Dongwook Lee. Wozu # 11
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Dongwook Lee. Wozu # 11

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Dongwook Lee. Wozu # 15
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Noch Fragen? Zu Sinn und Zweck von Philosophie heute
âPhilosophie muĂt Du studieren und wenn Du nicht mehr Geld hättest als nĂśtig ist, um eine Lampe und Ăl zu kaufen und nicht mehr Zeit als von Mitternacht bis zum Hahnenschrei.â Das sage nicht ich, das sagt Friedrich HĂślderlin. HĂślderlins Gedanke ist uns heute fremd und vertraut zugleich.
Das Studium der Philosophie gilt als wenig attraktiv, der Abschluss als Eintrittskarte ins Akademiker-Prekariat. Insofern werden viele mit dem nachdrĂźcklichen Ratschlag, selbst in Zeiten von äuĂerster Knappheit ein Studium der Philosophie in Angriff zu nehmen, nur wenig anfangen kĂśnnen, zumindest dann, wenn mit âStudiumâ eine Universitätslaufbahn gemeint ist.
Doch darum geht es HĂślderlin nicht. Es geht ihm stattdessen um die Notwendigkeit des Philosophierens als menschliche Tätigkeit, als Lebensmodus, der hier mit dem Wort âstudierenâ bezeichnet wird. Der innere Zwang zum Philosophieren, der in HĂślderlins Forderung zum Ausdruck kommt, bleibt von äuĂeren Umständen vĂśllig unberĂźhrt.
Philosophie und ihr âStudiumâ (im Sinne einer intensiven Beschäftigung) sind unvermeidbar, weil sie zum Menschen dazugehĂśren, unabhängig von seiner Lebenssituation. Daher handelt es sich eher um eine Feststellung als um einen Appell. Der Mensch muss philosophieren, unter allen Umständen! Was soll das bedeuten? Eine Reflexion der Philosophie hinsichtlich ihrer Bedeutung kann zwei Dimensionen erreichen.
Warum philosophieren?
Zum einen kann ganz grundlegend nach dem Sinn gefragt werden, also danach, warum der Mensch Ăźberhaupt philosophiert. Antworten darauf sind immer schon selbst philosophischer Natur.
Hier kann auf eine lange Reihe an Selbstvergewisserungen der philosophischen Zunft zurĂźckgegriffen werden, in der eines immer wieder hervorsticht: Philosophie, so heiĂt es, sei am besten als Selbstverständigung des Menschen begrĂźndbar, als systematische Suche nach einer Lebensform, die dem Menschen angemessen ist, wobei sich die Suche sowohl auf den Einzelnen, als auch auf die Gemeinschaft erstrecken kann.
Hinzu tritt Ăźbereinstimmend der Gedanke, dass ihr Vor- und ZurĂźckschreiten methodisch gegenĂźber Mythos und Religion emanzipiert geschieht: allein die Vernunft soll das Denken leiten, der Gebrauch des eigenen Verstandes tritt an die Stelle der Ăbernahme alter Erzählungen und Dogmen.
Dass jedoch der âStein der Weisenâ dabei trotz aller MĂźhe nicht auffindbar zu sein scheint (ein dritter Konsens), während die aus der Philosophie hervorgegangenen Einzelwissenschaften von einem Triumph zum nächsten jagen, verschärft die Sinnfrage dramatisch: Wenn der Mensch nicht anders kann als zu philosophieren, dabei allerdings nie zu einem Ergebnis kommt, ist das Ganze dann nicht absurd?
Das mag man so sehen, doch die Konsequenz daraus wäre, den Menschen in seinem Ringen um Antworten selbst als absurd zu begreifen. Mit anderen Worten: Mensch und Philosophie bilden eine unauflÜsliche Schicksalsgemeinschaft. Die Philosophie bindet sich an den Menschen, wie der Mensch sich an die Philosophie bindet.
Peter Wust hat diese Bindung in Abhängigkeit und Angewiesenheit sehr treffend beschrieben:
âWie der Insecuritas-Raum der Weltgeschichte mit dem ewig auf- und abwogenden Machtkampf der VĂślker notwendig zum Wesen des Menschen gehĂśrt, so ist auch der Insecuritas-Raum der ratio mit den unaufhĂśrlichen Ideenkämpfen der Philosophie ein notwendiges Konsekutivum der menschlichen Natur. Die Oszillation im historischen Kampfraum der Macht und die Oszillation im Ideenraum der Philosophiegeschichte stehen in einem wesensmäĂigen inneren Zusammenhang.
Das metaphysische Bindeglied dieser beiden Erscheinungen ist der Ewige Mensch, der immer in der gleichen Weise nach einer endgĂźltigen Sekurität ringt und dann doch immer wieder in seine wesensmäĂige Insekurität zurĂźckgeworfen wird. Was daher in den Augen der AuĂenstehenden die Philosophie oft genug beinahe lächerlich erscheinen lässt, dieses ihr unabwendbares Scheitern und Wiederauferstehen von einer Epoche zur anderen, das muĂ sie gerade denen, die tiefer zu sehen versuchen, als die eigentliche scientia humana, ja als scientia humanissima erweisenâ.
Die âAuĂenstehendenâ, die es nicht gäbe, ginge jeder Mensch die naturgemäĂe Verbindung mit der Philosophie ein, benĂśtigen eine Alternative. Sie brauchen andere Selbstvergewisserungs- und Selbstkonstitutionsmethoden, die sie seit Beginn der Moderne vermehrt in den Einzelwissenschaften vorzufinden glauben.
Wozu Philosophie?
Dies fĂźhrt zur zweiten Dimension der Bedeutungsfrage, dem Zweck, also: âWozu Philosophie?â. Hier wird es konkreter, da ein Zielpunkt vor Augen steht, den es zu treffen gilt. Die Antwort muss entsprechend konkret sein und sich im Spannungsfeld von Mensch, Philosophie und Wissenschaft finden lassen.
Sie kann fĂźr die Philosophie eine pessimistische sein, insoweit sie fĂźr ĂźberflĂźssig gehalten wird, wie sich dies beim Neukantianer Paul Natorp andeutet: âErst barg die Philosophie in ihrem SchoĂe die Keime aller Wissenschaft; nachdem sie sie aber geboren und ihre Kindheit mĂźtterlich gehegt hat und sie unter ihrem Schirm reif und groĂ geworden sind, sieht sie sie nicht ungern in die weite Welt hinausziehen, sie sich zu erobern [...] endlich aber zieht sie sich still auf ihr Altenteil zurĂźck, um eines Tages, kaum vermerkt und kaum vermiĂt, aus der Welt verschwunden zu seinâ.
Dieser Rßckzug der Philosophie wird, weil sie so einfach doch nicht verschwinden will, heute kräftig protegiert: Wir setzen die Einzelwissenschaften an die Stelle der Philosophie, billigen ihnen die Rolle der Letzterklärerinnen zu und zwingen uns, jedes Interesse darßber hinaus in den Bereich privater Spekulation und Spiritualität zu verdrängen.
Die Philosophie ihrerseits, bzw. was von ihr Ăźbrig bleibt, soll als Wissenschaftstheorie keine korrektive AuĂenperspektive, sondern allenfalls eine inhärent explikative Rolle einnehmen. Im optimistischen Fall bleibt die konstitutive Rolle der Philosophie erhalten, indem wir sie zum Korrektiv und Regulativ der Wissenschaft erheben, ihren Zweck mithin in der Wissenschaftskritik sehen. Darin besteht die Relevanz des philosophischen Nachdenkens aus dem Fundus ideengeschichtlicher Traditionen, daraus kann durch kreatives Ausdenken eine Transformation in kritisches Querdenken erfolgen â in echtes Querdenken, nicht nur plakativ behauptetes.
Verhältnis von Philosophie und Wissenschaft
Bleibt zu bestimmen, wer die Wächter der Wissenschaftâ ihrerseits bewacht. Die (regional vorherrschende) Religion? Die (momentan bestimmende) Politik? Letzteres hieĂe â auch wenn gute philosophische Argumente dagegen sprächen â, der Mehrheit des Volkes zu folgen (Relativismus), ersteres, sich Weltanschauungen zu unterwerfen (Dogmatismus). Beides scheint, auch vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen, wenig verlockend.
Das Verhältnis von Philosophie und Wissenschaft ist genauer zu bestimmen. Die Philosophie hat andere Aufgaben als die Wissenschaften. Sie soll das Problem verstehbar machen und Fragen aufwerfen, deren LÜsungen zwar nicht in der Geschichte liegen, die aber ohne historisches Bewusstsein unmenschlich wären, weil sie mit ihrer reduktionistischen bzw. positivistischen Perspektive weder der Komplexität der Sache noch dem Anspruch des Menschen gerecht wßrden.
Andererseits kann Philosophie Wissenschaft nicht ersetzen und soll dies auch gar nicht, dagegen spricht die Methodendifferenz, die wiederum dem grundverschiedenen Erkenntnisinteresse geschuldet ist.
Sie soll stattdessen die Wissenschaften verständlich machen. Dieses Verständnis erwächst aus dem Formulieren der richtigen Fragen, die einerseits ein ergebnisloses Ringen um Antworten nach sich ziehen, die andererseits selbst als âWissensbeständeâ gelten kĂśnnen und als solche tradiert werden.
Philosophie wird so zur unverzichtbaren âFragenbewahrinstitutionâ (Odo Marquard), welche die Fragen zwar nicht klärt, aber dafĂźr sorgt, dass sie im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verbleiben. Die gescheiterten Antwortversuche haben Ăźber Jahrhunderte die Fragen konserviert, so dass sie neuen Generationen immer wieder frisch vorgelegt werden kĂśnnen und der kritischen Betrachtung von Welt und Wissenschaft dienen. Das, noch einmal, ist der Zweck der Philosophie.
Die Philosophie weist dabei ßber die Wissenschaften hinaus auf eine Sphäre, die fßr beide, Philosophie wie Wissenschaft, unzugänglich ist. Der Mensch soll sie auch gar nicht betreten, sondern ihrer nur in Respekt vor dem unfasslichen Sein gewahr werden.
Peter Wust schreibt dazu:
âDenn die hĂśchste Aufgabe der Philosophie besteht schlieĂlich gar nicht darin, einem vorwitzigen Wissenstrieb exakte Begriffe als Nahrung vorzusetzen. Die Philosophie hat ihre Aufgabe dann schon reichlich erfĂźllt, wenn sie den Menschen an die SeinsabgrĂźnde unmittelbar heranfĂźhrt. Dort mag er sich dann schaudernd Ăźber die dunkle, rätselschwangere Tiefe beugen und staunen und schweigenâ.
Dem Menschen des 21. Jahrhunderts diese Tiefe durch Wissenschaftskritik bewusst zu machen, auf epistemischer und ethischer Ebene, dies ist mehr als der Zweck der Philosophie â es ist ihr unersetzlicher Sinn.

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Frage mich wozu sollen wir noch reden? Du hast mir nichts mehr zu geben, ausser leere Worte und Tränen
~ Marrse - Komm nicht mehr zurĂźck