Kommunikationskongress: die Temperatur ist hoch
RegelmĂ€Ăig im September feiern sich Kommunikatoren, Onlinewerber und die Automobilindustrie auf ihren Messen: der Kommunikationskongress, die dmexco und die IAA sind aus der jeweiligen Branche nicht wegzudenken.
Ich habe mir dieses Jahr mal wieder den Kommunikationskongress in Berlin ausgesucht: dort trafen sich zwei Tage lang rund 1500 Kommunikationsmanager â also diejenigen, die PR machen, die Marketingkommunikatoren/Webetreibende sind auf der dmexco in Köln.
WĂ€hrend in Köln 40.000 Online Werber nach dem neuen iOS-Update von Apple feststellen mussten, dass ihr GeschĂ€ftsmodell ins Straucheln gerĂ€t: Apple erlaubt nĂ€mlich erstmals Adblocker fĂŒrs iPhone. Und gleich am ersten Tag sind drei Apps, die verhindern, dass Werbung auch beim Rezipienten ankommen, unter den Top 10 der Download-Charts. BANG!
BANG in der Automobilbranche
Auf der IAA hingegen erklĂ€rt erklĂ€rte der Porsche-Chef das Autonome Fahren zum Hype; erinnert ein wenig an ein Zitat von Kaiser Wilhelm II âIch glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorĂŒbergehende Erscheinung.â BANG!
BANG in der Kommunikationsbranche
Und auf dem Kommunikationskongress, ausgerichtet vom Bundesverband Deutscher Pressesprecher, geht es um Kommunikation: welche Rolle sie einnimmt oder einnehmen sollte. Eins auf jeden Fall ist klar: sie ist wichtig ... oder sollte wichtig sein, hört man.
In den zahlreichen VortrĂ€gen und den vielen GesprĂ€chen am Rande wird eins klar: die Kommunikationswelt ist nicht mehr die, die es einmal war: Soziale Medien, Apps, Mediennutzungsverhalten haben die Kommunikation dermaĂen verĂ€ndert, dass die PR gegenĂŒber dem Marketing an Boden verliere, hört man. Storytelling könnte ein Weg sein: âWir haben doch die Geschichten, die (im Marketing) haben aber das Budgetâ, klagt man.
Und wie wird dem Medienwandel begegnet: man etabliert ein Monitoring, verkĂŒrzt Reaktionszeiten, macht Pressekonferenzen digital interaktiv oder packt Bewegtbild auch auf YouTube. Manche Unternehmen etablieren sogar Twitter-Teams, um ihre Pressemitteilungen auch dort auszuspielen â merken aber dann, dass der Rezipient nicht, wie geplant der Journalist ist, sondern der Kunde, der besseren Service möchte. Also ab zum Marketing/Vertrieb: Kanal abgeben oder Budget holen.
PR ist mehr als Press Relations
Immer wieder habe ich den Eindruck, dass PR von vielen Teilnehmern zwar als Public Relations verstanden wird, aber im tÀglichen Arbeitsumfeld als Press Relations umgesetzt wird. Die persönlichen Beziehungen zum Journalisten/-in und die Pressemitteilung stehen immer noch im Zentrum der tÀglichen Arbeit vieler.
Aber die meisten Besucher sind ja auch im Bundesverband Deutscher PPRESSESPRECHER. Der hat (noch) keinen Twitter-Account und strÀube sich, mit einer NamensÀnderung auf den Wandel zu reagieren - obwohl VorschlÀge vorlÀgen, hört man.
Apropos Twitter: es gab zwar viele Tweets, die mit dem Hashtag #kk15 versehen wurden, aber es waren nur wenige Teilnehmer, die das taten. Wenn mal im Plenum gefragt wurde, wer Twitter aktiv nutze, gingen maximal ein Drittel der HĂ€nde hoch. Maximal.
Twitter jedoch ist ein absolut unverzichtbares Instrument fĂŒr moderne Kommunikatoren. Nahezu alles Online-Journalisten sind auf Twitter vertreten und gerade in Deutschland beschĂ€ftigen sich gut 50% aller Tweets im weitesten Sinne mit Medien. Es gibt also keinen Grund dort nicht vertreten zu sein. Selbst wenn man unter moderner Kommunikation ausschlieĂlich Pressearbeit versteht.
Thomas Mickeleit, Direktor Presse- und Ăffentlichkeitsarbeit bei Microsoft Deutschland kennt die Anforderungen und formuliert sie seit geraumer Zeit auf VortrĂ€gen und im Netz. Sein Vortrag âBOOM! BANG! POOF! Haben Deutschlands Pressesprecher den Knall schon gehörtâ war paradoxerweise in einen viel zu kleinen Raum gelegt. Dass der Andrang groĂ wird, hĂ€tte man wissen können.
Es ist also nicht so, dass nicht bekannt wĂ€re, wie man dem Medienwandel begegnen könne, warum sich auch im Jahr 2015 immer noch so wenig tut. Anscheinend ist der Druck in der Branche doch noch nicht so groĂ, dass entsprechend gehandelt wird. Wenn die Kommunikationsabteilungen nicht entsprechend reagieren, machen es Andere â und damit meint Mickeleit die Marketingabteilungen. BANG!
Das Boiling Frog Syndrome sollte bekannt sein; ansonsten sollte man den #kk16 möglicherweise mit diesem Video eröffnen. Die Temperatur ist auf jeden Fall schon hoch.