Wenn wir Wörter sicher und ordentlich in ihrer Heimat festhalten, dann wird die Verhexung, die wir von ihr erleiden, aufhören, und wir werden sie richtig sehen. Aber Wittgenstein erkennt auch, wie leicht das Heimische fremd, der Garten zur Wildnis, seine vertrauten Pfade und Ausblicke zu einem Irrgarten werden können. Es ist nicht so, als ob im Gegenstand eine wirkliche Transformation stattfindet; eher wird derselbe Gegenstand unter zwei verschiedenen Aspekten gesehen: das Heim, in dem man sich zu Hause fühlt, sicher in einer Umgebung, die man 'so gut kennt', und das Heimliche, das, wie uns Wittgensteins Zeitgenosse Sigmund Freud lehrt, Verstohlene, Verborgene und Versteckte. (...) Die Heimat, der Wittgenstein die Sprache wieder zuführen will, so dass sie aufhört, auf unheimliche Weise unsere Intelligenz zu verhexen, hat genau den Charakter des Heims im Freud´schen und deutschen (Doppel-)Sinn: ein Ort von großer Vertrautheit, in dem wir ohne Reflexion wohnen, wo alles 'dem Blick offen steht', der aber zur selben Zeit und am selben Ort unbekannt, unvertraut, sogar Schrecken erregend ist.
Schalkwyk, David (2006): Wittgensteins 'unvollkommener Garten'. Die Leitern und Labyrinthe von Philosophie als Dichtung. In J. Gibson & W. Huemer (Hrsg.): Wittgenstein und die Literatur. S. 96f. Frankfurt am Main: Suhrkamp.












