Kurzbeschreibung der 2. Etappe LÀnge: etwa 23 km; Höhenmeter: ca. 1.200 m GeschÀtzte Pilgerdauer: 7 Stunden
Kurzfassung: Von Romagnat steigt man zur Hochebene von Gergovia auf, die durchquert wird. Dass hier Caesar auf die MĂŒtze bekommen hat verwundert kaum, wenn man diese einst riesige Höhensiedlung nĂ€her in Augenschein nimmt. Die Etappe fĂŒhrt dann ĂŒber Juffat nach Chanonat, wo die Templer eine Niederlassung betrieben hatten. Beleg dafĂŒr, dass die monetĂ€re Bedeutung der StraĂenverbindung in Richtung St. Saturnin im Hochmittelalter groĂ gewesen sein muss. Nach der Besichtigung der auvergnatischen Basilika und dem Ortszentrum gehtâs dann zur Feier des Tages nocheinmal ordentlich aufwĂ€rts ins Benediktinerkloster Randols. Man gönnt sich ja sonst nix.Â
Bernard und Laurette Quinsat samt dem Pilgersmann
Nach den vielen GesprĂ€chen mit Bernard Quinsat in dessen Heim in Romagnat ist man dann so richtig âscharfâ drauf, die Via Arverna unter die Sohlen zu nehmen. Die Sache mit den Höhenangaben in den diversen Beschreibungen hatte ich nicht wirklich geglaubt. Ich durfte mich aber schon zum Beginn der Etappe davon ĂŒberzeugen, wie heftig es hierzulande aufwĂ€rts geht. Immerhin bewĂ€ltigen die kĂŒhnen Pilgersleute auf den ersten 14 Etappen mehr als 8.000 Höhenmeter. Beileibe kein Lercherl.
Der uralte Weg von Romagnat fĂŒhrt direkt nach Gergovia. Dem schönheitssuchenden Pilgersmann eröffnen sich immer wieder geniale Blicke auf Clermont-Ferrand. Der historisch beflissene Wandersmann kann aber riesige Steinhaufen im Wald kaum ĂŒbersehen, die sich links und rechts des Weges auftĂŒrmen. Dazwischen immer wieder Senken. Ganz so, als wĂ€ren dies einstige Befestigungsanlagen der Kelten. Was ich auch tatsĂ€chlich annehme.
Die riesigen SteinhĂŒgel im Wald deuten auf einstige Wehranlagen hin.
Der Blick von Gergovia auf Clermont
Jedenfalls erreicht man doch einigermaĂen verschwitzt das Hochplateau, das berĂŒhmte Gergovia. Ich hatte geglaubt, diese keltische Siedlung wĂ€re einige FuĂballfelder groĂ gewesen. Weit gefehlt. Das Plateau hat locker und flockig zwei km2. Noch immer scheinen Trockensteinmauern die einstigen Hausbezirke Gergovias abzubilden. Eine mit flachen Steinen befestigte StraĂe deutet sogar eine Art HauptstraĂe an.
Wenâs interessiert: das ist die Hochebene von Gergovia.
Ratsam ist es, den einstigen, vermutlichen Hauptort der Kelten etwas nĂ€her in Augenschein zu nehmen. Vor allem die sichtbaren Ausgrabungen am Westtor der Anlage. Aber auch die steile Rampe, die dem Herrn Caesar offenbar beinahe zum VerhĂ€ngnis geworden ist. Man muss kaum Vorstellungskraft besitzen um zu erahnen, wie sich hunderte, wenn nicht tausende Kelten den Hang hinunter auf die verdutzten Römer stĂŒrzten und diese in die Flucht schlugen. (Ich bin so frei, das anzunehmenâŠ)
Die Vorstellung, dass sich tausende Kelten diesen Steilhang hinunter und auf die Römer stĂŒrzten ist schon was.
Die Reste der alten Befestigungsmauer in Gergovia.
Die Basis der Palisadenmauer von Gergovia
Das Westtor von Gergovia
Die Reste des historischen Gergovia
Auf dem gesamten Plateau von Gergovia befinden sich dutzende riesige Steinhaufen
Von Gergovia an geht es nun eine Weile abwÀrts. Ist auch gut so. Allein die Steine auf den Wegen sind spitz und zackig. Basalt mischt sich da mit ordinÀrem Lavagestein. Der schon etwas knieweiche Pilgersmann erreicht Jussat, der erhoffte Brunnen spendet allerdings kein Wasser mehr. Also weiter bis Chanonat, ein liebliches Dörflein, in dem es wieder Wasser gibt. Wenn auch nur am Friedhof. (Das ist ein Tipp, der immer hinhaut: wenn man Trinkwasser sucht, am Friedhof findet man es!)
Was ich nicht wusste und hier nachtrage: offenbar besitzt der französische AltprĂ€sident Giscard dâEstaing hier ein schlossartiges GebĂ€ude. Und â so die Fama â wenn man dort am PförtnerhĂ€uschen frĂ€gt sei es schon vorgekommen, von seiner prĂ€sidialen Herrlichkeit per Handschlag begrĂŒĂt zu werden.
Ich habe in Chanonat â Aug in Aug mit der Templerburg â eine Rast eingelegt. Was ich all den Pilgersleuten dringend empfehle. Da gibtâs einen MĂŒhlbach, dessen Wasser frisch und sauber ist. Vis a vis der alten Waschanlage ists vornehm und gemĂŒtlich.
Der Pilgerweg fĂŒhrt hier die Treppe hinab. Wie schön ist das!
Das Burgareal und sein Eingang.
Romantisch ist ein Hilfsausdruck fĂŒr diesen Torbogen
Die Wehrmauer der Templerburg samt Wehrturm.
Die Treppen der Via Arverna
Hier horteten die Templer vermutlich ihre SchÀtze. Keine Fenster!
Das Ărtchen Jussat. Der Brunnen im Vordergrund verweigerte dem Pilgersmann eine Erfrischung.
Die Reste einer Kirche in Chanonat. Vermutlich wÀhrend der Revolution zerstört.
Nach Chanonat gehtâs wieder aufwĂ€rts. Und wie. Der Weg â ein ziemlicher Verhau. Denn da handelt es sich mit Sicherheit um eine alte RömerstraĂe, die schon lĂ€nger in Auflösung begriffen ist. Ich nehme stark an, dass die StraĂe im Mittelalter noch gepflegt worden war, jetzt aber â angesichts moderner TeerstraĂen â der Vergessenheit und somit dem Verfall preis gegeben wird. Auf genau solchen Strecken macht sich ein Pilgerstock mehr als bezahlt. Denn die Trittsicherheit nimmt zu und die Gefahr ab, dass es hier zu einem Sehnenriss kommt. Ich war mir da erstmals nicht sicher und hab mir die Notrufnummer zurecht gelegt. Und zwar jene der österreichischen Bergrettung, die man direkt per App verstĂ€ndigen kann.
Die in Auflösung befindliche RömerstraĂe bei Chanonat
Aber es ist alles ohne Blessuren abgelaufen. Allein im Wasserverbrauch hatte ich mich getĂ€uscht. Und so musste ich die restlichen 6 Kilometer nur mit einigen SchlĂŒckchen begnĂŒgen. Bis St. Saturnin, wo dann auch eine Bar offen hatte, was im Herbst beileibe keine SelbstverstĂ€ndlichkeit in dieser Gegend ist.
Der achteckige Turm dieser wunderbaren Basilika St. Saturnin.
Alte Renaissance-HÀuser am Dorfplatz von St. Saturnin. Hier lÀsst sich leben wie Gott in Frankreich.
Ich vermute, dass diese HĂ€user in der Gotik errichtet worden sind.
Ein wunderbarer Farbtupfer in St. Saturnin
Die uralte Magdalenenkapelle in St. Saturnin.
Schaut aus wie ein Haus der Hobbits?
Das war mit gröĂter Wahrscheinlichkeit im Mittelalter ein âAbtrittâ. Damals wurden die FĂ€kalien ja direkt auf die StraĂe âausgeklinktâ.
Blick auf St. Saturnin im Monne-Tal
Es ist â nach dem Löschen des ersten Durstes â sehr ratsam, in St. Saturnin zu spazieren, die Basilika zu besichtigen und das mittelalterliche Ambiente aufzusaugen. Das ist eines jener Ărtchen, die ich ĂŒber alles liebe, die mich inspirieren und die fĂŒr mich Schönheit, Eleganz, Ruhe und Kontemplation darstellen.
Detail an der Basilika von St. Saturnin.
Bernard Quinsat hatte mir empfohlen, weiter nach Randols zu spazieren ins Benediktinerkloster und nach FrĂšre Bruno Le Chevalier zu fragen. Was ich auch tat. Und von diesem ĂŒberaus herzlich begrĂŒĂt wurde. Das Abendessen nahm ich dann gemeinsam mit den BrĂŒdern ein, nachdem ich dem Abt vorgestellt worden war. Ich kann dies nur aus ganzem Herzen empfehlen, denn die BrĂŒder freuen sich sichtlich ĂŒber Pilgersleute. Frauen bleibt es allerdings verwehrt, hier zu nĂ€chtigen. Zwei Kilometer weiter ist das uralte, pittoreske Ărtchen mit einer Herberge in einem der alten SteinhĂ€user.
Das Benediktinerkloster Randol
Die Kirche als ein Rundbau, wie ich ihn kaum je gesehen habe.
Allein die Pilgerinnenherberge in Randols ist es Wert, sich auf die Via Arverna zu begeben.
 2. Etappe: Romagnat â St. Saturin â Randol Kurzbeschreibung der 2. Etappe LĂ€nge: etwa 23 km; Höhenmeter: ca. 1.200 m GeschĂ€tzte Pilgerdauer: 7 StundenâŠ













