Gorki Theater: Hamlet
Ich muss ehrlich gestehen: bisher hatte ich den Hamlet nie gesehen. Es ist wohl das bekannteste von Shakespeares Stücken und ich wollte mich schon länger damit beschäftigen, nur war es mir eben auch wichtig, über eine praktische Inszenierung an das Stück heranzugehen.
Die Version des Gorki Theaters in der Regie von Christian Weise benutzt einerseits stark verfremdende Elemente und gleichzeitig wird genau dadurch eine Nähe zum Publikum aufgebaut, diese braucht dieses Stück auch, um gute Vierhundert Jahre nach der Uraufführung noch wirken zu können (das Problem wäre hier nicht das Stück selbst, sondern die vielen Eindrücke über Hamlet, die durch verschiedene Medien vorweggenommen werden).
Die Inszenierung wird weniger vor dem Publikum gespielt als mit der Live-Kamera auf der Bühne (aber hinter einer Kulissenwand) gefilmt und dann auf ebendiese Kulissenwand projiziert. Das ganze Filmprozedere wird offen gemacht. Bei Brüchen der vierten Wand ruft besonders die Hauptdarstellerin öfter mal „cut“ und wiederholt eine Szene, oder fällt aus der Rolle, lässt ein Filmteam (gleichzeitig Rosencrantz und Guildenstern) auf Hamlets Schwert schwören. Abseits der Rolle des Hamlet driftet Svenja Liesau ins derbe Berlinerische ab und spricht über Rolle und Stück oder macht eine Kaffepause auf der Bühne.
Auch der Artstyle des Stücks bietet eine verfremdende Perspektive. Die Filmkulissen sind gemalt wie frühen expressionistischen Filmen, dazu kommt ein Comichaften Stil in Kostüm und Perücken, welche nicht aus Haar sondern Wollfäden bestehen, dadurch wirken die Spieler:innen wie Puppen mit denen eine Geschichte erzählt wird.
Nur das Ummünzen zur West-Ost Geschichte hätte es für mich hier nicht gebraucht, ich kann verstehen, dass das Thema in Berlin im Alltag viel auftaucht, aber ich frage mich, ob sich die Diskussion dort nicht weiterentwickelt. Der Charakter Claudius erklärt er sei Kommunist und hätte Hamlets Vater nur getötet, weil dieser Kapitalist gewesen sei und eigentlich sei er der bessere Herrscher. An dieser Stelle wirkt das ganze recht aufgesetzt und hat wenig Einfluss auf das Geschehen und dadurch wenig eigene Aussage. Sonst gefällt mir die Inszenierung ausgesprochen gut, gerade auch indem sie eben durch die und nicht trotz der Verfremdungen die komplizierte und oft persiflierte Erzählung von Hamlet sehr nah rüberbringt.













