"Lessons learned" - Erfahrungen beim Bau des Dobsons
Meine ganzen Erfahrungen zum Bau eines Dobsons kann man in diesem Blog lesen, aber es gibt einige grundlegende Dinge die ich noch mal in einem eigenen Beitrag zusammenfassen möchte. "Lessons learned" quasi. Ständige Schwerpunktberechnung/kontrolle Den Bau eines Dobsons beginnt man mit dem Hut/Oberkorb. Der Grund dafür liegt darin, dass aufgrund der Hebelwirkung das Gewicht des Hutes das Gewicht des Unterteils bestimmt. Bei der klassischen Dobsonbauweise liegt der Hebel bei ca. 1:5, d.h. 1kg am Hut muss mit 5kg am Unterteil austariert werden. Wenn man also mit einem leichten Spiegel und einer leichten Spiegelzelle plant, kann man oben keinen 5kg-Hut dranbauen, ohne unten dann Gewicht draufpacken zu müssen. Im Buch von Kriege/Berry sind die Formeln beschrieben, ich habe mir hierzu ein Excelsheet geschrieben, was ich in nächster Zeit hier bereitstellen werden. Damit kann man jederzeit anhand von Materialgewichten berechnen, ob das ganze noch im Schwerpunkt sitzt und ggf. gegensteuern. Das geht auch bereits in einer sehr frühen Phase, da man z.B. für die Alustangen bereits vor der Bestellung das Metergewicht in Onlineshops sehen kann. Die Wichtigkeit eines guten Schwerpunktes kann man gar nicht genug betonen, das ist neben der leichten Dreh-/Senkbarkeit des Dobsons das Hauptkriterium, ob man Spaß am Gerät hat. Stabilität vor Leichtgewicht Ultraleichtdobsons sind eine feine Sache und es gibt tolle Geräte am Markt, aber man sollte ich gut überlegen, ob man in diese Richtung baut und immer die Stabilität im Hinterkopf behalten. Ich persönliche habe ja ein eher massives Gerät gebaut, aber habe dafür den Luxus, dass es absolut null stoß/windanfällig ist, nach dem Zusammenbau nicht kollimiert werden muss (bei f4,5) und sich auch mit sehr schweren Okularen selbst in tiefster Beobachtungslage nicht absenkt. Das ist ein Beobachtungskomfort den ich nicht mehr missen möchte. Um noch mit einem Vorurteil aufzuräumen: Bei richtiger Berechnung der gleitenden Teile ist auch ein massives Gerät leicht dreh-/schwenkbar. Auch Hochvergrößerung am Mond ist damit jederzeit möglich. OAZ-Position "Schubsen statt ziehen". Den OAZ würde ich immer auf die linke Seite (wenn man hinter dem Dobson steht) bauen. Dadurch kann man den Dobson "schubsen" um den Objekten zu folgen und muss ihn nicht ziehen. Viel präziser. Ich habe den OAZ leicht gedreht (siehe Bilder), dadurch habe ich auch in tiefer Position einen leichten Einblick. Kann ich wirklich nur sehr empfehlen. Stangen und Stangenklemmung Die obere und untere Stangenklemmung ist ganz entscheidend. Meine Empfehlung wäre es, hier so massiv wie möglich zu bauen. Idealerweise kann man dann den Dobson zusammenbauen und muss nicht mal neu kollimieren so wie es bei mir der Fall ist. Ich hab mir eine ganze Menge Varianten angeschaut (vor Ort und im Netz) und die von mir verwendete ist meiner Meinung nach die beste und stabilste Variante die es gibt. Zudem ist sie variabel, sprich ich kann die Länge später noch anpassen wenn das notwendig sein sollte (z.B. für Kameraequipment). Die richtigen Stangen für den Truss sind ebenfalls sehr wichtig. Der Durchmesser muss natürlich passen, aber fast wichtiger ist die Wanddicke der Stangen, denn die bestimmt maßgeblich die Stabilität. Äquatorialplattform für den Dobson Ich hatte mir überlegt so eine Plattform zu bauen oder zu kaufen, aber nach einer Beobachtungssaison muss ich sagen, dass es nicht notwendig ist. Man hat extrem schnell ein Gefühl dafür, wo die Objekte "hinlaufen" und selbst kleinste Objekte findet man so intuitiv sofort wieder wenn sie rausgelaufen sein sollten. Vorausgesetzt der Dobson ist stabil und dreht/schwenkt leicht. :) Zeitplanung/ Motivation/ Rüstzeiten Ich hatte familienbedingt (2 kleine Kinder) in der Regel nur die Nachtstunden zum bauen, also von 20-24 Uhr. Damit davon nicht die Familie aufwacht, habe ich im schallgedämmten (Tür) Heizungskeller die Werkstatt eingerichtet und dort gebaut. Der Großteil des Dobsons ist auf einer Miniwerkstattfläche von 1,5x2m entstanden. Wenn man nun immer nur an so kleinen Teilen arbeitet und es manchmal auch etwas dauert, bis man dann etwas zusammenhat was man auch mal zeigen kann, kann darunter schon die Motivation leiden. Das passiert vor allem, wenn man z.B. mal nur 30min Zeit hat und trotzdem was machen will. Glücklicherweise kann man gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Dobsons bauen und sich so die Zeit einteilen. Ich hatte mir keinen festen Zeitplan gesetzt (durch Job und Familie nicht möglich), aber ich hatte in einer Excelliste die Zeiten geschätzt und das auch protokolliert. Es kommt der Zeitpunkt, wo man vor den ganzen Einzelteilen steht und das Gefühl hat, man hat nix geschafft bisher und dann ist das doch eine gute Motivation, anhand der "Bauliste" zu sehen, was man schon erreicht hat. Das war auch der Grund für mich, den Blog als Bautagebuch anzufangen. Ich kann das nur empfehlen. Entscheidend für Motivation ist die Reduzierung der Rüstzeiten, also der Zeiten die man für Auf- /Umbau der Werkstatt/Maschinen braucht. Das sollte so kurz wie möglich sein. Idealerweise hat man eine Werkstatt in der man nur das Licht anmacht und sofort losarbeiten kann. Wenn man abends arbeitet, verliert man übrigens auch einiges an Zeit für ständige Kontrollen und Nachmessungen, da sich leicht Flüchtigkeitsfehler einschleichen und man Dinge dann noch mal machen muss. Interessante Sache: ein 3-Euro Aluwinkel für die Spinne kann plötzlich seeeeehr wertvoll werden, wenn man daran innerhalb einer Woche 5h gearbeitet hat. ;) Arbeitssicherheit Leidiges Thema, aber besonders wenn man abends arbeitet, sollte man mit Maschinen entsprechend vorsichtig sein. Schutzkleidung hat neben dem Schutz noch einen anderen enormen Vorteil. Es lässt sich entspannter damit arbeiten. Wenn ich eine Schutzbrille trage, kann ich beim arbeiten mit der Stichsäge ganz nahe an den Schnitt gehen und kontrollieren. Wenn ich einen Gehörschutz trage, kann ich an der Fräse oder an motorisierten Sägen (Stich-,Kreis-,Kapp-/Gehrung) sehr viel entspannter arbeiten. Wenn ich eine Staubschutzmaske trage, ist Holz fräsen viel weniger nervig und man ist nicht nur am Husten. Ich kann das wirklich nur sehr empfehlen. Baumarkt mit Rückgabemöglichkeit Ich weiss nicht, wie oft ich im Baumarkt war, um irgendwelche Schrauben o.ä. zu besorgen. Besonders wenn man die Spiegelzelle selber baut, kommt man ums experimentieren nicht herum. Da ist es hilfreich, Dinge auch mal zurückgeben zu können, wenn die Schrauben o.ä. zu kurz sind. Gute Bohrmaschine Eine gute Standbohrmaschine ist extrem wichtig, besonders wenn man die Spiegelzelle selber baut. Ich habe eine aus dem Segment um 100 Euro und man kann damit bauen, aber Präzision ist damit nur sehr anstrengend zu erreichen. Lieber etwas mehr ausgeben oder gebraucht eine gute kaufen. Zum bohren in Alu mit Petroleum (Baumarkt, bei den Farben) schmieren, alles andere taugt nichts. Sägen Am meisten zum Einsatz kam bei mir die Kapp- und Gehrungssäge. Das war eine aus dem unteren Preissegment für 50 Euro, aber schon mit Laser. Sehr empfehlenswert. Rückblickend wäre eine mit Zugfunktion noch besser gewesen, dann hätte ich einige Dinge nicht auf der Kreissäge machen müssen. Am besten eine mit einer mittleren Sägezahnanzahl auf dem Blatt kaufen. Damit habe ich´auch das ganze Alu geschnitten, von den Stangen bis zu den Aluwinkeln der Spiegelzelle oder sogar die Dreiecksflächen/ OAZ-Platte mit 6mm Dicke! Gebrauchtteile Am besten checkt man immer mal die Astroforen, da dort häufig Selbstbauteile angeboten werden. Ich kam so zu meinem Orionfangspiegel inkl. Halterung für 50 Euro statt ansonsten über 200 Euro! Günstige Teile vs. "keine Kompromisse" Am Anfang war bei mir eher der Gedanke da, so günstig wie möglich an einen 16"-Dobson zu kommen. Also günstigster OAZ, Fangspiegel usw. Das ist eine gute Idee und z.B. mit den günstigen GSO-Spiegeln (HS und FS) macht man nichts falsch. Trotzdem kommt man im Laufe des Baus immer wieder dazu, dass man dann doch keine Kompromisse machen möchte und lieber richtig gut baut, wenn man sich denn schon die Mühe macht so ein Projekt anzufangen. Ich habe mich dann z.B. für einen teuren Moonlight-OAZ entschieden und würde das jederzeit wieder so machen. Für andere ist ein einfacher Helical vielleicht ausreichend, für mich wäre das jetzt (u.a. durch schwere Okulare) eine Schwachstelle über die ich mich ständig ändern würde. Also lieber etwas mehr Geld einplanen oder zwischendrin sparen. Und immer wieder die Foren auf Gebrauchtangebote checken. Foren In den Astroforen gibt es absolute Koryphäen zum Thema Selbstbau, die jederzeit gerne Antwort geben. Wichtig dabei: vorher suchen, ob es das Thema schon mal gab, denn in der Regel ist man nicht der erste mit dem Problem. 90% der Fragen kann man damit schon mal klären. Wenn man dann selber einen Beitrag schreibt einfach darauf achten, dass alle benötigten Infos und Fotos drinstehen und der Beitrag somit leicht zu beantworten ist.















