Arbeitskampf: Franzosen und DĂ€nen streiken am meisten
In einer globalisierten Wirtschaft bedrohen Streiks die LieferpĂŒnktlichkeit und damit auch Kundenbeziehungen. Je weniger Arbeitstage durch ArbeitskĂ€mpfe verloren gehen, desto besser ist das fĂŒr die Planungssicherheit der Unternehmen. Der soziale Friede ist deshalb ein wichtiger Standortfaktor. Ein internationaler Arbeitskampfvergleich unter 22 OECD-LĂ€ndern fĂŒr den Zeitraum 2007 bis 2016 zeigt, dass es um die QualitĂ€t der Arbeitsbeziehungen recht unterschiedlich bestellt ist. Â
WĂ€hrend in Frankreich pro Jahr durchschnittlich 123 Arbeitstage je 1.000 Arbeitnehmer verloren gingen, waren es in Deutschland 7 und in Japan 0,2 Tage (Grafik). Zu den streikfreudigsten LĂ€ndern gehören neben Frankreich noch DĂ€nemark mit 118, Kanada mit 87 und Belgien mit 79 Ausfalltagen. Leider liegen fĂŒr LĂ€nder wie Italien und Griechenland, in denen traditionell oft gestreikt wird, keine Daten vor. Das untere Mittelfeld umfasst LĂ€nder mit 40 bis 59 Ausfalltagen. Hierzu zĂ€hlen Spanien, Norwegen und Finnland. Zum oberen Mittelfeld gehören Irland, das Vereinigte Königreich, Portugal und Australien. In diesen LĂ€ndern fielen zwischen 14 und 32 Tage aus. Interessant ist, dass die Liste der LĂ€nder, in denen wenig gestreikt wird, recht lang ist. Weniger als 10 Tage gingen in Neuseeland, den Niederlanden, Deutschland, den USA, Polen, Schweden, Ungarn, Ăsterreich, der Schweiz sowie in Japan und in der Slowakei verloren. In Japan und in der Slowakei ging es fast gĂ€nzlich konfliktfrei zu. Dass Deutschland in diesem Ranking gerade mal den neunten Platz belegt, hĂ€ngt mit dem Ausnahmejahr 2015 zusammen. Damals summierten sich die Ausfalltage auf mehr als eine Million. Das entspricht 31 Ausfalltagen je 1.000 Arbeitnehmern. Einzelne Jahre, die deutlich vom langjĂ€hrigen Trend abweichen, treten allerdings auch in anderen LĂ€ndern auf. So erlebte Belgien 2014 ein Streikrekordjahr mit 196 Ausfalltagen je 1.000 Arbeitnehmer, Norwegen 2010 eines mit 217 oder DĂ€nemark 2013 eines mit 381 Ausfalltagen.  Aufgrund solcher Ausnahmejahre ist es bei internationalen Arbeitskampfvergleichen ĂŒblich, lĂ€ngere ZeitrĂ€ume miteinander zu vergleichen (Lesch, 2015; Dribbusch, 2015). Dadurch werden AusreiĂerjahre statistisch geglĂ€ttet und LĂ€nder besser miteinander vergleichbar. Trotzdem ist bei der Interpretation der Daten zu berĂŒcksichtigen, dass sie auf unterschiedliche Weise erhoben werden (Lesch, 2010, 21. f). Ein besonderes Problem sind die unterschiedlichen Erfassungsschwellen. In Deutschland veröffentlicht die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Daten fĂŒr alle AusstĂ€nde, bei denen mindestens 10 Arbeitnehmer beteiligt sind und die eine Mindestdauer von einem Tag haben oder bei denen mindestens 100 Arbeitstage ausfallen (Bundesagentur fĂŒr Arbeit, 2016). Seit 2008 werden aber auch Bagatellstreiks erfasst und statistisch ausgewiesen. Sie sind auch in dem hier vorgenommenen Vergleich enthalten. In den USA werden hingegen nur Streiks statistisch berĂŒcksichtigt, bei denen mindestens 1.000 Arbeitnehmer beschĂ€ftigt sind und die wenigstens eine Schicht (oder einen Arbeitstag) dauern. Durch diese Schwelle wird die Anzahl der tatsĂ€chlich ausgefallenen Arbeitstage unterzeichnet. In Spanien wird die ausgewiesene Zahl dadurch unterschĂ€tzt, dass groĂe Generalstreiks nicht erfasst wurden. In Frankreich werden unabhĂ€ngig voneinander Daten fĂŒr den privaten und fĂŒr den öffentlichen Sektor veröffentlicht. Dabei kommt es zu Ăberschneidungen, die sich nur grob bereinigen lassen (ETUI, 2016).  Dass die Unterschiede zwischen den LĂ€ndern so groĂ sind, hĂ€ngt vor allem mit der historisch gewachsenen Streikkultur zusammen. Im Vergleich zu frĂŒheren ZeitrĂ€umen ist zwar in fast allen LĂ€ndern ein merklicher RĂŒckgang der Ausfalltage zu beobachten. Gleichzeitig besteht aber eine groĂe PfadabhĂ€ngigkeit: LĂ€nder, die wie Belgien, DĂ€nemark, Frankreich, Kanada oder Spanien aktuell die meisten Ausfalltage zu verzeichnen haben, gehörten auch in den 2000er oder 1990er-Jahren zu den streikanfĂ€lligen Volkswirtschaften. So fielen in Kanada zwischen 2000 und 2009 pro Jahr durchschnittlich 150 und in Spanien 153 Arbeitstage durch ArbeitskĂ€mpfe aus. Ein weiterer ErklĂ€rungsfaktor sind politische Streiks. WĂ€hrend die Ausfalltage durch tarifpolitische Konflikte tendenziell sinken, gab es seit 2008 vor allem in LĂ€ndern wie Griechenland, Frankreich, Belgien oder Spanien eine Renaissance des politischen Streiks (Gallas/Nowak, 2012). Da die Mobilisierung bei solchen Generalstreiks in der Regel sehr hoch ist, schlagen sie sich auch in der Streikbilanz spĂŒrbar nieder. In LĂ€ndern wie der Schweiz oder Japan, in denen politische Streiks unĂŒblich â oder wie in Deutschland â gar verboten sind, fallen deutlich weniger Arbeitstage durch ArbeitskĂ€mpfe aus.  https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2017/362204/IW-Kurzbericht_71_2017_Internationaler_Arbeitskampf.pdf   https://ap-verlag.de/deutsche-unternehmen-sehen-cyberrisiken-als-groesste-gefahr/32114/ https://ap-verlag.de/motivationskrise-der-arbeitnehmer/47843/ https://ap-verlag.de/mitarbeitermotivation-schlechte-arbeitsatmosphaere-und-mangelnde-interne-kommunikation/33937/ https://ap-verlag.de/aerger-am-arbeitsplatz-unternehmen-haben-ein-motivationsproblem/33633/ https://ap-verlag.de/mitarbeitermotivation-ist-treibende-kraft-fuer-den-unternehmenserfolg-und-wichtigster-faktor-fuer-innovationsfaehigkeit/13322/ https://ap-verlag.de/kuenstliche-intelligenz-ist-im-arbeits-alltag-noch-nicht-angekommen/44617/ https://ap-verlag.de/motivationskiller-fuer-mitarbeiter/5153/ Read the full article










