Anfang Oktober 2016
Geburtstagsbastelarbeiten im Hotelzimmer
Meine Schwiegermutter wird 75 Jahre alt und wir schenken ihr am Abend vor dem Geburtstag ein selbstgekochtes Fünf-Gänge-Menü.
Der Plan ist, von diesem Abend ein Fotoalbum anzufertigen, was wir aber nicht verraten, es soll ja eine Überraschung werden. Statt dessen fordert mein Mann immer wieder zum Fotografieren auf und reicht dafür sein iPhone an die übrigen Familienmitglieder.
Am Tag vorher hat er einen kleinen mobilen Fotodrucker gekauft, der bei uns im Hotelzimmer steht. Am nächsten Morgen installieren wir das Gerät unter Fluchen, denn das Hotel-WLAN verträgt sich nicht mit dem Drucker (es ist offen, hat aber eine vorgeschaltete Loginseite), also muss es per USB bzw. Bluetooth gehen, was immerhin auf meinem iPhone funktioniert.
Als zusätzliches Erschwernis haben wir das iPhone-Ladekabel bei meinen Schwiegereltern vergessen und arbeiten am Akkulimit, zumindest was das iPhone meines Mannes angeht. Die Bilder müssen also schnellstens auf mein iPhone, dessen Akkufüllstand sich noch im zweistelligen Bereich befindet und von da aus über die dazugehörige App auf den Drucker. Dazu tut der Drucker so, als wäre er ein WLAN, mit dem ich mich verbinden kann, allerdings habe ich so natürlich keinen Zugriff aufs Internet. Die Bilder von meinem Mann kommen per Airdrop auf mein Handy, die von meiner Kamera lade ich bei Dropbox hoch und ziehe sie dann aufs Handy. Ich muss also regelmäßig zwischen Drucker-WLAN und Hotel-Internet-WLAN wechseln.
Letztlich klappt es aber so. Ich öffne Bilder, drucke, reiche sie an meinen Mann weiter, der sie ins Album klebt und das Album abschließend mangels Einpackpapier in ein Hotelhandtuch einschlägt.
Am Ende kommen wir so etwas später beim Brunchrestaurant an und überreichen das Geschenk mit den Worten “Die Verpackung brauchen wir wieder”.
Die Schwiegereltern blättern fasziniert, es braucht einen Moment, bis ihnen klar wird, dass es alles Bilder vom Abend zuvor sind und die Schwiegermutter murmelt abwesend: “Das ist ja was, heute morgen schon geliefert.”
Ob wir ihnen die Entstehungsgeschichte des Albums dann doch noch erklären, habe ich vergessen.
(Anne Schüßler)

















