'Polizei und Sexismus - gehört das zusammen? Kann ich nicht erwarten, dass ich gerade dort Respekt und Schutz erhalte, wo ich versuche, ein Vergehen gegen mich oder andere zu melden?'
GrundsĂ€tzlich schon, in der RealitĂ€t sieht es in manchen Situationen leider anders aus. HĂ€ufig gehen Menschen zur Polizei, weil sie ein bestimmtes BedĂŒrfnis haben. Zum Beispiel, um Informationen zu vermitteln, weil sie sich unsicher fĂŒhlen und von der Polizei Rat einholen möchten, was in ihrem Falle zu tun sei. Einige von ihnen erfahren bei der Polizei hĂ€ufig eine Form von Sexismus, der ihnen in der Situation möglicherweise nicht sofort bewusst ist und den sie so nicht erwartet haben. Immer wieder sind bestimmte Gruppen, z.B. Sexworker_innen und transsexuelle Menschen (lesenswert: http://transit.blogsport.de) sexistischen Bemerkungen und Verhalten der Polizei ausgesetzt. Sie befĂŒrchten Repressionen und sind eingeschĂŒchtert, weil sie ohnehin zu den Gruppen gehören, die einen zusĂ€tzlichen Schutzraum brauchen, diesen aber nicht ĂŒberall erhalten.
Nicht alle Menschen kennen ihre Rechte und tappen somit in die Falle der scheinbar entlastenden Aussagen, denn jede Aussage gibt der Polizei auch einen Hinweis darauf, gegen sie oder andere zu ermitteln, so indirekt die Webseite Aussageverweigerung.info. Oft gelangen solche Situationen und Erfahrungen nicht an die Ăffentlichkeit, hinterlassen bei den Betroffenen aber ein seltsames GefĂŒhl, mit dem sie alleine verbleiben.Â
Auf diesen Missstand verweist das Projekt Polizei und Sexismus, das von Jana Ballenthien und weiteren Personen gefĂŒhrt wird. Das Projekt ist seit MĂ€rz 2012 online und hat bislang ĂŒber 4.000 Klicks, was ein Zeichen dafĂŒr sein könnte, dass dieses Thema viele Menschen betrifft oder interessiert. Nun ist es so, dass sich viele Leser_innen jedoch kaum trauen, ihre eigenen Erfahrungen zu posten, vermutlich aus den oben genannten GrĂŒnden.
Auf dem Gendercamp bei Hamburg wurde dieses Projekt zum Thema einer Session, bei denen alle Beteiligten mithalfen, Ideen zum Projekt beizusteuern, um Menschen dazu zu motivieren, ihre Erfahrungswerte öffentlich zu machen. Inzwischen sind einige Ănderungen vorgenommen worden, um die AnonymitĂ€t der Einsendungen zu erhöhen.
Wir möchten euch dazu ermutigen, eure Erfahrungen mit der Polizei bei diesem Projekt einzureichen (gern auch anonym mit Wegwerf-E-Mail-Adressen), damit wir alle gemeinsam etwas Ă€ndern können.Â
Dieses Projekt unterstĂŒtzen wir, weil wir glauben, dass es ein sehr wichtiges Thema ist,
denn nur wenn Personen, die von Sexismus, Homo- und Transphobie durch die Polizei betroffen sind, auch gehört werden und ihre Erfahrungen teilen können, brechen wir mit einem Tabu. Es muss ein Bewusstsein dafĂŒr geschaffen werden, dass wir uns in solchen Situationen rechtlich zur Wehr setzen können. Wie, erfahrt ihr auf der Webseite, die zu weiteren Projekten verlinkt.
Wendet euch an die Initiator_innen, wenn ihr weitere Ideen fĂŒr das Projekt habt oder dabei helfen wollt, das Projekt bekannter zu machen, indem ihr es verbreitet.