Mit etwas GlĂŒck hĂ€lt der Sommer noch ein paar Wochen an, bevor er allmĂ€hlich in einen entspannt goldenen Herbst ĂŒbergeht. Um auch in den kommenden Sonnentagen mit genĂŒgend Vollgas unterwegs sein zu können, folgen hier drei Neuvorstellungen: eine fĂŒr die Tage auf der Flucht, eine fĂŒr die NĂ€chte unter Adrenalin und eine zum Abtauchen.
Ganz schön ruhig gewesen hier in letzter Zeit. Daher wird es Zeit, diese Neuvorstellungsrunde mit einem Knall zu beginnen: The Nectars kommen aus New Jersey und machen Pop-Punk, der einem jeden Tag verschönert. Das ist die Art von Musik, die Song fĂŒr Song voller Selbstbewusstsein strotzt, ohne dass der SpaĂ dabei auf der Strecke bleibt. Sci-Fi Television heiĂt das DebĂŒt der Band, deren Frontfrau klingt wie Gwen Stefani auf dem No-Doubt-Klassiker Tragic Kingdom. Ăberhaupt ĂŒberzeugt einen dieses Album, das es nun schon seit gut zweieinhalb Monaten kĂ€uflich zu erwerben gibt, dass alles möglich ist. In ihrem Heimatland sind The Nectars ein Geheimtipp. Mit Sci-Fi Television wollen sie das ihrer Meinung nach Beste der vergangenen 60 Rockjahre einfangen und sich zu eigen machen. Seit 2016 gibt es die Band und ich kann nur hoffen, dass sie noch lange Radau machen, wachsen und die Welt im Sturm erobern.
The Nectars // Sci-fi Television // VĂ: 25. Mai 2018
Riss ist ein so schönes Wort. Kein Wunder, dass das aktuelle Album von Xenia Beliayeva so heiĂt. Ihr Musikmix aus Dark Wave, Elektro, 80's-Pop und Acid fĂŒllt die LĂŒcke, die ein wie auch immer gearteter Riss hinterlĂ€sst ausgesprochen gut. Vorausgesetzt natĂŒrlich, dass man mit den jeweiligen Genres etwas anfangen kann. Eigentlich ist Beliayeva Musik-Promoterin, arbeitet seit 2000 in der Branche, legt aber auch selbst auf und fĂŒhlt sich in der Welt der elektronischen KlĂ€nge sehr wohl. In der Welt, in der das Licht in GroĂraumclubs unentwegt flackert und den Eindruck erweckt, als wĂŒrden alle Menschen um einen herum wie in Zeitlupe tanzen. Und das so schön und einzigartig, das jede Teilbewegung ein Lichtblitz-Foto wert ist. In den vergangen Jahren hat Beliayeva mit verschiedenen KĂŒnstlern zusammengearbeitet. 2010 folgte ihr DebĂŒtalbum Ever Since. Jetzt, nach einigen Jahren des RumtĂŒftelns, ist das Nachfolgewerk Riss veröffentlicht worden. Beliayeva hat dafĂŒr Musik kreiert, die ein bisschen so klingt, als wĂŒrde sich die junge Russin als Komponistin fĂŒr einen dritten Tron-Teil ins GesprĂ€ch bringen wollen. Definitiv keine Musik fĂŒr den entspannten Sonntagnachmittag (dafĂŒr ist das KĂŒnstlerduo, das ich als nĂ€chstes vorstelle, sicher besser geeignet). Nein, Riss fĂ€ngt diesen einen Moment sehr gut ein, in dem man sich komplett tanzwĂŒtig in einer Nacht verliert. Wenn die Sinne ĂŒbernehmen, Arme und Beine sich fast wie von allein bewegen und man erkennt, dass der nĂ€chste Morgen noch weit weg ist. Gut so, denn der nĂ€chste Morgen ist Alltag und hinter dem Riss liegt zumindest zeitweise eine Abwechslung, die einem sonst versagt bleibt.
Xenia Beliayeva // Riss // VĂ: 16. MĂ€rz 2018
Vielleicht war Synthiepop nie out. Zumindest aber ist er im Moment wieder sehr angesagt. FĂŒr FYE & FENNEK â ein Duo, das sich in Kassel kennengelernt hat â könnte das den so hart erarbeitete Durchbruch bedeuten. FYE heiĂt eigentlich Faye und FENNEK eigentlich Jan. WĂ€hrend FYEs Herz fĂŒrs Surfen und fĂŒr Kunst schlĂ€gt, brennt FENNEK fĂŒrs Produzieren. WĂ€hrend sie sich als Singer/Songwriterin durchschlĂ€gt und am liebsten von Freiheit und Entdecken der Welt erzĂ€hlt, durfte er unter anderem das Erfolgsduo Milky Chance mitproduzieren. Irgendwann kreuzten sich die Wege der beiden und das gemeinsame Interesse, zeitlose Musik zu schaffen, die einer Generation aus der Seele spricht, die gern und viel unterwegs ist, sich noch nicht festlegen mag, brachte eines zum anderen. Seit einigen Jahren machen beide gemeinsam Musik, jetzt ist ihr zweites Album erschienen. Separate Together unternimmt gar nicht den Versuch, Zeitgeister zu bedienen. Vielmehr klingt alles immerfort nach einem endlosen Sommer. Dabei sind die Texte alles andere als nichtssagend. Es geht um IdentitĂ€ten, Akzeptanz in einer Welt, die sich mit VerĂ€nderungen schwer tut und es geht um ein GefĂŒhl von Heimat und die altbekannte Erkenntnis, dass man ĂŒberall davon ĂŒberfallen werden kann. Also nichts wie raus und die Welt entdecken. Idealerweise mit den 12 Indie-Synthie-Wave-Perlen von FYE & FENNEK.
FYE & FENNEK // Separate Together // 18. Mai 2018