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Was ist ein Polobjekt?
1.
Ein Polobjekt ist ein Objekt, mit dem Polarität gehändelt werden soll. Bei dieser Polarität kann es sich z.B. um das Kreisen von Planeten handeln. In dem Sinne ist schon der Gnomon und das iPhone immer noch ein Polobjekt. Polobjekte sind drehbar, wendig (wendbar), umkehrbar und kippbar. Klapp- und Faltobjekte sind in der Regel auch Polobjekte. Der kurulische Stuhl (ein pliant oder Klappstuhl), ist ein Polobjekt, er kommt und geht mit dem Recht (u.a. dem ius imaginum) und dem Regen.
Warburgs Tafeln sind, wie er mit Tafel C (quasi im allgemeinen und methodisch-einleitenden Teil des Atlas) schon am Anfang deutlich macht, nahezu alle auch Polobjekte. Tafel 78 und Tafel 79, die beiden Staatstafeln sind auf jeden Fall Polobjekte. Warburg operationalisiert Differenz, er händelt Ambiguitäten des Rechts, die er als Teil seiner Geschichte und Theorie unbeständig-polaren Rechts begreift. Von einem Polobjekt spreche ich, weil meine Überlegungen insoweit objektorientiert sind und Begriffe wie Grenzobjekt (Susan Leigh Starr) sowie Klapp- und Faltobjekt (Lutz/ Siegert) im Hinterkopf haben. Diese Orientierung am Objekt kann man als Interesse an der Entmächtigung des Subjektes lesen, man kann sie aber auch als Intersse an einer Ermächtigung des Subjektes lesen. Wer dann Schwerpunkte setzen möchte, im Schätzen etwas höher, das andere etwas geringer einstufen möchte, soll das tun, ich würde dann auch vorschlagen, Generalisierungen solange zurückhalten, bis man ungefähr das Rentenalter erreicht hat, vorher noch das auf und ab der Gewichtungen in alle Details und mit nach Möglichkeit mit Genuß mitzumachen. Mal frisst der Bär Dich, mal frisst Du den Bären.
2.
So ein Polobjekt hat oft einen Stab und ein Achse, um die herum es drehbar ist. Manchmal ist das Objekt nur ein Stab oder eine Lanze (wie der Gnonom), mal nur eine Kolumne wie Trajans Säule, manchmal sogar ein Bogen (wie die Triumphbögen es sind) oder ein Ball wie jene, auf denen Fortuna tippelt, tänzelt oder tanzt, die der Atlas im Rücken hat oder um die Fußballer streiten. In Nida, das war eine römische Siedlung dort, wo jetzt Frankfurt ist, hat man 1826 eine drehbaren Mithras-Tafel gefunden (die man sich wie die drehbare Tafel in Indiana Jones III vorstellen kann). Das ist ein Polobjekt, sie hat einen Stab, der die Achse bildet. Diese Mithras-Tafel hat im Hauptteil zwei Seiten, zwei Kultbilder, eine Seite zeigt Mithras, auf dem Stier, zustoßend. Die andere zeigt Mithras und Sol beim Mahl. Die stammt wohl aus dem späten vierten Jahrhundert nach Christus, also aus der Zeit, aus der auch der Kalender von 354 oder die notitia dignitatum stammen.
Diese Tafel ist mit dem rituellen, gemeinschaftsstiftenden Mahl verknüpft, man kann sagen: mit dem Verzehren des Gottes, wenn man Gertrude Bings kurz angebundenen bis geizigen, späten und doch pointierten Notizen zu Warburgs Tafeln zitieren möchte.
Diese drehbare Tafel ist außerdem meteorologisch und kalendarisch assoziiert, sie zeigt neben Sol auch die (weiße) Göttin Luna, den Mondkalender in der Version des Zodiak sowie in vier Ecken Windwesen oder Windgötter. Das ist ein Objekt, an dem auftaucht, was Warburg zu besonderen Merkmalen der Staatstafeln macht. Neben dem Motiv des Verzehrens sind das der Stab und damit die Drehbarkeit der Pathosformeln, die meteorologische Assoziation (bei Warburg als Interesse an 'Recht und Regen' sowie an Unbeständigkeit), schließlich die elementare Zeitlichkeit des Objektes. Dieses Objekt soll man nicht lesen, ohne in der Lektüre die Zeit zu messen. Anders gesagt schreibt das Objekt einem die Zeit auf, in der man es liest. Wann genau die Tafel im Mithräum I gedreht wurde, weiß ich nicht, weiß auch nicht,was die Mithras- Forschung dazu weiß. Forschung ist ein Faß ohne Boden.
Polobjekt
Neben dem kurulischen Stuhl, dem Wagen- und Richtstuhl, einem Objekt des ius imaginum und damit einem Bild römischen Rechts, ist der Kinosessel das bekannteste Polobjekt, das gleichzeitig Sitz ist. Den Campingstuhl halten wir zwar auch für bekannt, wagen aber die These, richten unsere Voraussetzungen so ein, dass der kurulische Stuhl und der Kinosessel noch populärer sind.
Der Kinosessel ist ein Objekt, das Verfassungen, schärfer und technischer gesagt: Konstitutionen, Institutionen und Restitutionen aus dem bildlichen Bereich von Texten, Schreiben und Papieren, in den Bereich der Situierungen und Situationen verschiebt. Was im Deutschen fassen genannt wird, ist dort tragen/ trachten, trainieren/ trahieren/ traktieren und jeweils Form, die zügig ist. Kurulischer Stuhl und Kinosessel sind vorübergehend Sitze, sind Sitze, die für Meteorologie wie gemacht sind und bei denen es nahe lag, sie aus Polobjekten heraus zu entwickeln.
Globus
Der Globus ist das globale Objekt schlechthin. Er ist gleichzeitig das Polobjekt schlechthin.
Bazon Brock, lebensrad des bazon brock, beweger, zu: D.A.S.E.R.S.C.H.R.E.C.K.E.N.A.M.S., 1960, 14,8 × 14,3 cm

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Diplomatisches Material
Jedem Anfang wohnt nicht unbedingt ein Zauber inne, auch wenn er magisch ist. Immer wohnt aber ihm ein Kippen inne, zumindest dann, wenn er in polarer Bewegung, also zum Beispiel auf einem Planeten stattfindet.
Polarforschung
Eine der dringlichsten Fragen: mit welcher Methode arbeitet man, wenn man mit und an einem sowie über einen Polarforscher arbeitet? Soll man, wie Philipp Ekardt das sehr sorgfältig macht, Warburg systematisch beim Wort nehmen, klären, wie Warburg Begriffe verwendet hat und weiter sorgar klären, wann Warburg gegen seinen eigenen Begriffsgebrauch verstoßen hat, im Sprechen Abweichler der eigenen Sprache wurde? Soll man den wahren Warburg und das eigentliche Warburgsche Denken von seinen Verfälschungen unterscheiden, Warburg gar zum System machen? Soll man, wie Wedepohl das ebenfalls äußerst sorgfältig macht, das eine Wissen objektivieren, etwas das über Pole und Pendeln, und daran messen, was Warburg sich so dazu denkt, wie stimmig Warburgs Denken im Hinblick auf den Stand der Wissenschaft ist? Soll man sich Warburg überlassen oder gar imitieren, wie das die Leute machen, wenn sie auf eine schon verbraucht flapsige Art sagen, sie würden mit einem Autor über einen Autor hinaus denken?
Ich denke, dass ich mich der Relation bediene, das ist eine juridische Kulturtechnik, mit der man filtert, welche Partei was sagt und was dann beweisbedürftig ist, wer die Beweislast trägt, wie und ob ein Beweis geführt wurde und wie glaubwürdig und glaubhaft das alles war Also: machen, was auch Ekardt und Wedepohl und die Flapsigen machen, zusammenwerfen, auseinanderhalten und am Schluß bisserl spekulieren.
In Bezug auf Pole und Polarität hat Warburg etwas systematisch zu sagen, das ist limitiert systematisch, denn sonst wäre es kein System. Man kann die wissenschaftlichen Diskurse zur Polarität zu Warburgs Lebzeiten (und den wissenschaftshistorischen Vorlauf dazu rekonstruieren). Aber Warburg war auch nicht Herr im eigenen Haus, soviel Pointen, wie er liefert, ist sicher, dass er sein eigenes Denken auch nicht vollständig begriffen hat. Bei den wissenschaftlichen Diskursen zur Polarität und Polen gibt es sicher diejenigen, deren Kompetenz so eingerichtet ist und ausgeübt wird, wie ein Gewerbebetrieb und ein Amt, also notfalls mit polizeilichem Schutz des Eigenen und Zuständigen.
Pole sind auch Stäbe und Achsen, es sind Dreh- und Angelpunkte. So sehr sich Warburg bemüht, sein Denken der Polarität mit den naturwissenschaftlichen Diskurs seiner Zeit abzugleichen, so sehr hängt er dochwohl auchan Referenzen, wie denen, an denen Lefèbvre hängt, wenn er den großen staatlichen Kreditberater Colbert mit einem Polobjekt (hier einem Astrolabium als Gerät für Kunst und Wissenschaft), dazu noch einem Atlas zeigt. Man könne nur in Schichten über Schichten sprechen, schreibt Luhmann einmal. Man kann vielleicht nur polar Polarforschung betreiben. Auf die Stellen einer Subjektes oder die Stellen eines Objektes (einer objektivierten Wissens) lässt sich das Wissen nicht durchgehend parken, es wird von Stelle und Stelle kippen