Namibia
Sonntag: Am Flughafen trafen wir (zwei Freunde, eine Mitbewohnerin und ich, alles Frauen! Wird später noch wichtig) uns, um das Leihauto abzuholen. Anschließend holten wir das Gepäck ab und schon ging es los nach Namibia! Die Landschaft wechselte während der Fahrt immer wieder. Von grün, zu kargem grau und schließlich gelb.
Die letzte Landschaft vor der Grenze wirkte irgendwie unwirklich, wie eine Theaterkulisse. An der Grenze angekommen, mussten wir insgesamt an vier verschiedenen Stellen halten, um Dokumente vorzuzeigen oder Formulare auszufüllen. Natürlich wurden wir auch gleich als Touristen erkannt, da wir nicht wussten an welchem Stopp-Schild wir halten und auf welchen Parkplatz wir fahren sollten.
Nachdem wir noch darauf hingewiesen wurden, unser Licht anzuschalten, hatten wir endlich wieder freie Fahrt und genossen die kurvige Straße in einem ehemaligen Flussbett nach Stunden gerader Straße. Es gibt nämlich von Kapstadt eine Straße, die direkt nach Namibia gerade nach Norden führt und nur bei einem Pass nicht gerade verläuft.
Kurz vor unserem Camp für die erste Nacht tauchten vor uns starke Bodenwellen auf, welchen die jeweils nächsten Bodenwellen überdeckten. Es fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt. Unser Stellplatz im Camp war umgeben von Schilfrohr und wir hatten sowohl ein eigenes Waschbecken, als auch eine Steckdose mit Unterstellbereich.
In der Nacht regnete es immer wieder leicht, doch zu unserem Erstaunen war es relativ warm.
Montag: Am nächsten Tag fuhren wir durch weite orange-rote Landschaft. Umgeben von Bergen mit ganz unterschiedlichen Strukturen und Lichtverhältnissen, schauten wir uns immer wieder staunend um.
Später passierten wir Weinfarmen, was in dieser trockenen Landschaft ein skurriles Phänomen bezüglich des Wasserverbrauches war. Hinter den kilometerlangen Weinfeldern tauchten aus Stroh gebaute kleine Hütten auf. Ein Township der anderen Art. Anbei gab eine kleine Mall, in der wir uns mit Lebensmitteln versorgten. Die Gegend wirkte wie eine Oase in der sonst menschenleeren Umgebung.
In dieser Zeit wurde uns das erste Mal bewusst, wie wichtig Wasser und Benzin in dieser Landschaft sind, denn die beschriebene „vier Kilometer entfernten“(wurde uns als ungefähre Entfernung gesagt)Tankstelle fanden wir nicht.
Auf Empfehlung fuhren wir weiter in Richtung der heißen Quellen (Ai-Ais) und wollten dort im angrenzenden Fish River Canyon wandern gehen. Nach einer Fahrt über die ersten unbefestigten Straßen, umgeben von spannenden Felsformationen kamen wir in ein Tal. Der Beginn des Fish River Canyons. Luxus Camper, ein Pool (von der heißen Quelle gespeist) und ein Restaurant tauchten vor uns auf. Bei der Information wurde uns gesagt, dass es keine Tages-Wanderung im Canyon gäbe, sondern nur die uns bekannte 5-tägige durch den gesamten Canyon. Es wurde uns empfohlen, einfach ein wenig in den Canyon zu laufen und dann wieder zurück zu kommen.
Also entschlossen wir uns, dies zu tun und nach einigem Suchen hatten wir den Eingang in den Canyon auch gefunden. Der Boden war mit scherbenartigen, getrockneten Erdstücken bedeckt. Wie Kinder freuten wir uns, während wir mit lautem Knacken möglichst viele Scherben zertraten.
Später wurden die Scherben zu Rissen im Boden und man sah die Reste des Flusses in Lachen, umschwärmt von vielen Schwalben. In der Ferne konnten wir sogar Springböcke entfliehen sehen und am Rand des Canyons entdeckten wir das Skelett eines solchen. Nach einer kurzen Pause liefen wir wieder zurück, begleitet von einem kleinen grünen Vogel.
Zurück im Camp bestaunten wir die heiße Quelle (65°C) und entschieden uns, anstatt im Swimmingpool zu schwimmen, lieber für einen heißen Kakao.
Auf dem Weg nach Grunau, zu unserer Unterkunft, sahen wir neben der Straße Springböcke, die jedoch auf Grund eines Zaunes auf beiden Seiten der Straße eingesperrt waren. Solche Zäune ziehen sich kilometerlang entlang fast aller Straßen durch ganz Namibia.
Bei der Unterkunft angekommen, stellten wir fest, dass wir statt eines Häusschens einen Camping-Stellplatz gebucht hatten, der eigentlich sogar teurer gewesen wäre (wurde uns erlassen). Mit Zuschlag hätten wir das Häusschen trotzdem noch haben können, aber wir entschieden uns nach langem Überlegen dagegen und zelteten bei Minusgraden draußen.
Dienstag: Gegen 3 Uhr morgens wachten wir auf und dachten schon daran, einzupacken und loszufahren, schliefen dann aber glücklicherweise wieder ein. Vor Sonnenaufgang wachten wir dann doch endgültig auf und eine Freundin und ich begaben uns zum östlichsten Punkt des Geländes, um auf den Sonnenaufgang zu warten. Während wir gemeinsam Kanonen sangen und ich frierend umher stapfte, erschien langsam hinter den Bergen der glühende Sonnenball und seine Sonnenstrahlen begannen uns aufzutauen.
Mit dem Auto fuhren wir später zu einer Aussichtsplattform,von welcher aus man über einen Großteil des Canyons schauen konnte. Mit ca. 90% anderen Deutschen genossen wir die Sicht über den zweitgrößten Canyon mit seinem nicht ganz so roten Gestein.
Im Anschluss besuchten wir noch die Toilette mit dem wahrscheinlich beeindruckendsten Blick und liefen am Rand des Canyons ein Stück in eine Richtung. Als wir in Richtung der anderen Seite fuhren und für den Ausblick kurz ausstiegen, holte ein Mann seine Hang Drum heraus und spielte. Ein schöner Anblick. Jedoch wurde er prompt von mehreren Personen um Bilder gebeten und so hörte er bald auf zu spielen.
Auf dem weiteren Weg nach Lüderitz kreuzte ein Straußenpaar rennend unseren Weg und wir passierten einen Zugübergang. Zwei sehr besondere Dinge auf einer sonst so gleichbleibenden Strecke.
Als wir mitten im Nichts ein Schild sahen, welches u.a. für Apfelstrudel warb, packte uns die Neugierde und wir legten eine kurze Pause auf einer kreativ gestalteten Farm ein. „Aus alt mach' Deko“ war das Motto. Alte Utensilien waren teils lustig drapiert worden oder standen Dekorativ im Beet. Es gab sogar kleine Vögel in einem Käfig und zwei ausgestopfte Krokodile, die wir kurz für echt hielten.
Der Apfelstrudel war eher ein Apple Crumble mit getrockneten Früchten, aber nachdem wir an den Tagen vorher meist nur Brote mit Peanutbutter oder Käse gegessen hatten, freuten wir uns über die Abwechslung. Die Hausmutter war super gastfreundlich und gab uns für die Weiterfahrt noch Tipps.
Auf der weiteren 4-stündigen Fahrt wurde die Landschaft zunehmend wüstenähnlich.
In Lüderitz amgekommen, mussten wir feststellen, dass die angegebene Adresse des AirBnBs nicht stimmte. Deshalb fragten wir in der angegebenen Straße den Sicherheitsdienst. Dieser beschrieb uns daraufhin ein Haus in der Gegend, bei welchem es sich jedoch nicht um das AirBnB handelte.
Als wir erneut fragend vor dem Sicherheitsdienst standen, wurden wir auf einen Mann aus der Nachbarschaft verwiesen, welcher uns wiederum zu einer dritten Person schickte. Der dritten Person durften wir dann mit dem Auto folgen und fuhren über einige Umwege in einen außerhalb liegenden Bezirk. Dort trafen wir auf den Inhaber des AirBnB, der scheinbar auch einen anderen Namen hatte, als angegeben. Er meinte, er müsse noch jemanden abholen und würde dann nachkommen. Also warteten wir im Auto vor dem AirBnB.
Als er schließlich kam, gab es natürlich noch ein Problem mit dem Preis (wurde im Internet falsch angegeben), aber für uns machte er eine Ausnahme (nicht die erste und nicht die letzte), nachdem er eine Mitreisende beschuldigt hatte, an der missglückten Kommunikation Schuld zu sein.
Für den nächsten Tag erklärte er uns noch, wo man eine Sim-Karte kaufen konnte, denn wir wollten für die nächsten AirBnBs erreichbar sein. Erschöpft und müde sanken wir schließlich in die weichen Betten. Freuten uns vorher, aber noch über die deutsche Spülung an der Toilette und das Wlan.
Mittwoch: Am nächsten Morgen standen wir relativ früh auf, um noch eine Sim-Karte zu besorgen. Dabei wurden wir von einem zum nächsten Anbieter geschickt, weil immer der andere um die Ecke das bessere Angebot haben sollte. Genau das Gegenteil zu deutschen Läden, in welchen man möglichst lange hingehalten wird.
Lüderitz selbst stellte sich bei Tageslicht, als eine Stadt mit vielen bunten Häusern und einigen geteerten Straßen heraus, die sehr hübsch am Wasser lag.
Nachdem wir unsere Besorgungen gemacht hatten, fuhren wir ein Stück aus der Stadt heraus, zu einer ehemaligen Diamanten Stadt der Deutschen in der Wüste. Trotz des deutschsprachigen Angebots nahmen wir etwas verspätet an der englischen Führung durch den Ort teil. Diese war sehr interessant, jedoch fand ich den Fakt, dass die Arbeiter schlecht behandelt wurden, nicht genügend hervorgehoben.
Nach der Führung durfte man sich alles noch genauer selbst anschauen, was wir mit Freude taten. Einige der Gebäude waren voller Sand und nur dadurch noch nicht eingestürzt, andere waren teilweise von Sanddünen bedeckt und wiederum andere komplett freigeräumt worden.
Auf unserer Weiterfahrt nach Sessriem sahen wir eine Gruppe von Wüstenfüchsen, die verzweifelt versuchten, ein Schlupfloch im Zaun zu finden, während sie zwischen den zwei, die Straße begrenzenden, Zäunen entlang rannten. Während wir fuhren wurde die Straße unerwartet schlecht und wir kamen entsprechend langsam voran. Mit der kommenden Dämmerung wurde die Stimmung im Auto zunehmend schlechter und obwohl wir einen wunderschönen Sonnenuntergang hinter einer schwarze Bergkette beobachten konnten, blieb die Stimmung schlecht. Wir wussten nämlich, dass vom Fahren im Dunkeln aufgrund der Wildtiere abgeraten wird. Trotzdem fuhren wir die letzten Kilometer im Dunkeln und begegneten auch prompt einer Gruppe von Oryxen, die glücklicherweise nicht aggressiv reagierten (kann durch das helle Licht der Scheinwerfer passieren).
Am Camp angekommen gab es natürlich wieder Probleme mit der Buchung, denn mein Name stand nicht auf der Liste am Eingang. Wir überlegten, ob wir wildcampen sollten, aber intelligenterweise entschieden wir uns dagegen und beschlossen doch den überteuerten Preis zu bezahlen. Der uns anschließend zugewiesene Baum war schon belegt und zwar von einer deutschsprachigen Familie, die uns aber gerne ihr Licht am Baum mitbenutzen ließen. Ihnen wurde vorher ebenfalls ein bereits belegter Stellplatz zugewiesen.
Nach einigem kämpfen mit der Stabilität des Campingkochers und dem Wind hatten wir es dann geschafft, matschige Nudel zu kochen und konnten bei einem wunderschönen Sternenhimmel das Abendessen genießen
Donnerstag: Nach einer verhältnismäßig warmen Nacht konnten wir morgens einen beeindruckenden Sonnenaufgang beobachten. An der Rezeption schafften wir es sogar noch, einen billigeren Preis für die überteuerte Nacht auszuhandeln. Im Auto frühstückend, fuhren wir dann hinter einer langen Kolonne aus Autos her, zur berühmten Düne 45.
Leider hatten wir vorher nicht gewusst, dass wir auch schon vor der offiziellen Toröffnung wegen der Lage des Campingplatzes hätten fahren können. Also fuhren wir mit den anderen 50 Touris zur Düne und erstiegen diese auch mit ihnen. Stau auf der Düne 45, wäre die Meldung im Radio gewesen.
Die kühle Morgenluft erleichterte den doch recht steilen Aufstieg und der Ausblick entschädigte die Menschenmassen. Man hatte einen weiten Blick in beide Richtungen über das Tal, welches von Dünen eingerahmt wurde. Nach einiger Zeit zog ich meine Schuhe aus, was aufgrund der Skorpione nicht nachgemacht werden sollte.
Oben angekommen genossen wir den Blick und beobachteten die Menschen, die die Düne herunterrannten. Selbiges taten wir später auch, teils rennend, teils rollend. Dabei ging leider die Kamera einer Freundin verloren.
Nächster Ziel war der Big Daddy (höchste Düne Afrikas) und die angrenzende Salzpfanne. Mit einem Jeep wurde man vom Parkplatz abgeholt und durch das sandige, hügelige Gelände gefahren, was einen Heidenspaß machte.
Am Big Daddy angekommen realisierten wir, dass die Düne 45 nichts besonderes gewesen war. Wir ärgerten uns ein wenig, dass wir nicht genügend Zeit hatten, die mehrstündige Wanderung auf die Düne zu machen und liefen direkt zur ebenfalls überlaufenen Salzpfanne.
Die Salzpfanne war eine trauriger und zugleich faszinierender Anblick. Der Boden war komplett weiß und ausgetrocknet, mit Rissen übersät. Zwischendurch ragten immer wieder tote und vertrocknete Baumreste aus dem Boden. Wir knipsten fleißig, immer darauf bedacht, möglichst wenige andere Touristen auf dem Bild zu haben.
Aus der Rückfahrt zum Auto saßen wir wieder mit genau den selben Leuten im Jeep und erfuhren von einem, dass sie Düne 45 deshalb so bekannt ist, weil sie am einfachsten zu fotografieren und genau 45 km vom Camp entfernt ist. Wieder am Camp angekommen, holten wir uns noch nachträglich die Aufenthaltsgenehmigung und ich gönnte mir das erste Eis dieser Reise.
Auf der Weiterfahrt nach Swakopmund war die Stimmung gut, trotz einer nicht so guten Strecke. Als die Sonne langsam anfing unterzugehen, hörten wir recht leise ein komisches Geräusch und hielten sofort an, um das Auto zu untersuchen. Eine Mitreisende stieg aus und blieb entsetzt vor einem der Reifen stehen. Dieser war völlig zerfetzt und die Felge verbogen. Es gab quasi mehr Loch, als Reifen. Wir bekamen einen größeren Schreck und begannen mitten im Nichts den Kofferraum auszuräumen, um an das Ersatzrad zu kommen. Als ein Auto eigentlich schon an uns vorbeigefahren war, kam es nochmal zurück und zwei Männer stiegen aus. Der eine half uns ohne zu Fragen sofort mit dem Reifen und der andere unterhielt uns. Er hatte vor kurzem seinen Laptop auf der Fahrt verloren. So konnte die Fahrt nach kurzer Zeit weitergehen.
Als es dann dunkel geworden war, wurde die Straße plötzlich richtig gut und wir überholten unsere Helfer in ihrem Geländewagen sogar.
In Swakopmund waren wir alle ein wenig von der städtischen Atmosphäre überfordert und unsere Fahrerin fuhr prompt über rot. Unsere Helfer hatten uns mittlerweile wieder eingeholt und wir winkten ihnen ein letztes Mal zu.
Das Navi führte uns dann in einen modernen, hochgesicherten Ortsteil. Per Telefon erreichten wir den AirBnB Vermieter nicht und so suchten wir nur anhand der hochgeladenen Bilder das Haus. Das lief ungefähr so ab: „Auf der Rückseite müsste ein Flachdach sein...... ah ja hier....nein, das Gitter vor der Tür hat aber Querstreifen nicht Längsstreifen. Aber das muss es sein“. Als wir riefen öffnete uns glücklicherweise eine Frau und meinte, sie würde den Vermieter holen. Wir erwarteten einen älteren Mann und mein Freundin wollte ihm sogleich mitteilen, dass sie sein Verhalten (nicht erreichbar zu sein) nicht sehr höflich fand. Als dann aber ein gefühlt 15jähriger vor uns stand, blieb ihr die Kritik im Hals stecken. Wie wir später herausfanden, war er 19. Er entschuldigte sich dafür, dass er verschlafen hatte und wir waren froh, endlich angekommen zu sein.
Von der lieben Frau, die uns geöffnet hatten, wurde uns im Anschluss das Haus mit drei Toiletten und sehr gemütlichen Betten gezeigt und wir erhielten noch Tipps für den nächsten Tag.
Freitag: Als wir am nächsten Tag im Internet nichts in den AGBs der Vermietung zu den Reifen fanden, die Vermietung in Kapstadt nicht erreichten und entdeckten, dass unter dem Auto ein Plastikteil herunterhing, stieg das Stresslevel. Wir beschlossen erst einmal einzukaufen, wobei ich ein kurzes Gespräch mit einer tauben Verkäuferin führte, die auch Dreads hatte.
Anschließend fuhren wir wieder zu unserer Unterkunft und wollten dort ein anderes Telefon benutzen.Von der netten Vermieterin erfuhren wir jedoch, dass die Festnetzverbindung nach Südafrika im ganzen Land gekappt wurde und wir deshalb niemanden erreichten. Nach diesem Gespräch interessiert ich mich sehr für die Sprache, die man aus dem Radio der Putzfrau hörte und so lernte ich den vierten Klicklaut kennen.
Der Vater meiner Freundin kam schließlich auf die Idee, bei der selben Vermietung in Namibia anzurufen. Dort erreichten wir jemanden und konnten wenig später zum Büro des Vermieters fahren. Glücklicherweise handelte es sich bei dem herabhängenden Plastikteil nur um einen Lärmschutz, der sogleich von dem Angestellten der Vermietung entfernt wurde. Des Weiteren wurden wir zu einer Autowerkstatt geschickt. Dort wurde das Rad von einem lustigen Kerl begutachtet, der uns versicherte, er habe schon schlimmer zugerichtete Felgen gesehen. Er ließ die Felge vom Reifen trennen und meinte, wir bräuchten ein neues Ersatzrad.
Bis selbiges besorgt war, fuhren wir noch an den Pier und wurden von der salzigen Gischt begrüßt. Als wir zurück zum Auto laufen wollten, wurden wir von drei Männern angequatscht, die uns geschnitzte Anhänger aus einer Art Nuss verkaufen wollten. Sie fragten uns nach unserer Namen und schnitzten diesen schon mal vorsichtshalber mit einer beeindruckenden Handfertigkeit in die Nuss. Dann gaben sie uns den Anhänger und wollten, dass wir bezahlten. Natürlich wollten sie dafür viel zu viel Geld haben und nahmen die Nuss auch nicht mehr zurück, als wir nicht zahlen wollten. Irgendwann reichte es mir und ich steckte dem einen die Nuss zurück in die Tasche und ging.
Kurz darauf hatte ich den nächsten an der Backe, der mir seinen Anhänger für viel weniger verkaufen wollte. Nachdem ich „nein“ gesagt hatte und er das nicht akzeptierte, lief ich, ihn ignorierend einfach weiter und machte mit meiner Freundin einen „Spaziergang“ am Meer. Er lief uns die ganze Zeit hinterher und bezeichnete mich als „Miss“. Erst als er mich an der Schulter berührte und ich seine Hand wegschlug, ließ er von uns ab.
Die anderen hatten währenddessen den Preis der anderen Anhänger heruntergehandelt und sogar meinen dazubekommen. Leider war es das noch nicht mit den Händlern. Als nächstes sprach uns ein angeblicher Kunstlehrer und Tänzer (er demonstrierte sogleich einige alberne Moves) an und wollte seine Kunst verkaufen. Wir lehnten ab und das reichte tatsächlich, um ihn loszuwerden.
In einem deutschen Café bestellten wir später nicht besonders leckeren Apfelstrudel, beziehungsweise Käsekuchen (den aß natürlich ich). Generell sah man in Swakopmund viel zu viele deutsche Schilder und hörte immer wieder Leute Deutsch reden.
Ich machte, während die anderen noch aßen einen kleinen Abstecher und versteckte eine Gewürzflasche mit einem kurzen Brief für einen Freund, der bald nach Swakopmund kommen wollte.
Als der Reifen da war, fuhren wir zurück zur Werkstatt und der lustige Kerl prüfte noch einmal die Schrauben an der Felge. Dabei fiel er, wie er sagte, glücklicherweise nicht peinlich um, wie ihm das wohl schon passiert war. In einem Supermarkt kauften wir noch Namibischen Pap und fuhren daraufhin zum Sonnenuntergang nach Wallis Bay. Kurz beobachteten wir bei kaltem Wind die im Wasser stolzierende Flamingos vor der untergehenden Sonne. Dann fuhren wir nach Hause und kochten ein leckeres Abendessen.
Samstag: Morgens fragten wir den Vermieter, ob wir bei der Farm seiner Eltern übernachten könnten, da er selbige am Vortag erwähnt hatte und sie scheinbar auf unserem Weg zum Etosha lag (wir hatten für diese Nacht nämlich noch keine Übernachtung). Auf gut geteerten Straßen ging es also schnell in Richtung Etosha. Unser Weg führte uns durch viele kleine Orte.
Am angegebenen Standort des Vermieters fanden wir uns vor einem Fabrikgebäude wieder und kontaktierten ihn, um den genauen Standort zu erfragen. Es stellte sich heraus, dass die Farm 60 km von uns entfernt war. Das war uns zu weit und so lehnten wir dankend ab. Wir riefen deshalb stattdessen bei einem Campingplatz kurz vor dem Etosha an und bekamen ohne Probleme einen Stellplatz für die Zelte.
Kurz vor dem Camp sahen wir Geparden an einem hohen Zaun auf und ab laufen und auf dem Gelände gab es mehrere Gehege, u.a eines mit einem Schakal.
Nach unserer Ankunft kühlten wir uns erst einmal in einem schicken Pool ab. Als ich später auf dem Weg zur Rezeption war, um Feuerholz für den Braii zu kaufen, hatte ich eine besondere Begegnung. Vor dem Tor des Camps, einige Meter von mir entfernt, stand eine große Eland-Antilope. Sie war eine beeindruckende Erscheinung. Zum Sonnenuntergang, von einem Hochsitz aus, konnten wir sie dann sogar aus einem präparierten Kübel trinken sehen.
Nach einer kurzen Unterhaltung mit einem Ranger, grillten wir dann endlich.
Die Nacht war klar und man hörte aus der Umgebung Schreie und das Brüllen von Wildtieren, es wirkte fast wie eine Unterhaltung.
Sonntag: Wir standen an diesem Morgen extra früh auf, um bei Sonnenaufgang schon im Etosha zu sein, da zu dieser Zeit die Tiere besonders aktiv sind. Das Gate wurde aber leider erst eine halbe Stunde später als gedacht geöffnet und so verpassten wir den Sonnenaufgang.
Beim Hauptcamp des National Parks erhielten wir von einer sehr unfreundlichen Frau die Permission. Im Anschluss fuhren wir in den National Park hinein. Weil wir aber vergessen hatten zu tanken, mussten wir noch einmal zurück fahren. Zu unserem Glück, denn als wir die selbe Strecke noch einmal entlang fuhren, sahen wir in nächster Nähe Löwen im Gras liegen. Einer der Löwen stand auf und lief direkt auf das Auto zu. Kurz bevor er an dem Auto vorbei gelaufen war, wenige Zentimeter trennten uns, drehte er seinen Kopf und blickte mir/einer Freundin direkt in die Augen (wir streiten uns bis heute, wem er in die Augen sah). Sein Blick war durchdringend und angsteinflößend und in diesem Moment wusste ich, warum er auch der König der Tiere genannt wird.
Auf der weiteren Fahrt sahen wir Elefanten, Giraffen, Zebras und viele Tiere mehr. Teilweise mussten wir lange suchen, um irgend ein Tier zu sehen, aber im Großen und Ganzen hatten wir ziemliches Glück. Selbst ein kleiner Vogel war für uns ein Triumph, da wir ihn nach der Sichtung anhand einer gekauften Tier-Übersichtskart identifizieren und abhacken konnten.
Wir fuhren immer wieder verschiedene Wasserlöcher an und sahen die unterschiedlichsten Hinterlassenschaften. Zum Rasten gab es in dem Park übrigens abgesperrte Bereiche, in denen man aussteigen konnte.
Am Abend saßen wir noch auf einem Felsen, an einem zum Campingplatz gehörenden, künstlichen, mit Scheinwerfer beleuchtetem Wasserloch. Zuerst scharrten sich riesige Mengen an Vögeln um die Wasserquelle, welche alle gleichzeitig zwitscherten, dann tauchten Hyänen auf und schließlich Elefanten. Der eine Elefant stand sicherlich über eine halbe Stunde an der Wasserstelle und saugte immer wieder Unmengen an Wasser in seinen Rüssel. Während wir die Tiere beobachteten, herrschte eine gespannte Stille, die von Tierlauten immer wieder durchbrochen wurde. Es war unglaublich schön und beeindruckend.
Montag: Wir frühstückten an der Wasserstelle, konnten aber leider trotz Sonnenaufgang keine Tiere beobachten. Das Wasserloch lag still und glatt da und wurde langsam in das Licht der Morgensonne getaucht.
Weiter ging es für uns im Etosha in Richtung Norden, vorbei an vielen Wasserlöchern, wobei die natürlichen häufig ausgetrocknet waren. Schließlich erreichten wir die Etosha Pfanne. Früher war die Pfanne mit Wasser gefüllt, doch heute ist dort nur noch weiße, vertrocknete Erde.
Als wir aus dem Ost Gate des Etoshas fuhren, führte uns der Weg das erste Mal nicht weiter in den Norden, sondern zurück in den Süden, nach Windhoek.
Auf der Fahrt dorthin, mussten wir drei Polizeikontrollen über uns ergehen lassen. Grund dafür war eine Verschärfung der Sicherheitskontrollen aufgrund steigender Kriminalität.
In Windhoek angekommen, waren wir erstaunt wie groß die Stadt im Vergleich doch war. Unser Navi leitete uns anschließend zur Unterkunft in eine Township ähnliche Gegend. Daraufhin riefen wir das AirBnB an und erfuhren, dass es tatsächlich am Rande eines Townships lag.
Dort angekommen begrüßte uns eine sehr nette Frau und erklärte uns, dass sie nur noch einen Raum mit einem Doppelbett für uns hätte. Gebucht waren von uns jedoch eigentlich zwei Räume. Es stellte sich dann später heraus, dass die Buchung von einer Frau ausgeführt wurde, die mittlerweile gar nicht mehr dort arbeitete und erst kurz vor unserer Ankunft wegen des Anrufs das Zimmer für uns reserviert hatte. Die Chefin des AirBnBs war glücklicherweise sehr kulant und meinte, wir würden das Geld für das zweite Zimmer selbstverständlich wieder bekommen. Wir beschlossen also für diese Nacht, zusätzlich eine Lustmatratze auf den Boden zu legen und in einem Raum zu schlafen. Am nächsten Tag wollten wir eine andere Unterkunft suchen.
Dienstag: Am nächsten Morgen lernten wir bei einem leckeren Frühstück mit Ei und Jogurt den sehr netten Chef der Unterkunft kennen. Im Anschluss überlegten wir, ob wir nicht doch eine weitere Nacht hier verbringen sollten, da sich herausstellte, das ein anderes Zimmer frei geworden war. Außerdem wurde uns netterweise angeboten, dass wir nichts zusätzlich für das weitere Zimmer bezahlen müssten. Wir blieben also.
Für den Tag hatten wir uns vorgenommen, Windhoek zu besichtigen. Unser erster Stopp war der Craft Market. Dort verkauften traditionell angezogene Himba Frauen Schmuck und Handwerkskunst. Wenn wir einmal vor einem Stand mit Armbändern stehen blieben, stürzten sich die Frauen auf unsere Arme und befestigten dort mehrere Armbänder auf einmal. Parallel boten sie uns weitere Armbänder an. Zuerst war ich etwas überfordert mit der Situation, aber dann begann ich ganz nett mit einigen Frauen zu plaudern und durfte mich sogar hinten in ihren Stand setzten. Sogleich bekam ich das dort liegende Baby in die Hand gedrückt. Als meine Mitreisenden auch den Stand erreichten, ging die Verkaufsstimmung jedoch wieder los.
Nach dieser Erfahrung fuhren wir zu einer Schule, bei welcher ein Freund einer Mitreisenden seinen Freiwilligendienst absolvierte. Die Schule hatte einen großen Außenbereich und war bunt gestrichen.
Wie wir dort erfuhren, hatten wir zuvor den Market mit dem Craft Center verwechselt und beschlossen, diesen noch zu besuchen. Dort fanden wir typische Souvenirgeschäfte vor, aber auch einen Diamanten Laden, in welchem wir eine außerordentlich spannende Privatführung machen durften. Die dort arbeitende Verkäuferin beantwortete unsere vielen Fragen zum Thema Schliff, Reinheit und Herkunft der Diamanten. Eine kurze Shopping Pause erfolgte in einem Musik Café. Umringt von Deutschsprechenden.
Als nächstes wollten wir etwas über die Geschichte Namibias erfahren und liefen zum Independence Museum, welches sich in einem neuartigen Bauwerk befand. Wir schauten uns die komplette und vor allem kostenlose Ausstellung an, mussten aber feststellen, dass sie nicht sehr gut war. Sehr wenige Texte trugen nicht gerade zum Verständnis bei, Zusammenhänge wurden nicht erklärt und es wurde übertrieben mit emotionalen Bildern gearbeitet. Die Ausstellung war eher verwirrend, als lehrreich.
Im Fahrstuhl des Museums lasen wir für den 5. Stock „close to the public“, also wollten wir uns vergewissern, ob es sich dabei tatsächlich um „closed“ handelte. Als sich die Fahrstuhltüren im 5. Stock öffneten, standen wir vor einem Polizisten, der sofort meinte, wir könnten uns ruhig umschauen. Wir schauten uns also um und sahen trocknende Hosen im Innenhof und ein Büro in dem eine behausschuhte Polizistin arbeitete. Der Polizist fing nach unserer Begutachtung ein Gespräch mit uns an und wollte uns in einen Club einladen. Wir konnten leider nur ablehnen, da dies unser letzter Tag in Windhoek war.
Vor der benachbarten Christuskirche, inmitten einer Verkehrsinsel, rief uns ein Mann zu, wir sollten doch die Führung seines „kleinen Kumpels“ (wortwörtlich auf deutsch) ausprobieren. Nachdem wir die teils mit Holz gearbeitete, lichte Kirche mit den bunten Fenstern angeschaut hatten, kam der „kleine Kumpel“ auch schon. Er erzählte uns etwas über die Kirche, namibische Volksgruppen, deren Verteilung in Namibia, die Entwicklung des Landes und über die heutige politische Lage. Er sprach die ganze Zeit mit einem leichten Akzent auf Deutsch. Während seiner Erklärungen lernten wir deutlich mehr, als im Museum zuvor.
Als Abschluss wollten wir den Sonnenuntergang von einem Hügel aus genießen. Deshalb gingen wir vorher kurz einkaufen und fuhren dann auf den im Internet empfohlenen Hügel. Nach der Beschreibung musst man noch kurz ein Stück aufsteigen. Also liefen wir den Weg, der hinter der endenden Straße aufstieg weiter nach oben. Wir passierten dabei ein weißes Auto und sahen auf einer Anhöhe einige Baboons im Tal. Also blieben wir lieber wo wir waren und setzten uns an den Wegesrand. Das Bierchen wurde mit einem Stein elegant geöffnet und wir waren bereit für den Sonnenaufgang. Leider konnte man diesen von dort aus nicht besonders gut sehen. Also liefen wir nach kurzer Zeit wieder hinunter.
Als wir unten angekommen waren, sahen wir auf der anderen Seite einen Weg, der offensichtlicher Weise zu einem Aussichtspunkt führte. Wir beschlossen, diesen noch kurz zu besuchen.
Auf halber Stecke begegneten wir einem Mann in seinem Geländewagen. Er hielt an und warnte uns auf Deutsch, dass dies eine sehr gefährliche Gegend sei, welche er nur mit Waffe betreten würde. Außerdem sei das weiße Auto (welches wir passiert hatten) sehr verdächtig und er müsse jetzt schauen, ob die Menschen in dem Tal dahinter noch lebten. Wir machten schnell kehrt und fuhren zurück.
Das Abendessen verbrachten wir in einem namibischen Restaurant, wo wir viel Spaß mit den Vorspeise-Raupen hatten und damit, kein Besteck benutzen zu müssen.
Mittwoch: Das Frühstück am nächsten Morgen war ebenso gut, wie das am Vortag. Diesmal lernte wir die Chefin persönlich kennen, sie verabschiedete uns super lieb und wenig später waren wir schon auf dem Rückweg nach Südafrika.
Baustellen wechselten sich mit Polizeikontrollen. Bei einer wurden wir angehalten, weil wir 10km/h zu schnell gefahren waren. Als die Polizisten jedoch sahen, dass wir 4 Mädchen ohne männlichen Beistand waren, ließen sie uns weiterfahren. Das nächste Mal wurden wir mit angeblich 50km/h zu schnell geblitzt. Der Preis wäre eigentlich sehr hoch gewesen, aber der Polizist meinte, er würde nur 1500R (95 Euro) verlangen. Wir hatten aber nur 900R in bar mit. Auch mit diesem Preis war er einverstanden, jedoch betonte er, dass er uns dann leider keinen Zettel ausstellen konnte (Zitat des „kleinen Freundes“ in der Kirche: „Es gibt nur 5% korrupte Polizisten“). Was wir für ein Glück hatten, an einen dieser 5% zu gelangen.
Ich bekam während der Fahrt plötzlich starke Magenschmerzen und lief beim Grenzübergang verkrampft hin und her, um die Schmerzen zu ertragen. Zum Glück ging es diesmal schneller mit der Grenz-Prozedur.
In Springbock hatten wir ein Zimmer in einer Unterkunft für Jugendliche mit Problemen gebucht, der Preis wäre natürlich ein anderer gewesen, aber wir mussten dann doch nur für 3 bezahlen, weil es auch nur 3 Betten gab. Ich glaube, dass Namibianer nicht mit der AirBnB App umgehen können.... Ich fiel sofort ins Bett.
Donnerstag: Die Bezahlung der Unterkunft wurde am nächsten Tag zu einem Problem, da der Geldautomat kaputt war und eine Überweisung nicht gewünscht. Also zahlten wir den Betrag im nächsten Ort ein.
Die weitere Rückfahrt nach Stellenbosch verlief ohne Probleme, jedoch hatte ich etwas Zeitdruck, da ich den Leihwagen für einen Freund aus Deutschland holen musste, der an diesem Tag noch am Flughafen ankam. Deshalb holte ich sofort nach unserer Ankunft das Auto und verabschiedete mich anschließend von meinen Mitreisenden, die Zuhause noch Essen aufgeteilt hatten. Dann fuhr ich zum Flughafen, um meinen Freund abzuholen, bracht ihn zu seinem Hotel und schlief selbst in einem etwas entfernten Hostel.
Die Straßensituation und unsere generellen Erfahrungen in Namibia:
nur wenig geteerte Straßen, ansonsten Fahrwege (C,D,F = ganz schlechte Wege)
man schwimmt sehr schnell beim fahren
manchmal sieht man entgegenkommende Fahrzeuge (zu 90% 4x4s), durch deren verursachte Staubwolke wird man halb blind
die Ränder der Straßen meistens mit hunderten Kilometern langen Zäunen begrenzt
man sieht immer wieder Wildtiere oder deren Überreste, sowie Farmen mit Vieh
Windhoek: keine guten Straßenmarkierungen, viele fahren nachts mit Fernlicht
















