Viertes Treffen
Aus der Sicht von Stephanie
Pariya streckt mir einen großen Blumenstrauß entgegen. „Tschuuuldigung, dass ich so spät bin!“, lächelt sie. „Macht nichts!“ Ich freue mich, sie wiederzusehen und bin ein wenig gespannt, wie Sie es bei mir zuhause findet.
Im Wohnzimmer liegen noch demonstrativ meine Schneidmatte und die Papiere und Pappen für das Brot-Projekt.
Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich noch viel mehr ausprobieren wollte und mir meine Skizzen so wenig erscheinen. Aus braunen und gelblich bemalten Papieren habe ich Formen persischer Brote geschnitten. Strukturen von Teig und Körnern habe ich teilweise eingeritzt oder durch die Strukturen des Papiers und der Pinselstriche ausgearbeitet.
Pariya findet die Ergebnisse gut und das hilft auch mir, mich wieder locker zu machen.
Sie zieht ihr Skizzenbuch aus der Tasche und blättert. Auf der Seite für heute findet sich wieder eine leuchtende Marker-Zeichnung von goldbraunen Brezeln und weißen Salzkörnern. Ich finde sie toll!
Wir machen es uns an unserem Tisch bequem und naschen ein paar Kekse, die ich für unser Treffen bei meinem Lieblingsbecker gekauft hatte. „Wie wollen wir unsere Arbeiten präsentieren?“ Pariya und ich überlegen, einen Blog aufzumachen und auch ein Profil auf Instagram anzulegen.
Mein Wunsch ist es, gestalten Pariya und ich unser Projekt möglichst gleich auf. Das führt natürlich auch zu der Frage, in welcher Sprache wir schreiben wollen? Alles auf Deutsch? Englisch? Farsi? Dreisprachig? Das klingt cool! Natürlich auch aufwändig. Trotzdem, warum nicht? Ich merke, dass zur gleichberechtigten Gestaltung auch gleichberechtigte Sprache gehört.
Wir sammeln diverse Begriffe, die unser Projekt gut beschreiben.
Dialog – گفتگو, Künstler:in – هنرمند, Gespräch – گفتگو, Kunst – هنر, Projekt – پروژه,...
Künsterinnen Gespräch – صحبت های هنرمند – Artist Dialogue
Das klingt gut.
Pariya schreibt die Namen auf ein Blatt. Für mich muss sie diese immer wieder langsam vorsprechen. Mal wieder: es tut ganz gut, die Rollen zu tauschen.
Wir verabreden, dass Pariya bis nächste Woche einen Schriftzug für unser Logo zeichnet.
Unser Gespräch ist heute sehr persönlich. Pariya erkundigt sich nach meiner Tochter und so gelangen wir zum Thema Familie. Wir haben gemeinsam, dass wir beide weit weg voneinander leben. Sie noch viel mehr als ich und dennoch hat Pariyas Familie einen viel größeren Platz in ihrem Alltag als meine Familie in meinem. Sie erzählt mir von ihrer Schwester, ihrer Mutter. Wir rollen beide mit den Augen, am Telefon sind wir Töchter schnell entnervt – legen wir auf, vermissen wir sie schon ein wenig.
Dann erzählt mir Pariya von ihrem Vater, der vor einigen Jahren gestorben ist. Und von ihrer Hochzeit mit Amin. Das war ein so glücklicher Tag und gleichzeitig traurig, weil ihr Vater nicht dabei sein konnte.
Ich höre ihr zu und frage sie, ob ich vielleicht eine Zeichnung von ihrem Vater und von ihr machen darf. Sie mag die Idee und schickt mir ein Foto auf mein Handy, ein Portrait von ihm.

















