sich eine krankmeldung holen
am dienstag bot sich erstmals die gelegenheit, south africa medizinisch kennen zu lernen. ich benötige eine krankmeldung und fahre dafür zur sophiatown clinic, einem "government run" hospital. so ein staatliches krankenhaus geht hier für gewöhnlich einher mit mittelprächtiger ausstattung, übellaunigem personal und langen wartezeiten. da aber die klinik im reichen johannesburg liegt, bin ich ein risiko eingegangen. medikamente gibt es umsonst und (so dachte ich zumindest) man hat zeit, die menschen um sich herum zu beobachten. am ende aber war das aber nicht wirklich spannend.
tatsächlich warte ich eineinhalb stunden, bis ich mich anmelden und das formular ausfüllen darf. ich bekomme die nummer 41. meine zahl steht auf einem papkärtchen; die rückseite zeigt den text einer ausgeschnittenen medikamentenverpackung an:
eservative: Methyl paraben... 0,07
krankheitsbedingt zieht es mich zur toilette, wo es in der einzigen kabine kein klopapier gibt. wir haben noch nicht mittag.
nach zwei weiteren stunden mache ich eine pause vom warten und esse die erste speise des tages, genieße die sonne, bewundere mein frisch gewaschenes auto (heute hat es übrigens den geist aufgegeben) und hole eine rolle klopapier. das ist mein tag soweit.ich will ja nichts sagen, schließlich wusste ich mehr oder weniger, worauf man sich bei government run clinics einlässt. drinnen sind es mehr leute geworden mittlerweile, unter den etwa 50 personen im hauptfoyer gibt es noch zwei weitere nicht-schwarze, die zum arzt wollen, eine davon mit einem coloured kind. an der wand steht in symbolbildern, was alles nicht in die klinik mitgeführt bzw. in gebrauch genommen werden darf: zigaretten, nahrungsmittel, diverse handfeuerwaffen, unter denen ich eine ak-47, eine uzi und eine kleine halbautomatik erkenne.das wetter ist herrlich. ich denke an das andersartige haar eines schwarzen und wie es sofort zurückschnalzt, nachdem man es gerade gezogen hat. weiß gott, wann ich dran komme, man muss ja dann als nächstes in den gang und erst danach wird man ins untersuchungszimmer gerufen.
nach noch einmal ca. eineinhalb stunden sitzen immer noch dieselben leute im foyer. wann wird hier eigentlich jemand aufgerufen? die übelkeit meldet sich wieder und ich rutsche in eine möglichst liegende position. gegen halb drei ruft eine sick sister eine reihe von personen auf, ich bin dabei. dann geht es schnell, gegen drei schnauzt mich die ärztin ins zimmer, fragt, wo's wehtut, macht vermerkungen und sieht mich dabei kein einziges mal an. es folgt darauf hustensaft, eine packung anti-durchfall/erbrechen-tabletten, fiebermedikament, vitamin c, vitamin b50 und die wertvolle krankmeldung. ich verlasse die sophiatown clinic mit dem gefühl, nichts wirklich großartiges erlebt zu haben. aber ich wollte es trotzdem hier teilen.