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Nie wieder Papierkram: Das digitale Fahrtenbuch von Vimcar
Industrie 4.0, Internet of things und connected car – diese Buzzwords geistern schon seit geraumer Zeit in den Medien herum und versprechen uns Ersparnisse und Erleichterungen in allen Lebenslagen. Im Alltag der kleinen und mittleren Unternehmen sind die Technologien allerdings oftmals noch nicht angekommen. Vimcar will das ändern – wie, das hat uns Co-Founder Andreas Schneider verraten.
Ob Handwerksbetrieb, ambulanter Pflegedienst oder Ein-Mann bzw. Frau-Betriebe- eins haben sie alle gemeinsam: Sie wollen mit ihren Dienstleistungen die Bedürfnisse ihrer Kunden und Patienten schnellstmöglich befriedigen und den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich halten. Genau hier setzt Vimcar an. Mit ihrer Software möchten Andreas und sein Team diesen Menschen ermöglichen, ihr Flottenmanagement zu digitalisieren und ihnen damit lästige Schreibarbeit abnehmen.
Vom Student zum Unternehmer
Auf die Idee für Vimcar kam Andreas während er an einem Forschungsprojekt mit Audi arbeitete. Seine Vision: die Digitalisierung des eigenen Fuhrparks auch für kleine und mitteständische Unternehmen ermöglichen. Da diese oft nicht nur Fahrzeuge eines Herstellers haben, wollte Andreas eine Lösung entwickeln, die unabhängig vom Fahrzeug funktioniert. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Christian Siewek beschloss er also nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Überzeugen konnten die beiden gleich zu Beginn Christophe Maire, der wie die beiden auch einst an der Universität in St. Gallen studierte. Neben dem ersten Kapital brachte ihnen der bekannte Business Angel noch entscheidenden weiteren Input ein - den Kontakt zu Co-Founder und CTO Lukas Weber, der den nötigen IT-Background mitbachte.
Nun war das Gründerteam also komplett und bereit zum Durchstarten. Aber wie fängt man am besten an? Die Gründer entschieden sich dafür klein anzufangen und das Produkt in einem bestimmten Bereich zu optimieren bevor sie eine komplette Fuhrparksoftware entwickeln. Die Entscheidung fiel daher 2013 auf einen Nischenmarkt: das digitale Fahrtenbuch. Inzwischen hat sich Vimcar in dieser Nische einen Namen gemacht und laut Andreas über 5000 Kunden gewonnen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie den Deutschen Steuerberaterverband e. V. von Beginn an als Partner gewinnen konnten. Gemeinsam mit den Steuerexperten entwickelten sie ihre Software so weiter, dass sie den Anforderungen der Finanzbehörden entsprechen (zum Beispiel nicht manipulierbar sind). Vimcar hat sich dadurch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erarbeitet: sie sind bislang der einzige offiziell anerkannte Anbieter für das digitale Fahrtenbuch in Deutschland.
Die Zukunft des Flottenmanagements für KMU
Doch wie funktioniert das digitale Fahrtenbuch? Der Vimcar-Stecker, der mit GPS und einer SIM-Karte ausgestattet ist, wird in die OBD Schnittstelle des Autos eingesteckt und zeichnet automatisch jede Fahrt auf. Die Daten werden an die App übertragen und können z. B. vom Smartphone aus eingesehen und Details wie der Zweck der Fahrt bearbeitet werden. Im Vergleich zum herkömmlichen Fahrtenbuch erspart das viel Schreibarbeit. Außerdem ist die Software intelligenter als ihr Konkurrent aus Papier, denn sie erkennt zuvor angefahrene Ziele wieder. Damit die Software weiter verbessert und schnell erweitert werden kann, hat Vimcar in diesem Frühjahr erstmals eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Mit den eingesammelten fünf Millionen Euro geht es jetzt also an die Entwicklung neuer Features mit dem Endziel den gesamten Fuhrpark kleiner und mittlerer Unternehmen zu digitalisieren. „Dazu gehören dann zum Beispiel auch das Einsehen der Leasingverträge oder die Verwaltung von Tankkarten”, erklärt Andreas.
In nicht allzu ferner Zukunft soll außerdem auch der Vimcar-Stecker überflüssig werden, da jedes neue Auto sowieso mit der nötigen Technik (SIM-Karte und GPS-Sender) zur Aufzeichnung der Daten ausgestattet wird. Bisher ist es laut Andreas allerdings schwierig, um nicht zu sagen unmöglich, diese Daten zu nutzen. Durch die im Mai 2018 in Kraft tretende EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) erhoffen sich Andreas und sein Team eine Wende, denn: Die neue Gesetzgebung stellt klar, dass die erhobenen Daten dem Kunden selbst gehören. Somit könnten die Automobilhersteller gezwungen werden, ihre Daten Vimcar und anderen bereit zu stellen – sofern der Kunde dies verlangt.
Es bleibt also spannend. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!