“Flüchtlinge machen doch nur unsere deutsche Kultur kaputt.” Wie oft ich diesen Satz in letzter Zeit hören musste.
Dabei gibt es nichts, was Flüchtlinge, die in den ungemütlichen Turnhallen auf ihren Asylantrag warten, mehr tun. Sie versuchen unsere Kultur zu lernen und zu verstehen.
Erst heute, an Karneval, habe ich das am eigenen Leib mit erlebt. Asylanten standen am Rand des Karnevalzuges und man konnte richtig schön beobachten, wie sie die anderen um sich herum beobachtet haben. Sie haben geguckt, was die Deutschen gemacht haben und haben es ihnen dann so gut es geht gleich getan.
Am schönsten war die Freude, die in ihren Augen aufblitzte, wenn ihnen ein paar Süßigkeiten zugeworfen worden sind. Diese kleinen Tüten voller Gummibärchen und Chips schienen eine Art Bestätigung darzustellen. Sie fühlten sich in ihrem Tun bestätigt, als hätten sie etwas richtig gemacht.
Im Alltag lässt sich auch leicht beobachten, wie sehr sie sich doch bemühen Deutsch zu lernen. Immer wenn sie ein neues Wort oder einen neuen Satz gelernt haben, versuchen sie diesen so oft es geht im Alltag anzuwenden. Sei es ein einfaches “Guten Tag” oder “Auf Wiedersehen”. So passiert es, dass völlig fremde Asylanten dir von der anderen Straßenseite urplötzlich ein “Guten Tag” zu rufen. Und das tuen sie nicht, weil sie dich belästigen und gleich vergewaltigen wollen, sondern einfach nur, um zu zeigen, wie gerne sie möglichst schnell Teil unserer Gesellschaft sein wollen.
Stellt euch doch mal vor, ihr müsstet plötzlich hals über Kopf in ein völlig fremdes Land flüchten und dann von jetzt auf gleich deine Kultur ablegen und dich komplett auf eine Neue einstellen. Neue Traditionen, neue Sprache. Alles neu. Wie schnell würdet ihr das schaffen? Noch dazu, wenn ihr überall auf Skepsis, Vorwürfe und Misstrauen trefft?
“Flüchtlinge” sind auch nichts weiter als Menschen, die aus einem fremden Land zu uns gekommen sind, um hier ein neues, besseres Leben in Frieden zu beginnen. Machen wir ihnen diese schwere Entscheidung nicht noch schwerer, indem wir sie nicht in Frieden empfangen.