150 Jahre SPD - 150 Jahre Frauenbewegung
Wie die Französische Revolution ist auch die Revolution von 1848 ein wichtiger Ausgangspunkt für die Frauenbewegung in Europa. In der politischen Bewegung des Vormärz spielten Frauen wie Louise Otto- Peters eine ebenso wichtige Rolle wie auf den Barrikaden der Märzrevolution. Es ging um Berufsfreiheit, Wahlrecht, Bildung und soziales Wirken.
Auf dem Arbeiterkongreß 1869 in Eisenach gründen Bebel und Liebknecht die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands" und fordern die Gleichberechtigung der Frauen in der Parteiorganisation mit Sitz und Stimme sowie das Frauenwahlrecht.
Frauen wurde 1873 die Mitgliedschaft in politischen Vereinigungen untersagt. Trotzdem gründen 22 Münchnerinnen unter Umgehung des Verbots den sozialdemokratischen Arbeiterinnen-Bildungs-Verein. Drei Monate nach der Gründung wird der Verein von der Polizei verboten.
1875 auf dem Arbeiterkongreß in Gotha schließen sich die Lasalleaner und die Eisenacher zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" zusammen. Bebel stellt den Antrag, unter die dringlichsten Forderungen der neuen Partei das Wahlrecht gleichermaßen für Männer wie Frauen aufzunehmen. Sein Antrag unterliegt mit 55 zu 62 Stimmen.
Bei den Reichtstagswahlen 1873 erreicht die "Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands" 12 Abgeordnetensitze. Die Abgeordneten Auer und Bebel bringen erstmals einen Arbeiter- und Arbeiterinnenschutzantrag in den Reichstag ein.
Zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1878 hatten jedoch die Öffentlichkeit erregt. Obwohl keinerlei Verbindung zur SPD nachzuweisen war, benutzte Bismarck diesen Anlaß, um gegen linke Organisationen einzuschreiten.
Aus diesem Anlass kam es 1878 zum Erlass des Reichsgesetzes gegen die „gemeingefährlichen Bestrebungen" der Sozialdemokratie.
Ein Vortrag der sozialistischen Frauenrechtlerin Gertrud Guillaume-Schack in München wird 1885 von den Behörden verboten.
Das Sozialistengesetz wurde erlassen. Bismarck ließ 332 Vereingiungen auflösen, 1299 Druckschriften verbreiten, 831 Jahre Gefängnis verhängen und 839 Personen des Landes verweisen. Behördenschikane und Polizeiwillkür schufen Danach über 12 Jahre hinweg ein sozialistisches Märtyrertum, das der SPD und den Gewerkschaften damals Jedoch viel Sympathie und zahlreiche neue Anhänger zutrug. Der Kampf gegen das soziale Elend der Familien begann. Beratungsstellen und Suppenküchen für die Familien der streikenden Arbeiter entstanden.
1883 wird der Verein der Mantelnäherinnen in Berlin gegründet, die 1. Frauengewerkschaft in Deutschland. Arbeiterinnenvereine entstehen in Düsseldorf, Frankfurt, Mainz, sowie Gera und Halle.
Einen unersetzlichen Verlust erlitt dann die internationale Arbeiterbewegung durch den Tod von Karl Marx am 14.03.1883.
1885 gründet Gertrud Guillaume-Schack innerhalb eines Jahres 16 Arbeiterinnenvereine.
1886 erscheint die 1. Arbeiterinnenzeitung unter dem Namen "Die Staatsbürgerin". Da die Frauen keine politischen Recht hatten, durften sie aber auch keine politischen Versammlungen besuchen.
Bei den Reichstagswahlen vom 20.02.1890 bekamen die Sozialdemokraten 1,4 Mill. Stimmen, das Sozialistengesetz fällt
...und am 1. legalen Parteitag, der stattfindet, wird die Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Gebieten zur Kampfparole erhoben.
Die "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" bringt die Frauenfrage voran: - Frauenbücher werden veröffentlicht - Frauengesetze eingebracht - Frauenarbeit unter Tage verboten - 11- Stunden- Arbeitstag verboten - Bezahlter Mutterschaftsurlaub 4 Wochen nach der Entbindung - Frauenzeitschriften erscheinen Der 1. Kongreß der Freien Gewerkschaften beschließt die Aufnahme von Frauen.
Auf dem darauffolgendem Erfurter Parteitag 1891 wurde folgendes beschlossen: 1. Allgemeines, gleiches, direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 20 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes für alle Wahlen und Abstimmungen. 2. Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau im öffentlichen und privatrechtlichen Bereich gegenüber dem Manne benachteiligt. Das Erfurter Programm wurde nach einer Rede von K. Liebknecht einstimmig vom Parteitag angenommen.
1894 ist der Parteitag in Frankfurt: Ottilie Bader wird zur Zentralvertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands bestellt.
1895 Resolution zum Frauenwahlrecht:
Die Frauen fordern die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte wie die Männer und besonders die Gewährung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts.
Diese von der Berliner Frauenagitationskommission erarbeiteten Resolution wurde am 05. und 06. Februar 1895 in vier überfüllten Volksversammlungen einstimmig beschlossen. Sie wurde dann von der sozialdemokratischen Fraktion im gleichen Monat im Deutschen Reichstag eingebracht - aber mehrheitlich abgelehnt.
1896/97 kam die Zeit der ersten Frauenstreiks
Konfektionsarbeiterinnen in Berlin und Frauenrechtsvereine und Gewerkschaften kämpfen gemeinsam.
In der kleinen Stadt Neu-Isenburg bei Frankfurt streikten 208 Wäscherinnen und Büglerinnen sieben Wochen lang.
Die Streikforderung nach Minimallohn, Bezahlung der Überstunden und geregelte Arbeitszeit wurden durchgesetzt. Das "Emanzipationspotential", auf das Bebel gesetzt hatte, erwies sich als tatsächlich vorhanden
Zitat Bebel: "Die Frauenarbeit hat somit einen solchen Umfang, eine solche Bedeutung gewonnen, wie die lächerliche Hohlheit des Philistersprüchleins erweisen: "Die Frau gehört ins Haus". "Die Bezahlung der Frauen ist in fast allen Bereichen erheblich niedriger als jede der Männer bei gleicher Arbeitszeit. Im allgemein verdient eine Frau ein Drittel oder die Hälfte des Wochenlohnes des Mannes."
Das war die Situation damals der fast 7 Mill. Frauen und Mädchen, die berufstätig waren: Hart arbeitend, schlecht bezahlt, als Reservearmee der Industrie eingesetzt, Konkurrentin des Mannes am Arbeitsplatz, doppelt und dreifach belastet und ausgenutzt. Doch sie gaben nicht auf:
Drei Schlagworte dieser Zeit hießen: Von Frauen vorgeschlagen! Gemeinsam erkämpft! Gemeinsam Durchgesetzt!
Auf der 2. sozialdemokratischen Frauen- Reichskonferenz 1903 wird gefordert: Arbeiterinnen- und Mutterschutz, sowie politische Gleichberechtigung - Der Kampf der Frau um Bildung -
1906 gründet die SPD eine Parteischule in Berlin und beruft Rosa Luxemburg als Dozentin. Bebel: "Die Frauen wollen nicht bloß ihre Kräfte auf dem gewerblichen und industriellen Gebiet mit jenen des Mannes messen, sie wollen nicht nur eine freiere, unabhängigere Stellung in der Familie einnehmen, sie wollen auch ihre geistigen Fähigkeiten in höheren Lebensstellungen und im öffentlichen Leben verwerten."
Auf der Internationale sozialistische Frauenkonferenz 1907 in Stuttgart : Clara Zetkin, wird die Chefredakteurin des "Wochenblattes" Internationale Sekretärin.
1908 Beschluss eines neuen Reichsvereinsgesetzes in Deutschland:
- die Frauen dürfen nun politische Versammlungen abhalten und politische Vereine gründen.
Als 1908 mit Verabschiedung des Reichsvereinsgesetzes Frauen endlich politischen Organisationen beitreten durften, wurde Luise Zietz - nach dem Verzicht Ottilie Baaders und mit Zustimmung Clara Zetkins - als erstes weibliches Mitglied in den SPD-Parteivorstand gewählt, zuständig für Frauenarbeit. Luise Zietz gehörte dem linken Zentrum der Partei an und war die führende Organisatorin und Repräsentantin der sozialdemokratischen Frauenbewegung.
Marie Juchacz, die sich seit 1908 für die Rechte der Frauen und Kinder einsetzte, wurde Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt auf Reichsebene.
SPD-Abgeordneter August Bebel beantragt im Reichstag das Wahlrecht für Frauen und Luise Zietz wird als erste Frau in den SPD-Vorstand gewählt.
Es war in zunehmendem Maße Luise Zietz und nicht Clara Zetkin, die die Kampagne zum Aufbau der Frauenbewegung führte, auch wenn ein Teil ihrer Werbekampagnen umstritten waren. 1904 wird Luise Zietz zusammen mit Ottilie Baader von der bürgerlich-radikalen Frauenrechtlerin Minna Cauer als die nach Clara Zetkin prominenteste Gestalt der Bewegung genannt. Es ist auch ihr zuzuschreiben, dass diese Werbekampagnen schon vor Aufhebung des Reichsvereinsgesetzes eine Zunahme der Mitgliedschaft zur Folge hatten. Obwohl von Clara Zetkin 1910 der erste Internationale Frauentag in Deutschland initiiert wurde, wurde 1911 auf das Betreiben von Zietz hin, der Tag auf den 19. März festgelegt.
Luise Zietz wird daraufhin 1909 als Vertreterin der sozialdemokratischen Frauen in den Parteivorstand aufgenommen
1910 Gründung der "Sozialistischen Frauen- Internationale" : Antrag von Luise Zietz, jährlich einen Frauentag durchzuführen, hatte Erfolg.
19.03.1911 - 1. Internationaler Frauentag: 45 000 Frauen treffen sich in Berlin !
Motto: "Her mit dem Frauenwahlrecht!" Sie forderten nicht nur das Frauenwahlrecht, sondern auch gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Verbesserungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Auf diesem Frauentag schlugen die Frauen Töne an, die die Männer offensichtlich verschreckten: "Die etwa 10 Mill. Frauen, die im gesellschaftlichen Produktionsprozeß tätig sind, die Millionen Frauen, die als Mütter Gesundheit und Leben auf Spiel setzen, die als Hausfrauen die schwersten Pflichten übernehmen, erheben mit allem Nachdruck Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung. Die Frauen fordern das Wahlrecht, um teilzunehmen an der Eroberung der politischen Macht zum Zwecke der Aufhebung der Klassenherrschaft und Herbeiführung der sozialistischen Gesellschaft, die erst das volle Menschentum dem Weibe verbürgt. Damit gewinnt die Frage des Frauenstimmrechts erhöhte Bedeutung für den Klassenkampf des Proletariats. "Die Sozialdemokratie ist die einzige politische Partei, die jederzeit den Kampf für die volle politische Gleichberechtigung des Weibes geführt hat und führt."
1912 war der Internationale Frauentag, trotz eines Appells von Luise Zietz in der "Gleichheit' nicht sehr erfolgreich. Sie setzte sich aber vehement für die Fortsetzung eines solchen Tages im Parteivorstand ein. Sie publizierte keine theoretischen Arbeiten, stattdessen veröffentlichte sie zahlreiche detaillierte Studien über die Frauenarbeit in verschiedenen Erwerbszweigen sowie kurze und in einfacher Sprache gehaltene Papiere. Sie war damit zufrieden, die theoretische und politische Führung in den Händen Clara Zetkins zu wissen. 1912 waren auch die letzten Reichstagswahlen vor dem 1. Weltkrieg.
Die Sozialdemokraten ziehen mit 110 Abgeordneten in den Reichstag. Alles Männer, denn Frauen hatten ja weder ein Stimmrecht noch ein aktives und passives Wahlrecht
13.8.1913 starb August Bebel, Nachfolger in der Parteiführung wird Friedrich Ebert
1914 hat die SPD bereits 1 085 000 Mitglieder, davon sind 175 000 weiblich
1917 gehen Prominente politische Frauen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Luise Zietz zum radikalen Flügel, zur USPD (Unabhängige Sozialisten der Partei Deutschlands). Diese Sozialistinnen hatten kein Verständnis für die sozialdemokratischen Männer im Reichstag, die 1914 die Kriegskredite bewilligten.
Im Frühjahr 1917, als es zur Spaltung der Sozialdemokraten und der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) kam, holte der SPD-Parteivorstand Friedrich Ebert (1871-1925) Marie Juchacz als Frauensekretärin nach Berlin zurück. Sie leitete seit 1917 das Frauensekretariat im Vorstand der SPD und neben der Leitung des Frauenreferats übernahm sie von ihrer Vorgängerin Luise Zietz, die sich der USPD anschloss, auch die Redaktionsleitung der SPD-Zeitschrift „Die Gleichheit".
Im Oktober 1917 wurde sie als einzige Frau in den Parteivorstand der nach der Abspaltung verbliebenen Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) und schließlich als eine von 37 Frauen nach der Novemberrevolution von 1918 in die Weimarer Nationalversammlung gewählt.
Dort hielt sie am 19.2.1919 die erste Rede einer deutschen Parlamentarierin. Als einzige Frau gehörte sie dem „Ausschuss zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung des Deutschen Reichs" der Nationalversammlung an. Erst drei Monate zuvor war das Frauenwahlrecht rechtlich festgesetzt worden.
Die Arbeiterwohlfahrt wurde im Dezember 1919 vom Hauptausschuss der SPD auf Initiative der Frauen in der Partei gegründet. Sie war nicht unabhängig von der SPD sondern Teil der Parteiorganisation.
Mit der Arbeiterwohlfahrt wollte die SPD der unterdrückenden menschenverachtenden bürgerlichen Armenpflege der Kaiserzeit eine auf Hilfe zur Selbsthilfe aufbauende Wohlfahrtsorganisation entgegenstellen, die ihrem Klientel - der Arbeiterschaft - Menschenwürde und Selbstachtung wiedergeben sollte.
Frauen wie: Emmy Lanzke, Minna Lubitz, Helene Simons, Martha Korell, Martha Wißmann, Margarete Hofmann und viele andere mehr. Für das Reichsgebiet darf Lotte Lemke nicht fehlen, die zunächst in den 20ziger Jahren nach ihrer Ausbildung als Hauptfürsorgerin tätig war und dann 1929 von Marie Juchacz nach Berlin geholt wurde und die Geschäftsführung des Hauptausschusses der AWO übernahm. Frauenbewegung und Arbeiterwohlfahrt waren in diesen Jahren ein untrennbarer Begriff.
Mit Einführung des Frauenwahlrechts 1918 garantiert die Weimarer Verfassung die Gleichstellung von Mann und Frau.
Bei der Reichstagswahl am 19. Januar 1919 dürfen Frauen erstmals an der Wahl zu einem deutschen Parlament teilnehmen.
Am 10.1.1920 rief Marie Juchacz, unterstützt von der preußischen Landtagsabgeordneten Hedwig Wachenheim (1891-1961), den „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt"
- AWO - ins Leben.
Mit dem Reichsgesetzen für Sozialhilfe und Jugendwohlfahrt 1924 wurde die auf Repressionen basierende Armenpflege von der "modernen" Wohlfahrtspflege abgelöst.
Marie Juchacz war eine Frauenrechtlerin, Sozialpolitikerin und die erste Rednerin in einem deutschen Parlament. Bis 1933 war sie Vorsitzende der von ihr begründeten Arbeiterwohlfahrt.
12.11.1918 erhielten die Frauen durch Erlaß der neuen Regierung, des Rates der Volksbeauftragten (SPD und USPD) das aktive und passive Wahlrecht. Im Art. 109 der Weimarer Verfassung heißt es nun: "Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
30.12.1918 Gründung des Spartakusbundes - Programm wurde von Rosa Luxemburg verfaßt
15.01.1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden verhaftet und auf bestialische Weise umgebracht
19.01.1919 Frauen dürfen zum 1. Mal wählen: 9.6 % Frauen schaffen es ins Parlament
Die Reichstagswahl vom 14.09.1930 hatte das Gesicht des Reichstages völlig verändert. Die Große Koalition, die aus Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Bayer. Volkspartei und Deutsche Volkspartei gebildet war und 21 Monate lang regierte, hatte mit rund 300 Mandaten eine sichere Mehrheit.
Im neuen Reichstag bestand diese Koalitionsmöglichkeit jedoch nicht mehr. Die SPD- Fraktion bildete nur noch ein Viertel des Parlaments.
Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationale, die anstelle der demokratischen Verfassung eine diktatorische Staatsform setzen wollten, stellten allein 225 von 577 Abgeordneten.
1931 war der letzte Internationale Frauentag vor der Machteinsetzung des Faschismus mit dem Motto:
"Für Sozialismus und Frieden, gegen Naziterror und Krieg". Käthe Frankenthal plädoyierte für die Möglichkeit einer Abtreigung bei einer medizinischen Indikation und nach einer Vergewaltigung.
1933 Für 12 Jahre war es nun vorbei mit allen demokratischen, auf Selbstbestimmung und Solidarität gerichteten Bestrebungen in Deutschland. In rascher Folge wurde nach 1933 der Zugang der Frauen zu qualifizierten Berufen eingeschränkt. Elisabeth Selbert war 1933 die letzte Rechtsanwältin im Reich. Die Frauen, so wollte es die NS- Ideologie, sollten nur noch Mutter sein.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wird die SPD verboten. Die Fraktionen im Reichstag, in den Landtagen und Rathäusern werden zur Auflösung gezwungen, zahlreiche Mitglieder werden verhaftet, einige können ins Ausland fliehen.
Parteimitglieder setzen als Teil der Widerstandsbewegung die Arbeit im Untergrund fort, darunter die Gewerkschafterinnen Lotte Branz und Maria Reisinger.
Als Mitglied des Reichstags zwischen 1920 und 1933 widmete sich auch Marie Juchacz hauptsächlich der Sozialpolitik. Sie trat für den Mütter- und Wöchnerinnenschutz, für Jugendhilfe und eine Änderung der Rechtsstellung nichtehelicher Kinder ein. Bis zu ihrer Emigration 1933 engagierte sie sich für sozial- und frauenpolitische Themen wie zum Beispiel die Reform des Ehescheidungsgesetzes oder des Strafrechtsparagraphen 218, der seit 1871 festschrieb, dass Frauen kein Recht hatten, über Anzahl und Folge ihrer Kinder selbst zu entscheiden. Außerdem kämpfte Juchacz für die Verbesserung staatlicher Fürsorge.
1945 - Wiedergründung der SPD nach der Befreiung und dem Ende der Nazidiktatur
1947 - In den drei Westzonen und in Berlin wird zum ersten Mal wieder der Internationale Frauentag gefeiert.
1948 - Im Parlamentarischen Rat gab es von 70 Mitgliedern nur 4 Frauen = 5,7 %.
Einer Frau davon, Elfriede Selbert, verdanken wir es, daß der Gleichberechtigungsparagraph überhaupt ins Grundgesetz kam.
18.01.1949 - Der Artikel 3 des Grundgesetzes wurde schließlich angenommen.
1948/49 - der Parlamentarische Rat nimmt seine Arbeit auf und erarbeitet eine Verfassung für die drei Westzonen. Die Sozialdemokratin Elisabeth Selbert beantragt die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in den Verfassungstext. Er wird als Art. 3 Abs. 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland beschlossen.
1949 - Der 1. Deutsche Bundestag wurde gewählt: von 410 Abgeordneten sind 29 Frauen = 7,1 %
1951 - Elisabeth Selbert forderte auf der Frauenkonferenz in Fulda die Beschleunigung der Eherechtsreform. der Eherechtsreform
1953 - Das Grundgesetz legte zwar fest, daß alle Paragraphen in geltenden Gesetzen, die dem Gleichheitsgebot widersprechen, bis zum 31. März 1953 anzugleichen sind. Der 1. Deutsche Bundestag erledigte diese Aufgabe jedoch nicht
1959 - Verabschiedung des Programms von Bad Godesberg mit dem Grundsatz: „Die Gleichberechtigung der Frau muss rechtlich, sozial und wirtschaftlich verwirklicht werden“
1965 - Mit Gesundheitsministerin Käte Strobel leitet erstmals eine SPD-Frau ein Bundesministerium. Sie ist die einzige Frau im Kabinett
1969: Regierungserklärung Willy Brandts : Bundeskanzler Willy Brandt leitet seine Regierungserklärung mit dem Satz ein, mit dem er am 28. Oktober 1969 schloss: Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein, im Innern und nach außen.
1972 - Am 24. Juni 1972 beschloss der Parteivorstand der SPD, eine Arbeitsgemeinschaft für Frauen in der SPD einzurichten. Die SPD-FDP Koalition nimmt umfassende Reformen zur Gleichstellung der Frau vor, darunter die rechtlichen Gleichstellung von ledigen und verheirateten Müttern.
1973 - kam es zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF)
Vom 23. bis 25. März 1973 fand dann die erste Bundeskonferenz der AsF in Ludwigshafen statt. Zur ersten Bundesvorsitzenden wurde dort Elfriede Eilers gewählt. Deren Nachfolgerin wurde 1977 Elfriede Hoffmann, die das Amt bis 1981 ausübte. Auf Elfriede Hoffmann folgte Inge Wettig-Danielmeier, die bis 1992 Bundesvorsitzende der AsF blieb. In ihre Amtszeit fällt die Einführung der Geschlechterquote von 40 Prozent in der SPD Mitglieder der AsF sind alle Frauen, die Mitglied der SPD sind. Gastmitglieder und alle interessierten Frauen, die der SPD nahe stehen, sind ebenfalls herzlich zur Mitarbeit eingeladen.
Ab 1976 - muss eine verheiratete Frau ihren Arbeitsvertrag nicht mehr von ihrem Mann genehmigen lassen
1978 - bei der Stadtratswahl z.B. in München1978 sind 11 von 31 Fraktionsmitgliedern der SPD Frauen – damit hat die SPD den höchsten Frauenanteil aller Rathausfraktion.
1985 - Der Münchner Stadtrat beschließt gegen die Stimmen der CSU die Einrichtung einer Frauengleichstellungsstelle, der ersten kommunalen Gleichstellungsstelle in Bayern. Die Leitung übernimmt Friedel Schreyögg - SPD.
1988 - beschliesst der SPD-Bundesparteitag die Aufnahme der Geschlechter-Quote in die Satzung der Partei. 40% aller Positionen in Vorständen und auf Wahllisten stehen weiblichen Kandidaten zu.
1998 - Nach 16 Jahren Opposition übernimmt die SPD gemeinsam mit Bündnis90/die Grünen wieder Regierungsverantwortung. Fünf von 13 Mitgliedern im Kabinett von Bundeskanzler Schröder sind Frauen.
2000 - Einführung der Elternzeit, Erlass des Gleichstellungsgesetzes für die Bundesverwaltung
2001 - Erlass des Gewaltschutzgesetzes
2002 - Nach der Bundestagswahl im September löst Renate Schmidt Christine Bergmann als Frauenministerin ab.
2005 - Nach der vorgezogenen Bundestagswahl geht die SPD eine Koalition mit CDU/CSU ein. Angela Merkel wird die erste Bundeskanzlerin, das Frauenressort geht an die CDU.
Wer es noch ein wenig ausführlicher möchte, kann auch gerne hier weiterlesen :
http://library.fes.de/pdf-files/bibliothek/01408.pdf