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Eine Kritik mit Bezug auf den Religionsbegriff am Beispiel des FeminismusÂ
In den folgenden AusfĂŒhrungen will ich die Annahme kritisieren, Aussagen ĂŒber âdie Mormoninâ machen zu können. Dazu will ich ĂŒber den Religionsbegriff reflektieren und meine Gedanken anhand feministischen Heiligen Der Letzten Tage illustrieren.
Dass Aussagen ĂŒber âdie Frauâ komplett verfehlt, völlig pauschalisierend und meistens sexistisch sind, muss heute nicht mehr begrĂŒndet werden. Aussagen ĂŒber âdie Frauâ in einer vor allem fremden Religion höre ich jedoch immer wieder. Man spricht ĂŒber âDie Frau im Hinduismusâ, âDie Frau im Islamâ usw. Wenn auf diese Weise ĂŒber âDie Mormoninâ gesprochen wird, höre ich oft so Aussagen wie:
âDie Mormonin ist keusch, selbst bezĂŒglich der Kleidung, vor allem vor der Ehe.â
âSie bleibt dafĂŒr ĂŒber den Tod hinaus mit dem Mann verheiratet.â
âDie Mormonin will viele Kinder zeugen, denn auch die Familienbande sind heilig und dauern in alle Ewigkeit.â
âSie identifiziert sich völlig mit der Mutterrolle.â
âDoch das Priesteramt bekleiden kann die Frau nicht. MĂ€nner gelten dafĂŒr alle bereits als Teenager als Priester. Auch nur MĂ€nner können Propheten werden.â
Das klingt in den Ohren vieler sexistisch.  Und am Meisten ĂŒber die Mormonin zu reden gibt dann auch die Polygamie, die Mehrehe. Doch spĂ€testens jetzt mĂŒsste man merken, dass es zu ungenau ist, ĂŒber âDie Mormoninâ zu sprechen, denn viele Menschen denken dann an jene zwar kleinen aber medial ĂŒbervertretenen fundamentalistischen Gruppen in denen noch heute ein Mann mehrere Frauen ehelichen kann. Obwohl dies seit ĂŒber 120 Jahren von der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit scharf abgelehnt wird, ist das Thema in den Medien ĂŒberproportional prĂ€sent. Das Publikum empört sich gerne.
Damit man eine sinnvolle Aussage ĂŒber Mormoninnen machen kann, muss man differenzieren. Schliesslich, gibt es mehrere mormonische Gemeinschaften. Diese nennen sich heute:
die Gemeinschaft Christi
die Kirche Christi
die Kirche Jesu Christi
die fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage
usw.
Und bei all diesen Gruppen könnte man zwischen solchen Unterscheiden, die sich
Mormonen nennen
diese Bezeichnung fĂŒr sich ablehnen, aber nach ĂŒblichen Definitionen dennoch darunter fallen
die sich gegenseitig das Mormonentum absprechen
Anstatt von der Mormonin spreche ich deshalb nun ĂŒber die Mormoninnen der Kirche Jesu Christi Der Heiligen Der Letzten Tage oder einfach den Latter Day Saints.
Diese sind sind in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen, weltweit gibt es auch gemĂ€ss den vorsichtigsten SchĂ€tzungen ĂŒber fĂŒnf Millionen Frauen dieser Kirche. Wie will man auch nur eine einzige vernĂŒnftige Aussage ĂŒber den Glauben von fĂŒnf Millionen Menschen machen. Es ist doch bereits oft schwierig eine Meinung zu formulieren, die fĂŒnf Menschen genau so ĂŒbernehmen wĂŒrden. Man muss also noch stĂ€rker eingrenzen.
Man könnte sich fĂŒr die offiziellen Lehrinhalte der Kirchenleitung die Frauen betreffend interessieren. Das wĂ€re eine klar eingegrenzte Fragestellung, fokussiert auf die âEliteâ dieser Institution. Zwar ist die Unterscheidung von Eliten- und Laien- (oder Volks-) Religion ist oft nĂŒtzlich. Dabei muss aber bedacht werden, dass die heutige Elite einer Religion nicht zwingendermassen auch eine geistige Elite sein muss. Und religiöse Laien, also Menschen die keine offizielle Funktion inne haben, können sehr wohl zur Bildungselite eines Landes gehören! Beispielsweise sind viele Feministinnen der Latter Day Saints höchst gebildet. Die Latter Day Saints werden nun aber patriarchal, von einer mĂ€nnlichen Elite gefĂŒhrt, weshalb wir uns beim Fokussieren auf die Kirchenleitung nicht mit Mormoninnen selbst auseinandersetzten wĂŒrden, sondern mit dem Idealbild einer Frau gewisser MĂ€nner.
Bestimmt gibt es auch Frauen, die dieses Ideal ĂŒbernehmen - ich will jetzt aber ĂŒber feministische Latter Day Saints sprechen - und diese sehen vieles anders: Zum Beispiel wenn sie zu Gott als Mutter beten. Linda Wilcox hat gezeigt, dass es bereits zur Entstehungszeit ihrer Religion neben dem Glauben an einen âVater im Himmelâ auch den einer âHimmlischen Mutterâ an dessen Seite gegeben habe. Und sie zieht eine Traditionslinie weit in die christliche Vergangenheit zurĂŒck zur katholischen Gottesmutter, oft gleichgesetzt mit der alttestamentarischen Königin des Himmels, sowie auf gnostische Texte, die eine weibliche Seite Gottes kennen, etwa als weiblich aufgefasster Heiliger Geist, woraus dann die TrinitĂ€t (genauer ein Tritheismus) von Vater, Mutter und Sohn wird.
Zudem las ich in einem feministischen Sammelband wissenschaftlicher Texte, wie mit Bezug auf mormonische Quellentexte aus öffentlichen Archiven dafĂŒr argumentiert wird, dass bereits der GrĂŒndervater Joseph Smith in der Mitte des 19. Jahrhunderts Frauen âthe gifts of the priesthood,â das Priesteramt ĂŒbertragen haben soll. Und dass die spĂ€teren mĂ€nnlichen Machthaber innerhalb der Kirche diese Aussagen Smithâs ,weg-korrigiertâ hĂ€tten.
Ob das wahr ist oder nicht, ist fĂŒr meine Fragestellung irrelevant: Ich fĂŒhre das hier auf, weil ich eine Aussage ĂŒber den Umgang feministischer Latter Day Saints mit ihrer Religion machen will. Diese Frauen teilen die âReligionâ der Kirchenelite, entwickeln daraus aber einen anderen âGlaubenâ. Wichtig ist, dass moderne, emanzipierte Mormoninnen nicht als ausserhalb ihrer Religion stehend betrachtet werden sollen, wenn sie ausserhalb offizieller Dogmen denken. Selbst dann nicht, wenn sie exkommuniziert werden, wie es mit der Herausgeberin des erwĂ€hnten Sammelbandes ,Maxine Hanks, geschah. Es ist ein Anachronismus, dass gerade solche Leute, die sich gerne sĂ€kular geben, MĂŒhe haben, sich von einer Vorstellung von Religion zu lösen, die durch KirchenautoritĂ€ten geprĂ€gt war und ist. Unser Auffassung von Religion sollte nicht von dem der religiösen Obrigkeit abhĂ€ngen. Wenn wir etwas ĂŒber religiöse Menschen herausfinden wollen, ist es nicht entscheidend, was die Leitung einer religiösen Institution fĂŒr wahr oder falsch hĂ€lt. Entscheidend ist, was diese Menschen mittels ihrer Religion tun. Wir sollten eine Religion deshalb nicht als ein Dogmengebilde betrachten, sondern als ein System von, unter anderem Kommunikations-, Handlungs-, Wahrnehmungs-, und Argumentationsmustern, von dem Menschen in ihrem Tun und Denken Gebrauch machen.
Wenn die Religion der Latter Day Saints als Kommunikations- oder Symbolsystem betrachtet wird, kann (beispielsweise) gezeigt werden, dass der Bezug auf Quellentexte zur BegrĂŒndung sozialer Gleichheit schon seit den ersten Tagen des Mormonentums ein zentraler Aspekt war.
Philip Barlow (Professor fĂŒr mormon studies in Utah) erklĂ€rt, dass bereits wĂ€hrend der Zeit der first Great Awakening in den USA des 18. Jh. der protestantische Sola Scriptura-Gedanke mit einer Ablehnung kirchlicher AutoritĂ€t einherging. Mit Bezug auf die Heilige Schrift wurde damals soziale Gleichheit hergestellt. Und auch Joseph Smith war geprĂ€gt von diesem revolutionĂ€ren Denken. Die Auseinandersetzung mit der Bibel alleine war Smith aber eine zuwenig verlĂ€ssliche Richtschnur. Anders als Katholiken vertraute er fĂŒr eine verlĂ€sslichere Interpretation aber nicht einer kirchlichen Obrigkeit, sondern zusĂ€tzlichen, aus Visionen entstandenen Schriften. Mit Hilfe des Buch Mormon begann Smith die Bibel zu revidieren. Wenn sich heute feministische Later Day Saints auf alte Texte oder eigene Visionen beziehen, wenn sie die patriarchalen Dogmen ihrer Kirche hinterfragen, gebrauchen diese damit ihr mormonisches Symbolsystem.
Ich fasse zusammen:
Ăber âdie Mormoninâ können wir keine sinnvolle Aussage machen. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie bestimmte Frauen sich konkreten Symbolsystemen bedienen, um damit spezifische Ziele zu erreichen. Auf diese Weise können wir dann Aussagen darĂŒber machen, wie sich beispielsweise feministische Latter Day Saints auf Quellentexte ihrer Tradition beziehen, um ihren Glauben gegen die Kirchenleitung zu rechtfertigen.
Fabian Perlini, 14.6.2017
âšDieser Text entstand in Vorbereitung zu einem Referat (siehe meinen gestrigen Eintrag). Es wurden lediglich die Betonungsnotizen entfernt, der mĂŒndliche Stil wurde beibehalten.
Literatur:
Art. âSeptember Sixâ auf https://en.wikipedia.org 11.6.2017.
Barlow, Philip L.: Mormons and the Bible. The place of the Latter-Saints in American Religion, Oxford University Press, Oxford 1991.
Quinn, D. Michael: Mormon Women Have Had the Priesthood Since 1843, in: Maxine Hanks Hg.: Re-emerging Mormon Feminism, Signature Books, Salt Lake City 1992, 365-385.
Riess, Jana und Christopher Kimball Bigelow: Mormonism for Dummies, Wiley Publishing, Indiana 2005.
Wilcox, Linda P.: The Mormon Concept of a Mother in Heaven, in: Maxine Hanks Hg.: Re-emerging Mormon Feminism, Signature Books, Salt Lake City 1992, 3-17 or. in Sunstone 5, Sept./Oct., 1980.
Die Mormonin gibt es nichtÂ
(ein PrĂŒfungsexperiment)
Zur Zeit muss ich mĂŒndliche Matura-PrĂŒfungen abnehmen, bei denen meine SchĂŒler zu einem selbst gewĂ€hlten Thema reflektieren. Da es bei mir schon eine Weile her ist, seit ich meine letzten PrĂŒfungen abglegen musste, entschied ich mich, zeitgleich mit den SchĂŒlern ebenfalls ein Thema vorzubereiten und per Video vorzustellen. Welche Note hĂ€tte ich verdient? =)
ZEITRAHMEN:Â
25 Stunden wĂ€hrend 2 Wochen (neben der normalen Arbeit). Das Video wurde nun heute in einem einmaligen âTakeâ und ohne Schnitte aufgenommen.
LITERATUR:Â
Keine mir bereits bekannten Schriften. FĂŒr die Informationen im Video beziehe ich mich dann tatsĂ€chlich nur auf die folgenden beiden Werke:
Quinn, D. Michael: Mormon Women Have Had the Priesthood Since 1843, in: Maxine Hanks (Hg.): Re-emerging Mormon Feminism, Signature Books, Salt Lake City 1992, 365-385.
Riess, Jana und Christopher Kimball Bigelow: Mormonism for Dummies, Wiley Publishing, Indiana 2005.
VORGEHEN:
1. Literatur-Recherche: Im Internet, in öffentlichen Bibliotheken, aber auch in unserer grossen privaten Bibliothek. (2 Stunden)
2. Einlesen ins Thema. Es brauchte Disziplin, bereits nach wenigen Texten damit aufzuhören, noch mehr möglicherweise nĂŒtzliches Wissen zu suchen. (6 Stunden)
3. Ein konkretes Thema formulieren. DafĂŒr setzte ich mich intensiv mit den gelesenen Texten auseinander und trug eigene Fragen und Ăberlegungen an diese heran. (2 Stunden)
4. Einen Text schreiben. Da es schlussendlich ein Vortrag werden sollte, markierte ich den Text bereits von Anfang an mit Betonung-Kodes. (8 Stunden)
5. Den Text kĂŒrzen. Meine erste Version betrug knapp 10 Minuten Sprechzeit. Ich musste den Text also mehrere Male stark kĂŒrzen. Es war ein Forschen nach der Quintessenz des Textes. Alles Weggestrichene gab mir gleichzeitig Zuversicht, bei (hypothetischen) Fragen der PrĂŒfenden noch daran anknĂŒpfen zu können. (5 Stunden)
6. Memorieren. Im Video habe ich zwar frei gesprochen und die SÀtze spontan formuliert, es half mir aber enorm, viele Formulierungen im Voraus auswendig gelernt zu haben. Da ich ein auditiver Lerner bin, zeichnete ich den Text mit dem Handy auf und hörte ihn wann immer möglich im Alltag. (2 Stunden)
Als die Zeit fĂŒr das Video gekommen war, fĂŒhlte ich mich keineswegs genug gut vorbereitet. Aber so fĂŒhlte sich das bisher bei allen meinen PrĂŒfungen an und dennoch liefen sie meistens gut.Â
ERGEBNIS
Was habe ich gut gemacht und wo hĂ€tte es Verbesserungspotenzial gegeben? Welche Kriterien fĂŒr ein gutes PrĂŒfungsreferat erfĂŒlle ich, welche nicht? Ich bin jedenfalls sehr froh, mir keine Note geben zu mĂŒssen... :)
Fabian Perlini, 14. Juni 2017
PS: Es ist ja furchtbar, wie viel ich mit den HĂ€nden rumfuchtle beim Sprechen! =o
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10 VerrĂŒckte wenig bekannte Regeln des Lebens der Mormonen
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