Gasse hinter der Spielbank. Okt 2021
Da stehen wahrscheinlich spät in der Nacht die reuigen Sünder an der Hintertür und überlegen sich, ob sie sich in den Kopf schießen oder doch die Nieren ihrer Kinder verkaufen sollen.
Als ich ein kleiner Junge war und mein Gedächtnis noch wie eine Maschine arbeitete, saß in Salzburg für einen ganzen Urlaub ein Croupier der Wiesbadener Spielbank mit uns am Frühstückstisch. Und erzählte durchaus mit Talent launige Geschichtchen über seine Erlebnisse. Herr G. hieß er.
Damals habe ich beschlossen, mich von dieser Art Vergnügen fernzuhalten. Von dieser und – später ergänzt – von allem, was einen physisch um den Schlaf bringt. Wo ich doch sonst jedem idiotischen Genuß gegenüber aufgeschlossen bin und das weit, weit über das vernünftige Maß hinaus. Nichts, was auch nur irgendwie Spaß macht, kann oder konnte ich mit Bedacht genießen. Immer zu viel. Bis die Schleimhäute bluten (nicht die der Nase) oder die Leber Tiergeräusche macht. Aber eben nicht spielen. Wenige Prinzipien für einen erwachsenen Familienvater. Aber die gelten. Außerdem bin ich inzwischen auch sonst zu träge für die meisten Arten von Abenteuer. Ist den ganzen Aufwand nicht mehr wert.
Wäre ich aber ein Spieler, würde ich mich wahrscheinlich doch zu den klassischen Orten der Selbstzerstörung hingezogen fühlen. Wie eben Wiesbaden in meiner Heimat oder ganz große Nummern wie Monte Carlo. Dieses seltsame Kartenhaus da am Potsdamer Platz oder Plastikvogel-Las Vegas wären mir zu profan, um da für immer mein Leben zu pulverisieren. Kostüm und Kulisse müssen schon stimmen. Dazu bin ich einfach zu katholisch.