Irgendwie kam einem das doch bekannt vor. Jüngst erregte die Schülerin Naina K. Aufsehen, als sie twitterte, sie lerne in der Schule nichts fürs Leben. Gedichtinterpretationen in vier Sprachen, kein Problem. Was aber beim Abschluss einer Versicherung zu beachten sei, bringe man den Schülern nicht bei, lautete sinngemäß die Klage der Gymnasiastin.
Der Tweet verbreitete sich in Windeseile, Naina K. wachte am Morgen mit einer vierstelligen Zahl an Followers auf. Ihr Tweet wurde abertausende Male weitergeleitet. Das Mix aus junger Frau (als attraktiv beschrieben), dem Thema Schule (kann man immer gut bashen) und dem jungen Medium Twitter zog maximale Aufmerksamkeit nach sich. Nachdem die Bild das Thema auf der Startseite hatte, folgten TV-Interviews, die anderen großen Medien stiegen ein und verschlagworteten den Aufruhr unter dem Label Bildungsdebatte.
Wen von uns haben die Gedichtinterpretationen nicht genervt? Die Beweisführung in Mathe? Den Dreisatz zu lernen haben wir noch eingesehen, aber Funktionsgleichungen und Plusquamperfekt? Insofern hat Nina K. aus ihrem Blickwinkel völlig Recht.
Aber Schule zeichnet sich nicht nur durch das aus, was man anfassen oder gegenständlich beschreiben kann. Zwischen all den Formeln, Thesen und Periodensystemen flutscht nämlich ein latentes Sekundärwissen in alle rein, die eine Schule besuchen: die Fähigkeit, selbst zu lernen, sich Wissen zu beschaffen, sich Hilfe zu holen.
So gehen wir zu Bankberatern, wenn wir eine Kredit brauchen, wir die Antworten auf unsere Fragen nicht im Netz finden. Und wir konsultieren Freundinnen, andere Mütter, wie wir die Blähungen beim Säugling wegbekommen, die Renitenz bei dem Zwölfjährigen oder die Unlust bei Teenagern, sich auf ein Praktikum zu bewerben.
Zu einer Debatte darüber, was Schule leisten muss und was nicht, taugt der Tweet von Naina K. nicht. Das wäre unfair allen Lehrern gegenüber. Und es hieße auch, alle Mütter und Väter aus der Verantwortung zu entlassen, die sie für ihre Kinder haben: ihnen beibringen, wie man ein Bankkonto eröffnet oder ob sie wirklich Maklerprovision zahlen müssen für die erste Wohnung.
Nun haben 17-Jährige wie Naina K. vielleicht nicht das entspannteste Verhältnis zu ihren Eltern. Auch das gehört dazu. Dann fragt man eben die Eltern der Freunde. Die eigene Mutter kann man immer noch konsultieren, wenn die ersten Windeln zu wickeln sind.
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Nachdem eine 17 jährigen Schülerin mit einem einzigen Tweet die Bildungsdebatte neu befeuert hat, bin ich schon etwas verwundert.
Ich dachte immer, dass die jungen Erwachsenen Twitter noch links liegen lassen.
Ist die Abiturientin Nainablabla alias Naina aus Köln eine Exotin in Twitter-Land?