«SĂ€umarkt» ausserhalb der Stadt. Baugeschichtliches Archiv ZĂŒrich
Geschichte des Paradeplatzes
Wo einst der Henker von ZĂŒrich residierte
Autor:Â Manuela Siegert,13.06.2023
Die Grossbank Credit Suisse ist Geschichte. Seit dem 12. Juni ist sie Teil der UBS. Ihre Integration in die grösste Schweizer Bank wird auch den Ort verĂ€ndern, der sinnbildlich fĂŒr den Schweizer Finanzplatz steht: den Paradeplatz in ZĂŒrich.
Erst im 19. Jahrhundert ist er zum Platz der Banken geworden. Zuvor hatte er viele andere Gesichter.
Bis Mitte des 17. Jahrhunderts befand sich der Paradeplatz ausserhalb der Stadtmauern ZĂŒrichs. Auf ihm wurde Vieh gehandelt. Er trug den Namen «SĂ€umarkt».
Ort des Henkers von ZĂŒrich
Das Haus, in dem einst der Henker von ZĂŒrich wohnte. 1897. Baugeschichtliches Archiv ZĂŒrich / Adolf Moser
Auf dem Platz residierte bis 1718 auch der Henker von ZĂŒrich. Sein Haus namens «Zum Schanzengatter» stand an dem Ort, an dem Ende des 19. Jahrhunderts die VorgĂ€ngerbank der UBS ihr GebĂ€ude eröffnete.
Der Scharfrichter war den Nachbarn allerdings ein Dorn im Auge und musste spÀter weiter ausserhalb der Stadt seiner Arbeit nachgehen.
Die AttraktivitÀt steigt
Fröschengraben, um 1855.
Potenzial erlangte der Platz, als der angrenzende Fröschengraben zugeschĂŒttet wurde. Dieser ehemalige Graben ist die heutige Bahnhofstrasse. An deren Ende eröffnete 1847 der Hauptbahnhof.
Der Platz wird modern
Paradeplatz mit Hotel Baur und SprĂŒngli. Datum unbekannt.
Schon einige Jahre zuvor, 1838, hatte der österreichische Gastronom Johannes Baur das erste gehobene Hotel der Stadt errichtet: das Baur en Ville.
Zudem siedelte sich die Confiserie SprĂŒngli an â eigentlich in der Hoffnung, Laufkundschaft am neuen Bahnhof zu erreichen. Der Bahnhof war ursprĂŒnglich am Paradeplatz geplant worden.
Verkehrsknotenpunkt mit PferdestÀrken
«Rösslitram», um 1890.
1882 erhĂ€lt ZĂŒrich eine Strassenbahn, das «Rösslitram». Die Wagen werden von Pferden gezogen. Die zunĂ€chst zwei Linien kreuzen sich am Paradeplatz und machen ihn zu einem zentralen Umsteigeort.
Paradeplatz ohne Paraden
Im «Feldhof» war einst das Waffenarsenal der Schweizer Armee untergebracht. Datum der Zeichnung unbekannt.
Die Stadt wollte den Platz umbenennen, zunĂ€chst in «Neumarkt». Dieser Name fand keinen Anklang, da es einen solchen Platz bereits gab. So entschied man sich fĂŒr «Paradeplatz». Am heutigen Ort des Credit-Suisse-GebĂ€udes war das Waffenarsenal der Armee. Ausserdem befand sich wenige hundert Meter entfernt eine Kaserne.
Ironie der Geschichte: Waffen sowie Kaserne wurden in andere Stadtteile verlagert. So fand auf dem Paradeplatz nie eine Parade statt.
Die Kreditanstalt kommt
Alfred Escher grĂŒndet 1856 die Schweizer Kreditanstalt zur Finanzierung des Eisenbahnbaus. ZunĂ€chst befindet sich diese in den «Tiefenhöfen», hinter der heutigen Confiserie SprĂŒngli.
Ab 1873 entsteht das monumentale GebÀude, das bis heute den Paradeplatz prÀgt. Alfred Escher dachte gross: Beim Einzug hatte die Bank lediglich 50 Angestellte.
Zweite Bank zieht nach
Das alte GebÀude des Bankvereins. rechts davon steht das noch heute genutzte Credit-Suisse-GebÀude. Datum der Aufnahme unbekannt.
1897 expandiert der Schweizerische Bankverein mit Hauptsitz Basel nach ZĂŒrich und wird spĂ€ter durch die Fusion mit der Bankgesellschaft zur UBS. Wo heute das markante UBS-GebĂ€ude steht, residiert der Bankverein zunĂ€chst in einem Barockbau.
Der Hauptsitz der UBS war ĂŒbrigens nie am Paradeplatz, sondern einige hundert Meter entfernt in der Bahnhofstrasse.
Bankenplatz mit Symbolkraft
Noch 1993 hiessen die beiden Banken «Schweizerische Kredi-tanstalt» und «Schweizerischer Bankverein».
Im 20. Jahrhundert ist der Paradeplatz das Symbol fĂŒr die Schweizer Banken. Die GebĂ€ude sind dieselben wie heute. Schon lĂ€nger ist allerdings bekannt, dass das UBS-GebĂ€ude umgebaut und das untere Geschoss fĂŒr LĂ€den und Gastronomie geöffnet werden soll.
Wie es nach der Ăbernahme der Credit Suisse weitergehen soll, beantwortete UBS-Konzernchef Sergio Ermotti am 12. Juni wie folgt: «Um ehrlich zu sein, hatte ich in den letzten Monaten andere Dinge im Kopf als die Zukunft der GebĂ€ude von UBS und Credit Suisse. Wir werden uns damit noch befassen.»
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