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Unsere Notizen von der re:publica und der Media Convention 2017
Die re:publica sagt über sich selbst, sie ist “The most inspiring festival für the digital society”.
Bei der re:publica geht es drei Tage lang um die Themen der digitalen Gesellschaft. Dieses Jahr hat es vom 08.-10. Mai 2017 insgesamt 525 Session mit 1.180 Speaker gegeben. 9.000 Besucher aus 70 Ländern waren mit dabei, so viele wie nie zuvor. Das Motto “Love Out Loud” war eine Ansage: Für digitale Zivilcourage, für mehr Liebe, weniger Hass und eine bessere Diskussionskultur im Netz. Parallel dazu fand in der STATION Berlin auch die Media Convention statt. Hier unsere Notizen nach Themen geordnet:
Hatespeech, Filterblasen und Diskussionskultur im Netz
Storytelling auf unterschiedlichen Plattformen
VR (und 360°)
Weitere Tipps
Hatespeech, Filterblasen und Diskussionskultur im Netz
Das re:publica-Motto “Love out Loud” ist von Carolin Emcke, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, einer philosophischen Reflexion unterzogen worden. Sie stellte einige wichtige Regeln für den digitialen Umgang miteinander auf:
„Wer dem Hass mit Hass begegnet, hat sich schon verformen lassen.“
„Wir brauchen keine Liebe, wir brauchen Respekt.“
„Wer gedemütigt und verletzt wird, wer angegriffen und verachtet wird, sollte sich nicht selbst wehren müssen.“
Sascha Lobo präsentierte im seinem Vortrag “Vom Reden im Netz” (Video ist noch nicht online) einige Stunden später seine Ergebnisse aus einem Jahr “Hassforschung”: Für die ZDFneo-Dokumentation “Manipuliert” hatte er ein Jahr lang offline wie online mit Menschen geredet, die er als rechts, rechtsextrem oder „rechtsoffen“ empfand. Seine Erkenntnis (die nicht neu ist): Nicht jeder, den man im Netz als “rechts” einordnet, ist es auch. Lobos Anliegen: “Weltverbesserung vom Sofa aus” betreiben, sich einmischen, diskutieren. Seine Tipps dafür:
Einen anderen, sehr spannenden Ansatz verfolgt Caroline Sinders: Sie versucht, sich Hass und den Mechanismen von Trolls im Netz von einer Design-Perspektive aus zu nähern. Vergangenes Jahr stelle sie bei “The Conference” in Malmö eine von ihr entwickelte, alternative Twitteroberfläche vor. Derzeit forscht sie dazu, wie Belästigung im Internet mit einem Machine-Learning-Systemen eingedämmt und wie Funktionalitäten von Plattformen kollaborativer gestaltet werden können.
In ihrem Vortrag schlägt sie vor, Emotionen in die Prozesse künstlicher Intelligenz (KI) einzubeziehen, damit Algorithmen Belästigungen im Netz aktiv eindämmen können.
Storytelling auf unterschiedlichen Plattformen
Storytelling für Videos im Social Web und deren Verbreitung ist jedes Jahr ein Thema auf der re:publica, denn im Bewegtbild-Markt schreiten die Entwicklungen rapide voran. Bertram Gugel, Webvideoexperte und Teil des MDR-Entwicklungslabors, beschrieb in der Session “Sprungbrett oder Aufzug? Facebook, Youtube und Instagram kreieren und begraben Stars” welche enorme Macht soziale Netzwerke und Plattformen ausüben: Wenn sie ihre Algorithmen ändern, hat dies zum Beispiel massive Auswirkungen auf die Reichweite von Videos. Es ist sehr schwer, als Creator außerhalb von YouTube wahrgenommen zu werden.
In der Konsequenz sehen Nutzer auf YouTube weniger Vielfalt und immer mehr vom Gleichen. Dabei haben die Nutzer es selbst in der Hand: “Watch responsibly!” lautet die Aufforderung von Bertram Gugel. Wenn wir gute Inhalte sehen und mit ihnen interagieren, bekommen wir mehr davon angezeigt.
Weiterführender Link: Die Präsentation von Bertram Gugel gibt es hier.
Der Video-Journalist Adam B. Ellick, Digitalstratege und Reporter der New York Times (er war 2014 an ihrem Innovation Report beteiligt), hat dieses Mal in der Session “Going Social First? Videos auf Facebook, Youtube und Snapchat – Vom Spin-off zu digital only“ eindrücklich dafür plädiert, tatsächlich neue Reporter-Formate und neue Storytelling-Ansätze für Webvideos zu entwickeln und sich nicht nur an Workflows in Newsroom, der Erreichung neuer Zielgruppen, Verbreitung oder Vermarktung abzuarbeiten. “AJ+” oder “Now This” haben als erste einen neuen Typ, ein “Social Video”, hervorgebracht für den Nutzertyp “Social Scroller”. Damit ist gemeint, dass man das Smartphone in der Hand hält, durch den Facebook Feed scrollt und Videos einen sofort durch ihren Einstieg und durch ihre Optik (Grafik, Textinserts) ansprechen müssen:
“It’s explanatory, it is off the news, it has a lot of context, it is graphical sophisticated, it’s for people who are really curious and most importantly: It’s Anti-TV” Adam Ellick, The New York Times
Adam Ellick zeigte auch einige Best Practice-Beispiele der New York Times:
Facebook Live Interactive Journalism: Was mit Facebook Live begann, hat die New York Times für ihre eigene Webseite adaptiert. Die Geschichte entwickelt sich live und wird von den Nutzer getrieben. Fragen der User werden direkt an die Protagonisten der Story weiter getragen. Hier findet sich eine Auswahl der besten Geschichten.
User Generated Content Documentary: Um die Geschichte von Farkunda Malikzada zu erzählen, einer 27-jährigen Muslimin in Afghanistan, die von einem Mob auf offener Straße getötet wurde, verwendete die New York Times ausschließlich eigen recherchiertes und verifiziertes Material (Smartphone-Clips) aus sozialen Netzwerken für ihr Video.
Puppet Journalism Project: Wie lassen sich Inhalte vermitteln, für die es kein Videomaterial gibt? Für „The Forger“ wurden Puppenspieler beauftragt, die Geschichte von Adolfo Kaminsky zu bebildern. Kaminsky fälschte handschriftlich Pässe, um zu Zeiten des Nationalsozialismus Menschen zur Flucht zu verhelfen.
Weiterführender Link: Wie man die passende Darstellungsform zum Inhalt findet: Für das multimediale Storytelling hat die Schweizer Journalistenschule MAZ eine ansprechende Übersicht gemacht.
Auch was die neuen Bewegtbildanbieter und -Plattformen betrifft, geht es inzwischen nicht mehr darum, was Snapchat ist, sondern wie man überzeugend dafür Geschichten erzählt und produziert. Eva Schulz, snapchat-Reporterin für das funk Format “hochkant”, gab in ihrem Schulterblick “91/2 DO’s and Dont’s für Storytelling auf Snapchat” folgende praktische Tipps:
Do:
Rausgehen. Kein soziales Netzwerk vermittelt so große Nähe wie Snapchat. Nutze das aus, nimm deine Follower mit! (“Wir sind mit unseren Followern im Bett”)
Eine Geschichte erzählen. Entwickle ein Storytelling mit fesselndem Einstieg. Sei auf alles vorbereitet - auch darauf, deine Vorbereitung über den Haufen zu werfen. Call-to-Action funktioniert gut! (Tipp: In der Notizen-App auf dem iphone Statistiken und Quellen zum Thema vorbereiten und bei Bedarf auf Snaps kopieren)
Gestaltungselemente von Snapchat nutzen: Motzfilter zum Beispiel, um Kritik zu transportieren (Tipp: Verschiedene Gestaltungselemente im Storybook farbig einfärben)
Snaps beschriften: Damit die Story auch ohne Ton funktioniert und der Zuschauer schnell durchtippen kann.
Das Wichtigste: Spielen und experimentieren. Das einzige, was auf Snapchat erwartet wird, ist das man sich nicht zu ernst nimmt (nach 24 Stunden ist eh’ alles weg).
Follower einbinden! Call to Actions funktionieren und sind ein tolles Mittel um deine Nutzer besser kennenlernen. Antworten als Screenshot in die Story einarbeiten.
Don’t:
Nicht zu viele Selfie-Snaps (außer man ist prominent); nicht mehr als drei hintereinander. (Tipp: “Ich schneide mich im Bild an, damit man im Hintergrund auch was anderes sieht”.)
Labern: ein Gedanke, ein Aspekt, ein Argument pro Snap.
Den Aufwand nicht unterschätzen. Einen snapchat-Kanal macht man nicht nebenbei
Bei der Session “Mobile Storytelling = Snapchat? Von follow me around, Takeovers und fiktionalen Inszenierungen” gab es noch weitere Insights zum Storytelling mit dem Smaprthone. Neben Snapchat spielen dabei auch Instagram und Facebook, die das Storyprinzip kopiert haben, eine Rolle. BILD-Reporter Claas Weimann berichtete dabei von den Herausforderungen, Snapchat-Geschichten aus Krisengebieten wie dem Irak zu machen:
Weiterführende Links: Die Snapchat-Reportage von Claas Weiman und Paul Ronzheimer kann man sich hier anschauen.
Dieser Artikel vergleicht übrigens die Attraktivität von Instagram und Snapchat für Influencer - auf welcher Plattform lohnt es sich mehr, Geschichten zu erzählen?
VR (und 360°)
Seit der re:publica im vergangenen Jahr hat sich das Thema Virtual Reality (VR) entschieden weiterentwickelt: Während es 2016 um die Basics ging, Ideen für Storytelling diskutiert und Snippets gezeigt wurden, waren die Diskussionen jetzt granularer, Details und Hand-ons-Tipps standen im Mittelpunkt: Ist der Eindruck für die Nutzer immersiv genug, also finden sie sich in der bezeigten Situation auch wieder? Braucht es noch ein spielerisches Element in diesem VR-Projekt? Mit welcher Ausstattung gelingen die besten Aufnahmen?
Der WDR stellte seine beiden Projekte VR-Projekte „Inside Auschwitz“ und „Der Kölner Dom - wie ihr ihn noch nie erlebt habt“ vor. Bei beiden Projekten hatten die Macher als Ziel definiert: “Wir wollen, dass die User das erleben, was wir erlebt haben“. Deshalb war es ihnen wichtig, einen Mittelweg zwischen dem Einsatz von Informationen und Fakten und dem immersiven Erleben zu finden: Information ist wichtig, bei VR sollte aber auch des Erlebnis weit vorne stehen. Bei der Produktion des Doms war eine der größten Herausforderungen, die Mitarbeiter beim Dreh so zu verstecken, dass sie bei den 360-Grad Aufnahmen nicht zu sehen sind. Bei den Tonaufnahmen setzte der WDR auf die Erfahrungen der eigenen Hörspiel-Kollegen.
Von der Redaktion, die „Inside Auschwitz“ produzierte, gab es einen besonderen Tipp: Wie schafft man es die besondere Nähe eines Gesprächs, das bei Interviews nötig ist, herzustellen, wenn man den Fragesteller nicht zeigen will? Die Möglichkeit, den Interviewer nach jeder Frage aus dem Raum zu schicken, war keine Option. “Das hätte die nötige Vertrautheit und den Redefluss zwischen Interviewer und Interviewter kaputt gemacht“, so der WDR. Die Lösung: Man drehte zuerst nur mit vier der sechs GoPros, die man bei 360-Grad benötigt, und zeichnete 240 Grad auf. Die fehlenden 120-Grad wurden dann im Nachhinein aufgezeichnet, als das eigentliche Gespräch beendet war. In der Postproduktion wurde dann alles zusammengesetzt.
Auch der Deutschlandfunk präsentierte seine Stasi VR-App, die mit einem zweiteiligen Audio-Feature entstanden ist und den Nutzer den Horror eines Stasi-Verhörs nachempfinden lässt. Die interaktive VR-App “Notes on Blindness” (ARTE) bringt anhand der Geschichte des Philosphen John Hull Sehenden die Welt der Blinden näher.
In der sehr interessanten Diskussion “AR, VR or Invisible Media? - A Glimpse into the Media World of Tomorrow” ging es unter anderem um Zukunftsmodelle von Medien und um ihre Rolle, wie werden sie wahrgenommen und wie konsumiert werden? Dabei wurde VR unterschiedlich bewertet:
Natalie Kane, Kuratorin und Redakteurin bei FutureEverything, einem Innovationslabor für digitale Kultur und Festivals, wünscht sich eine noch invasivere Rezeption als durch VR und bringt als Beispiel folgendes Szenario: Künftig geht man durch eine Ausstellung zum Klimawandel und in den Räumen steigt oder sinkt die Temperatur, wenn man voranschreitet. Dies ist für sie eine emphatischere Medienerfahrung als eine VR-Brille aufzusetzen, in ein Flüchtlingsheim abzutauchen und danach die Brille abzusetzen und ein Glas Sekt zu trinken.
Hingegen spricht sich Martin Wezowski, Chief Desinger von SAP, dafür aus, VR zu nutzen, um verschiedenen Zukunftsvarianten zu zeigen und darüber zu diskutieren. Wichtig in diesem Zusammenhang auch seine Haltung, die Zukunft positiv zu sehen: Niemand kann die Zukunft vorhersagen, so Wezowski. Sobald wir eine Zukunftsvision beschreiben, wird sie in den Köpfen der Menschen existent und sie werden sie mögen oder ablehnen. Wenn sie sie mögen, ist es wahrscheinlicher, dass sie sich erfüllt.
Die erwähnten “Hands On”-Erfahrungen gab es unter anderem im Workshop “Extend your vision - die Dos and Don’ts der 360°-Produktion” von Into_VR. Co-Founderin Susanne Dickel gab ihre Learnings aus der 360°-Videoproduktion weiter:
Aha-Erlebnisse für die Nutzer: Für viele reicht es nicht (mehr), sich an besonderen Orten einmal um 360-Grad zu drehen. Storytelling ist wichtig! Mit der Kamera als Kopf des Zuschauers wird dieser Teil der Geschichte. Die zentrale Frage, die sich die produzierende Redaktion beantworten muss: Soll er (stiller) Beobachter sein oder wird ihm eine Rolle zugewiesen? Im Gegensatz zu VR-Produktionen ist es meist zielführender, den Zuschauern eine passive Rolle zuzuweisen – dies entspricht ihren technischen Möglichkeiten, sich nicht selbst im Raum bewegen zu können.
Licht und Ton als zusätzliche Herausforderung: Man sollte versuchen, mit dem Licht zu arbeiten, das vor Ort zur Verfügung steht und sich möglichst von externen Lichtquellen unabhängig machen. Das erleichtert die Nachbearbeitung bei montierten Produktionen erheblich. Lösung für den Ton: Atmo-Mikro um die Ecke platzieren.
Situationskontrolle: Bei GoPro-Rig möglichst Verbindung mit Smartphone oder Tablet herstellen. Die Protagonisten dürfen nicht zu nah an den Linsen agieren, damit sich nach dem Stitching keine „Schnitte“ durch die Gesichter der Protagonisten ziehen. Um den größtmöglichen Aktionsspielraum zu gewährleisten, die GoPros auf 4:3 und größtmögliche Weitwinkligkeit einstellen.
Weiterführender Link: Unser Blogartikel „Because Reality sucks“: 360° & VR-Tag im MDR”
Weitere Tipps:
Werden Wahlen im Netz entschieden? Hier geht es um die Tools des digitalen Wahlkampfs: Social Bots, Micro Targeting, Psychometrik. Martin Hoffmann erklärt in diesem Vortrag, was ein Bot ist.
Die Macht der Sprachbilder - Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung: Die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling zeigt, welche Bilder das menschliche Gehirn beim Einsatz von bestimmten Begriffen erzeugt und so die Realität verändert (Framing).
MIZ Rapid Fire Pitch: Ein schneller Einblick in die Innovations- und Best Practice-Projekte am Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ), sechs Projektteams pitchen ihre Arbeit, von Roboterjournalismus bis hin zu besseren Wahlprognosen für den Wahlkampf.
In diesen Blogartikel sind Notizen von Christiane Lösch vom Desk Interaktiv der MDR-Betriebsdirektion aus den Sessions “Extend your vision” und der Session “Going Social first” eingeflossen. Vielen Dank!

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A recent survey furthered the notion that Snapchat is the app of choice for America's youth.
Selected Times graphics, visualizations and multimedia stories from 2016.
Wunderbar zum Stöbern #multimedia #interactive
Zeichnen Sie selbst: Wie hat sich Deutschland unter Angela Merkel verändert?
Nach dem Vorbild der nytimes: jetzt auch “You draw it” beim BR

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Three days, 64 people shot, six of them dead: Memorial Day on the streets, and the violence that has engulfed families and neighborhoods.
Beeindruckende Geschichte
The long read:In the autumn of 2015, Germany designated the hamlet of Sumte as a sanctuary for hundreds of displaced people. What followed was a test of the country’s deepest principles
Faszinierendes Projekt #longread
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#foodforthougt

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The Migrants Files is a consortium of journalists from over 10 EU countries. It is coordinated by Journalism++.
Il Post has created a new section on its website called Natives, which features stories about people whose parents are migrants or who arrived in Italy when they were very young.