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Trauzeugen ins Zeugenschutzprogramm!
Warum? Weil.
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Von Zeugenschutzprogrammen, Gummibäumen und zu viel Personal …
Lieber Leser … Ich gehöre zu einer uralten Adelsfamilie, doch Dank meiner unglückseligen Leidenschaft für Windhundrennen, handelt es sich mittlerweile um verarmten Adel. Ich musste mein Schloss an einen exzentrischen Saunaverein für Senioren untervermieten und wohne selbst mittlerweile in einer kleinen Wohnung die 45 Quadratmeter umfasst. Für mich alleine wäre dies groß genug, doch dummerweise sind meine Dienstboten mit eingezogen. Ich habe versucht, sie loszuwerden, doch durch eine Verfügung meines Großvaters bin ich juristisch dazu verpflichtet, das Personal zu behalten. Bezahlen muss ich nichts, denn die Gehälter wurden bereits auf Lebenszeit im Voraus entrichtet, aber ich muss für Unterkunft und Verpflegung sorgen. So lebe ich nun also in meiner kleinen Wohnung mit einem Butler, einem Chauffeur, zwei Zimmermädchen, einer Köchin, einem Gärtner und dem spanischen Melonenverkäufer, der ein Freund des Gärtners ist und dem die Wohnung so gut gefallen hat, dass er gleich mit eingezogen ist. Nicht nur, dass wir alle zusammen massive Platzprobleme haben, ich muss mich auch noch all ihrer Dienste täglich erwehren. Die beiden Zimmermädchen Magda und Fanny lauern meistens in der Nähe des Sofas, damit sie, wenn ich kurz aufstehe, die Kissen sofort glatt streichen können. Außerdem muss ich jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen, damit sie das Bett frisch beziehen können. Oft schlafe ich dann noch zwei bis drei Stunden auf der Toilette weiter. Mein Diener Chester ist eigentlich ganz praktisch. Sobald unliebsame Besucher wie die Zeugen Jehovas, die GEZ oder mein Onkel Alfred an der Tür klingeln, setzt er seine arroganteste Miene auf und wimmelt alle die keine Audienz bei mir haben, so gekonnt und unterhaltsam ab, dass ich oft mit Chips und Bier daneben sitze um das Schauspiel zu genießen. Schwieriger ist es mit Bernie, meinem Gärtner. Als er noch den großen Schlosspark pflegen konnte, gab es genug für ihn zu tun, aber in meiner Wohnung habe ich gerade mal eine Hydrokultur in Form eines Gummibaums. Bernie hat sich einen Klappstuhl besorgt und sitzt während seiner Arbeitszeit neben der Pflanze, damit er ihr die bestmögliche Pflege zukommen lassen kann. Manchmal kommt Besuch und bringt Blumen mit, auf die sich Bernie gierig stürzt um sie sofort ins Wasser stellen zu können. Einmal habe ich das selbst gemacht. Daraufhin war Bernie drei Wochen lang beleidigt und drohte sogar, mich bei der Gärtnergewerkschaft anzuzeigen, sollte dies noch einmal vorkommen. Mein Chauffeur Darius hat es am schwersten von allen. Ich besitze leider kein Auto mehr, was den Berufsstand eines Fahrers extrem erschwert. Damit es nicht so schlimm für ihn ist, erlaube ich Darius, dass er mich jeden Tag zur Straßenbahn begleitet und dort ein Ticket für mich löst. Dann steigt er aus, radelt hektisch zu der Haltestelle an der ich auszusteigen gedenke und erwartet mich dort mit gezogener Mütze um mir einen schönen Tag zu wünschen. Abends sitzen wir dann wieder alle zusammen bei den Fertiggerichten, die uns Betty die Köchin aus meiner Mikrowelle zaubert. Zum Nachtisch gibt es die Melonen des Spaniers, der möglicherweise Garcia heißt. Wir sind uns aber nicht sicher, da er so furchtbar nuschelt. Mittlerweile ist mir alles zu viel geworden. Ich würde gerne genug Platz für mich haben und endlich wieder selbst jemandem die Tür öffnen können, meinen Gummibaum gießen, auf zerknitterten Sofakissen sitzen, mir selbst ein Straßenbahnticket lösen, oder nicht jedes Mal den spanischen Melonenverkäufer bitten müssen, seine Tonnen von Obst aus meinem Bad zu räumen, wenn mir nach einer Dusche ist. Werde nun meinen eigenen Tod vortäuschen und über ein Zeugenschutzprogramm abtauchen, damit ich vor meinem Personal sicher bin.
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