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Taxi zum Klo
Sein größter Film: "Taxi zum Klo"
Er tanzte nur einen Sommer. Er machte nur einen Film. Das heißt, er wirkte natürlich schon vorher in diversen Produktionen als Berliner Szenegröße Peggy von Schnottgenburg mit. Und er versuchte 1987 ein Comeback mit "Taxi nach Kairo". Aber im Gedächtnis wird Frank Ripploh, der zunächst Volksschullehrer war, sich in den letzten Jahren seines Lebens als Journalist durchschlug und, wie erst jetzt bekannt wurde, kürzlich im Alter von 53 Jahren an Krebs starb - in Erinnerung wird er bleiben mit einem einzigen, einzigartigen Beitrag: "Taxi zum Klo".
1981 in Paris: In der rue de l' école de médicine läuft der Film ein halbes Jahr lang, groß plakatiert, täglich in vier Vorstellungen. In New York soll er eine Million Dollar eingespielt haben. Er erhielt 1980 den Max-Ophüls-Preis, und die deutsche Filmkritik überschlug sich, als er in die Kinos kam, mit seltener Einmütigkeit.
Was machte den beispiellosen Erfolg dieses schwulen Low-Budget-Films aus, der ohne Fördermittel auskommen mußte und nur 100 000 Mark gekostet haben soll? Klar, es war die hohe Zeit des "neuen deutschen Films". Jedes Jahr kam ein neuer Faßbinder heraus, und in seinem Fahrwasser schwammen sie alle, die Sinkels und Stempels und eben auch Ripploh, Namen, die keiner mehr nennt. Aber "Taxi zum Klo" war in seiner Darstellung mann-männlicher Sexualität kruder als Faßbinder, dilettantischer als Rosa von Praunheims Doku-Soaps, was wahrlich etwas heißen will. Und dennoch war er Kult, zumindest bis Mitte der achtziger Jahre, als Aids voll zum Durchbruch kam.
Kult bei Homos und Heteros. Kein Wunder, bediente er doch sämtliche Schwulenklischees: Der Held, von Ripploh selber gespielt, redet im gedehnten Tuntenton, zieht gern Frauenkleider an und ist auch in seinen sonstigen Lebensgewohnheiten exotisch. Sein Lover (Bernd Broderup, 1991 an Aids verstorben) macht so herzerweichend lieb auf Macho, wie man es seit den späten siebziger Jahren von künstlich maskulinisierten "Lederkerlen" kannte. Vor allem: Ripploh schien in "Taxi zum Klo" jene promiske Sexualität auszuleben, die Heteros an Homos immer beneidet haben, weil sie eben die ursprüngliche männliche Sexualität verkörpert, noch ungezähmt durchs weibliche Pendant.
Und die Schwulen? Sie erkannten sich wieder. "Taxi zum Klo" war nicht "bigger than life", es war das Leben selbst, mit seiner mal als lustvoll erlebten, mal als zwanghaft erlittenen Sexualität, mit den Schwierigkeiten, eine Partnerschaft aufzubauen, mit jener mal berauschenden, mal beängstigenden Freiheit, nach Jahrhunderten der Unterdrückung und des Zwangs zum Doppelleben endlich, endlich man selbst sein zu können.
Diesen historischen Moment, der sowohl politisch als auch ästhetisch eng an die Zeit um 1980 gebunden ist, hat Frank Ripploh kongenial umgesetzt. Das alles ist längst Geschichte. Aber diejenigen, die dabei waren (und es überlebt haben), werden ihm ein dankendes Angedenken bewahren. Toni Kröger
Frank Ripploh wurde 1949 in Rheine geboren, wo er am 2. Juli 2002 starb.
Bildnis einer Trinkerin | Ulrike Ottinger | 1979
Ticket of No Return (1979)
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Bildnis einer Trinkerin | Ulrike Ottinger | 1979
Tabea Blumenschein, Orpha Termin, Monika von Cube, Magdalena Montezuma
Ticket of No Return (1979)
Ticket of No Return (1979)