
vielleicht noch nicht so viel wie in einigen Jahren,
aber es reicht vorerst für jetzt.
Und ich erkenne meine wirkliche Errungenschaft:
ich habe mich zwar nicht verändert, aber immerhin habe ich es geschafft,
mit der Person, die ich bin, leben zu lernen,
mich zu tolerieren, akzeptieren, respektieren,
bei mir zu sein, ohne mich selbst zu verlieren.
Ich stelle fest, ich habe tatsächlich gelernt,
aber nicht, wie man anders wird,
was ich immer gehofft habe,
sondern wie man sich selbst als Mensch akzeptiert,
und dass Selbstwert das wichtigste ist, was ich habe.
Und jetzt stehe ich also da,
am Ende dieses unvollendeten Jahrs,
um so vieles weiser und erfahrener,
mit weniger Schmerz und auch mein Selbstwertgefühl
ist zwar nicht hoch, aber wenigstens stabil.
Und ich weiß jetzt, wo ich bin und vor allem, wer,
weiß, was ich nicht ertrage und nicht will,
wenn auch nicht, wohin ich nächstes Jahr soll.
Aber auch das wusste ich doch schon seit dem Lied,
das mir scheinbar mein ganzes Leben prophezeit:
Hope I get the chance to travel the world, but I don’t have any plans.
Rückgängig machen möchte ich auf jeden Fall nichts,
denn auch wenn es schlimm und schmerzhaft war,
hat mich das alles stärker gemacht,
ich fühle mich stark, habe jetzt so viel Kraft.
Nichts kann mir was anhaben, mir kann nichts mehr passieren,
denn ich habe diese vier, acht, achtzehn Jahre überstanden,
ohne mich endgültig zu verlieren,
und bin bei mir, mehr denn je.
Und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich stolz auf die Person, die ich bin,
denn so habe ich es geschafft, manchmal gerade so, manchmal sogar gut,
und voller Inspiration und Lebensmut
blicke ich jetzt nach vorne,
denn was ich gelernt habe, kann mir keiner mehr nehmen,
mit beiden Beinen stehe ich im Jetzt und hier,
kann über die vergangenen vier, acht, achtzehn Jahre lachen,
denn nie war ich mehr bei mir.
Es ist Zeit aufzuwachen.
(April 2016). Das Gedicht nach vier Jahren Oberstufe, 8 Jahren Gymnasium, 18 Jahren meines Lebens. Ich bin so froh, dass die Schule vorbei ist. Ich spiele in dem Gedicht auf Wake me up von Avicii an, mit dme ich mich in den letzten drei Jahren identifiziert habe.