(Der Zentaur sieht irgendwie zu gefährlich aus... vielleicht hat er etwas anderes als nur einen verirrten Menschen erwartet ^___^" )

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Ronan #6
Ronan verschränkte die Arme hinter dem Kopf und atmete einmal tief durch. Das Feld roch nach dem Heu, das sein Vater morgen einfahren würde aber momentan noch in Haufen zusammengeschoben trocknete. Aus der Taverne am Fuße der Anhöhe drangen gedämpftes Reden und Gelächter hoch, doch ansonsten war es ruhig. Grillen zirpten und eine leichte Brise strich ihm durchs Haar. Ronan verzog den Mund zu einem halben Lächeln und streckte die Beine aus. Man brauchte kein Augenlicht, um die letzten warmen Herbstnächte zu genießen.
Hastige Schritte ließen die Erde sanft erbeben. Sie kamen näher. Ronan setzte sich ein Stück auf und neigte den Kopf leicht. Im ersten Moment hatte er geglaubt, sein Vater käme ihn rufen aber Vaters Schritte klangen anders.
Die Person blieb keuchend und nach Luft ringend vor ihm stehen. Ronan runzelte die Stirn, grub die Finger unwillkürlich in die trockene Erde. Was war geschehen? War seinem Vater etwas zugestoßen …?
“Ronan...”
Ronan hätte die Stimme unter Tausenden wiedererkannt. Er schluckte und grub die Finger tiefer in die Erde.
“Ronan, ich brauche dringend deine Hilfe”, brachte Liam hervor.
Liam #9
Ronan schlief. Er hatte sich auf dem weichen Lager aus Sommergras zusammengerollt und atmete gleichmäßig. Seine Mütze war ein Stück herab gerutscht, so dass mehr seiner blonden Locken zu sehen war als sonst. Auf seinem Gesicht lag ein Ausdruck von Sorglosigkeit, den Liam seit langer Zeit nicht mehr an ihm gesehen hatte. Er unterdrückte den Impuls, nach Ronans Hand zu greifen.
Das Geräusch von Hufen ließ ihn aufblicken. Der Zentaur, der ihn hergebracht hatte, war herangetreten und betrachtete die Neuankömmlinge mit unverhohlener Neugier. Seine Rüstung hatte er abgelegt, doch sein Haar war noch immer zu einer kriegerisch wirkenden Flechtfrisur gebunden. Es erinnerte Liam daran, sich besser nicht mit diesem Wesen anzulegen.
“Es geschieht selten, dass sich Menschen so tief in den Wald verirren.” Er hob den Kopf und schien in der Luft zu wittern, dann deutete er mit dem Kinn zu Ronan. “Dieser riecht nach Fae.”
Er klang nicht glücklich darüber.
Es lebte ein Mädchen aus gutem Haus,
Das ging jeden Abend, tag- und tagaus
Über düstere Pfade, ihren Liebsten zu seh'n
Zum Grab auf dem Hügel, wo die Winde weh'n
Volkslied aus Wyrell
Kleiner Liam-test

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Liam #4
Er fand Colleen unten am Bach. Sie hatte die Schuhe ausgezogen und den Rock ein wenig nach oben gerafft, so dass sie die Füße in das klare Wasser tunken konnte. Hier, fernab von den Blicken, die jeden ihrer Schritte beurteilten, kam die wahre Colleen zum Vorschein. Die Colleen, die Liam am liebsten mochte.
Ihr Haar war strahlend blond, noch eine Nuance heller als das von Ronan. Sie trug es zu einem lockeren Dutt gebunden, den ihre Mutter sicherlich nicht gebilligt hätte. Liam lie sich neben Colleen ins Gras fallen. Sie sah nicht einmal auf. Wahrscheinlich hatte sie ihn schon lange bemerkt.
“Du solltest dich für deine Geburtstagsfeier umziehen”, sagte er.
Colleen entglitt ein kleines Schnauben. Sie warf einen Kiesel ins Wasser. “Ist doch nur mein Vierzehnter”, erwiderte sie und wandte das Gesicht, so dass sie ihn ansehen konnte. “Wusstest du, dass meine Mutter jetzt schon von meinem Sechzehnten spricht? Davon, dass ich dann offiziell heiratsfähig bin? Wieviel Ansehen es der Familie bringen wird, wenn du um meine Hand anhältst? Sie rechnen fest damit.”
“Ich weiß.” Liam presste die LIppen zusammen “Meine Mutter überlegt jetzt schon, wen sie zur Feier einladen soll. Und mein Vater spricht nicht darüber aber ich weiß, dass er es erwartet. Es wäre eine gute Liaison für unsere beiden Familien.” Er kannte seine Pflichten. Sein Vater hatte sie ihm ausgiebig genug eingebläut, mit Gewalt, wenn es sein musste. Liam liebte Colleen nicht, zumindest nicht so wie er glaubte, dass sich Liebe anfühlen sollte. Aber er mochte sie, empfand ehrliche Zuneigung für das Mädchen, mit dem er in ihrer Kindheit Hühner durch den Stall gejagt hatte und auf Bäume geklettert war. Colleen kannte ihn so gut wie niemand anders, zumindest, seit Ronan aus seinem Leben verschwunden war. Und er konnte dankbar dafür sein, dass seine Eltern jemanden für ihn ausgesucht hatten, mit dem für ihn ein gemeinsames Leben immerhin möglich schien.
“Willst du, dass ich dich in zwei Jahren frage?” Die Worte waren geflüstert. Er liebte Colleen, so wie er seine Schwester liebte. Für keinen Preis der Welt hätte er ihr Leid zugefügt.
Sie atmete langsam aus. “Ich glaube, ich möchte überhaupt nicht heiraten, Liam. Aber wenn ich muss - und das tue ich - dann könnte ich mir dafür niemanden vorstellen außer dir.”
Ronan genießt den Gesang der Vögel um ihn herum und das Gras unter seinen Füßen.
Als Sohn eines reichen Händlers hat Liam alles was man braucht um sich in der Wildnis orientieren: Karten, Kompass, sogar einen Sechstanten. Leider ersetzt nichts davon Erfahrung und einen guten Orientierungssinn. Ein blinder Freund ist da auch keine große Hilfe...