Cor-oh-no!
Wenn ein Virus die Welt in Atem hält - oder eben gerade nichtÂ
Der Ausbruch des Corona-Virus liest sich wie eine schlechter Apokalypsen-Hollywood-Blockbuster. “Snakes on a Plane”. “2012.” “The Day After Tomorrow”. “Corona - der geheime Killer”. Irgendwas ist immer. Jetzt also wieder ein Virus aus China, wie damals beim Ausbruch der SARS-Epidemie. Damals liefen die Medien auf Hochtouren, klar, eine Weltuntergangsstory verkauft sich einfach super. Deswegen bekommt sie ja jetzt auch einen Beitrag in meinem Blog. Die Angst vor solchen Ereignissen ist groĂź. Vor VulkanausbrĂĽchen, Virusinfektionen, FlugzeugabstĂĽrzen, all diese Szenarien in denen mehrere Menschen quasi gleichzeitig ein und dem selben Umstand erliegen, verbreiten riesige Ă„ngste. Die Alltagskiller wie Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verkehrsunfall werden dagegen auf angenehmste Weise verdrängt. Vielleicht, weil es zu abstrakt ist um sich daran zu gewöhnen. Wenn man durch einen ungesunden Lebensstil krank wird, dann ist das ein schleichender Prozess. Vielleicht ist man unfähig, weit genug in die Zukunft zu denken. Ein paar Wochen jedoch scheinen kein Problem zu sein, zumindest bei dem Virus scheint es eine Frage der nicht gegebenen Gewohnheit zu sein. Das hier ist neu, das ist gefährlich, das ist das was unser Steinzeitgehirn direkt erkennt. Wenn alle weglaufen, dann solltest du lieber erst einmal mitlaufen, nachdenken kannst du später. Und so auch jetzt. Ein Krankenhaus wird innerhalb von drei Tagen gebaut, ein zweites folgt. Eine ganze Provinz wird isoliert, 42 Millionen Menschen dĂĽrfen das Gebiet nicht verlassen. Menschen wird das Fiebermessen oktroyiert. Freizeitparks schlieĂźen. Die Chinesische Mauer als Tourismusmagnet schlieĂźt, eine neue, zum Schutz der Bevölkerung, entsteht aus dem Nichts. Nur mit der unglaublichen Effizienz Chinas ist es möglich, das wuselnde hochfrequente Entwicklungswunder zum absoluten Stillstand zu bewegen. Die Krankheit muss ausgemerzt werden, eingekesselt, die Infektion von Mensch zu Mensch scheint so leicht möglich, oh Globalisierung, du sĂĽĂźes Thomas-Cook-vor-der-Pleite fĂĽr Viren. 800 Infizierte. 936 Infizierte. 1462 Infizierte. Ein Fall in den USA. Ein Fall in Frankreich. Das Virus ist in Europa angekommen. Nein zwei, nein drei Fälle in Frankreich! Es werden mehr. Und mehr. Kein bestätigter Fall in Deutschland. Amazon meldet: Staubmasken sind derzeit ausverkauft. Staubmasken schĂĽtzen gar nicht vor dem Virus, die schĂĽtzen nur vor Staub. Egal, ich muss mich schĂĽtzen, irgendwie. Gucke auf die zwei Atemmasken die ich noch von irgendeinem Holi-Festival bei mir liegen habe. Die werden mich ganz bestimmt nicht retten. SchlieĂźe mich mit einem guten Freund kurz. Sehr klug, sehr entschieden. Ginge ĂĽber Leichen um zu ĂĽberleben. Biete ihm einen Platz in meinem Survivalteam an. Er bedankt sich und nimmt ihn mit der angemessenen Ehrfurcht an. Ich weiĂź, mit ihm lässt sich die Apokalypse ĂĽberleben. Informiere meine Eltern auf dem Land, besorgt Vorräte! Viele Vorräte, wir werden alle sterben! Ăśberlege, Survivalshirts drucken zu lassen, aber mir fällt kein witziges Motto ein. Habe gehört, der Infekt wird ĂĽber die Bindehaut ĂĽbertragen und man braucht eine Taucherbrille um sich zu schĂĽtzen. Der nächste Taucherbrillenladen ist eine halbe Stunde entfernt. Mhm. Was gewinnt, Angst oder Faulheit? Ich liege hier, ohne Taucherbrille, und warte auf das Ende. Es kommt, direkt von einem Tiermarkt. Habe heute Morgen meinen GlĂĽckskeks vom Lieferservice geöffnet. Ein zerbrochener Keks, kein Orakelspruchzettel vorhanden. Ein Fehler im System. Oh Gott. Das Leben endet und der chinesische GlĂĽckskeks wusste es vor mir. Mache Witze ĂĽber meine Hypochondrie, Witze ĂĽber die Panik. Stelle einen Fluchtplan mit meinem Fahrrad auf. Desinfektionsmittel wäre jetzt nicht schlecht. Aber halt - das Virus ist doch nur in 15 Prozent aller Fälle tödlich, oder? Es verursacht eine Lungenkrankheit, das ist schlimm. Aber es scheint auf den ersten laienhaften Blick nicht riskanter als die jährliche Grippe. Ich atme ein. Atme aus. Atmen ist schön. Gut, dass ich noch gesund bin.Â

















