Boss RC-505 Test
Boss RC-505 Desktop Loop-Station im Test auf bonedo.de: Looper sind etwas Tolles. Wer dieses pauschale Statement nicht glaubt, der hat wahrscheinlich noch nie vor so einem Schleifenbaukasten gesessen und wild drauflos gejammt. Denn die schnelle, spielerische Herangehensweise, die aus dem tentativen Ausprobieren mit Loopern entsteht, kann nicht nur ein echter KreativitÀts-Booster sein, sondern auch zu einem integralen Bestandteil einer erfolgreichen Live-Performance werden.
Boss tragen mit dem RC-505 der wachsenden Beliebtheit dieser GerĂ€tegattung Rechnung und statten ihren neuen Premium-Looper mit fĂŒnf separaten Phrasen-Einheiten und einem ganzen Arsenal an Zusatz- und Integrationsfunktionen aus. Wir haben uns die Repetiermaschine fĂŒr euch zum Test vorgenommen und berichten aus der vorderen Reihe.
Beim Boss RC-505 handelt es sich um einen DJ Controller Desktop-Looper mit fĂŒnf separaten Stereo-Aufnahmespuren, Eingangs- und Ausgangseffekten, einem integrierten Drum-Player sowie der Möglichkeit, Audiodateien via USB zu laden oder auf den Rechner zu verschieben. Und damit wĂ€ren wir auch schon bei einem der wichtigsten Aspekte des Boss-GerĂ€tes, nĂ€mlich der Option, ganze Phrasen-Sets zu speichern und wieder aufzurufen, was das Einsatzspektrum des RC-505 natĂŒrlich mĂ€chtig steigert. Als ob das noch nicht genug wĂ€re, kann der Looper auch als vollwertiges Audio- (2x In/Out) und MIDI-Interface eingesetzt werden. Hierdurch ist dann auch der Weg frei, einen angeschlossenen Rechner per MIDI-Clock oder zwei RC-505 Einheiten untereinander zu synchronisieren.
In freudiger Erwartung entnehme ich dem Karton den Looper selbst, ein Netzteil und eine umfangreiche, mehrsprachige Bedienungsanleitung. Diese ist im GroĂen und Ganzen als gelungen zu bezeichnen, obschon eine um einen Punkt gröĂere Typo dem Studium der LektĂŒre durchaus zutrĂ€glich gewesen wĂ€re. Dennoch möchte ich fĂŒr das Vorhandensein der Anleitung grundsĂ€tzlich ein Lob aussprechen, denn gerade in der anfĂ€nglichen Lernphase (und die hat man beim RC-505 auf jeden Fall) halte ich eine neben dem GerĂ€t liegende Anleitung nach wie vor fĂŒr die angenehmste Art, sich mit den Funktionen auseinanderzusetzen.
Der Blick auf die DJ Controller RĂŒckseite offenbart ein ziemlich vollstĂ€ndiges Sortiment an Anschlussmöglichkeiten. Von links nach rechts sehe ich zunĂ€chst einmal die Buchse fĂŒr das Netzteil, den Einschaltknopf, eine USB-Buchse, Standard-MIDI-I/Os sowie eine Anschlussbuchse fĂŒr ein Expression-Pedal oder einen FuĂtaster. Es folgen ein Stereoklinken-Kopfhörerausgang, der mit einer groĂen LautstĂ€rkereserve an den Start geht sowie zwei Line-AusgĂ€nge im Klinkenformat. Damit wĂ€ren die AusgĂ€nge abgearbeitet und wir widmen uns den EingĂ€ngen. Diese Sektion startet mit einer Stereo-Miniklinke, einem Stereo-Instrumenteneingang (L/Mono, R) und einer XLR-Buchse, die sogar ĂŒber eine zuschaltbare Phantomspeisung verfĂŒgt. Eine Aussparung fĂŒr ein Kensington-Lock komplettiert das mehr als ordentliche Bild, das der RC-505 hier abgibt.
Der Einsatz von Metall
Mit einer DJ Controller Breite von 42 Zentimetern und einer Tiefe von 21 Zentimetern ist der RC-505 in seinem nachtschwarzen KunststoffgehĂ€use weder besonders hĂŒbsch noch hĂ€sslich. Er wirkt einfach wie ein modernes GerĂ€t, so wie Industriedesign heute eben aussieht. Der Einsatz von Metall hĂ€tte ihm sicherlich ein bisschen mehr haptische Wertigkeit verliehen, allerdings wĂ€re dies dann zu Lasten des transportfreundlichen Gewichts (1,4 kg) gegangen. Einen halben Minuspunkt handelt sich der Looper allerdings zum einen fĂŒr den stark spiegelnden Kunststoff direkt ĂŒber dem Display ein, der bei ungĂŒnstigem BĂŒhnenlicht zu einer Blendquelle werden kann und zum anderen fĂŒr den ungĂŒnstigen Betrachtungswinkel im sitzenden Desktop-Betrieb. Hier war mein erster Handgriff, ihn mit einem Buch âaufzubocken". Warum der Hersteller nicht einfach zwei KunststofffĂŒĂe ins GehĂ€use integriert hat, bleibt mir ein RĂ€tsel.
GrundsĂ€tzlich erschlieĂen sich viele Funktionen des RC-505 bereits aus dem Bedienfeld: AuffĂ€lligstes Merkmal sind die fĂŒnf durchnummerierten Phrasenmodule, die mit jeweils einem Play/Record/Overdub-Taster, einem Stop- und einem Edit-Taster und einem kurzen Volume-Fader bestĂŒckt sind. Die linke Flanke der oberen HĂ€lfte startet mit dem Eingangseffekt samt drei Preset-Buttons. Spiegelbildlich angeordnet sitzen auf der rechten Seite die Ausgangseffekte.
Im Zentrum des GerÀts
Im Zentrum des GerĂ€ts residiert ein zweizeiliges Dot-Matrix-Display, zu dessen linker Hand sich die LautstĂ€rkeregler fĂŒr den Instrumenten- und Mikrofoneingang sowie fĂŒr den Ausgang einfinden. Zur Rechten folgen die MenĂŒsteuerung und die Parametereingabe. Darunter sitzen âAll Start/Stopâ, âUndo/Redoâ, âTap-Tempoâ und Funktionstaster zum Starten und Stoppen des integrierten Drum-Players. Mitgedacht haben die Entwickler auch beim Verhalten des On/Off-Knopfs, denn er verweigert im laufenden Loop-Betrieb die Gefolgschaft und verlangt, dass ich zunĂ€chst alle abspielenden Schleifen stoppe. Pfiffig!
Die gute DJ Controller Nachricht zuerst: Man kann den RC-505 anschalten und mit ein wenig Rumprobieren direkt seine erste erfolgreiche Loop-Session starten. Einpegeln, aufnehmen, starten und stoppen, Effekte abfeuern, overdubben â grundlegende BedienvorgĂ€nge sind ohne einen tiefen Blick ins Handbuch möglich. Mehr noch: Die in der Grundeinstellung aktiven Auto-Funktionen wie automatische SchleifenlĂ€ngen- und Tempoerkennung oder Track-Synchronisierung verhindern wirkungsvoll eine âkrumme" Klangschichtung. Alles sitzt schön tight auf der Eins. Trotz einer LĂ€nge von lediglich 20 Millimetern und einer eher wackligen Bauweise, habe ich die LautstĂ€rkeregler, die in jedem Phrase-Slot integriert sind, auf Anhieb lieb gewonnen. TatsĂ€chlich machte es mir schon nach kĂŒrzester Zeit mehr SpaĂ, laufende Phrasen einfach raus zu cutten, anstatt sie mit dem Stopp-Taster zu beenden.
Wer ein bisschen DJ Controller UnterstĂŒtzung beim Rhythmus braucht, der schaltet den integrierten Drum-Player ein, der mit einer einfachen Auswahl an basalen Rhythmus-Mustern in unterschiedlichsten Taktarten assistiert. Der Sound ist vielleicht nicht âsoooâ spektakulĂ€r, muss er aber auch nicht, denn es geht hier ja nur darum, ein bisschen Metronom-Arbeit zu leisten. Klanglich ist das, was den Boss RC-505 Desktop-Looper verlĂ€sst, zudem nicht unbedingt als âHigh-Endâ zu bezeichnen, doch es ist solide 16-Bit-QualitĂ€t und das halte ich in Anbetracht des anvisierten Einsatzspektrums fĂŒr absolut in Ordnung. Wesentlich relevanter erscheint mir in diesem Zusammenhang der Rauschabstand und der fiel mir im Test als ausgesprochen angenehm auf, denn auch nach dem vierten oder fĂŒnften Overdub hĂ€lt sich das Rauschen manierlich zurĂŒck.
Tracks One-Shot oder Loop
FĂŒr alle tiefer greifenden DJ Controller BedienvorgĂ€nge, dazu zĂ€hle ich unter anderem die Einstellung der Taktzahl (auto/fixiert/frei), das Overdubbing-Verhalten (overdub/replace) und die Zuweisung der Effekte auf die Tracks, ist die LektĂŒre des Handbuchs nahezu unumgĂ€nglich. Im GerĂ€temenĂŒ finden sich nĂ€mlich umfassende Stellschrauben, um das Verhalten des RC-505 auf den persönlichen Workflow zu trimmen. Die LED-KrĂ€nze rund um die Record/Play-Taster sollen den Pegel oder die relative Loop-LĂ€nge anzeigen? Kein Problem. Die Slots sollen sich unabhĂ€ngig vom Metrum starten und stoppen lassen? Easy. Du findest es praktischer, wenn die einzelnen Slots nach einer Aufnahme nicht in den Overdub-Mode, sondern automatisch in den Play-Modus schalten? Machbar. Sollen Tracks One-Shot oder Loop sein, sollen sie einander ablösen (single/multi), sollen sie synchron zum Master-Tempo laufen (Time-Stretch/Shift) oder nicht? All das und noch viel mehr liegt in den MenĂŒs des RC-505 verborgen.
Ich sage bewusst verborgen, denn das âDurchskippenâ der einzelnen MenĂŒpunkte in Verbindung mit dem zweizeiligen Display ist stellenweise schon ein bisschen mĂŒhsam und wirkt oft nicht mehr ganz zeitgemĂ€Ă. Besonders der Umstand, dass sich manche Einstellungen hinter dem Funktionstaster âSystemâ, andere dagegen unter âMemoryâ, wieder andere unter âWriteâ verstecken, erfordert schon eine gewisse Einarbeitungszeit. Beim Stöbern in den MenĂŒs fĂ€llt mir dann fast schon beilĂ€ufig auf, dass der RC-505 neben den Input- und Output-Effekten auch ĂŒber einen integrierten Kompressor und Hall verfĂŒgt, die global wirksam werden können.
Hall, Delay und Modulationseffekten
Daneben steht natĂŒrlich auch besagtes Arsenal an Input- und Track-FX bereit, das insgesamt 25 Klangverbieger umfasst. Hier reicht das Angebot von Standards wie Hall, Delay und Modulationseffekten bis hin zu Pitch, Vocoder und Slicing. Prinzipbedingt funktionieren die Buffer-FX, namentlich Beat-Repeat, Shift, Scatter und Vinyl Flick, der versucht, das Vor- und ZurĂŒckdrehen einer Schallplatte zu emulieren, nur im Ausgangsbereich. Eine ganze Reihe an Effektparametern, zum Beispiel Delay- und Flanger-Feedback, Cutoff/Resonance des Synth-Effekts oder Zeit und DĂ€mpfung des Halls, können ĂŒber das MenĂŒ editiert werden. Pro Einheit darf ich drei Einstellungen auf den Auswahltastern (A, B, C) ablegen.
Der Nullpunkt des Auto-Filters
Klanglich wird hier ĂŒber weite Strecken solide DSP-Kost geboten. Meine Favoriten sind die Pitch-Shifts und Beat-Zerhacker-Effekte. Nicht ganz so gut gefielen mir Chorus, Phaser und die Verzerrer-Abteilung. Der Umstand, dass die Temporeferenz das Auslösen des Effektes ist, nicht aber die interne Eins des RC-505, finde ich persönlich nicht ideal. Ein Beispiel: Der Nullpunkt des Auto-Filters beginnt mit der Aktivierung des Effekts und nicht (falls man beim Auslösen daneben liegt) mit der Eins des Master-Tempos. Aber hört einfach mal rein:
Quelle: http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/boss-rc-505-test.html









