»Die Gleichheit erscheint als elitär«
Gespräch mit dem ungarischen Philosoph G. M. Tamás über die autoritäre Formierung in Ost und West
»Die Gleichheit erscheint als elitär«
Interview von Pavlos Roufos
"Die Bedrohung durch ein revolutionäres Proletariat besteht nicht mehr. Die sich autoritär formierenden Staaten hoffen heute, dass sie mit rassistischer Mobilisierung ohne soziale Reformen zugunsten der Arbeiterklasse durchkommen, die politisch entwaffnet ist und sich gegen Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt wendet statt gegen diejenigen, die den Arbeitsmarkt zu dem machen, was er ist: die Kapitalisten.
Es gibt einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Gruppen auf dem Arbeitsmarkt, zwischen Einheimischen und Einwanderern, zwischen Minderheiten und zwischen Generationen. Es existiert eine sehr fragmentierte soziale Realität. Und diese nutzen die postfaschistischen Regierungen und Bewegungen aus, um jedes emanzipatorische Projekt als Gefahr für Menschen in einer prekären Situation auf dem Arbeitsmarkt darzustellen.
Der Postfaschismus suggeriert, dass die »globalistischen Eliten«, die Überbleibsel der Linken und einige Liberale die sozialen Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung ignorieren; die Idee der Gleichheit erscheint so zum ersten Mal in der Geschichte – und paradoxerweise – als elitäre Idee. Dass die Gleichheit als elitär erscheint, ist verrückt, aber so wird sie von der Wählerschaft der postfaschistischen Bewegungen wahrgenommen."
















