Kolberg, Polen:
Baltische Auszeit
Zu Gast im polnischen Ostseebad Kolberg
Von Marc Vorsatz
Wer Kolberg (Kolobrzeg) besucht, macht eigentlich gleich drei Reisen: eine in die hanseatische Vergangenheit, eine in die polnische Gegenwart und eine in die touristische Zukunft des charmanten Ostseebades.
Da ist beispielsweise die Wyspa Solna, die Salzinsel, inmitten der Kurstadt, wo bis ins 19. Jahrhundert in ßber 30 Salinen und vier Gradierwerken Salz gewonnen wurde, das der Stadt Reichtum und Ansehen bescherte. Und natßrlich der Hafen. Die alten Speicher lassen noch heute die Geschäftigkeit der einst so wohlhabenden Hansestadt erahnen. Stillgelegte Schienen entlang der Kais legen Zeugnis ab vom LÜschen des Stßckguts, das anfangs gar mit Cargo-Seglern herantransportiert wurde. Heute liegen Piratenschiffe fßr Touristen friedlich am Pier. Ein Gaudi fßr die ganze Familie. Längst ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig und spßlt wieder gutes Geld in die Gemeinde.
Ăber allem thront der stattliche Leuchtturm  an der MĂźndung der Persante, den der deutsche Hafenkommandant kurz vor Kriegsende im März 1945 sprengen lieĂ, um der feindlichen Artillerie den Orientierungspunkt bei der Bombardierung des Hafens zu nehmen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Westpommern längst an Polen gefallen war, wurde der Turm wieder aufgebaut. Er ist heute das Wahrzeichen des beliebtesten Ostseebades Polens. Urlauber zieht es neben der gemĂźtlichen Stadt mit ihren engen Gassen und alten BĂźrgerhäusern, die den Krieg Ăźberlebten, natĂźrlich an die kilometerlangen weiĂen Sandstrände. Die kĂśnnen es allemal mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen. Sie sind zeitlos schĂśn, scheren sich nicht um StaatszugehĂśrigkeit, so wie es auch die Baltische See nie getan hat.
Die Plattenbauten aus sozialistischer Zeit, als sich die polnische Planwirtschaft langsam aber sicher ihrem Zusammenbruch entgegenschleppte, mĂśgen jedoch so gar nicht in das Bild eines harmonischen Panoramas passen. Immerhin sind sie inzwischen recht ordentlich saniert und liegen nicht direkt am Strand.
Ein Sanierungsfall war auch die heutige Top-Herberge von Kolberg, das Boutique und Wellness Hotel Shuum. Trotz kubistischer Formen fĂźgt es sich geschmeidig in die windgegerbte KĂźste ein. âWir wollten etwas vĂśllig Neues schaffen, auch innen. Weg vom Ăźberladenen Interieurâ, erklärt General Manager Adam Hok das Konzept. âKeine Spiegel im Lift, klare Linien Ăźberall, ob im Restaurant oder Spa. Reduktion. Weniger ist mehr.â
Das Konzept ist aufgegangen, die Klientel, die bereit ist, knapp 200 Euro fĂźr ein Doppelzimmer pro Nacht zu zahlen, hat sich gefunden. âIn der Hochsaison haben wir etwa eine Hälfte deutsche Gäste, die andere polnische. Die restlichen Nationen bewegen sich im Promillebereichâ, so Hok. âIn der Nebensaison beherbergen wir etwa 70 Prozent deutsche Urlauber.â
Kein Wunder. Berlin ist nicht einmal 300 Kilometer entfernt, die StraĂen sind tip-top. Zumindest auf polnischer Seite und die Preise fĂźr vergleichbare Angebote in Polen deutlich preiswerter.
Wo immer es geht, versucht man Nachhaltigkeit im Shuum umzusetzen. Auf den Tisch kommen polnische und internationale Gerichte. Ăberwiegend werden Bio-Lebensmittel Made in Poland verwendet. Und gekonnt zubereitet. Gault Millau goutierte dies mit zwei Hauben. VĂśllig zurecht. Das Essen schmeckt nicht nur kĂśstlich, es sieht auch so aus.
Das Duschgel ist organisch, auf Minicontainer wird bewusst verzichtet. Die täglichen Yogaklassen sind kostenlos, die Spa-Anwendungen nicht. Beides wird nachgefragt.
Aber egal, ob man nun im Shuum residiert oder in einer gemĂźtlichen Ferienwohnung in der Altstadt nächtigt, der eigentliche Star ist natĂźrlich die Ostsee mit ihren endlosen weiĂen Sandstränden. Zu jeder Jahreszeit. Š 2023 ¡ Marc Vorsatz | MEDIA CREW MITTE
INFOS
AuskĂźnfte:
Polnisches Fremdenverkehrsamt, Telefon: 030/210092-0, www.polen.travel/de
Kolberg: www.kolobrzeg.eu
Unterkunft: Kolberg bietet eine breite Palette an UnterkĂźnften, vom Zeltplatz Ăźber Ferienapartments bis hin zu Hotels aller Kategorien. Der besondere Tipp: Wer innere Ruhe und Entspannung, eine gute KĂźche und ein WohlfĂźhlprogramm im Spa schätzt, wird sich im Boutique und Wellness Hotel Shuum gut aufgehoben fĂźhlen. Nur die DĂźne und ein dĂźnner Waldstreifen trennen das Haus vom kilometerlangen weiĂen Strand. Preis im Sommer ab ca. 190 Euro fĂźr das Doppelzimmer inklusive einem sehr reichhaltigen und gesunden FrĂźhstĂźck. Ăfter Specials. https://shuumhotel.pl/de.
Kolberg mit Kind: Kolberg bietet ein breites Angebot fĂźr Familien. Ein Highlight ist die âStadt der Mäuseâ (Miasto Myszy), direkt am Leuchtturm. In den Kellerräumen des ehemaligen HafenmeisterbĂźros kĂśnnen Kinder in die Welt der kleinen Nager eintauchen. Rund 500 Mäuse verschiedener Arten leben in groĂen Terrarien. Wie sehen eigentlich Astrexmäuse aus? Die mit dem langen gekräuselten Fell. Und wie groĂ â oder besser gesagt winzig klein â sind eigentlich Zwergmäuse? Warum haben Berber-Streifengrasmäuse eigentlich diese merkwĂźrdige Fellzeichnung? Das und vieles mehr lernen die Kleinen in dem einzigartigen Museum.
Sportliche Aktivitäten: Die Region Kolberg eignet sich hervorragend fßr ausgedehnte Strandwanderungen, Fahrrad- und Kajaktouren, Segelausflßge und natßrlich auch fßr ein erfrischendes Bad in der Ostsee.
Literatur: Nordpolen von Carsten Heinke. Sehr gut recherchierter Reisefßhrer abseits der ausgetretenen Pfade. 16,95 Euro, https://360grad-medienshop.de/Nordpolen


















