23. September, 2018
Lieber September.
Da sind wir wieder. Heute vor 9 Jahren hab ich dich das letzte Mal gesehen. Heute vor 9 Jahren habe ich das letzte Mal deine Stirn gekĂŒsst und das erste, einzige und letzte Mal âIch liebe dichâ geflĂŒstert.
Mein liebster September.
In all diesen Jahren hat es nicht aufgehört, weh zu tun. Es wurde nur einfacher, den Schmerz zu ignorieren. Es wurde nur einfacher, den Blick auf die Photos zu vermeiden. Aber sobald man einmal nicht ganz so diszipliniert war, kam er zurĂŒck. Der Regen.
Der schwere Septemberregen von vor 9 Jahren, der uns alle so sehr verÀndert hat. Der Regen, der unsere TrÀnen mit dir fortgeschwemmt hat. Der Regen, der so heftig war, dass wir danach keine TrÀne mehr zum Weinen hatten.
Herzallerliebster September.
Es ist schon so lange her, dass mein Kopf das letzte Mal dein Gesicht hat formen, deine Stimme wiedergeben und dein Lachen hat erklingen lassen können. Es ist, als seien diese Erinnerungen mit deiner Seele fortgetragen worden. Damit ich dich nicht immer sehe. Damit ich dich nicht immer suche.
Liebster September.
Es ist so lieb von dir, dass du in all deinen Schmerzen immer noch versucht hast, nur an uns zu denken. Aber lass dir gesagt sein, dass ich dich auch ohne dein Gesicht immer sehe. Und dass ich dich auch immer suche.
Bei jeder Menschenmenge, September. Bei jeder Menschenmenge suche ich dich, in der Hoffnung, dass ich dir ins Gesicht blicke und mein Herz wieder ruhig schlÀgt. Ich hoffe, dass du mich anlÀchelst. Ich hoffe, dass du vor Stolz nicht aufhören kannst, zu lÀcheln.
Doch lieber September, stattdessen spĂŒre ich immer nur wieder, welche LĂŒcke du gelassen hast. Direkt in unserer Mitte. Und gleichzeitig spĂŒrte ich, wie du deine Hand auf meine Schulter legtest, als ich meinen Abschluss machte. Ich hoffe, dass ich sie nĂ€chstes Jahr wieder so spĂŒre. Wenn ich Abi mache. Den Abschluss, denn du immer von mir sehen wolltest. Weil du an mich geglaubt hast. Du hast nie Druck ausgeĂŒbt, weil du wusstest, ich kann das.
Und jetzt? Jetzt bist du nicht mehr hier, um das zu erleben. Und du warst auch nicht mehr hier, um meinen 10er-Abschluss zu erleben, so wie du nicht mehr da warst, um meinen 18. Geburtstag zu erleben. Du wirst auch nicht mehr hier sein, um meine Hochzeit zu erleben, genauso wie meine Kinder.
Du wirst nie wieder hier sein, aber immer bei mir. Und dort wird immer ein freier Platz sein fĂŒr dich. Dort wird ein freier Stuhl stehen auf meiner Hochzeit. Versprochen.
Weil mein Herz deinen Takt schlÀgt.
Und ich verspreche dir, ich passe weiter auf sie auf und gehe ihren letzten Weg auch mit ihr mit, damit ihr zwei zusammen bei mir sein könnt. Damit sie, wenn sie zu dir kommt, dir erzÀhlen kann, wer ich geworden bin und wie mein Abi war.
Heute vor 9 Jahren hab ich zuletzt deine Stirn gekĂŒsst. Morgen vor 9 Jahren ist deine Seele fĂŒr immer heimgekehrt.
Du wirst fĂŒr immer vermisst.
In Liebe
Xx












