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Seniorenruhesitz
Und dann lebten wir plötzlich auf einem kolumbianischen Ăko-Bauernhof. Auf unerklĂ€rliche Weise waren wir auf das nahegelegene San Ignacio gestossen, ein Weiler im Hochgebirge. Nach dem pulsierenden Medellin hatten wir uns vorgenommen, mal wieder so richtig in die Pampa zu fahren. La Casa de Campo wird von Stefano, einem witzigen Italiener, und seiner kolumbianischen Frau gefĂŒhrt. Auch mit von der Partie war Reed, ein kalifornischer Englischlehrer, der hie und da runterkommt um kein Englisch mehr hören zu mĂŒssen. DafĂŒr hat er sich einen guten Ort ausgesucht. Ausser ein paar friedlichen Tieren gibt es hier weit und breit nichts. Zum Abendeinkauf fĂ€hrt Stefano mit dem Auto, Baujahr 63', in Richtung Zivilisation. Solange bis es abliegt, natĂŒrlich. So stossen wir den Oldtimer bis zur nĂ€chsten Tankstelle und schauen uns den Motor an. Sebi und ich kennen uns ja mit mĂŒhsamen, alten, havarierten Fahrzeugen aus. Doch das Ding sah eher aus wie eine Tinguely-Maschine. Schlussendlich gossen wir eher zufĂ€lligerweise Benzin an den richtigen Ort und ersparten uns den Muskelkater. Das LĂ€ndlerleben ist eben schon nicht ganz einfach. In der Nacht wird es abartig kalt und das Internet kollabiert bevor du die URL eigetippt hast. Aber hey, wir sind doch Naturburschen, haben frĂŒher Steine in den See geworfen und sie hĂŒpfen lassen. So wanderten wir wĂ€hrend den drei Tagen die wunderschönen HĂŒgel hinauf und hinunter, besuchten die herzigen Dörfer, badeten in den WasserfĂ€llen, und genossen die Ruhe. Ja, ruhig ist es hier. Manchmal zirpen die Grillen. Da sitzt man einfach auf seinem Sessel, blickt in den Horizont, und sinniert vor sich hin. Bald reichte uns der Vorgeschmack auf das Altersheim. Nach erholsamen Tagen im Hinterland machten wir uns nach Bogota auf.
Neustart
Medellin ist ein Hexenkessel. Umringt von gigantischem Andengebirge leuchtet der Smog bis weit in den Himmel. Und hat man die Berge hinter sich, sieht man den Grund: Abertausende brodelnde Lichter.
Bloss 25 Jahre zuvor war Medellin eine traurige Mischung aus Drogenhandel, Armut und Mord. Mithilfe der USA probierte Kolumbien damals das Kartell um Pablo Escobar zu vernichten. FĂŒr unglaubliche 10 US-Dollar töteten die sicarios (Auftragskiller auf MotorrĂ€dern) Richter, Politiker oder sich gegenseitig. So kam es, dass Medellin fĂŒr eine lange Zeit die mörderischste Stadt der Welt war, die nicht in offiziellem Kriegsgebiet lag. Nach jahrelangem Blutvergiessen in einem undenkbar komplizierten Konflikt, lag Medellin zerschlagen da.
Heute ist das zum GlĂŒck vorbei. Wir haben hier anderthalb Wochen verbracht, und erlebten die Stadt in aller FĂŒlle. Man realisiert ĂŒberhaupt nicht, wie schlimm es frĂŒher gewesen sein muss. Selten hatten wir so lustige und grosszĂŒgige Menschen getroffen. Ein kolumbianisches Paar hat uns einen ganzen Abend lang traditionellen Schnaps spendiert, ohne Halt. In der Nacht schwĂ€rmen die meisten Paisas (Bewohner Medellins) nĂ€mlich in die Strassen aus; hier lĂ€sst es sich wirklich gut ausgehen. Vielerorts spielen Salsabands und auch der eine oder andere internationale Act verliert sich nach Medellin.
Offensichtlich sind lĂ€ngst nicht alle Probleme der Stadt gelöst und lĂ€ngst nicht alle UnterkĂŒnfte so schön wie unsere. Drogen gibt es immer noch genug und Armut ist in den Ă€usseren Quartieren allgegenwĂ€rtig. Das Schöne ist jedoch, dass die Stadt dagegen kĂ€mpft. Seilbahnen bringen die Ărmsten in die (am Hang gebauten) Ghettos. Es verkehrt eine Metro, welche sauber und einfach zu nutzen ist. Und sogar eine Rolltreppe fĂŒhrt zu den barrios, um den Ălteren das MĂŒhsal des Treppensteigens zu ersparen. Die Stadtbewohner versuchen mit aller Kraft, das Chaos aufzurĂ€umen, welches die Geschichte schrieb.
Daneben gibt es ein tolles Kunstmuseum, der Nationalpark ist mit der ĂV zu erreichen, und am Abend gibt es unendlich viel zu tun. Auch interessant war der Fussballmatch, den wir im Stadion sehen gingen. Sitze in der ersten Reihe kosten 10 Stutz und dazu hört man die Kurve zu coolen Salsabeats singen. Um ehrlich zu sein, wirklich spielen können sie trotzdem nicht. Statt guten Goals gab es dann halt vier oder fĂŒnf Pints mit unseren schottischen Freunden.
Medellin tickt modern. Parks gibt es ĂŒberall, man isst fein und wird nicht von schlechtem Internet geplagt. Im Gegensatz zu grossen Teilen Lateinamerikas entwickelt sich diese Stadt im Höchsttempo. Wie sie wohl bei unserem nĂ€chsten Besuch aussehen wird?

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Sprachbarrieren
Mit abschliessender Sicherheit kann ich bestĂ€tigen: Taganga. So hiess das kleine Fischerdorf, dessen Namen nicht gelernt werden soll. Es beanspruchte etwa drei Stadien der Selbsterkenntnis bis wir uns diesen gottverfluchten Namen eingeprĂ€gt hatten. Nun, alles begann mit den Winterthurern, welche uns vom grandiosen âDabangaâ erzĂ€hlten. Not even close⊠trotzdem erinnert es mich an einen typischen Schweizer Dialog:
"Wo lebsch?" âZâĂŒriâ âAh voll! Ich chum au vo ZĂŒriâ âNei gopfetami, i lĂ€b zâAltdorfâ ⊠(Ein guter Freund in der RS)
Wir nehmen es zur Kenntnis: Die Kolumbianer sind uns sprachtechnisch definitiv ein paar Schritte voraus. Auf jeden Fall hat uns dieses Namensdrama schwerst getroffen. Und vor allem verwirrt. Dazu kam, dass Taganga (nicht zu verwechseln mit dem Nationalpark Tayrona) unsere letzte Destination am Meer war. SinngemĂ€ss verbrachten wir die Tage im Meer oder zumindest mit MeeresfrĂŒchten in unseren BĂ€uchen. Sobald man nĂ€mlich den Namen hinter sich lĂ€sst, ist Taganga eine superschöne Bucht inmitten von kargen HĂŒgeln. Auf den DĂ€chern des Dorfes kannst du Salsa tanzen und ĂŒber das weite Kolumbien hinwegschauen.
Ganz im Gegenzug zur innewohnenden Ruhe des Ortes stehen seine Besucher. Schon morgens um zehn Uhr dröhnte in unserem Hostel die Musik. AnfĂ€nglich macht man noch gern mit, doch irgendwann hatten wir kein Bock mehr auf chilenische Studenten. Die kennen gar nichts. Mit salziger Haut stiegen wir so in den Flieger nach Medellin, etwas wehmĂŒtig, dass wir uns vom Ozean trennen.
Komfortzone
Um es fĂŒr einmal kurz zu machen, Cartagena ist eine geniale Stadt. Es gibt gar nicht viel zu schreiben, man lebt hier einfach die kolumbianische Leichtigkeit. Die NĂ€chte sind angenehm, die Tage heiss. Die Stadt strotzt vor Kultur, und wenn man darauf mal keine Lust hat, redet man mit irgendwelchen Leuten auf der Strasse, und erfĂ€hrt doch noch etwas Neues. Auf den PlĂ€tzen wird dauernd getanzt, im Hostel spielen wir eine Runde FIFA. Malereien zieren die WĂ€nde der Stadt und erzĂ€hlen die Geschichten Kolumbiens. Egal ob Tourist oder Einheimischer, wir haben den Eindruck, dass sich hier alle wohl fĂŒhlen.
FerryXpress
Hach! Da gĂ€be es den fĂŒnftĂ€gigen Segeltörn oder einen kurzen Flug; so viele wunderschöne Wege um nach Kolumbien zu kommen. Doch irgendwo ankert eben noch die FerryXpress, welche einen zum Tiefstpreis nach Cartagena verfrachtet. Um besonders gĂŒnstig wegzukommen bucht man ahnungslos eine âbutacaâ. Was dies jetzt genau heisst, bleibt unklar, bis man die Korridore der gemĂŒtlichen Kojen durchschritten hat. Am Ende des Ganges lĂ€uft es einem kalt den RĂŒcken runter: Butaca beschreibt also einen engen Sitzplatz im unterkĂŒhlten Heck. Selten war das Lernen von neuen Wörtern so ernĂŒchternd.
Die Fahrt dauert 18 Stunden und sticht fadengerade durch die Karibik. Durch die absurde Grösse der FĂ€hre hat man auf jeden Fall einen atemberaubenden Blick auf den wichtigsten Hafen Panamas. Weil wir unsere Sitze wenig vermissten, gönnten wir uns ein paar LiegestĂŒhle auf dem Sonnendeck. Der Wind verwehte uns die Haare und langsam kĂ€mpfte sich die FĂ€hre auf hohe See. Bald verschwanden auch die letzten Lichter am Horizont. Ab dann war Funkstille. FĂŒr die nĂ€chsten Stunden schwebten wir auf einem Ozean, von dem wir nur wussten, dass er sehr weit weg von zuhause ist.
Da uns alle nicht vakuumierten Fressalien abgenommen worden waren, mussten wir die empfohlene Dosis an Junkfood konsequent ignorieren. Aus reinstem Selbstschutz stellte unser Hirn deshalb den Schlafmodus ein. Leider waren unsere Sitze so gestaltet, dass man kaum ein Auge zudrĂŒcken konnte. Schlussendlich schliefen wir also in den Korridoren auf dem Teppichboden. Abgesehen von einer kleinen sanitĂ€ren Katastrophe am nĂ€chsten Morgen verlief der Rest der Ăberfahrt ruhig. Zur Mittagszeit erreichten wir Kolumbien, das letzte Land auf unserer Reise.

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Zwischen den Kontinenten
Wer in Mittelamerika ZĂŒge sieht, gehört eigentlich in die KlapsmĂŒhle. Und wenn ihr jetzt nur Bahnhof versteht, solltet ihr wissen, dass es hier bis auf eine kurze Industriebahn quasi kein einziger Tschutschu mehr gibt. Geleise sieht man aber hin und wieder, auf der Grenze zu Panama beispielsweise. Man ĂŒberquert eine altersschwache, durchgerostete und doch sehr charmante EisenbahnbrĂŒcke. Erst dann wird das Schweigen der ZĂŒge klarer: WĂŒrde sich ein LokfĂŒhrer ĂŒber diese BrĂŒcke wagen, gĂ€be es wohl keine Grenze mehr, geschweige denn einen Zug.
Angekommen in Panama, tuckerten wir zuerst auf das nahe Inselarchipel Bocas del Toro. Gut möglich, dass die kitschigen Strandbilder aus den Reisekatalogen hier geschossen werden. Leider nicht von uns, denn wir hatten wettertechnisch etwas Pech. Die Sonne sahen wir erst auf dem Festland wieder. Umso mehr schĂ€tzten wir das gemĂŒtliche Hostel, wo wir auch ohne grosse SprĂŒnge auskamen. Mit meinem kanadischen Gitarristen-Buddy eskalierten die abendlichen Jamsessions total. Mal abgesehen von der Musik war Bocas jedoch super entspannt.
Um wieder etwas zu verspannen gönnten wir uns den Nachtbus in die Hauptstadt. Auf den unmöglich gestalteten Sitzen zu schlafen ist ja schon eine Herausforderung fĂŒr sich, doch der Bus war dazu noch auf gefĂŒhlte null Grad gekĂŒhlt. Mein erster Eindruck der Stadt war deshalb das angenehme Ledersofa neben der Reception. Sobald man sich auf die Beine gekĂ€mpft hat und aus dem Fenster schaut, eröffnet sich einem jedoch die lebendige Stadt von Panama.
Der erste Blick fĂ€llt auf die endlose Skyline: Wolkenkratzer am Laufmeter. Hat man den letzten Monat im Dschungel verbracht, fĂŒhlt man sich gerade wieder etwas in der Zukunft. Wir selber wohnen in Casco Viejo, der Altstadt. Auf den schönen PlĂ€tzen spielen die Senioren Brettspiele, am Strassenrand lassen sich die Bewohner die Haare schneiden. Weiter unten an der KĂŒste liegt ein grosser Fischmarkt. Man kann sich dort den besten Frischfisch servieren lassen; ist sehr zu empfehlen.
In der Nacht wird es hier laut und heiter. FĂŒr die zehn Meter von Hostel zu Taxistand brauchten wir etwa eine Viertelstunde. Zuerst erlebten wir einen Heiratsantrag in der Bar vor unserer TĂŒr. Sie bejahte, worauf eine riesige Party ausbrach. Danach wurden wir noch in ein GesprĂ€ch mit zwei Australierinnen verwickelt. Und zu guter Letzt löste Sebi ein Hupkonzert aus, als er mit dem Taxifahrer auf der Strasse zu diskutieren begann. Auf jeden Fall kann man hier lang ausgehen und die Bars abklappern. Auch die gleissende Sonne am nĂ€chsten Morgen war fĂŒr uns kein Problem, denn wir schliefen in einem improvisierten Kinosaal.
Und ja, wer hĂ€tte es gedacht, auch den Panamakanal haben wir gesehen. Ich zumindest, Vale und Sebi verloren den Kampf gegen die MĂŒdigkeit. Mit ein paar anderen FrĂŒhaufstehern fuhr ich also raus und beobachtete, wie die (abartig grossen) Frachter durch den superschmalen Kanal geschleust werden. Als dann einer der Ă€lteren Matrosen nach 37 Jahren rauer Arbeit seinen letzten Arbeitstag hatte, brachen die Zuschauer in grossem Applaus aus. Auch ich wĂŒnsche ihm eine schöne Pension! Wer sich fĂŒr Technik interessiert, kommt hier sicherlich auf seine Kosten. Und weil wir schon bei der Schifffahrt angekommen sind, möchte ich noch informieren, dass unsere FĂ€hre nach Kolumbien heute Abend ablegt. Wir sind also nach wie vor auf Kurs!
Viele Geschichten mit wenig Zusammenhang
Sogar uns wurde der Reisemuff irgendwann zu viel. Wir hatten uns jetzt, ohne zu waschen, drei Wochen lang durch drei verschiedene LĂ€nder geschlagen. Kaum in Costa Rica angekommen, liessen wir uns deshalb fĂŒr einen Waschtag in Liberia nieder. Eine heitere, untouristische Stadt, in der Rentner gerne ihren Geburtstag feiern und auf der Piazza tanzen.
Es wurde ziemlich schnell klar, dass Costa Rica etwas anders tickt als der Rest Zentralamerikas. Es sind die kleinen Sachen, zweifellos, im Grossen und Ganzen jedoch unĂŒbersehbar. Die Busse sind aus diesem Jahrhundert, die Fassaden schön geputzt, es liegt wenig MĂŒll auf der Strasse. Im Prinzip funktioniert alles genau so wie im Norden, nur besser. Auch die Preise sind hier einiges höher, weshalb wir relativ schnell vorwĂ€rts machen wollen.
Nach dem kurzen Intermezzo in der lavanderia verschlug es uns weiter nach Monteverde, gerĂŒhmt fĂŒr seine nebligen WĂ€lder. Wenn ich an den Regenwald denke, sehe ich Affen, die sich in einem Chaos aus unförmigen BĂ€umen herumschwingen. Ein ungewisser BrĂŒller irgendwo im Busch, das leise Rauschen der Kronen. Soviel zumindest zu meiner Fantasie. Doch im Regenwald geschieht vor allem eines: es regnet. NatĂŒrlich ist es unglaublich schön, wenn sich die Nebelwolken in den Baumwipfeln verlieren. Denkt einfach daran die Regenjacke einzupacken, wenn auch ihr an der Leine ĂŒber den Nationalpark fliegen wollt. Zahlreiche (amerikanische) Abenteuerfreaks bieten diesen Spass mit anschliessendem Bungeejump an.
Wer will, kann auch auf eigene Faust die wahnsinnige Natur erkunden. Zusammen mit zwei angehenden Ărztinnen haben auch wir uns gewagt. Man kann auf BĂ€ume klettern, die netzartig in die Höhe schiessen oder anderes exotisches GewĂ€chs betrachten. FĂŒr uns stellte sich ab einem gewissen Punkt jedoch die Frage, weshalb wir um die Welt gereist sind, um zu frieren. So verliessen wir den grĂŒnen Berg in Richtung San Jose.
Bis ganz dorthin reichte es, bedauerlicherweise, nicht. Genau genommen pennten wir schlussendlich auf dem Flughafen. Das war so: Da wir irgendwie nach Kolumbien kommen mĂŒssen, wollten wir uns wegen Tickets erkundigen; der Bus hielt gerade dort. Der kritische Fehler war dann wohl das Bier. Auf jeden Fall verbrachten wir eine mehr oder weniger schlaflose Nacht im Flughafen, um jetzt mit nepalesischen Wanderguides und dĂ€nischen Studis befreundet zu sein. Als um vier Uhr morgens der Flug in die USA ging, war die Zeit reif, den Bus nach Puerto Viejo zu schnappen.
Wir sind jetzt wieder an der KaribikkĂŒste. In unserem Hostel findet man, um es politisch korrekt auszudrĂŒcken, viele alternative Lebenspraktiken. Da Korrektheit in diesen LĂ€ndern eh nicht grossgeschrieben steht, sagen wirâs doch wieâs ist. AchtzigjĂ€hriger Hippie, genannt Papa Dope, lĂ€sst sich jeden Tag (öffentlich) nacktmassieren, um danach ganztĂ€gig mit einem Zepter in der Hand Gras zu rauchen. Interessant. Wieso hat man von all den originalen Hippies wohl nie mehr etwas gehört? Nun ja, es finden sich glĂŒcklicherweise auch genug Normalos, auch wenn der Begriff hier in einem anderen Referenzrahmen steht.
Gelegen ist Puerto Viejo an einer langen Strandpassage mit angrenzendem Wald. Dieser glich eher meiner obengenannter Vorstellung; mit akrobatischen Affen halt. Allgemein fĂ€llt auf, dass die Tiere hier eine hĂ€rtere Evolution durchmachten. Die Ameisen bauen sich 30 Meter lange Strassen, die Spinnen sind riesig. Wie auch immer, Costa Rica ist soweiso ein grosser Dschungel. Wir verlassen das teure und vielfĂ€ltige Land mit guten Erinnerungen. âRicaâ bezieht sich im Spanischen nĂ€mlich nicht wirklich auf das Geld. Wird dir ein gutes Poulet mit Reis serviert, sagst du: ÂĄDios mio, que rico! Gut gewĂŒrzt und lecker, das ist Costa Rica.

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Schwerelos
Wer weiss schon, was chillen genau heisst. Immerhin kannst du es nicht lernen, herunterladen oder essen. Im Prinzip kannst du es nur tun, ohne dabei wirklich etwas zu tun eben. Ein Zustand der GleichgĂŒltigkeit gegenĂŒber allem MĂŒhsal vielleicht. Bei der Arbeit geht es schlecht, im Tram auch nicht, doch an besonderen Orten chillt es sich von allein. Im Laufe der Geschichte nannte man diese PlĂ€tzchen Walhalla, Paradies oder auch Bett, doch eigentlich reden wir immer vom Gleichen.
Playa Madeira ist chillig. Der Lagune entlang erstreckt sich ein Pulverzuckerstrand mit einem Hostel und einer Bar. Um ehrlich zu sein, kann man nicht viel machen. Wir surfen mehrmals tĂ€glich. Die Wellen brechen teils wahnsinnig stark und, wenn man nicht raufkommt, wirbelt einen die Gischt umher. Ansonsten isst man, fĂŒhrt GesprĂ€che mit den Leuten, vertreibt Zeit. Der Reiz besteht einzig darin völlig isoliert vom Reisestress und dem alltĂ€glichem Wirrwarr zu leben. StromausfĂ€lle sind an der Tagesordnung, also gibt es auch kein Internet mehr. Dann merkst du, dass du sowieso dein Buch fertig lesen wolltest.
Wie findet man eine Insel, die nicht gefunden werden will?
Mit diesem kryptischen RĂ€tsel beschĂ€ftigt sich jeder, der jemals einen Fuss auf Isla Ometepe setzen möchte. Um die ca. 80 Kilometer Luftlinie zurĂŒckzulegen, braucht man um die sieben Stunden. Allein die Wegbeschreibung zur Busstation in Granada Ă€hnelt einem Orakelspruch. FĂŒnf Leute zeigen fĂŒnf verschiedene Wege, wovon offensichtlich keiner stimmt. Schafft man es trotzdem in den Bus nach Rivas, ist bloss die erste PrĂŒfung geschafft. Wir steigen auf einer einsamen Ăberlandstrasse aus, wo wirklich nur noch die rollende WĂŒstendistel fehlt. Am Strassenrand wartet ein einzelnes Taxi, und dies bedeutet immer dasselbe; jemand ist auf ein ganz grosses GeschĂ€ft aus. So muss man streiten und mit dem Autostopp-Finger drohen bis man einen immer noch völlig ĂŒberrissenen Preis ausgehandelt hat. Das Taxi bringt uns zum Hafen. Die FĂ€hre legt ab und tuckert langsam nach Isla Ometepe. Schliesslich merken wir, dass unser Hostel auf der exakt gegenĂŒberliegenden Seite befindet. Da kriegt man richtig Lust neue Freundschaften zu schliessen, insbesondere Freundschaften mit Autos. Ein kanadisches Paar intressierte sich brennend fĂŒr unsere Reise, und lĂ€dt uns in ihren Pickup ein. Eine weitere Stunde verbringen wir so auf der wohl spannendsten Strasse Nicaraguas. Ăberall hat es wilde Pferde, teilweise versperrt eine ganze Kuhherde die Durchfahrt. Die Kanadier ersparen uns weiteres Abenteuer und fahren uns direkt vor das Hostel. Obwohl die Anreise kaum mĂŒhsamer sein könnte, lohnt sie sich allemal. Ometepe liegt im mĂ€chtigen Lago Nicaragua, durch den demnĂ€chst ein gigantischer Kanal (zwischen Pazifik und Atlantik) gebaut wird. Es gibt viele Proteste dagegen, denn das Projekt ist Gift fĂŒr Anwohner und Umwelt. Ausserdem wird er von den Chinesen gebaut und verwaltet, sodass der Ertrag in deren Taschen landet. Die ganze Insel ist bisher jedoch noch verschont von grossindustrieller Geldmacherei, mal abgesehen vom Tourismus. In einem fĂŒnfstĂŒndigen Marsch kann man sehr schöne WasserfĂ€lle besuchen. Auch der grosse Vulkan lĂ€ge drin, einfach nicht fĂŒr uns. Die lĂ€ndliche Ruhe wurde bloss von einer Schulklasse aus Managua gestört, die ein massiv lautes Schullager hatte. War uns aber egal, denn wir hatten uns inzwischen solide Bierfreunde angetrunken. Und die HĂ€lfte des vielen Bier verschwand noch von der Schlussrechnung. So geht das!