Tag 3388 / Vielleicht ist das auch Trauer, die sich nicht äußert in Tränen
Die sich äußert in Schwere, in Langsamkeit, in Unfähigkeit, manche Dinge aufzuräumen, manche Dinge anzugehen. Das ist Schwere, die über diese Versuche fällt, über die Euphorie, die da noch da war. Ich hab das jetzt verloren. Die Hoffnung, ich hab die Hoffnung verloren. Ich hab auch die Zuversicht verloren. Ich denke im Moment nicht, dass ich das alleine schaffe. Ich hab das zwei Jahre lang gedacht, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber jetzt gerade, jetzt gerade denke ich, ich möchte das nicht alleine. Jetzt gerade denke ich manchmal: Das war’s jetzt. Es gibt zwölf Schritte und zwölf Traditionen und du hattest zwölf Versuche. Und vielleicht passiert es irgendwann, wenn ich 52 bin und gar nicht daran denke, wenn ich mit jemandem schlafe, meinem Freund, meinem Mann - ich hab das da schon längst abgehakt, vergessen. Wenn ich Gott wäre, dann würde ich das auch nicht so für mich wollen. Das mag für andere funktionieren. Aber das ist doch keine schöne Methode. Ich fliege nach Portugal und werde schwanger. Das wäre schön, wenn es nicht so klinisch ist, so künstlich, so teuer. Ich darf traurig sein, auch wenn ich gar nicht weine. Mich darf das echt runterziehen, verlangsamen, beschweren. Und da bin ich auch gar nicht frei für Dating. Wie soll ich Sex haben, wenn es nicht darum geht? Ich hab immer schon gehofft, dass es aus Versehen passiert. Ich war da selten ganz frei. Morgen habe ich das ganz wichtige, entscheidende Gespräch; beziehungsweise wurde die Entscheidung schon gefällt; es geht nur noch darum, dass sie mir mitgeteilt wird oder ich irgendwas noch geraderücken kann. Das ist so unangenehm. Es muss mir schon wichtig sein. Ich hab die Chance auf Neuanfang, auf Neuanfang nach meinem Lebensmuster.










