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Will mir jemand Signs of Life zu Weihnachten schenken? Ja? Danke.
Nuketown Adventures: An Apocalypse Story - Part 1
Leah
Am 21. Dezember 2012 ging die Welt unter.
Ich weiß nur noch, wie ich aufwachte, und spürte, dass etwas anders war als sonst. Es fühlte sich leer an.
Ich verließ meine Wohnung in der Charlottenstraße. Berlin zeigte sich heute von einer außergewöhnlich schönen Seite. Die Sonne schien, es war so... hell, alles wirkte freundlicher. Aber doch so kühl. Irgendetwas fehlte.
Ich machte die Augen zu und atmete einmal tief durch. Der Geruch war kein anderer als sonst, aber... es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Es war still. Natürlich war es auch gerade einmal 6 Uhr morgens, aber selbst um diese Uhrzeit hörte man normalerweise Vogelgezwitscher, Autos, die ein paar Straßen weiter entlang brausten, Menschen, die sich in den Wohnungen unterhielten. All das fehlte.
Ich schlang meinen Wintermantel enger um mich. Trotz der hellen Sonne war es unglaublich kalt, obwohl nirgends Schnee lag. Keine Spur von gefrorenem Wasser. Nur Kälte. Zum Glück war mein schwarzer Mantel mit Kunstpelz gefüttert, sonst wäre ich vermutlich erfroren – oder hätte mir zumindest eine dicke Erkältung geholt. Meine Füße stecken zum Glück ebenso sicher in drei Paar dicken Socken und Springerstiefeln. Ich war ausgerüstet, und somit begann ich meinen Streifzug. Denn irgendwo mussten ja all die Leute sein.
Ich lief bis zum Alexanderplatz. Gähnende Leere. Überall. Merkwürdig, denn es war ein Freitag, und somit sollten hier jetzt hunderte Menschen unterwegs zu ihren Arbeitsplätzen sein. Ich stieg die Treppen zur U-Bahn-Station hinab. Alles verlassen. Die Läden waren verriegelt, so wie sie am Vortag zurück gelassen worden sein mussten. Aber es fehlten sogar die Obdachlosen, die um einen Euro bettelten! Das war doch nicht mehr normal!
Selbst nach gründlichstem Umsehen sah ich keine Regung irgendwo, aber auch keinen Hinweis auf den Grund dieser Stille. Ich beschloss also, zu suchen. Ich betrat eines der Gleise. Die Anzeigetafeln waren abgeschaltet, also vermutete ich, dass auch keine Züge fuhren. Das Licht schien gut zu funktionieren. Ich sprang eine der Plattformen hinab. Der Kies knirschte unter meinem Aufprall. Ein einsames Geräusch in der Dunkelheit...
Ich kramte mein Handy aus der Jackentasche und schaltete die integrierte Taschenlampe ein. Zum ersten Mal erschien mir dieses scheinbar sinnlose Gimmick nützlich. Und dann betrat ich den Tunnel.
Marlon
Am 21. Dezember 2012 passierte es zum ersten Mal tatsächlich.
Ich hatte es immer für Blödsinn gehalten, wenn mal wieder irgendetwas entdeckt wurde, was den Weltuntergang voraus sagen sollte, und diesmal würde es ganz bestimmt passieren! Zugegebenermaßen waren es schon merkwürdige Jahre gewesen vor diesem Tag, irgendwie schien alles darauf hinzudeuten, das Erdbeben in Haiti, der Tsunami inklusive atomarer Verseuchung in Fukushima, Japan, und diverse andere Naturkatastrophen, dazu die ganze wirre Nummer mit Cloud 9... aber auch das hatte ich für einen Zufall gehalten. Bis dann am 21. Dezember 2012 um 2 Uhr morgens jemand an meiner Tür klingelte.
„Wer zur Hölle weckt mich um die Uhrzeit...?“ nuschelte ich verschlafen zwischen meinen Zähnen hervor. „Marlon! Scheiße, Marlon, lass mich rauf!“ Einen Drücker auf den Türöffner, ein Summen und ein tierisches Gepolter auf den Treppenstufen später stand mein bester Freund Tim atemlos in meiner Wohnung in Berlin-Weißensee.
Ich stand mit verquollenen Augen vor ihm, hatte meinen Bademantel nur lose über geworfen, schließlich war Tim mein bester Freund, und wenn er mich nicht in T-Shirt und Boxershorts sehen durfte, wer dann? Aber im Moment war mir das auch egal ob der obskuren Sache, wegen der Tim hier aufgekreuzt war.
„Okay, um das nochmal zusammen zu fassen: In Kreuzberg rennen lauter Zombies rum und wir müssen uns vorbereiten, weil die Apocalypse kommt? Alter, sicher dass du's nicht langsam übertreibst mit dem Pott?“ „Nein, verfluchte Scheiße! Die Apocalypse ist schon vorbei!“ „Ach komm, das hätt' ich mitbekommen.“ Tim verdrehte die Augen, dann packte er mich bei meinen Schultern, drehte mich um und schob mich in mein Schlafzimmer.
„Anziehen. Jetzt.“ „Tim, du hast sie doch nicht mehr alle, lass mich pennen!“ Er ignorierte meine Worte einfach und schmiss mir eine Jeans, zwei Paar Socken, lange Unterhosen und zwei Pullover zu. Ich hielt die lange Unterhose hoch und sah erst das Ding, dann Tim mit einem ungläubigen Blick an. „Tim... es liegt nicht mal Schnee, glaubst du nicht, dass du etwas übertreibst? Du bist ja schlimmer als meine Mutter.“ „Anziehen. Rausgehen. Klappe halten“, sagte Tim mechanisch.
Nachdem ich auch noch gezwungen wurde, einen dicken Parka, Mütze, Schal und Handschuhe sowie Winterstiefel anzuziehen verließen wir endlich die Wohnung.
Es war arschkalt.
„Punkt Nummer Eins: Die Apocalypse war leise. Ich hab noch nicht rausgefunden, was genau passiert ist, ich kann nur sagen, dass die Temperatur um etwa 20 Grad gefallen sind von heute auf morgen, einfach so. Aber guck mal, da.“ Er deutete auf eine Pfütze auf dem Gehsteig. Ich brauchte etwas länger, um zu verstehen, was er meinte. „Sie ist...“ „Richtig. Das Wasser gefriert nicht. Dabei müsste man bei -30 Grad Celsius schon auf der Spree spazieren gehen können.“ Mein Blick klebte immer noch starr und ungläubig an der absolut flüssigen Pfütze. „Dann fällt dir eventuell auf, dass alles leer ist.“ Ich löste meinen Blick vom Wasser und sah mich um. Wir befanden uns direkt neben der Disco „Harmonie“ auf der Streustraße, normalerweise standen hier um diese Uhrzeit ein paar betrunkene Vollidioten und pöbelten durch die Gegend... Die ganze Straße wirkte auf einmal unglaublich ausgestorben auf mich...
Fragend sah ich Tim an. „Es gibt drei Arten von Menschen: Die die verreckt sind, die die überlebt haben, und ich bin verdammt froh, dass du zur letzten Sorte gehörst...“ Ich nickte nur kurz. Dann fiel mir etwas auf. „Was ist die dritte Sorte?“
Tim seufzte und drückte mir wortlos eine Pistole in die Hand. Ich sah ihn fassungslos an. „Was? Was soll das denn jetzt? Wo hast du die her? Was soll ich mit dem Ding?“
Ein Röcheln aus einer dunklen Ecke beantwortete meine Fragen schneller, als mir lieb gewesen wäre. Ein Mensch trat ins Licht der Straßenlaterne – nur dass es kein normaler Mensch mehr war. Der junge Mann war blutverschmiert, von Wülsten übersät, ihm lief der Speichel aus den Mundwinkeln und er wirkte irgendwie verfault... Stöhnend wankte er auf uns zu. Je näher er kam, desto mehr Detaills konnte ich erkennen: Seine Kleidung war an manchen Stellen zerrissen, er litt offenbar an Haarausfall und er stank. Am Erschreckendsten jedoch war, dass seine Pupillen sich scheinbar komplett über den sichtbaren Teil des Augapfels ausgebreitet hatten, so dass man nur noch schwarz sah, wenn man ihm in die Augen blickte. „Was zu...?“ wisperte ich heißer. Tim sah mich von der Seite an. „Marlon. Marlon, ich hab dir das Ding da nicht umsonst in die Hand gedrückt. Marlon. Marlon, verdammte Scheiße, SCHIESS!“
Ein Knall zerriss die Nachtluft und der Mann fiel bäuchlings auf den Boden. Einen Bruchteil einer Sekunde starrte ich atemlos dieses tote Etwas dort auf dem Boden an.
„Ernsthaft? Zombies?“ Ich drehte mich zu Tim um und packte die Pistole ein. „Ganz schön plakativer Weltuntergang.“ Tim zuckte mit den Schultern. Er schien das aber nicht sonderlich witzig zu finden. Dann fiel mir die eine offensichtliche Frage auf, dich ich die ganze Zeit hätte stellen müssen.
„Wo ist Anne?“ Tim blickte bedrückt zu Boden. „Sie war eine von diesen Viechtern... ich musste...“ Er schluckte schwer. „...Du weißt schon.“ Er machte eine wirschte Geste in Richtung des jungen Mannes, den ich erschossen hatte. „Fuck...“
Ich ging zu meinem besten Freund und nahm ihn in den Arm.