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Japan. Normalerweise ein Ort, den sie nicht wieder besuchte, um Aufträgen hinterherzujagen, oder vielmehr den Personen, die sie im Rahmen ihrer Arbeit aufspüren sollte. Japan war vielmehr ein Sehnsuchtsort. Ihr Heimatland, in das es sie hin und wieder zog, um Orte ihrer Kindheit und Jugend zu besuchen.
Diesmal war sie in Tokio für die Arbeit. Einer ihrer Klienten, ein Amerikaner, hatte sie mit einem Auftrag dorthin geschickt. Ihr Ziel war eine Person, mit der sie sich lange zuvor hatte beschäftigen müssen. Der Amerikaner wusste kaum etwas. Keinen Namen, kein Alter, der Aufenthaltsort war vage.
Er verriet ihr nicht, wie sie zueinander standen, aber in ihrem Gespräch hörte sie heraus, dass es offenbar Rache war, die ihn antrieb und ihn dazu veranlasst hatte, jemanden wie sie auszuwählen, ihn aufzuspüren und alles andere herauszufinden, was ihr Klient noch nicht wusste.
Auffällige Tattoos, blaue Augen. Im Grunde müsste er, zumindest was die Farbe seiner Augen betraf, aus der Masse herausstechen, aber ohne einen Namen und weitere markante Merkmale hatte es sie einiges an Zeit und Mühe gekostet, zumindest herauszufinden, wo er sich aufhielt, und vor allem mit wem.
Er schien ein zwielichtiger Typ zu sein, und Ayako wurde im Rahmen ihrer Recherchen von dem Gedanken gejagt, dass sie da vielleicht in etwas hineinrutschte, was mit mehr Risiken verbunden war, als ihr lieb war. Aber dann wiederum wäre sie nicht diejenige, die sie war, wenn es sie nicht auch ein wenig kitzelte bei der Vorstellung, in den Genuss von berauschendem Adrenalin zu gelangen.
Ihre Verkleidung war heute die einer Kellnerin. In einer kleinen Bar im Osten Shinjukus. Ihrer Überredungskunst allein hatte sie es zu verdanken, dass sie diese Rolle übernehmen und ihr Ziel und den Leuten, mit denen es hier war, mit Getränken und Snacks 'beehren' durfte.
Es gab strikte Anweisungen, wenn man das Hinterzimmer betrat, in denen sie sich aufhielten. Servieren und keine Fragen stellen. Auf Fragen hin lächeln und tun, was sie sagen. Was das genau bedeutete, sollte sie möglicherweise noch erfahren.
Ihre eigene Attitüde hinter einem unschuldigen Blick versteckend, platzierte sie fünf Becher und ein Tokkuri, bis zum Rand gefüllt mit Sake, auf ein Tablett und machte sich auf den Weg, ihrem Ziel vielleicht endlich in die Augen zu blicken.
"Eine Runde Sake, Gentlemen?" Ihre Stimme waberte durch eine Wand aus Rauch. Der Geruch von teuren Zigarren und schwerem Parfüm schlug ihr entgegen, als sie eintrat.