Urlaub. Jan 2025 Angeblich die beste Pizza der Stadt, die man sich da Drive-In-mäßig besorgen kann, wenn ich den Berliner Zeitungen glauben darf. Immer, wenn ich hinkomme, ist zu. Dafür hat meine Frau eine Woche Urlaub. Das kleine Biest. Mal sehen, wie ich das durchstehe, in meinem Home-Office, mit ihrer Bombenangriff-Disko im Nebenzimmer. Ich wundere mich noch immer. Bevor wir uns kennenlernten hatte ich richtig Angst vor meiner Frau. So, wie andere vorm Staatsexamen. Daß ich ne rote Birne bekomme, bedeutet nix, bei mir, mit meiner nordeuropäischen Pigmentierung, gemacht, um noch im finstersten transsylvanischen Urwald Vitamin D zu produzieren. Aber meine Frau brachte mich auch innerlich aus der Fassung, wenn ich mich an ihrer Bar anstellen mußte, um mir da ein Bier abzuholen, mit Sprachstörungen, zusammenzuckend unter ihren schwarzen Röntgenaugen. Daß sie immer im Schlepptau von zwei Punk-Zwillingen unterwegs war, den K.-Zwillingen, die schon im Alter von 14 Jahren im Koblenzer Nachtleben die Macht übernommen hatten, die es schon als Teenies, noch vor dem Fall der Mauer, bis ins SO36 schafften, mit meiner Frau am Schlagzeug, machte es nicht leichter für mich Einsiedler-Nerd. Wenn diese Frauen zusammenstanden, möglicherweise noch begleitet von meiner heutigen Schwägerin, dann umgab sie ein Raumschiff-Enterprise-Sonnenmagnetismus-Energie-Schutzschirm, der alle Uncoolen vernichtete, die sich zu nah ranwagten. Natürlich hielt ich mich fern. Alle Aufreißertypen der Stadt hatten meine Süße im Fadenkreuz. Ich dagegen brachte es nicht mal fertig, sie mit ihrem Spitznamen anzusprechen wie alle anderen, sondern buchstabierte immer umständlich ihren vollen Taufnamen aus. Am liebsten hätte ich sie damals gesiezt. Mein einziger Vorteil war, daß ich auf meine seltsame Art gut aussah und mir ein gewisser Ruf vorauseilte, der von "auf interessante Art gestört." Und als ich sie das erste Mal küsste, ganz langsam, auf ihren schönen Mund, dachte ich, als sich unsere Lippen wieder voneinander trennten: "Gebt mir einen Suppenteller, irgendeinen Isolator aus Porzellan, damit kein Lichtbogen auf mich überschlägt und mich auf der Stelle umbringt." Das ist alles so lange her, aber mein Auge ruht noch immer mit Wohlgefallen auf dem Gesicht meiner Frau, die mich nie enttäuscht hat und immer zu mir gehalten, egal, was für einen Blödsinn ich angestellt hatte. (Na gut, es gibt zwei Todsünden: Liegefahrrad oder dümmlich Fremdgehen. Dann allerdings würde ich von ihr vernichtet.)














