Westlich Kataminalkars
Der Flankenangriff sollte jetzt jeden Moment zwischen den Hügeln auftauchen! Memberee wirbelte herum, die zwei Naga die auf Rhazhul eindrangen mit einem Streich in den Staub schickend. Das Klirren von Metall auf Metall klingelte in ihren Ohren, während sie ihren Dolch mit einem knirschenden Geräusch durch die beschuppte Brust eines weiteren Schlangenwesens trieb. Die Bestie zischte erbost und schnappte nach ihrem Gesicht, aber es war die kraftlose Bewegung eines bereits gefallenen Feindes. Sie versuchte den Überblick über das Schlachtfeld zu behalten aber ihr blieb kaum Zeit dazu, für jede gefällte Kreatur schienen zwei neue auf sie aufmerksam zu werden und sie konnte aus den Augenwinkeln erkennen mit welch zermürbender Geschwindigkeit sich weitere Naga aus dem Sumpf vor ihnen ergossen. Vor ihren Augen hob plötzlich einer der Zwillinge verblüfft die Hand an den Hals, ehe mit grausamer Endgültigkeit Blut in einem hellen Strom zwischen seinen behandschuhten Fingern hervorschoss. Ihr blieb kaum Zeit zu fluchen, ehe die nächste Kreatur sich mit einem Ausfallstoß auf sie stürzte. Es sind so viele! Noch hielten sie stand, aber die Schmiede brannte inzwischen gleich einem Signalfeuer für die wenigen Feinde, denen der Kampflärm vielleicht entgangen war. Es geht alles zum Teufel. Sie kniff die Augen zusammen ehe sie sich mit der Wut einer Verzweifelten auf die zwei Naga stürzte die jetzt versuchten sie in die Zange zu nehmen. Mit einem Satz war sie im Rücken des Einen und jagte ihre Klingen in sein Genick... und strauchelte. Ein triumphierendes Fauchen drang an ihr Ohr, zwei stolpernde Schritte ehe sie herumfuhr und die zweite Beste auf sie zupreschen sah. Sie rechnete mit einem Biss oder einem klauenbewehrten Hieb, aber statt zum Angriff überzugehen legte das Wesen noch an Geschwindigkeit zu - und rammte sie mit voller Wucht, sie konnte spüren wie die krallenbewehrten Klauen sie unter den Armen packten und sie den Boden unter den Füßen verlor. Einen Atemzug später segelte sie durch die Luft, scheinbar schwerelos blickte sie auf ihren reglosen Angreifer, der sich schnell von ihr entfernte. Im Hintergrund leckten gelbe Flammen aus dem Dach der Schmiede die heute Nacht ihr Unterschlupf gewesen war. Mit einem Mal wurde ihr schwarz vor Augen, ein Scheppern, sie flog, fiel immer noch. Einen Augenblick bevor sie die Wasseroberfläche erreichte kam die plötzliche Erkenntnis: Der Brunnen. Obwohl das knietiefe Wasser dem Sturz die brutalste Wucht nahm, trieb der Aufprall ihr die Luft aus den Lungen. Noch spürte sie keinen Schmerz, bunte Sterne tanzten vor ihren Augen und als sie versuchte sich zu bewegen konnte sie es nicht. Brackiges Wasser drang durch ihre Rüstung, während ihr Herz jagte, als würde es jeden Moment platzen. Ihr war schwindlig und als sie nun mit zitternden Fingern Halt suchte, glitten ihre Finger am rutschigen Gestein ab und sie kippte zur Seite. Als das Wasser über ihrem Kopf zusammenschlug, kam auf einmal der Schmerz, ein grausamer Blitz jagte durch ihre Wirbelsäule und sie schnappte nach Luft um zu schreien, Wasser in ihrem Mund, Wasser in ihrer Brust, sie zuckte, brachte irgendwie den Kopf über Wasser und fing an zu husten, dass es sie nur so schüttelte. Wellen von Schmerz brandeten durch ihren Körper, aber irgendwann bekam sie wieder Luft und die Panik schrumpfte auf ein kontrollierbares Maß. Mittlerweile hatten ihre Augen sich an das Halbdunkel gewohnt und nach einer kurzen Atempause wappnete sie sich gegen den lauernden Schmerz und wagte einen Blick nach oben. Die helle Öffnung über ihr schien so unrealistisch weit entfernt, dass sie kaum verstehen konnte warum sie noch am Leben war. Zumindest was den Sturz anging hatte sie großes Glück gehabt. Das stark gedämpfte Klirren von Metall hallte von dort oben zu ihr herab. Verflucht. Während sie sich mit zusammengebissenen Zähnen in eine Position zu bringen versuchte, in der sie eine Zeit lang ohne Kraftanstrengung ausharren konnte, überdachte Memberee ihre Lage. Noch immer war ihr Verstand aufgekratzt und ihr Herz schlug nach wie vor zu schnell, aber die Stille hier unten, nur vom Schwappen des Wassers begleitet, half ihr, ihre Gedanken zu ordnen. An einen Aufstieg war nicht zu denken, geschweige denn daran, auf den Kampf dort oben noch irgendeinen weiteren Einfluss zu nehmen. Ihre Situation, so düster sie auch sein mochte, erschien ihr relativ einfach. Irgendwann würde der Kampf dort oben zu Ende sein. Und dann würde entweder ein freundliches Gesicht am Rand des Brunnens auftauchen... oder eine geschuppte Abscheulichkeit mit spitzen Zähnen und einer gespaltenen Zunge. Sie keuchte leise und schwieg dann, während in ihrem Inneren langsam die Angst aus ihrem Versteck kroch. Nach oben zu sehen schmerzte ihr in den Augen, also wandte sie den Blick ins Leere und lauschte den gedämpften Kampfschreien und dem Scheppern von Rüstungen. Dann wartete sie.












