Flucht und Migration: „Ninguna persona es ilegal“ – Niemand ist illegal
Spanien, das in der europäischen und in der Weltgeschichte stets eine bedeutende Rolle gespielt hat, war schon immer ein Land des kulturellen Austauschs gewesen: Ob das maurische Spanien im Mittelalter oder das Spanische Kolonialreich in der Neuzeit: die Iberische Halbinsel war immer ein Ort, an dem verschiedene Kulturen und Weltbilder sich begegnet sind. Aus diesem Grund haben sowohl Immigration als auch Emigration die Gesellschaft und das soziale Leben des Landes schon immer mitgeprägt. Aufgrund des Sonderstatus Kataloniens vor allem in Wirtschaft und Politik entwickelten sich in der Region Formen von Migrationsbewegungen, die sich selbst innerhalb Spaniens hervorheben.
Um den gesellschaftlichen Hintergrund und einige der direkt betroffenen Menschen besser zu verstehen. Steht im Zuge der Exkursion am Tag 6 zum einen ein Besuch im „Museum der Immigrationsgeschichte Kataloniens“ und zum anderen ein Gespräch mit den „Manteros“ in ihrem Geschäft an.
Museu d'història de la immigració de Catalunya
Das Museum der Immigrationsgeschichte Kataloniens liegt in der zum Barcelona gehörenden Vorstadt Sant Adrià de Besòs. Im Auftrag der katalanischen Regierung und finanziert durch die örtliche Stadtverwaltung hat es sich zum Ziel gemacht, Besucher über Migration in der Vergangenheit und heutigen Zeit Kataloniens aufzuklären und zu sensibilisieren.
Im Gespräch mit der Museumsleiterin Imma Boj erfahren wir weitere Fakten über das Museum und dessen Umfeld: Die Stadt Sant Adrià, die früher von den dort ansässigen Unternehmen und der Industrie profitiert hat, hat ihren Zenit seit der Wirtschaftskrise in Spanien lange überschritten. Viele Fabriken wurden geschlossen und die Stadt weist heute den niedrigsten Durchschnittseinkommen im ganz Großraum Barcelona auf. Zudem besitzt die Stadt einen hohen Anteil an Migrant_innen aus z.B. Marokko und China sowie Angehörige der Sinti und Roma. Laut Frau Boj führt diese multikulturelle Struktur zwar zu sozialen Konflikten, aber weniger Rassismus. Dies ist insofern überraschend, da Rassismus an solchen sozialen Brennpunkten oft in Vorschein tritt und man kann sich durchaus fragen, ob das Museum mit seinem Ansatz einen Beitrag dagegen geleistet hat.
Führung durch das Museum
Das Museum, das für Besucher kostenlos ist und auch keine privaten Gelder annimmt, bezieht ihre Exponate von der Zusammenarbeit mit Schulen und Universitäten oder anderen Vereinen und Institutionen. Der thematische Fokus liegt dabei einerseits auf Aspekte der Migration allgemein wie Nomadentum in der Menschheitsgeschichte oder Arten von Grenzen, andererseits auf der innerspanischen Migration während der Franco-Diktatur.
Während einer Führung erfahren wir detaillierte Informationen in Bezug auf die innerspanische Migration. Das auffälligste Ausstellungsstück, ein zum Museum umfunktionierter Original-Zugwaggon des Sevillano aus dem Jahr 1959, mit dem Menschen aus Andalusien nach Katalonien kamen, bietet einen authentischen Einblick in die damalige Zeit und Umstände, mit denen sie sich damals konfrontiert sahen. Zum Beispiel mussten die Reisenden auf engstem Raum die 39-stündige Zugfahrt auf sich nehmen. Migrierende Frauen benötigten ein Erlaubnisschreiben vom ihrem Ehemann oder Vater, damit sie nicht als Prostituierte galten und bei Ankunft in ein Gefängnis landeten. Jedes Abteil des Waggons erzählt einen Aspekt über die Reise mit dem Sevillano und wird dabei durch Original-Utensilien, Bilder oder Film, unter anderem Ausschnitte mit Erzählungen von Zeitzeugen, unterstützt.
Webseite Museum: http://www.mhic.net/?page_id=649&lang=es
Text: Chiara Zattolo, Zheng Wu








